Hebe nun beim Einatmen Deine Arme und senke Deine Arme mit der Ausatmung. Die dritte Dehnung des Atems passt diesen an die Bewegung (Vinyasa) an. Lasse nun Deine Arme erneut im Schoß liegen, während Dein Atem unverändert weiterfließt. Erlebe die Wirkung des Atems. Über das Dehnen des Atems wird Prāṇa (Energie) aufgenommen. Vielleicht kannst Du dies an der Rückseite der Kehle in Form eines zarten Kribbelns wahrnehmen. Mit zunehmender Praxis wird die Qualität Deines Atems subtiler und Du wirst besser mit der Energie in Kontakt kommen.
Konzentriere Dich nun auf den Umschlagspunkt zwischen Einatmung und Ausatmung. Achte darauf, den Atem hier nicht stocken zu lassen. Behalte Deine Kehle offen. Dies ist die Basis für fortwährenden Energiefluss.
Öffne jetzt langsam wieder Deine Augen und kehre zu einer normalen Atmung zurück.
Du hast nun Ujjayi Prāṇayama (Atmung) erlernt. Sicher wird es noch einiges an Übung bedürfen, bis sich diese Qualität des Atems auch während der körperlichen Praxis einstellt.
Man sagt, dass Yogis mit Ujjayi Atmung Schnee zu schmelzen vermögen. Hitze mag Deine erste Erfahrung mit dieser Technik sein. Mit zunehmender Praxis wird die Energie subtiler. Es entsteht eine ruhige gleichmäßige Kraft tief in Dir. So kannst Du schier unmögliche physische Anstrengung mit Leichtigkeit meistern.
Oberflächlich betrachtet heben Muskeln den Yogi in die Luft. Doch die Atmung gibt den Muskeln erst das Prāṇa (Energie) dafür. Prāṇa ist die Grundlage von allem. Es kann mit Bewusstsein in jeden beliebigen Teil des Körpers geleitet werden, um diesen zu heilen und zu kräftigen. So ist der Atem für den Yogi der Schlüssel zu Gesundheit, Kraft und Vitalität. Wo kein Atem, da ist auch kein Leben.
Ujjayi Prāṇayama wird oft auch „Siegreicher Atem“ genannt. Er gibt die Kraft, jede Asana zu meistern. Das aufgenommene Prāṇa (Energie) kann auch direkt den Körper bewegen. So wird es möglich, dass auch schmächtige Yogis in ihren Bewegungen die Schwerkraft außer Kraft setzen und schier schwerelos durch die Bewegungen gleiten.
So wie die Wellen den Strand formen, so formt die Atmung die Aṣṭāṅga Yoga Praxis. Deine innere Meeresbrandung setzt ihren Rhythmus. Das Rauschen der Atmung wird zum Rauschen eines inneren Ozeans. Gleichmäßig spülen Wellen der Einatmung an eine innere Küste und ziehen sich mit der Ausatmung zurück. Erlebe die Qualität Deiner inneren Küste. Ist es ein flacher Sandstrand, an dessen sanfter Fläche sich die Wellen leise bis in die Unendlichkeit verlieren? Ragen schroffe Klippen aus der Brandung und die Wellen brechen mit lautem Getöse an kahlem Fels? Finde eine Küste, die zu Dir und Deiner Praxis heute passt. - Nicht zu steil, nicht zu flach.
Wie ein Surfer die Wellen eines äußeren Ozeans reitet, so trägt Deine innere Brandung Dich mühelos von Position zu Position. Jede Bewegung richtet sich an der Atmung aus.
Auch aus physiologischer Sicht ist Ujjayi Prāṇayama eine sehr wertvolle Technik. Die Atmung durch die Nase befeuchtet die Luft, temperiert sie und befreit sie von Schmutzpartikeln. Durch Ujjayi Prāṇayama atmest Du saubere Luft. Das Ujjayi Geräusch erzeugt eine leichte Vibration der Bronchien; das Flimmerepithel wird aktiviert; die Lunge wird auf diese Weise zusätzlich von Schmutzpartikeln gereinigt. Bei normaler Atmung ist während der Ausatmung der Druck innerhalb der Bronchien nur gering. Ujjayi Prāṇayama hält auch während der Ausatmung einen gewissen Druck innerhalb der Bronchien aufrecht. Durch diesen wird ein Kollabieren der kleinsten Bronchien verhindert. Die Ausatmung kann so tiefer werden. Es verbleibt weniger Restluft in der Lunge. Vor allem für Menschen, die an einer chronischen obstruktiven Lungenerkrankung oder an Asthma leiden, ist diese Atemtechnik daher sehr wertvoll.
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