Zu diesem Sūtra gibt das Vyāsa-Bhāṣya keine gesonderte Erklärung; es übernimmt die fünf technischen Namen pramāṇa, viparyaya, vikalpa, nidrā und smṛti und erläutert sie in den folgenden Abschnitten.
Das Vyāsa-Bhāṣya bestimmt die drei gültigen Erkenntnismittel genauer:
- Pratyakṣa ist die durch die Sinneskanäle entstandene Färbung des Citta durch einen äußeren Gegenstand; seine Vṛtti bestimmt vor allem dessen Besonderheit. Ihr Ergebnis ist das Bewusstwerden dieser Citta-Vṛtti für den Puruṣa.
- Anumāna erfasst vor allem das Allgemeine durch eine Beziehung, die bei Gleichartigem vorkommt und von Andersartigem ausgeschlossen ist – etwa Bewegung aus Ortswechsel.
- Āgama ist die beim Hörer durch Worte entstehende Erkenntnis dessen, was ein verlässlicher Sprecher selbst wahrgenommen oder erschlossen hat. Hat der Sprecher den Gegenstand weder wahrgenommen noch erschlossen oder ist er unglaubwürdig, ist die Mitteilung unsicher.
Viparyaya ist falsche Erkenntnis, weil sie durch ein gegenstandsgetreues pramāṇa aufgehoben wird – wie die Wahrnehmung zweier Monde durch die richtige Wahrnehmung eines Mondes. Das Bhāṣya setzt diese Verkennung zugleich mit der fünfgliedrigen Unwissenheit gleich: avidyā, asmitā, rāga, dveṣa und abhiniveśa; ihre traditionellen Namen sind tamas, moha, mahāmoha, tāmisra und andhatāmisra.
Vikalpa fällt weder unter gültige Erkenntnis noch unter Verkennung. Obwohl ihm ein entsprechender Gegenstand fehlt, ermöglicht die Kraft sprachlicher Erkenntnis einen sinnvollen Sprachgebrauch. Als Beispiele dienen Aussagen wie „Bewusstsein ist das Wesen des Puruṣa“, „der Puruṣa ist untätig“ oder „der Puruṣa entsteht nicht“: Sprache behandelt hier eine Identität oder die Abwesenheit einer Tätigkeit beziehungsweise Entstehung so, als sei sie eine positive Eigenschaft.
Schlaf ist nach dem Vyāsa-Bhāṣya eine besondere Erkenntnisform und nicht bloß das Fehlen von Erkenntnis. Das zeigt die rückblickende Erfahrung beim Erwachen: Man erinnert, glücklich, unglücklich oder tief und dumpf geschlafen zu haben und beschreibt entsprechend einen klaren, unruhigen oder schweren Zustand von Geist und Körper. Ohne eine damalige Erfahrung könnte es keine darauf bezogene Erinnerung geben. Daher ist auch nidrā eine Vṛtti und muss im Samādhi wie andere Vṛtti angehalten werden.
vṛttir ] tamaḥ vṛttiḥ CYS2026
TKVD2019 bietet das Kompositum tamovṛtti, CYS2026 die getrennte Form tamaḥ vṛttiḥ. Beide fügen damit tamas als Bestimmung von vṛtti ein: Schlaf ist dort ausdrücklich eine dunkle oder verhüllende Bewusstseinsbewegung. Die an Āgāśe 1904 orientierte KYM-Bhāṣyaansicht KYMV2026 stimmt dagegen mit dem kürzeren Basistext überein. Das zusätzliche Wort beeinflusst die Deutung deutlich, ohne die Syntax zu stören. Die Metrumangabe Sūtra liefert kein zusätzliches Entscheidungskriterium; für die Arbeitsübersetzung bleibt PE1904 maßgeblich.
anubhūta-viṣayāsaṃpramoṣaḥ smṛtiḥ ||11|| Analyse ▾ Analyse ▴
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anubhūta
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erfahren | |
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viṣaya
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eines Gegenstands | |
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asaṃpramoṣaḥ
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Nicht-Verlust | |
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smṛtiḥ
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Erinnerung |
Eine vom Gegenstand gefärbte Erkenntnis zeigt sowohl den Gegenstand als auch dessen Erfassen und erzeugt einen entsprechenden Saṃskāra. Wird dieser wieder angeregt, bringt er eine Erinnerung mit denselben beiden Seiten hervor. Bei der ursprünglichen Erkenntnis steht das Erfassen, bei der Erinnerung der Gegenstand im Vordergrund. Das Bhāṣya unterscheidet vorgestellte Erinnerung im Traum und nicht vorgestellte Erinnerung im Wachen. Alle Erinnerungen gehen aus Erfahrungen der fünf Vṛtti-Arten hervor; diese tragen Freude, Leid oder Verblendung in sich und müssen sämtlich angehalten werden.
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Illustrationen: KI-generiert.
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