cidvat-tac-chakti-saṃkocān malāvṛtaḥ saṃsārī ||9|| Analyse ▾ Analyse ▴
Kṣemarāja erklärt, wie der unbegrenzte Wahrnehmende zum scheinbar begrenzten saṃsārin wird. Parameśvara lässt aus eigener Freiheit die Erfahrung ungeteilter Durchdringung zurücktreten und stützt sich auf die Erfahrung von Verschiedenheit. Seine Kräfte bleiben ihrem Wesen nach unbegrenzt, erscheinen nun aber zusammengezogen.
Die drei Unreinheiten
- Die freie Willenskraft erscheint zusammengezogen als
āṇava-mala: Man hält sich für unvollständig und klein. - Die Wissenskraft wird von Allwissenheit zu begrenztem Wissen. Über Intellekt und Sinnesorgane verengt sie sich bis zur Erfahrung getrennter Gegenstände. Das ist
māyīya-mala. - Die Handlungskraft wird von Alltätigkeit zu begrenzter Fähigkeit. Über die Handlungsorgane verengt sie sich bis zum Vollzug guter und schlechter Handlungen. Das ist
kārma-mala.
Die fünf Hüllen
Weitere universelle Kräfte erscheinen ebenfalls in begrenzter Gestalt:
- Alltätigkeit als
kalā, begrenzte Handlungsmacht, - Allwissenheit als
vidyā, begrenztes Wissen, - Vollkommenheit als
rāga, das Gefühl eines Mangels und daraus entstehendes Verlangen, - Ewigkeit als
kāla, zeitliche Begrenzung, - Allgegenwart als
niyati, Festlegung auf bestimmte Bedingungen.
Ein solcher Wahrnehmender ist für Kṣemarāja „arm an Kraft“ und heißt deshalb saṃsārin. Wenn sich seine eigenen Kräfte entfalten, zeigt sich, dass er Śiva ist.
Die Vorlage (WHS2017) bietet saṃkocāt malāvṛtaḥ mit auslautendem t. Für den verbundenen Text wird hier saṃkocān malāvṛtaḥ gelesen: Vor dem Nasallaut m wird der dentale Auslaut durch den entsprechenden Nasal n ersetzt (Pāṇini 8.4.45). Die Regel erlaubt diese Nasalassimilation; die Ausgabe übernimmt sie an dieser Stelle. Die zugrunde liegende Ablativform bleibt saṃkocāt; die Bedeutung ändert sich nicht.
Illustrationen: KI-generiert.
Bitte melde Dich an, um eine Nachricht zu schreiben. Hier gehts zum Login
Noch keine Nachrichten.