Eine gegenläufige Helix
Üblicherweise spannen Speichen nicht auf dem kürzesten Weg zwischen Nabe und Felge. Stattdessen ziehen die Speichen in einer Tangente von der Nabe zur Felge und überkreuzen dabei andere Speichen, die in der gegenläufigen Tangente Zug aufbauen. So entsteht ein Laufrad, das aus verschiedenen Winkeln eine federnde Stabilität bietet.
Genau dieses Prinzip nutzt die Natur, um die zuvor beschriebene Schwebespannung über ein Gelenk aus verschiedenen Winkeln zu ermöglichen. Die Faszienzüge ziehen nicht linear über das Gelenk, sondern gegenläufig diagonal.
Aus einem größeren Blickwinkel, also wenn wir das Bild quasi aufzoomen, ergeben diese gegenläufig diagonalen Verläufe über ein Gelenk, gegenläufig helikale Faszienbahnen, die das gesamte Bein umfassen und es mit dem Rumpf verbinden. Damit überträgt sich die Spannung durch den ganzen Körper und verbindet so alle Gelenke zu einer gesamten funktionellen Einheit.
Übungsstrecke
Mit dieser Übungsstrecke bringst Du Dein Hüftgelenk in den für seine (und Deine) Gesundheit so wichtigen Schwebezustand. Dabei bringen wir die gegenläufig helikal verlaufenden und das Hüftgelenk überspannenden Faszienzüge aus verschiedenen Winkeln in Spannung.
Bein-Rotation in Rückenlage
Komme in eine bequeme auf dem Rücken liegende Körperhaltung. Strecke jetzt Dein linkes Bein weit von Dir weg und hebe es gleichzeitig etwas vom Boden ab.
Behalte die maximale Länge und Streckung im linken Bein bei, während Du Dein gesamtes Bein aus dem Hüftgelenk heraus wechselnd von innen nach außen rotierst. Der Fuß kreist also nicht, sondern bleibt an seiner Position in der Luft, während das gesamte Bein aus dem Hüftgelenk rotiert (Bild 1).
Setze diese Übung fort, bis Du eine leichte Ermüdung in der tiefsten Hüft-Muskulatur beobachten kannst. Vielleicht erspürst Du den tangential das Hüftgelenk überspannenden Verlauf. Wiederhole dann die Übung mit dem anderen Bein.
Effekt: Das Anheben des Beines aus der Rückenlage aktiviert die Muskulatur an der vorderen Seite des Hüftgelenkes. Durch das Drehen werden die diagonal über das Hüftgelenk spannenden myofaszialen Züge aktiviert. Diese sind Teil der gegenläufigen Doppelhelix im Hüftbereich.
Bein-Rotation in Seitlage – oberes Bein
Rolle nun in die Seitlage. Stütze Dich mit den Händen so ab, dass Du stabil liegst. Strecke Dein oberes Bein kraftvoll in die Länge und hebe es etwas an. Behalte wieder die Richtung des Beines bei, während Du aus dem Hüftgelenk abwechselnd nach innen oder außen rotierst. Behalte dabei auch das in die Länge Schieben des Beines bei (Bild 2).
Setze dieses Rotieren fort, bis sich eine angenehme Ermüdung der tiefen Hüftmuskulatur einstellt. Wechsele dann, bevor Du zur anderen Seite kommst, direkt weiter in die nächste Übung.
Effekt: Die neue Ausgangsposition aktiviert die äußeren Anteile der das Hüftgelenk überspannenden Muskulatur. Das Drehen bringt Spannung auf die gegenläufige Doppelhelix aus diesem Winkel.
Bein-Rotation in Seitlage – unteres Bein
Direkt aus der vorherigen Übung stelle Dein oberes Bein wahlweise hinter oder vor dem unteren Bein auf dem Boden auf. So ergibt sich eine stabile auf der Seite liegende Haltung in der Du Dein unteres Bein leicht anheben kannst.
Strecke dieses kraftvoll in die Länge und rotiere, wieder aus dem Hüftgelenk, abwechseln nach innen und außen. Schiebe dabei konstant mit Deinem Bein in die Länge (Bild 3).
Wenn sich auch hier eine angenehme Ermüdung an der Innenseite des Oberschenkels bzw. Hüftgelenkes einstellt, wechsle in die Seitlage auf der anderen Körperseite. Wiederhole hier die Bein-Rotation in Seitlage mit dem oberen und unteren Bein.
Effekt: Du spürst bei dieser Übung die Aktivierung an der Innenseite des Hüftgelenkes. Dieser Anteil der gegenläufigen Helix ist oft der am wenigsten gespannte Bereich. Daher ist diese Übung in der Yogatherapie für eine gesunde Hüfte wichtig.
Bein-Rotation in Bauchlage
Rolle schließlich weiter in die Bauchlage. Hebe Dein linkes Bein leicht vom Boden ab und schiebe es maximal in die Länge. Rotiere dann aus dem Hüftgelenk von innen nach außen. Achte dabei darauf bei der Rotation das Bein konstant in die gleiche Richtung in die Länge zu schieben (Bild 4).
Rotiere bis Du eine Ermüdung an der Rückseite Deines Hüftgelenkes spürst. Dann wiederhole diese Übung auf der anderen Seite.
Effekt: Die gegenläufig helikalen Faszienzüge an der Rückseite des Hüftgelenkes vervollständigen den harmonischen Schwebezustand des Oberschenkelkopfes in seiner Pfanne. Mit dieser Übung hast Du nun die Faszienzüge rund um Dein Hüftgelenk in einen harmonischen Spannungszustand gebracht. Sie halten so Deinen Oberschenkelkopf aus jedem Belastungswinkel in seinem Schwebezustand mittig in der Gelenkpfanne.
Viel Freude beim Üben!
Vielen Dank an Paul Königer - yogafotograf.de für die Fotos.
Vielen Dank an OGNX für die Kleidung.
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