Wie Aṣṭāṅga Yoga beliebt wird
Der erste Amerikaner, der bei Pattabhi Jois Yoga-Unterricht nahm, war Norman Allen im Jahr 1971. Er besuchte im Svāmī Gitananda Ashram in Pondicherry eine Yoga-Demonstration, die von Manju Jois, dem Sohn von Pattabhi, gegeben wurde. Beeindruckt vom Gesehenen machte er sich auf den Weg, dieses Yoga-System zu lernen.
Ein wenig später kamen David Williams und Nancy Gilgoff in der kleinen Yoga Shala in Mysore an. David Willisams war, nach eigenen Angaben, nach etwas mehr als einem Jahr Unterricht bei Pattabhi Jois im Jahr 1974 der erste Westler, der alle Übungsserien des Aṣṭāṅga Yoga erlernte und auch der erste von Pattabhi Jois zertifizierte Lehrer. Den Namen »Sthira Bhaga«, erhabene Ruhe, tragen die weiteren Übungsserien. Sie umfassen progressive, körperlich anspruchvolle und athletische Positionen. Diese Übungsserien entwickelten sich im späteren Unterricht von Pattabhi Jois noch erheblich. Im Gegensatz dazu sind bei den ersten beiden Übungsserien nur geringe Veränderungen über die Zeit zu beobachten.
David und Nancy waren es auch, die im Jahr 1975 Pattabhi Jois nach Kalifornien einluden. Dort unterrichtete Pattabhi Jois für vier Monate. Nur zehn oder 15 Teilnehmer umfasste dieser erste Workshop. Ein kleiner Anfang, wenn man weiß, wie viele später zu Pattabhis Workshops kammen. Auf dieser Reise begleitete auch Manju Jois seinen Vater und beschloss, in Amerika zu bleiben und die traditionelle Technik des Aṣṭāṅga Yoga dort zu verbreiten.
Die Zeit verstrich und der Aṣṭāṅga Yoga wurde mehr und mehr in der westlichen Welt bekannt. Pattabhi Jois wurde zu vielen Workshops nicht nur in den USA, sondern auch in Brasilien, England und vielen anderen Ländern eingeladen. Die Zahl der Schüler stieg allmählich. Die morgendliche Schlange vor der Yoga Shala in Lakshmipuram wurde länger. Die Schluss-Sequenz mitsamt Endentspannung wurde in einen kleineren Raum eine Etage höher verlegt. So wurde früher ein Nachrückplatz für den nächsten Praktizierenden frei. Man sagt, Amma, wie die Frau von Pattabhi liebevoll von den Schülern genannt wurde, setzte sich schließlich für unterrichtsfreie Samstage durch. So hatte Pattabhi, zusätzlich zu den freien Voll- und Neumondtagen, einen Tag pro Woche Zeit für Erholung und Familie.
Um 1978 verstarb Ramesh, der jüngste Sohn von Pattabhi. Der Tod traf die Familie wie ein Schock. Über die genauen Umstände wird wenig gesprochen. Man munkelt jedoch von einem Selbstmord. Als strenggläubiger Hindu gab Pattabhi mit diesem Tag das ihm Wichtigste ab. Es war seine eigene Yoga-Praxis. Der Tod von Amma im Jahr 1997 war ein weiterer schwerer Verlust für Pattabhi und die Familie.
Eddy Stern war es, der schließlich im Jahr 1999 das einzige Buch von Pattabhi Jois, die Yoga Mala, ins Englische übersetzte und die Zahl der westlichen Schüler in Mysore stieg ungebremst weiter an. Die morgendliche Praxis erstreckte sich von 4.30 Uhr bis oft weit in den Nachmittag hinein. Ein Unterricht in der alten Shala war kaum mehr möglich. So zog im Jahr 2003 die Jois-Familie nach Gokulam, einem Vorort von Mysore, um und eröffneten dort eine neue, wesentlich größere Shala. Täglich üben hier teilweise über 200 Yoga-Schüler aus der ganzen Welt.
Der Unterricht von Pattabhi und das Übungssystem des Aṣṭāṅga Yoga entfalten sich weiter. Grenzten die Hilfestellungen der frühen Jahre teilweise an Körperverletzung, so leitete Pattabhi nun sanfter und achtsamer in die Positionen. Viele der westlichen Schüler blicken nun schon auf Jahrzehnte Praxiserfahrung. Sie bringen Erkenntnisse aus Anatomie und Bewegungslehre in die Praxis ein. Auch wenn Pattabhi selbst nie direkt über eine gesunde Ausrichtung in den Körperhaltungen und Bewegungen sprach, wird dieses »Alignment« bei den Praktizierenden der Tradition zu einem wichtigen Thema. Zweimal pro Woche gibt es nun geführte Stunden, Led Class, in denen die ganze Präzision von Atem und Bewegungen, Vinyāsa System, erkennbar wird. An den übrigen Tagen der Woche wird weiterhin im bewährten Mysore Style unterrichtet. Hier übt jeder nach seinem eigenen Atemrhythmus. Nur bei Schwierigkeiten oder Unklarheiten unterstützte Pattabhi. Die Tochter von Pattabhi, Saraswati (geb. 1941) und deren Sohn, beziehungsweise Pattabhis Enkelsohn, Sharath (geb. 1971) assistierten nun beim Unterricht.
Eine Tradition lebt weiter
Guruji, so wird Pattabhi bis heute von seinen Schülern liebevoll genannt, verstarb im Alter von 93 Jahren am 18. Mai 2009. Seine Familie führt die Tradition in Mysore weiter: Bis heute unterrichten Jois´ Tochter Saraswati und sein Enkel Sharath Rangaswamy Jahr für Jahr hunderte Schüler aus der ganzen Welt in der berühmten Shala in Mysore im Aṣṭāṅga Yoga.
Literatur
- Donahay, Stern: Guruji – A Portrait of Sri K. Pattabhi Jois Through the Eys of His Students
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Quiz: Wegbereiter des Aṣṭāṅga Yoga
5 Fragen zum Vertiefen dieses Artikels.
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