Yoga Sūtra 1: Über Samādhi

Kapitel 1 führt von der Definition des Yoga zur Unterscheidung von Sammlung mit und ohne Keim.

Dr. Ronald Steiner Dr. Ronald Steiner Laura von Ostrowski Laura von Ostrowski
PYS 1.1: Beginn der Yogalehre
PYS 1.1: Beginn der Yogalehre

Yogaśāstra 1.1: Nun beginnt die Yogalehre

`Atha` eröffnet die Lehrdarlegung; das Bhāṣya bestimmt Yoga als Samādhi und unterscheidet Sammlung mit Erkenntnis vom vollständigen Anhalten aller Vṛtti.

Patañjali Yoga Sūtra 1.1
Nun (atha) [beginnt] die Lehrdarlegung über Yoga (yogānuśāsanam | nom sg).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
PYS 1.2–4: Anhalten der Vṛtti
PYS 1.2–4: Anhalten der Vṛtti

Yogaśāstra 1.2–4: Citta-Nirodha und Puruṣa

Yoga ist das Anhalten der Citta-Vṛtti. Dann ruht der Seher in seiner eigenen Form; sonst erscheint seine Tätigkeit den Vṛtti gleichförmig.

PYS 1.5–11: Die fünf Vṛtti
PYS 1.5–11: Die fünf Vṛtti

Yogaśāstra 1.5–11: Bewegungen des Citta

Gültige Erkenntnis, Irrtum, begriffliche Konstruktion, Schlaf und Erinnerung bilden fünf leidbehaftete oder nicht leidbehaftete Citta-Vṛtti.

Patañjali Yoga Sūtra 1.5
Die Bewegungen (vṛttayaḥ | nom pl) sind fünffach (pañcatayyaḥ | nom pl f) [und jeweils] leidbehaftet oder nicht leidbehaftet (kliṣṭākliṣṭāḥ | nom pl f).
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Patañjali Yoga Sūtra 1.6
Gültige Erkenntnis, Irrtum, begriffliche Konstruktion, Schlaf und Erinnerung (pramāṇa-viparyaya-vikalpa-nidrā-smṛtayaḥ | nom pl) [sind diese fünf Bewegungen des Citta].
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Patañjali Yoga Sūtra 1.7
Direkte Wahrnehmung, Schlussfolgerung und verlässliche Überlieferung (pratyakṣānumānāgamāḥ | nom pl) [sind] gültige Erkenntnismittel (pramāṇāni | nom pl).
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Patañjali Yoga Sūtra 1.8
Irrtum (viparyayaḥ | nom sg) [ist] falsches Wissen (mithyā-jñānam | nom sg), das auf einer Form beruht, die nicht diejenige [des Gegenstands] ist (atad-rūpa-pratiṣṭham | nom sg n).
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Patañjali Yoga Sūtra 1.9
Begriffliche Konstruktion (vikalpaḥ | nom sg) folgt der Erkenntnis aus Worten (śabda-jñānānupātī | nom sg m) und ist ohne [entsprechenden] Gegenstand (vastu-śūnyaḥ | nom sg m).
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Patañjali Yoga Sūtra 1.10
Schlaf (nidrā | nom sg) [ist] eine Bewegung des Citta (vṛttiḥ | nom sg), die auf der Vorstellung der Abwesenheit [von Wach- und Trauminhalten] beruht (abhāva-pratyayālambanā | nom sg f).
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Patañjali Yoga Sūtra 1.11
Der Nicht-Verlust eines erfahrenen Gegenstands (anubhūta-viṣayāsaṃpramoṣaḥ | nom sg) [ist] Erinnerung (smṛtiḥ | nom sg).
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PYS 1.12–16: Abhyāsa und Vairāgya
PYS 1.12–16: Abhyāsa und Vairāgya

Yogaśāstra 1.12–16: Wege zum Nirodha

Praxis stabilisiert den ruhigen Strom des Citta; Leidenschaftslosigkeit beendet das Dürsten nach Sinnesgegenständen, Himmelswelten und schließlich den Guṇas...

Patañjali Yoga Sūtra 1.12
Durch Praxis und Leidenschaftslosigkeit (abhyāsa-vairāgyābhyām | ins du) [erfolgt] die Unterdrückung jener [Bewegungen] (tan-nirodhaḥ | nom sg).
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Patañjali Yoga Sūtra 1.13
Dabei (tatra) [ist] Praxis (abhyāsaḥ | nom sg) die Bemühung (yatnaḥ | nom sg) um Beständigkeit [in der Ruhe des Citta] (sthitau | loc sg).
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Patañjali Yoga Sūtra 1.14
Diese [Praxis] (saḥ | nom sg m) aber (tu), lange Zeit, ohne Unterbrechung und mit Achtung gepflegt (dīrgha-kāla-nairantarya-satkārāsevitaḥ | nom sg m), ist fest gegründet (dṛḍha-bhūmiḥ | nom sg m).
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Patañjali Yoga Sūtra 1.15
Die als Meisterschaft bezeichnete Bewusstseinslage (vaśīkāra-saṃjñā | nom sg) dessen, der nach gesehenen und aus der Überlieferung bekannten Gegenständen nicht mehr dürstet (dṛṣṭānuśravika-viṣaya-vitṛṣṇasya | gen sg m), [ist] Leidenschaftslosigkeit (vairāgyam | nom sg).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Patañjali Yoga Sūtra 1.16
Diese [Leidenschaftslosigkeit] (tat | nom sg n) [ist] die höhere (param | nom sg n): Aufgrund der Erkenntnis des Puruṣa (puruṣa-khyāteḥ | abl sg) [besteht] Durstlosigkeit gegenüber den Guṇa (guṇa-vaitṛṣṇyam | nom sg).
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PYS 1.17–18: Zwei Arten des Samādhi
PYS 1.17–18: Zwei Arten des Samādhi

Yogaśāstra 1.17–18: Samādhi mit und ohne Stütze

Der gestützte Saṃprajñāta-Samādhi gliedert sich nach Vitarka, Vicāra, Ānanda und Asmitā. Im Asaṃprajñāta erlöschen alle Vṛtti; nur Saṃskāras bleiben.

PYS 1.19–22: Zwei Zugänge
PYS 1.19–22: Zwei Zugänge

Yogaśāstra 1.19–22: Daseinsform und Methode

Für Körperlose und in Prakṛti Aufgegangene ist der Zustand daseinsbedingt; andere Yogins nähern sich ihm durch Vertrauen, Kraft, Erinnerung, Samādhi und...

PYS 1.23–26: Īśvara
PYS 1.23–26: Īśvara

Yogaśāstra 1.23–26: Der besondere Puruṣa

Hingabe an Īśvara bringt Samādhi nahe. Īśvara ist ein stets freier, von Kleśas und Karma unberührter Puruṣa, allwissend und ein zeitloser Lehrer.

PYS 1.27–29: Praṇava
PYS 1.27–29: Praṇava

Yogaśāstra 1.27–29: Īśvaras Bezeichner

Praṇava bezeichnet Īśvara. Seine Rezitation und die Vergegenwärtigung Īśvaras machen das Citta einpunktig, beseitigen Hindernisse und erschließen die Schau...

PYS 1.30: Neun Hindernisse
PYS 1.30: Neun Hindernisse

Yogaśāstra 1.30: Zerstreuungen des Citta

Krankheit, Mattheit, Zweifel und sechs weitere Störungen zerstreuen das Citta; sie verhindern das Erlangen und Festigen der Samādhi-Stufen.

PYS 1.31–32: Zerstreuung und Mittel
PYS 1.31–32: Zerstreuung und Mittel

Yogaśāstra 1.31–32: Zeichen und Gegenmittel

Leid, Niedergeschlagenheit, Körperzittern und gestörter Atem begleiten die Zerstreuung; Übung an einer einzigen Wirklichkeit wehrt sie ab.

PYS 1.33: Klärung des Citta
PYS 1.33: Klärung des Citta

Yogaśāstra 1.33: Vier Haltungen zu Lebewesen

Freundlichkeit gegenüber Glücklichen, Mitgefühl mit Leidenden, Mitfreude mit Tugendhaften und Gleichmut gegenüber Untugendhaften klären das Citta.

PYS 1.34–39: Sechs Stützen
PYS 1.34–39: Sechs Stützen

Yogaśāstra 1.34–39: Festigung des Citta

Ausstoßen und Anhalten des Atems, außergewöhnliche Sinneserfahrung, inneres Licht, ein leidenschaftsloses Citta, Traum- oder Schlafwissen und ein gewähltes...

Patañjali Yoga Sūtra 1.34
Oder (vā) durch Ausstoßen und Zurückhalten (pracchardana-vidhāraṇābhyām | ins du) des Atems (prāṇasya | gen sg) [entsteht die Klärung des Citta].
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Patañjali Yoga Sūtra 1.35
Oder (vā) eine auf [einen Sinnes-]Gegenstand bezogene (viṣayavatī | nom sg f) Sinnestätigkeit (pravṛttiḥ | nom sg), wenn entstanden (utpannā | nom sg f), [wird] für das Denkprinzip (manasaḥ | gen sg) beständigkeitsstiftend (sthiti-nibandhanī | nom sg f).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Patañjali Yoga Sūtra 1.36
Oder (vā) [eine Sinnestätigkeit, die] leidfrei (viśokā | nom sg f) und lichtvoll (jyotiṣmatī | nom sg f) [ist, stabilisiert das Denkprinzip].
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Patañjali Yoga Sūtra 1.37
Oder (vā) ein Citta (cittam | nom sg), das [das Citta] eines von Leidenschaft Freien zum Gegenstand hat (vīta-rāga-viṣayam | nom sg n), [erlangt Beständigkeit].
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Patañjali Yoga Sūtra 1.38
Oder (vā) [ein Citta], das Erkenntnis aus Traum oder Schlaf als Stütze hat (svapna-nidrā-jñānālambanam | nom sg), [erlangt Beständigkeit].
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Patañjali Yoga Sūtra 1.39
Oder (vā) durch Meditation nach eigener Neigung (yathābhimata-dhyānāt | abl sg) [erlangt das Citta Beständigkeit].
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
PYS 1.40–41: Meisterschaft
PYS 1.40–41: Meisterschaft

Yogaśāstra 1.40–41: Meisterschaft und Samāpatti

Das Citta gewinnt Herrschaft über Gegenstände vom Atom bis zum Größten. Von seinen Bewegungen gereinigt, nimmt es wie ein Kristall die Form seiner Stütze an.

PYS 1.42–43: Grobe Samāpatti
PYS 1.42–43: Grobe Samāpatti

Yogaśāstra 1.42–43: Savitarkā und Nirvitarkā

In Savitarkā sind Wort, Gegenstand und Erkenntnis vermischt. Sind die entsprechenden Erinnerungen gereinigt, erscheint in Nirvitarkā nur der grobe Gegenstand.

PYS 1.44–45: Subtile Samāpatti
PYS 1.44–45: Subtile Samāpatti

Yogaśāstra 1.44–45: Savicārā und Nirvicārā

Die Samāpatti mit und ohne subtile Betrachtung richtet sich auf die feine Ursachenreihe der Elemente bis zur merkmalslosen, unmanifesten Prakṛti.

PYS 1.46–49: Samādhi mit Keim
PYS 1.46–49: Samādhi mit Keim

Yogaśāstra 1.46–49: Wahrheitstragende Einsicht

Die vier gegenstandsbezogenen Samāpatti bilden den Samādhi mit Keim. In gereifter Nirvicārā entsteht eine Einsicht, die das Besondere unmittelbar erfasst.

PYS 1.50–51: Samādhi ohne Keim
PYS 1.50–51: Samādhi ohne Keim

Yogaśāstra 1.50–51: Ende der Aufgabe des Citta

Samādhi-Prägungen hemmen die übrigen Prägungen. Erlöschen auch sie, tritt das Citta in Prakṛti zurück; der Puruṣa bleibt allein in Kaivalya.

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Illustrationen: KI-generiert.

Editor:innen

Dr. Ronald Steiner

Aus Ulm

Dr. Ronald Steiner, der „Yoga Doc“, begründete die AYI Methode: traditioneller Ashtanga, moderne Yogatherapie und lebendige Philosophie – als persönliche Praxis von sportlich-akrobatisch bis meditativ-therapeutisch. Er... mehr ›

Laura von Ostrowski

Ich bin 2004 das erste Mal mit Yoga in Berührung gekommen und habe seitdem unendlich viele Facetten kennengelernt. Einerseits die vielfältigen praktischen Seiten von Yoga - in Form verschiedener Ausbildungen (500 h... mehr ›