Mythologisch tief verwurzelte Legende
Die Geschichten über Narasiṃha finden wir in den Purāṇas und der Mahābhārata in insgesamt 17 leicht abweichenden Varianten. Das zeigt uns, wie tief sie in der Mythologie Indiens verankert ist. Falls Du einmal selbst vergleichen möchtest, haben wir hier aufgelistet, wo die Varianten aufzufinden sind. Die zuvor geschilderte Legende orientiert sich dabei an der Variante des Bhagavata Purāṇa (Canto 7) .
- Nr̥śiṁhapurāṇa, eine eigens ihm gewidmete Purāṇa, aus dem 5. Jh.
- Valmiki Ramayana (7.24)
- Harivaṃśa (41 & 3.41-47)
- Viṣṇu Purāṇa (1.16-20)
- Bhagavata Purāṇa (Canto 7) – Die zuvor beschriebene Legende orientiert sich an dieser Schilderung.
- Agni Purāṇa (4.2-3)
- Brahmāṇḍa Purāṇa (2.5.3-29)
- Vayu Purāṇa (67.61-66)
- Brahmā-Purāṇa (213.44-79)
- Viṣṇudharmottara Purāṇa (1.54)
- Kūrma Purāṇa (1.15.18-72)
- Matsya Purāṇa (161-163)
- Padma Purāṇa (Uttara-khaṇḍa 5.42)
- Śiva Purāṇa (2.5.43 & 3.10-12)
- Liṅga Purāṇa (1.95-96)
- Skanda Purāṇa 7 (2.18.60-130)
- Mahābhārata (3.272.56-60)
Dem, der die Form des Narasiṃha hat, dessen Selbst (ātman) das Bewusstsein (cit) ist, dessen wahre Gestalt (svarūpa) die Glückseligkeit (sukha) ist [und]
der durch die drei Worte beginnend mit “dieses” (tat)1 definiert wird. Verehrung (namas) sei ihm.
1: Vermutlich eine Anspielung auf das mahāvākya der Chandogyopaniṣad 6.8.7: tat tvam asi “das bist du”. Es drückt dort die Identität zwischen ātman, dem Selbst, und brahman, dem Absoluten aus. In diesem Fall die Identität zwischen Narasiṃha und dem Absoluten (brahman).
Ein Vaiṣṇava Werk
Ein Vaiṣṇava Maṅgala-Vers eröffnet das Dattātreyayogaśāstra. Er bezieht sich mit Verehrung auf Nṛsiṃha, bzw. oft auch Narasiṃha genannt. Wörtlich übersetzt bedeutet das etwa: “Mensch-Löwe”. Narasiṃha gilt als vierter Avatar (Inkarnation) des Gottes Viṣṇus. Dieser wird durch die Andeutung “tad-ādibhiḥ” mit dem Absoluten (brahman) gleichgesetzt.
Der in der Andeutung anklingende Ausspruch “tat tvam asi”, stammt aus der Chandogya Upaniṣad (6.8.7). Wörtlich übersetzt heißt er “Das bist Du”. “Das” bezieht sich auf das Absolute (Brahmān). Das Absolute, das der Ungrund aller Phänomene ist, und das eigene Selbst, in seinem reinen und ursprünglichen Zustand, sind also ganz oder teilweise identisch. Das Wissen (jñāna), dass dies so ist, führt zu mokṣa (Befreiung). Wir sehen demnach klare Orientierung zum VaiṣṇavaHinduismus und Vedānta.
1: Vermutlich Anspielung auf mahāvākya Chandogya Upaniṣad 6.8.7 tat tvam asi “das bist du”, als Anspielung der Identität zwischen ātman, dem Selbst, und brahman, dem Absoluten.
Pramāṇikā-Metrum
Es handelt sich hier um ein Pramāṇikā-Metrum. Dieses besteht aus zwei Pādas. Jedes Pāda umfasst 16 Silben. Es folgt dem Muster:
_ | _ | _ | _ | _ | _ | _ | _ |
_ | _ | _ | _ | _ | _ | _ | _ |Wobei:
- betonten Silben (guru) = |;
- Unbetonte Silben (laghu) = _
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