Yoga Sūtra 3: Über Ergebnisse (vibhūti) der Yogapraxis

Das dritte Kapitel des Yoga Sūtra schildert, wie Du schrittweise tiefer in saṃyama eintauchst und welche Ergebnisse, vibhūti oder siddhi, daraus entstehen.

Dr. Ronald Steiner Dr. Ronald Steiner Laura von Ostrowski Laura von Ostrowski
PYS 3.1–4: Saṃyama
PYS 3.1–4: Saṃyama

Yogaśāstra 3.1–4: Dhāraṇā, Dhyāna und Samādhi

Dhāraṇā bindet das Citta an einen Ort, Dhyāna hält denselben Erkenntnisinhalt ununterbrochen, und Samādhi lässt nur den Gegenstand erscheinen; ihre Einheit...

PYS 3.5–8: Stufen des Saṃyama
PYS 3.5–8: Stufen des Saṃyama

Yogaśāstra 3.5–8: Inneres Glied, äußeres Mittel

Meisterung des Saṃyama bringt das Licht der Einsicht und wird stufenweise angewandt. Seine drei Glieder sind innerlicher als die ersten fünf, aber äußerlich...

PYS 3.9–12: Drei Wandlungen des Citta
PYS 3.9–12: Drei Wandlungen des Citta

Yogaśāstra 3.9–12: Nirodha, Samādhi, Ekāgratā

Prägungen des Stillstands überwinden Aktivität, Zerstreuung weicht Einpünktigkeit, und gleichartige Vorstellungen bilden einen ununterbrochenen ruhigen Strom.

Patañjali Yoga Sūtra 3.9
Wenn bei den Prägungen von Aktivität und Stillstand (vyutthāna-nirodha-saṃskārayoḥ | gen du) die [erste] überwunden wird und die [zweite] hervortritt (abhibhava-prādurbhāvau | nom du), [ist] die Verbindung des Citta mit dem Moment des Stillstands (nirodha-kṣaṇa-cittānvayaḥ | nom sg) die Umwandlung zum Stillstand (nirodha-pariṇāmaḥ | nom sg).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Patañjali Yoga Sūtra 3.10
Der ruhige Fluss (praśānta-vāhitā | nom sg) dieses [Citta] (tasya | gen sg) [entsteht] aus der Prägung [des Stillstands] (saṃskārāt | abl sg).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Patañjali Yoga Sūtra 3.11
Die Samādhi-Umwandlung (samādhi-pariṇāmaḥ | nom sg) des Citta (cittasya | gen sg) [ist] das Schwinden [der ersten] und das Hervortreten [der zweiten] (kṣayodayau | nom du) von Vielgerichtetheit und Einpünktigkeit (sarvārthataikāgratayoḥ | gen du).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Patañjali Yoga Sūtra 3.12
Dann (tataḥ) wiederum (punaḥ) [liegt] die Einpünktigkeits-Umwandlung (ekāgratā-pariṇāmaḥ | nom sg) des Citta (cittasya | gen sg) [vor], wenn die zur Ruhe gekommene [vorherige] und die hervorgetretene [folgende Vorstellung] (śāntoditau | nom du m) gleichartige Erkenntnisinhalte (tulya-pratyayau | nom du) [sind].
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
PYS 3.13–14: Drei Arten der Wandlung
PYS 3.13–14: Drei Arten der Wandlung

Yogaśāstra 3.13–14: Beschaffenheit, Zeit und Zustand

Das Modell des Citta gilt auch für Elemente und Sinne: Ein bleibender Dharmin trägt vergangene, gegenwärtige und noch unbestimmbare Beschaffenheiten.

PYS 3.15–16: Abfolge der Wandlung
PYS 3.15–16: Abfolge der Wandlung

Yogaśāstra 3.15–16: Vergangenheit und Zukunft

Verschiedene Abfolgen erzeugen verschiedene Wandlungen. Saṃyama auf Beschaffenheits-, Zeitmerkmals- und Zustandswandel erschließt Vergangenheit und Zukunft.

PYS 3.17–20: Außergewöhnliches Wissen
PYS 3.17–20: Außergewöhnliches Wissen

Yogaśāstra 3.17–20: Sprache, Geburten, fremdes Citta

Saṃyama erschließt die Laute aller Wesen, frühere Geburten und das Citta eines anderen; das Objekt der fremden Vorstellung bleibt ohne eigenen Saṃyama...

Patañjali Yoga Sūtra 3.17
Aus der gegenseitigen Überlagerung (itaretarādhyāsāt | abl sg) von Wort, Gegenstand und Vorstellung (śabdārtha-pratyayānām | gen pl) [entsteht] Vermischung (saṃkaraḥ | nom sg). Durch Saṃyama auf deren Trennung (tat-pravibhāga-saṃyamāt | abl sg) [entsteht] Wissen um die Laute aller Wesen (sarva-bhūta-ruta-jñānam | nom sg).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Patañjali Yoga Sūtra 3.18
Aus der unmittelbaren Wahrnehmung der Prägungen (saṃskāra-sākṣātkaraṇāt | abl sg) [entsteht] Wissen um frühere Geburten (pūrva-jāti-jñānam | nom sg).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Patañjali Yoga Sūtra 3.19
[Durch Saṃyama] auf eine Vorstellung (pratyayasya | gen sg) [entsteht] Wissen vom Citta eines anderen (para-citta-jñānam | nom sg).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Patañjali Yoga Sūtra 3.20
Aber (ca) dieses [Wissen] (tat | nom sg n) [schließt] sein Bezugsobjekt [das Objekt der fremden Vorstellung] nicht (na) mit ein (sālambanam | nom sg n), weil dieses [Bezugsobjekt] (tasya | gen sg) nicht zum Gegenstand [des Saṃyama] geworden ist (aviṣayī-bhūtatvāt | abl sg).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
PYS 3.21–22: Unsichtbarkeit und Todeszeit
PYS 3.21–22: Unsichtbarkeit und Todeszeit

Yogaśāstra 3.21–22: Körpergestalt und reifendes Karma

Saṃyama unterbricht die Wahrnehmbarkeit der Körpergestalt und macht den Yogin unsichtbar; auf reifendes Karma gerichtet enthüllt es die Todeszeit, ebenso...

PYS 3.23–25: Kräfte und Fernwissen
PYS 3.23–25: Kräfte und Fernwissen

Yogaśāstra 3.23–25: Stärke und verborgene Dinge

Saṃyama auf Freundlichkeit, Mitgefühl oder Mitfreude erzeugt Kräfte; Saṃyama auf Stärke verleiht Elefantenkraft, und inneres Erkenntnislicht zeigt subtile...

PYS 3.26–28: Wissen über den Kosmos
PYS 3.26–28: Wissen über den Kosmos

Yogaśāstra 3.26–28: Sonne, Mond und Polarstern

Saṃyama auf die Sonne erschließt die sieben Weltbereiche, auf den Mond die Anordnung der Sterne und auf den Polarstern ihre Bewegung im traditionellen Kosmos.

PYS 3.29–34: Körperorte und Erkenntnisse
PYS 3.29–34: Körperorte und Erkenntnisse

Yogaśāstra 3.29–34: Nabel, Kehle, Scheitel und Herz

Saṃyama an Nabel, Kehle, Kūrma-Nāḍī, Scheitellicht und Herz erzeugt Wissen von Körper und Citta, beendet Hunger und Durst, verleiht Festigkeit und lässt...

Patañjali Yoga Sūtra 3.29
Durch [Saṃyama] auf das Nabelzentrum (nābhi-cakre | loc sg) [entsteht] Wissen um den Aufbau des Körpers [aus Doṣa, Dhātu und Körperteilen] (kāya-vyūha-jñānam | nom sg).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Patañjali Yoga Sūtra 3.30
Durch [Saṃyama] auf die Kehlgrube (kaṇṭha-kūpe | loc sg) [entsteht] das Aufhören von Hunger und Durst (kṣut-pipāsā-nivṛttiḥ | nom sg).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Patañjali Yoga Sūtra 3.31
Durch [Saṃyama] auf den schildkrötenförmigen inneren Kanal [unterhalb der Kehlgrube im Brustraum] (kūrma-nāḍyām | loc sg) [entsteht] Festigkeit (sthairyam | nom sg).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Patañjali Yoga Sūtra 3.32
Durch [Saṃyama] auf das Scheitellicht (mūrdha-jyotiṣi | loc sg) [entsteht] das Schauen der Siddhas [vollendeter Wesen] (siddha-darśanam | nom sg).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Patañjali Yoga Sūtra 3.33
Oder (vā) durch intuitive Erkenntniskraft [als Vorstufe der Unterscheidungserkenntnis] (prātibhāt | abl sg) [erkennt der Yogin] alles (sarvam | acc sg n).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Patañjali Yoga Sūtra 3.34
Durch [Saṃyama] im Herzen [als Ort des Citta] (hṛdaye | loc sg) [entsteht] Erkenntnis des Citta (citta-saṃvit | nom sg).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
PYS 3.35–37: Puruṣa-Erkenntnis und Siddhis
PYS 3.35–37: Puruṣa-Erkenntnis und Siddhis

Yogaśāstra 3.35–37: Außergewöhnliche Sinne

Saṃyama auf die Verschiedenheit von Sattva und Puruṣa erzeugt Puruṣa-Erkenntnis und übernatürliches Hören, Fühlen, Sehen, Schmecken und Riechen; im Samādhi...

Patañjali Yoga Sūtra 3.35
Erfahrung (bhogaḥ | nom sg) ist die Nichtunterscheidung in einem Erkenntnisinhalt (pratyayāviśeṣaḥ | nom sg) [zwischen] Sattva [der Klarheit des Citta] und Puruṣa (sattva-puruṣayoḥ | gen du), obwohl beide vollkommen unvermischt sind (atyantāsaṃkīrṇayoḥ | gen du m). Weil [Sattva] für einen anderen [den Puruṣa] da ist (parārthāt | abl sg), [entsteht] durch Saṃyama auf das Für-sich-Sein [des Puruṣa] (svārtha-saṃyamāt | abl sg) Erkenntnis des Puruṣa (puruṣa-jñānam | nom sg).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Patañjali Yoga Sūtra 3.36
Daraus [aus der Erkenntnis des Puruṣa] (tataḥ) entstehen (jāyante | 3p pl med pres) intuitive Erkenntnis sowie [übernatürliches] Hören, Berührungsempfinden, Schauen, Schmecken und Riechen (prātibha-śrāvaṇa-vedanādarśāsvāda-vārtāḥ | nom pl).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Patañjali Yoga Sūtra 3.37
Diese [sechs Fähigkeiten] (te | nom pl m) [sind] im Samādhi (samādhau | loc sg) Hindernisse (upasargāḥ | nom pl), im hervorgetretenen Zustand [des Citta] (vyutthāne | loc sg) dagegen Vollkommenheiten (siddhayaḥ | nom pl).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
PYS 3.38: Eintritt in einen fremden Körper
PYS 3.38: Eintritt in einen fremden Körper

Yogaśāstra 3.38: Das Citta verlässt seine Bindung

Die Lockerung karmischer Körperbindung und Kenntnis der Bewegungswege des Citta ermöglichen dessen tatsächlichen Eintritt in einen fremden Körper.

PYS 3.39–40: Udāna und Samāna
PYS 3.39–40: Udāna und Samāna

Yogaśāstra 3.39–40: Nichtanhaften, Tod und Glut

Beherrschtes Udāna verhindert das Anhaften des Körpers an Wasser, Schlamm oder Dornen und ermöglicht das Hinausschreiten beim Tod; Samāna lässt den Körper...

PYS 3.41–42: Göttliches Hören und Raumgang
PYS 3.41–42: Göttliches Hören und Raumgang

Yogaśāstra 3.41–42: Hörorgan, Körper und Raum

Saṃyama auf die Verbindung von Hörorgan und Raum erzeugt göttliches Hören; auf Körper und Raum sowie Leichtigkeit gerichtet ermöglicht es die Bewegung des...

PYS 3.43: Mahāvidehā
PYS 3.43: Mahāvidehā

Yogaśāstra 3.43: Große Körperlosigkeit

In Mahāvidehā besteht eine nicht vorgestellte Vṛtti außerhalb des Körpers; dadurch schwindet die Verdeckung des Lichtes des Citta-Sattva.

PYS 3.44–46: Meisterschaft über Elemente
PYS 3.44–46: Meisterschaft über Elemente

Yogaśāstra 3.44–46: Aṇiman und Körpervollkommenheit

Saṃyama auf die Elemente erzeugt Meisterschaft, Atomkleinheit und weitere Siddhis, Unbeeinträchtigung durch ihre Eigenschaften sowie Schönheit, Kraft und...

PYS 3.47–48: Meisterschaft über Sinne
PYS 3.47–48: Meisterschaft über Sinne

Yogaśāstra 3.47–48: Sinnesorgane und Pradhāna

Saṃyama auf die fünf Seiten der Sinnesorgane verleiht gedankenschnelle Bewegung, Erkenntnis ohne körperliche Sinneswerkzeuge und Meisterschaft über Pradhāna.

PYS 3.49–51: Allwissen oder Kaivalya
PYS 3.49–51: Allwissen oder Kaivalya

Yogaśāstra 3.49–51: Höchste Siddhis aufgeben

Die Unterscheidung von Sattva und Puruṣa verleiht Allwissen und Herrschaft. Loslösung davon zerstört den Fehlerkeim und führt zu Kaivalya; göttliche...

PYS 3.52–55: Viveka und Kaivalya
PYS 3.52–55: Viveka und Kaivalya

Yogaśāstra 3.52–55: Wissen ohne Abfolge

Saṃyama auf Moment und Abfolge erzeugt ein allumfassendes, nicht schrittweises Unterscheidungswissen. Bei gleicher Reinheit von Sattva und Puruṣa besteht...

Patañjali Yoga Sūtra 3.52
Durch Saṃyama (saṃyamāt | abl sg) auf den [kleinsten] Moment und dessen Abfolge (kṣaṇa-tat-kramayoḥ | loc du) [entsteht] aus Unterscheidung geborenes Wissen (vivekajaṃ jñānam | nom sg).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Patañjali Yoga Sūtra 3.53
Daraus (tataḥ) [entsteht] die Erfassung [der Verschiedenheit] (pratipattiḥ | nom sg) zweier gleicher [Dinge] (tulyayoḥ | gen du), weil ihre Verschiedenheit durch Gattung, Merkmal und Ort (jāti-lakṣaṇa-deśaiḥ | ins pl) nicht abgegrenzt ist (anyatānavacchedāt | abl sg).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Patañjali Yoga Sūtra 3.54
Das aus Unterscheidung geborene Wissen (vivekajaṃ jñānam | nom sg) [ist] aus eigener Eingebung entstanden [nicht durch Unterweisung vermittelt] (tārakam | nom sg n), auf alle Gegenstände bezogen (sarva-viṣayam | nom sg n), in jeder Hinsicht auf [sie] bezogen (sarvathā-viṣayam | nom sg n) und ohne Abfolge (akramam | nom sg n) – und so (ceti) [wird es bestimmt].
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Patañjali Yoga Sūtra 3.55
Bei gleicher Reinheit (śuddhi-sāmye | loc sg) von Sattva [des Citta] und Puruṣa (sattva-puruṣayoḥ | gen du) [besteht] das Alleinstehen [des Puruṣa] (kaivalyam | nom sg), so (iti).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich

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Illustrationen: KI-generiert.

Editor:innen

Dr. Ronald Steiner

Aus Ulm

Dr. Ronald Steiner, der „Yoga Doc“, begründete die AYI Methode: traditioneller Ashtanga, moderne Yogatherapie und lebendige Philosophie – als persönliche Praxis von sportlich-akrobatisch bis meditativ-therapeutisch. Er... mehr ›

Laura von Ostrowski

Ich bin 2004 das erste Mal mit Yoga in Berührung gekommen und habe seitdem unendlich viele Facetten kennengelernt. Einerseits die vielfältigen praktischen Seiten von Yoga - in Form verschiedener Ausbildungen (500 h... mehr ›