Narasiṃha Disemboweling Hiranyakashipu Folio from a Bhagavata Purana Ancient Stories of the Lord LACMA M.82.42.8 1 of 5
Narasiṃha Disemboweling Hiranyakashipu Folio from a Bhagavata Purana Ancient Stories of the Lord LACMA M.82.42.8 1 of 5

Who is Nṛsiṃha?

Nṛsiṃha, or Narasiṃha, the “man-lion,” is the fourth avatar of Viṣṇu in mythology. His story speaks of power, impermanence, ideals, and nature restoring balance.

Dr. Ronald Steiner Dr. Ronald Steiner Nils Jacob Liersch Nils Jacob Liersch
Bild 1
Hiraṇyakaśipu will Prahlāda köpfen - Aus einer Bhagavata Purāṇa (1725)
Bild 2
Narasiṃha greift Hiraṇyakaśipu an - Aus einer Bhagavata Purāṇa (um 18. Jh.)

Tradition und Bedeutung

Vision gibt dem Leben Sinn

Wer seine Ideale verkauft, der verkauft sich selbst. Denn ohne Ideale erhalten weder Bemühen noch Handlung Sinn. Wer hingegen zu seinen Idealen steht, auch dann, wenn es unbequem ist, wird unbesiegbar. Auch wenn sich im Äußeren Nachteile dadurch zu ergeben scheinen, weiß man stets, wofür man lebt und handelt. In der mythologischen Erzählung steht Prahlāda zu seinen Idealen und lässt nicht von dem Glauben an Gott ab, obwohl sein eigener Vater versucht ihn umzubringen. Letztendlich zahlt sich sein fester Glauben an seine Ideale aus.

Wir sind Teil der Natur

Sind wir in der modernen Gesellschaft wie Hiraṇyakaśipu? Wir trennen uns mit immer mehr Technik uns von der Natur. Wir beuten Tiere aus. Wir verändern die Landschaft. Wir versuchen ewig jung zu bleiben. Doch je mehr wir uns von der Natur entfernen, in desto mehr Schwierigkeiten verstricken wir uns. Letztendlich holt uns die Natur immer wieder ein, denn die ewige Jugend, die wir anstreben, ist eine Illusion. Wir sind Teil der Natur. Alles um uns und wir selbst unterliegen diesem Wandel. Hingabe an diesen Wandel führt uns zu einer tiefen Zufriedenheit. Der Schlüssel zum wirklichen Glück liegt also nicht darin, im Außen neuen Dingen hinterher zu jagen, sondern mit dem zufrieden zu sein, was hier und jetzt ist.

In der indischen Tradition

Narasiṃha ist die vierte von zehn Verkörperungen (avatāra) des Gottes Viṣṇu. Wörtlich übersetzt bedeutet Nṛsiṃha bzw. oft auch Narasiṃha der „Mensch-Löwe“. In ganz Indien sind Darstellungen von Narasiṃha als halb Mensch und halb Löwe häufig. Dabei hat er den Körper eines Menschen mit dem Kopf und den Klauen eines Löwen (Bild 4).

Vor allem die Kriegerkaste verehrt Narasiṃha in Indien noch heute. Im Unterschied zu einem käuflichen Söldner lebt und pflegt ein Krieger Ideale. Der Krieger schützt, was ihm wertvoll ist. Er ist bereit ,dafür Gefahren einzugehen und selbst sein eigenes Leben zu riskieren. Der Beiname Narasiṃhas, „Großer Beschützer“, bezieht sich also nicht ausschließlich auf körperliche Fähigkeiten, sondern auch auf den Schutz ideeller Werte (Bild 5).

Als Leitfigur in tantrischen Texten

Es verwundert nicht, dass Narasiṃha oft in tantrischen Texten und Texten des Haṭha-Yoga als Leitfigur auftaucht. Besonders relevant erscheint uns:

  • Die Mokṣopaya aus dem 10. Jh.
  • Die Nṛsiṃhottaratāpinyupaniṣat, eine Yoga-Upniṣad um ihn, aus dem 17. Jh.

Und natürlich die kraftvolle Anrufung an Nṛsiṃha im Beginn Mantra des Dattātreyayogaśāstra:

Mythologisch tief verwurzelte Legende

Die Geschichten über Narasiṃha finden wir in den Purāṇas und der Mahābhārata in insgesamt 17 leicht abweichenden Varianten. Das zeigt uns, wie tief sie in der Mythologie Indiens verankert ist. Falls Du einmal selbst vergleichen möchtest, haben wir hier aufgelistet, wo die Varianten aufzufinden sind. Die zuvor geschilderte Legende orientiert sich dabei an der Variante des Bhagavata Purāṇa (Canto 7) .

  1. Nr̥śiṁhapurāṇa, eine eigens ihm gewidmete Purāṇa, aus dem 5. Jh.
  2. Valmiki Ramayana (7.24)
  3. Harivaṃśa (41 & 3.41-47)
  4. Viṣṇu Purāṇa (1.16-20)
  5. Bhagavata Purāṇa (Canto 7) – Die zuvor beschriebene Legende orientiert sich an dieser Schilderung.
  6. Agni Purāṇa (4.2-3)
  7. Brahmāṇḍa Purāṇa (2.5.3-29)
  8. Vayu Purāṇa (67.61-66)
  9. Brahmā-Purāṇa (213.44-79)
  10. Viṣṇudharmottara Purāṇa (1.54)
  11. Kūrma Purāṇa (1.15.18-72)
  12. Matsya Purāṇa (161-163)
  13. Padma Purāṇa (Uttara-khaṇḍa 5.42)
  14. Śiva Purāṇa (2.5.43 & 3.10-12)
  15. Liṅga Purāṇa (1.95-96)
  16. Skanda Purāṇa 7 (2.18.60-130)
  17. Mahābhārata (3.272.56-60)

~h2~n.rsi.mha-ruupi.ne_cid-aatmane_sukha-sva-ruupi.ne_|~~

~h2~padais+tribhis+tad+aadibhir+niruupitaaya_vai_nama.h_||1||~~

Dem, der die Form des Narasiṃha hat, dessen Selbst (ātman) das Bewusstsein (cit) ist, dessen wahre Gestalt (svarūpa) die Glückseligkeit (sukha) ist [und]
der durch die drei Worte beginnend mit “dieses” (tat)1 definiert wird. Verehrung (namas) sei ihm.

1:

Vermutlich eine Anspielung auf das mahāvākya der Chandogyopaniṣad 6.8.7: tat tvam asi “das bist du”. Es drückt dort die Identität zwischen ātman, dem Selbst, und brahman, dem Absoluten aus. In diesem Fall die Identität zwischen Narasiṃha und dem Absoluten (brahman).

Ein Vaiṣṇava Werk

Ein Vaiṣṇava Maṅgala-Vers eröffnet das Dattātreyayogaśāstra. Er bezieht sich mit Verehrung auf Nṛsiṃha, bzw. oft auch Narasiṃha genannt. Wörtlich übersetzt bedeutet das etwa: “Mensch-Löwe”. Narasiṃha gilt als vierter Avatar (Inkarnation) des Gottes Viṣṇus. Dieser wird durch die Andeutung “tad-ādibhiḥ” mit dem Absoluten (brahman) gleichgesetzt.

Der in der Andeutung anklingende Ausspruch “tat tvam asi”, stammt aus der Chandogya Upaniṣad (6.8.7). Wörtlich übersetzt heißt er “Das bist Du”. “Das” bezieht sich auf das Absolute (Brahmān). Das Absolute, das der Ungrund aller Phänomene ist, und das eigene Selbst, in seinem reinen und ursprünglichen Zustand, sind also ganz oder teilweise identisch. Das Wissen (jñāna), dass dies so ist, führt zu mokṣa (Befreiung). Wir sehen demnach klare Orientierung zum VaiṣṇavaHinduismus und Vedānta.
1:

Vermutlich Anspielung auf mahāvākya Chandogya Upaniṣad 6.8.7 tat tvam asi “das bist du”, als Anspielung der Identität zwischen ātman, dem Selbst, und brahman, dem Absoluten.

Pramāṇikā-Metrum

Es handelt sich hier um ein Pramāṇikā-Metrum. Dieses besteht aus zwei Pādas. Jedes Pāda umfasst 16 Silben. Es folgt dem Muster:

_ | _ | _ | _ | _ | _ | _ | _ |
_ | _ | _ | _ | _ | _ | _ | _ |

Wobei:

  • betonten Silben (guru) = |;
  • Unbetonte Silben (laghu) = _

Continue with AYI Free

Author

Dr. Ronald Steiner

From 89075 Ulm

The "Yoga Doc" - Dr. Ronald Steiner is the founder of the AYI method. This method links traditional Ashtanga Yoga with innovative Yogatherapy and living Philosophy. This forms a practice that is personal for each and... more ›

Nils Jacob Liersch

Meine Begeisterung für Yoga, indische Philosophie und Sanskrit führte mich zum Studium der Indologie und Religionswissenschaft an der Universität Heidelberg. Seit 2004 befinde ich mich auf meinem persönlichen Yogaweg... more ›

Messages and ratings
9 messages Ø

Please log in to write a message. Go to login

Eine schöne Geschichte, die mir sehr deutlich unser jetziges Zeitgeschehen spiegeln. Mir zeigen meine inneren Werte, Kraft und Balance klar und deutlich das Leben von Prahlàda als Vorbild. Ich freue mich auf die Fortsetzung....
Auch vom Metrum her ist das Mantra an Narasimha ein absolutes Highlight!!
- Ich freue mich schon auf die "Mit Dattatreya auf der Yogamatte" Stunde morgen.
Sensationelle Geschichte! Ich kann mich gut mit Prahlāda identifizieren: unbeirrbar in den Überzeugungen und stetig bemüht in der Übung. Ein wahres Vorbild, allen Widrigkeiten zum Trotz!
Ganz meine Freude, dass der Text nun Stück für Stück auf die Seite kommt und verfügbar ist. Ich werde mich damit beschäftigen!
Hier startet das Dattatreya Yoga Shastra!!
- Der Text über den wir vor einer Weile gemailt haben. Ich freue mich so.