tan nānānurūpa-grāhya-grāhaka-bhedāt ||3|| Analyse ▾ Analyse ▴
Kṣemarāja erklärt die Vielfalt der Welt durch die einander entsprechenden Formen des Wahrgenommenen und der Wahrnehmenden. Jede Ebene des Erfassens besitzt die ihr angemessene Welt.
Entsprechende Ebenen von Subjekt und Objekt
- Auf der Ebene Sadāśivas ist das „Dies“, die Objektseite, noch von der deutlich hervortretenden Ichheit überdeckt. Dazu gehört die Klasse der
mantra-maheśvaras. - Auf der Ebene Īśvaras tritt die Objektseite klar hervor und steht zugleich in Einheit mit der Ichheit. Dazu gehören die
mantreśvaras. - Auf der Ebene reiner Erkenntnis (
vidyā) erscheinen die vielfach gegliederten Mantra-Wahrnehmenden und eine entsprechend von Unterschieden geprägte Welt. - Die
vijñānākalasoberhalb von Māyā sind reines Erkennen ohne wirksame Urheberschaft. Ihnen entspricht eine Objektwelt, die weitgehend in Nicht-Unterschiedenheit ruht. - Den im Leeren ruhenden
pralaya-kevalinsin Māyā entspricht eine beinahe aufgelöste Welt. - Die begrenzten
sakalasbis hinab zur Erde erfahren Subjekt und Objekt als deutlich voneinander getrennt.
Śiva, der diese Ebenen übersteigt, erfährt die Dinge als reines Licht. Für Paramaśiva, der zugleich jenseits der Welt und die Welt selbst ist, leuchtet die ganze Folge von Śiva bis zur Erde ungetrennt auf.
Damit bleibt die Unterscheidung von Wahrnehmendem und Wahrgenommenem für Kṣemarāja eine reale Weise des Erscheinens, aber keine letzte Zweiheit. In letzter Wirklichkeit gibt es kein selbständiges Objekt und kein selbständiges Subjekt. Es ist Paramaśiva selbst, der in tausendfacher Vielfalt erscheint.
citi-saṃkocātmā cetano 'pi saṃkucita-viśva-mayaḥ ||4|| Analyse ▾ Analyse ▴
Wie der höchste Herr die ganze Welt als seinen Körper umfasst, so trägt auch jedes bewusste Einzelwesen die gesamte Welt in zusammengezogener Form in sich.
Kṣemarāja beschreibt zunächst die kosmische Entfaltung. Paramaśiva lässt die mit ihm geeinte Welt zuerst in einem Zustand aufleuchten, der noch leerer als die gewöhnlich gedachte Leere und vom Licht nicht getrennt ist. Danach verdichtet sich der „Saft“ des Bewusstseins zu den Ebenen, Welten, Dingen und jeweiligen Wahrnehmenden.
Der begrenzte Wahrnehmende enthält denselben Kosmos wie ein winziger Samen bereits den ganzen Banyanbaum in verdichteter Form enthält. Kṣemarāja stützt dies durch tantrische Schriftstellen: Körper, Gottheiten und Elemente bilden keinen fremden Bereich außerhalb des Bewusstseins.
Nur durch Māyās verhüllende Kraft bleibt diese Identität unausgedrückt. Das bewusste Wesen erscheint deshalb zusammengezogen, ohne jemals etwas anderes als der weltumfassende Śiva zu werden. Selbst die Kontraktion muss im Bewusstsein erscheinen und ist daher von Bewusstheit durchdrungen. Jenseits dieses Erscheinens bleibt kein zweites Etwas übrig.
Das gründliche Erkennen dieser Identität von Śiva und dem verkörperten Wesen ist für Kṣemarāja Befreiung. Ihr Nichterkennen ist Bindung.
Illustrationen: KI-generiert.
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