PYS 1.30: Neun Hindernisse
PYS 1.30: Neun Hindernisse

Yogaśāstra 1.30: Zerstreuungen des Citta

Krankheit, Mattheit, Zweifel und sechs weitere Störungen zerstreuen das Citta; sie verhindern das Erlangen und Festigen der Samādhi-Stufen.

Dr. Ronald Steiner Dr. Ronald Steiner Laura von Ostrowski Laura von Ostrowski
Patañjali Yoga Sūtra 1.30
व्याधिस्त्यानसंशयप्रमादालस्याविरतिभ्रान्तिदर्शनालब्धभूमिकत्वानवस्थितत्वानि चित्तविक्षेपास्ते ऽन्तरायाः ||30||
vyādhi-styāna-saṃśaya-pramādālasyāvirati-bhrāntidarśanālabdhabhūmikatvānavasthitatvāni citta-vikṣepās te 'ntarāyāḥ ||30|| Analyse ▾ Analyse ▴
vyādhi
Dvandva-Kompositum
Substantiv Maskulin
Krankheit
styāna
Dvandva-Kompositum
Substantiv Neutrum
Mattheit
saṃśaya
Dvandva-Kompositum
Substantiv Maskulin
Zweifel
pramāda
Dvandva-Kompositum
Substantiv Maskulin
Nachlässigkeit
ālasya
Dvandva-Kompositum
Substantiv Neutrum
Trägheit
avirati
Dvandva-Kompositum
Substantiv Feminin
sinnliche Unenthaltsamkeit
bhrāntidarśana
Dvandva-Kompositum
Substantiv Neutrum
falsche Sicht
alabdhabhūmikatva
Dvandva-Kompositum
Substantiv Neutrum
Nicht-Erlangen einer Stufe
anavasthitatvāni
Nominativ Plural
Substantiv Neutrum
Nicht-Verbleiben auf einer erlangten Stufe
citta
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Neutrum
des Citta
vikṣepāḥ
Nominativ Plural
Substantiv Maskulin
Zerstreuungen
te
Nominativ Plural Maskulin
Pronomen dem
diese
antarāyāḥ
Nominativ Plural
Substantiv Maskulin
Hindernisse
Krankheit, Mattheit, Zweifel, Nachlässigkeit, Trägheit, sinnliche Unenthaltsamkeit, falsche Sicht, das Nicht-Erlangen einer [Samādhi-]Stufe und das Nicht-Verbleiben auf einer erlangten Stufe (vyādhi-styāna-saṃśaya-pramādālasyāvirati-bhrānti-darśanālabdhabhūmikatvānavasthitatvāni | nom pl) [sind] Zerstreuungen des Citta (citta-vikṣepāḥ | nom pl); diese (te | nom pl m) [sind] Hindernisse (antarāyāḥ | nom pl).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich

Neun Hindernisse (antarāya) begegnen Dir auf Deinem Weg und lassen Dich Deinen Fokus verlieren (citta-vikṣepa):

A) Hindernisse, bevor Du überhaupt einen Entschluss gefasst hast

  • Dir fehlen die Möglichkeiten, etwas umzusetzen (vyādhi).
  • Dir fehlt das Bewusstsein dafür, dass etwas notwendig ist (styāna).
  • Du bist Dir nicht sicher, was eigentlich zu tun ist (saṃśaya).

B) Hindernisse, die auftreten, obwohl Du bereits einen Vorsatz hast

  • Du bist zu stolz, um es wirklich anzugehen (pramāda).
  • Du kannst Dich nicht überwinden, wirklich anzufangen (ālasya).
  • Ablenkungen halten Dich davon ab, Deinen Vorsatz umzusetzen (avirati).

C) Hindernisse, die Dein Tun vereiteln können

  • Du gehst so fanatisch vor, dass sich Deine gute Absicht ins Gegenteil verkehrt (bhrānti-darśana).
  • Dir fehlt die nötige Intensität, um mit Deinem Tun ein Ergebnis zu erzielen (alabdhabhūmikatva).
  • Du hast mit Deinem Tun bereits Ergebnisse erzielt, kannst sie aber nicht aufrechterhalten (anavasthitatva).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Bhāṣya definiert neun Zerstreuungen des Citta als dem Yoga entgegenstehende Verunreinigungen:

  1. Vyādhi: Ungleichgewicht von Körperbestandteilen, Säften oder Organen.
  2. Styāna: Handlungsunfähigkeit des Citta.
  3. Saṃśaya: Erkenntnis, die beide Alternativen berührt – „so ist es“ und „so ist es nicht“.
  4. Pramāda: fehlende Pflege der Mittel zum Samādhi.
  5. Ālasya: Untätigkeit aufgrund der Schwere von Körper und Citta.
  6. Avirati: Gier des Citta im Kontakt mit Sinnesgegenständen.
  7. Bhrānti-darśana: verkehrte Erkenntnis.
  8. Alabdhabhūmikatva: Nichterreichen einer Samādhi-Stufe.
  9. Anavasthitatva: fehlende Festigkeit des Citta auf einer bereits erreichten Stufe.
Yoga Śāstra Vyāsa-Bhāṣya
Sickness, langour, doubt, carelessness, laziness, addiction to objects (of sense), erroneous perception, failure to attain any stage (of abstraction) and instability (In the state when attained), these distractions of the mind are obstacles (in the way of the ascetic).
James R. Ballantyne - 1852
Disease, Languor, Doubt, Carelessness, Sloth, Worldly-mindedness, Mistaken Notions, Missing the Point, and Instability;—these causing the distraction of the internal organ are the obstacles.
Ganganatha Jha - 1907
Krankheit, Apathie, Zweifel, Unbesonnenheit, Trägheit, Nichtentsagung, irrige Ansichten, Ermangelung der Yogastufen (2,27) und Unbeständigkeit sind die Zerstreuungen des Cittam (Geistes) und sie bilden die Hindernisse.
Paul Deussen - 1908
Sickness and languor and doubt and heedlessness and worldliness and erroneous perception and failure to attain any stage [of concentration] and instability in the state [when attained] these distractions of the mind-stuff are the obstacles.
James Haughton Woods - 1914

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Illustrationen: KI-generiert.

Editor:innen

Dr. Ronald Steiner

Aus Ulm

Dr. Ronald Steiner, der „Yoga Doc“, begründete die AYI Methode: traditioneller Ashtanga, moderne Yogatherapie und lebendige Philosophie – als persönliche Praxis von sportlich-akrobatisch bis meditativ-therapeutisch. Er... mehr ›

Laura von Ostrowski

Ich bin 2004 das erste Mal mit Yoga in Berührung gekommen und habe seitdem unendlich viele Facetten kennengelernt. Einerseits die vielfältigen praktischen Seiten von Yoga - in Form verschiedener Ausbildungen (500 h... mehr ›

Nachrichten und Bewertungen
7 Nachrichten Ø

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Mit der Zeit verschwinden sämtliche Hindernisse und das tägliche Üben wird eine neue Routine, die nicht mehr in Frage gestellt wird.
Hallo Irene,
ah, Yoga Sutra 2.14 kommt hier auch bald noch mit dieser super präzisen Wort zu Wort Übersetzung. ~i~hetu~~ heißt wörtlich in der Tat "Ursache". Ich habe in dieser Übersetzung es sinngemäß in die selbe Übertragung "Frucht" gebracht und daher mit "Untergrund" übersetzt.
Viel Freude beim eintauchen wünscht Dir
Ronald
I see - Besten Dank Ron, ja erinnere mich, dass du das bereits mal ausgeführt hattest, war aber in Vergessenheit geraten.

PS: Mir ist aufgefallen bei Sutra 2-14 steht in der Übersetzung (Hardcopy-Ringbuch):
Die Frucht einer Handlung ist genussvoll oder leidvoll, je nachdem ob der Untergrund erfolgreich oder missglückt ist.

Meinst Du tatsächlich ‚Untergrund‘‘ oder müsste es ‚Ursache‘ heißen?

Herzlichst - Irene
Hallo Irene,
das ist eine ~i~Sa.mdhi~~ Regel. Ein Visarga (~i~.h~~) vor einem ~i~t~~ wird zu einem "~i~s~~.
Näheres zu den ~i~Sa.mdhi~~ Regeln findest Du hier:
https://de.ashtangayoga.info/philosophie/quelltexte-und-sanskrit/sanskrit-sandhi/
Hilft Dir das weiter?
Namaste und herzliche Grüße
Ronald
Hallo Ron, woher kommt das 's' nach vikshepah? Vielen Dank wieder mal für diese Inspiration. Namaste - Irene