SVU 2.10: Der windgeschützte Ort
SVU 2.10: Der windgeschützte Ort

SVU 2.10: Äußere Bedingungen der stillen Yogapraxis

Ein ebener, reiner, stiller und windgeschützter Ort, der Geist und Augen nicht belastet, ermöglicht gesammelte Yogapraxis.

Dr. Ronald Steiner Dr. Ronald Steiner Nils Jacob Liersch Nils Jacob Liersch
Śvetāśvatara Upaniṣad 2.10
समे शुचौ शर्करावह्निवालुकाविवर्जिते शब्दजलाश्रयादिभिः |
same śucau, śarkarā-vahni-vālukā;-vivarjite, śabda-jalāśrayādibhiḥ | Analyse ▾ Analyse ▴
same
Lokativ Singular Neutrum
Adjektiv
an einem ebenen, gleichmäßigen
śucau
Lokativ Singular Neutrum
Adjektiv
an einem reinen
śarkarā
Dvandva-Kompositum
Substantiv Feminin
Kiesel, Geröll
vahni
Dvandva-Kompositum
Substantiv Maskulin
Feuer
vālukā
Tatpuruṣa-Kompositum Ablativ
Substantiv Feminin
von Sand
vivarjite
Lokativ Singular Neutrum Partizip Perfekt Passiv
Präfix
Verbalwurzel
freien, gemiedenen
śabda
Dvandva-Kompositum
Substantiv Maskulin
Klang, Geräusch
jala
Dvandva-Kompositum
Substantiv Neutrum
Wasser
āśraya
Dvandva-Kompositum
Substantiv Maskulin
Zuflucht, Laube
ādibhiḥ
Instrumentalis Plural
Substantiv Maskulin
mit diesen und Ähnlichem
मनो ऽनुकूले न तु चक्षुपीडने गुहानिवाताश्रयणे प्रयोजयेत् ||10||
mano 'nukūle, na tu cakṣu-pīḍane; guhā-nivātā,śrayaṇe prayojayet ||10|| Analyse ▾ Analyse ▴
manas
Tatpuruṣa-Kompositum Dativ
Substantiv Neutrum
für den Geist
anukūle
Lokativ Singular Neutrum
Adjektiv
angenehmen, günstigen
na
Partikel
nicht
tu
Partikel
aber
cakṣu
Tatpuruṣa-Kompositum Dativ
Substantiv Neutrum
für das Auge
pīḍane
Lokativ Singular
Substantiv Neutrum
bedrückenden, schmerzhaften
guhā
Tatpuruṣa-Kompositum Lokativ
Substantiv Feminin
in einer Höhle
nivāta
Karmadhāraya-Kompositum
Adjektiv
windgeschützt, windstill
āśrayaṇe
Lokativ Singular
Substantiv Neutrum
an einem Zufluchtsort, Aufenthaltsort
prayojayet
3. Person Singular Aktiv Optativ Causativ
Präfix
Verbalwurzel
man möge sich anschicken, üben
Metrum: Pāda 1: Jagatī; Pāda 2: Jagatī mit Vaṃśa-Ausklang; Pāda 3: Jagatī mit Vaṃśa-Ausklang; Pāda 4: Jagatī mit Vaṃśa-Ausklang
An einem ebenen [Ort] (same | loc sg n), an einem reinen (śucau | loc sg n), frei von Kieseln, Feuer und Sand (śarkarā-vahni-vālukā-vivarjite | loc sg n ppp), [auch] von Geräusch, Wasser, Zufluchtsorten und Ähnlichem (śabda-jalāśrayādibhiḥ | ins pl), für den Geist angenehm (mano'nukūle | loc sg n), nicht (na) aber (tu) für das Auge bedrückend (cakṣu-pīḍane | loc sg), an einem höhlenartigen, windgeschützten Zufluchtsort (guhā-nivātāśrayaṇe | loc sg), möge man sich üben (prayojayet | 3p sg act opt caus).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Übe an einem ebenen, reinen Ort, frei von Kieseln, Feuer, Sand, störendem Lärm und Wasser. Der Platz soll dem Geist angenehm sein, die Augen nicht belasten und wie eine windgeschützte Höhle Geborgenheit bieten.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya verlangt einen ebenen, sauberen Ort ohne Steine, Feuer, Sand, Lärm und allgemein benötigtes Wasser. Er soll dem Geist zuträglich, aber nicht durch auffällige Anblicke ablenkend sein. Eine geschützte, windstille Höhle dient der einsamen Ausrichtung des Bewusstseins auf das höchste Selbst.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda ergänzt zur äußeren Sicherheit die psychologische Bedingung eines schönen, den Geist beruhigenden, nicht augenreizenden Ortes. Eine Höhle oder ein anderer windstiller Schutz kann dienen. Erst nach Wahl dieses förderlichen Rückzugsortes soll der Übende den vollständigen achtgliedrigen Yoga sorgfältig aufnehmen.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa konkretisiert den Ort mit Haṭhayoga-Versen: ein sicheres, versorgtes Land, Einsamkeit und eine kleine, saubere, geschützte Yogahütte. Als sechs Zerstörer des Yoga nennt er unter anderem Überessen, Überanstrengung, Geschwätz und Gesellschaft; als Förderer Begeisterung, Mut, Sachkenntnis, Entschlossenheit und Zurückgezogenheit.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat nennt neben Unebenheit, Schmutz, Steinen, Feuer und Sand auch Tierlaute, Zugluft, nahe Gewässer und Gebäude als mögliche Störungen. Entscheidend bleibt die Zuträglichkeit für den Geist: Der Ort soll weder die Augen reizen noch erhitzen und in einer Höhle oder einem vergleichbar windstillen Schutz liegen.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
śabdajalāśrayādibhiḥ LV1958, ASS1927 ] śabdajalāśayādibhiḥ conj. Böhtlingk apud LV1958-app
Kritischer Apparat
Rein sei der Ort und eben, von Geröll und Sand, Von Feuer, von Geräusch und Wasserlachen frei; Hier, wo den Geist nichts stört, das Auge nichts verletzt, In windgeschützter Höhlung schicke man sich an.
Paul Deussen - 1921
In a clean level spot, free from pebbles, fire, and gravel, By the sound of water and other propinquities Favorable to thought, not offensive to the eye, In a hidden retreat protected from the wind, one should practise Yoga.
Robert Hume - 1921
One should perform yoga, having resorted to a place which should be free from wind and should be solitary (or should have a cave), which should be level, clean, free from pebbles, fire, sand, as well as from noise, watery places, etc., should be (above all) agreeable to the mind and not oppressive to the eye.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Rein sei der Ort und eben, von Geröll und Sand, Von Feuer, von Geräusch und Wasserlachen frei; Hier, wo den Geist nichts stört, das Auge nichts verletzt, In windgeschützter Höhlung schicke man sich an.
Paul Deussen - 1897
Let him perform his exercises in a place<1> level, pure, free from pebbles, fire, and dust, delightful by its sounds, its water, and bowers, not painful to the eye, and full of shelters and caves.
<1: The question is whether sabdagalāsrayādibhih should be referred to mano ’nukūle, as I have translated it, or to vivargite, as Saṅkara seems to take it, because he renders sabda, sound, by noise, and āsraya by mandapa, a booth. See Bhagavadgītā VI, 11. In the Maitr. Up. VI, 30, Rāmatīrtha explains sukau dese by girinadīpulinaguhādisuddhastāne. See also Āsv. Grihya-sūtras III, 2, 2.>
F. Max Müller - 1884
At a level place, free from pebbles, fire, and gravel, pleasant to the mind by its sounds, water, and bowers, not painful to the eye, and repairing to a cave, protected from the wind, let a person apply (his mind to god).
Edward Röer - 1853

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Illustrationen: KI-generiert.

Editor:innen

Dr. Ronald Steiner

Aus Ulm

Dr. Ronald Steiner, der „Yoga Doc“, begründete die AYI Methode: traditioneller Ashtanga, moderne Yogatherapie und lebendige Philosophie – als persönliche Praxis von sportlich-akrobatisch bis meditativ-therapeutisch. Er... mehr ›

Nils Jacob Liersch

Meine Begeisterung für Yoga, indische Philosophie und Sanskrit führte mich zum Studium der Indologie und Religionswissenschaft an der Universität Heidelberg. Seit 2004 befinde ich mich auf meinem persönlichen Yogaweg... mehr ›

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