sa caiko dvi-rūpas tri-mayaś catur-ātmā sapta-pañcaka-svabhāvaḥ ||7|| Analyse ▾ Analyse ▴
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saḥ
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er, dieser | |
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ca
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und | |
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ekaḥ
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einer, einzig | |
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dvi
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zwei-, zweifach | |
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rūpaḥ
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Gestalt, Form | |
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tri
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drei-, dreifach | |
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mayaḥ
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bestehend aus, von der Art | |
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catur
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vier-, vierfach | |
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ātmā
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Wesen, Natur | |
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sapta
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sieben | |
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pañcaka
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der Fünfergruppen, der Pentaden | |
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svabhāvaḥ
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eigene Natur, Wesensart |
Das siebte Sūtra zählt scheinbar rätselhafte Zahlen auf. Kṣemarāja macht daraus mehrere Perspektiven auf denselben Wahrnehmenden. Richtig erkannt führen sie zur Befreiung. Für selbständige Wirklichkeiten gehalten werden sie zur Ursache des saṃsāra.
- Einer: Der Wahrnehmende ist seinem Licht nach Śiva selbst. Licht kann nicht durch Ort und Zeit in mehrere voneinander unabhängige Bewusstheiten zerfallen.
- Zweifach: Er ist reines Licht und zugleich das Aufleuchten einer zusammengezogenen Gestalt.
- Aus drei bestehend: Er ist von drei „Unreinheiten“ (
mala) bedeckt: der Erfahrung eigener Unvollständigkeit (āṇava), der Wahrnehmung getrennter Objekte (māyīya) und der Bindung an begrenztes Handeln (kārma). - Vierfach: Seine Schichten sind Leere, Lebensenergie, der aus acht Teilen gedachte subtile Körper (
puryaṣṭaka) und der physische Körper. - Sieben Fünfergruppen: Er umfasst die 35 Prinzipien (
tattva) von Śiva bis zur Erde. - Sieben: Er erscheint als sieben Klassen von Wahrnehmenden, von Śiva bis zum vollständig begrenzten
sakala. - Fünf: Seinem Wesen nach besitzt er die Kräfte Bewusstsein, Freude, Wille, Wissen und Handeln. Unter dem Einfluss des Nichterkennens erscheinen sie durch die fünf Hüllen begrenzter Handlungsmacht (
kalā), begrenzten Wissens (vidyā), Verlangens (rāga), Zeit (kāla) und Festlegung (niyati) eingeschränkt.
Wer sich in all diesen Ebenen als den einen Śiva wiedererkennt, findet nach Kṣemarāja Befreiung. Wer sie als voneinander getrennte und selbständige Wirklichkeiten nimmt, bleibt an ihre Begrenzungen gebunden.
Kṣemarāja liest die Worte des achten Sūtras auf zwei Arten. Beide zeigen, wie viele scheinbar getrennte Erfahrungen innerhalb der einen Bewusstheit ihren Ort finden.
Philosophische Systeme als Rollen eines Schauspielers
In der ersten Lesart sind die Standpunkte aller philosophischen Systeme frei gewählte Rollen des einen Selbst. Kṣemarāja vergleicht es mit einem Schauspieler, der unterschiedliche Bühnenfiguren annimmt:
- Die Cārvākas halten den mit Bewusstsein ausgestatteten Körper für das Selbst.
- Nyāya und verwandte Systeme verorten es im Träger von Wissen und anderen Eigenschaften, also nahe der Ebene des Intellekts; Befreiung erscheint ihnen beinahe als Leere nach dem Erlöschen dieser Eigenschaften.
- Die Mīmāṃsā erkennt das Selbst über die Ich-Erfahrung, sieht es aber durch Freude, Schmerz und andere Bestimmungen überlagert und bleibt damit ebenfalls auf der Ebene des Intellekts.
- Buddhistische Schulen, die einen Strom von Erkenntnismomenten annehmen, bleiben bei den Bewegungen des Intellekts. Die Madhyamaka-Lehre wird der Leere zugeordnet.
- Manche Vedāntins setzen das Selbst mit Lebensenergie gleich. Lehren eines „Nichtseins-Brahman“ ruhen in der Leere, andere Vedāntins mit ihrer Aussage vom ursprünglichen Sein auf der Ebene Īśvaras.
- Die Pāñcarātras verorten die letzte Grundlage in der unentfalteten höheren Natur, aus der die einzelnen Seelen wie Funken hervorgehen. Sāṃkhya und verwandte Lehren erreichen eine Ebene, die den
vijñānākalasähnelt. - Die Grammatiker verstehen das Selbst als Wort-Brahman in der Stufe
paśyantīund werden Sadāśiva zugeordnet. - Tantrische Lehren bestimmen das Selbst entweder als weltübersteigend, in den Kula-Traditionen als die ganze Welt oder im Trika zugleich als weltübersteigend und weltumfassend.
Kṣemarāja will diese Positionen nicht als ebenso viele letzte Wirklichkeiten nebeneinanderstellen. Sie sind Abstufungen, in denen die Freiheit des einen Bewusstseins mehr oder weniger verhüllt oder geöffnet ist. Ein begrenzter Blick hält einen Teilbereich für das Ganze. Die umfassende Durchdringung wird nach Kṣemarāja erst durch einen höchsten śaktipāta zugänglich. Seine Zitate unterstreichen dabei auch eine scharfe traditionelle Abgrenzung: Selbst ernsthaft nach Befreiung Suchende können durch Māyā in einer begrenzten Lehre festgehalten werden.
Die Ruhepunkte jeder Wahrnehmung
In der zweiten Lesart meint darśana nicht ein philosophisches System, sondern ein konkretes Wahrnehmen – etwa Blau sehen oder Freude empfinden. Dessen sthiti, sein Zur-Ruhe-Kommen, kann zu einer „Bühne“ werden, auf der sich die eigene, aus Bewusstsein und Freude bestehende Natur enthüllt.
Kṣemarāja beschreibt einen wiederkehrenden Ablauf:
- Eine nach außen gerichtete Erscheinung kommt in der eigenen Bewusstheit zur Ruhe.
- Das äußere Objekt wird zurückgenommen und ein stiller innerer Zustand tritt hervor.
- Von dort spannt sich bereits die Reihe der neu entstehenden Erkenntnisse auf.
In diesem Wechsel von Erscheinen, Bestehen, Zurückziehen und Vereinigung wirkt die „vierte“ Bewusstseinskraft (turīyā). Sie lässt die jeweiligen Schöpfungs- und Auflösungsbewegungen aus sich hervorgehen und nimmt sie wieder in sich auf. Kṣemarāja nennt sie zugleich voll und fein, beides und keines von beidem: Sie ist nicht auf eine einzelne Phase festgelegt. Wird diese Ebene zunehmend eingeübt, nimmt sie den hingebungsvollen Menschen in sich auf.
Illustrationen: KI-generiert.
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