PYS 3.41–42: Göttliches Hören und Raumgang
PYS 3.41–42: Göttliches Hören und Raumgang

Yogaśāstra 3.41–42: Hörorgan, Körper und Raum

Saṃyama auf die Verbindung von Hörorgan und Raum erzeugt göttliches Hören; auf Körper und Raum sowie Leichtigkeit gerichtet ermöglicht es die Bewegung des Körpers durch den Raum.

Dr. Ronald Steiner Dr. Ronald Steiner Laura von Ostrowski Laura von Ostrowski
Patañjali Yoga Sūtra 3.41
श्रोत्राकाशयोः संबन्धसंयमाद्दिव्यं श्रोत्रम् ||41||
śrotrākāśayoḥ saṃbandha-saṃyamād divyaṃ śrotram ||41|| Analyse ▾ Analyse ▴
śrotra
Dvandva-Kompositum
Substantiv Neutrum
Gehör, Hörorgan
ākāśayoḥ
Genitiv Dual
Substantiv Neutrum
Raum, Äther
saṃbandha
Tatpuruṣa-Kompositum Lokativ
Substantiv Maskulin
Verbindung, Beziehung
saṃyamāt
Ablativ Singular
Substantiv Maskulin
Meditation, Sammlung
divyam
Nominativ Singular Neutrum
Adjektiv
göttlich, fein, übermenschlich
śrotram
Nominativ Singular
Substantiv Neutrum
Gehör, Hören
Durch Saṃyama auf die Verbindung (saṃbandha-saṃyamāt | abl sg) von Hörorgan und Raum [als Element] (śrotrākāśayoḥ | gen du) [entsteht] göttliches Hörvermögen (divyaṃ śrotram | nom sg).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Schließe die Augen und lausche zuerst einem Klang, dann dem Raum, in dem er erscheint. Nimm wahr, wie Hören (śrotra) weit wird, wenn Du auch der Stille um den Ton folgst.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Vyāsa-Bhāṣya bezeichnet ākāśa als Grundlage aller Hörorgane und Klänge und das Hörvermögen als das aus der Wahrnehmung von Klang erschlossene Organ. Saṃyama auf die Beziehung zwischen Hörorgan und Raum lässt ein göttliches Hörvermögen entstehen.

Yoga Śāstra Vyāsa-Bhāṣya
A divine organ of hearing is developed in the ascetic by his performing restraint with regard to the connection between the organ of hearing and the ether.
James R. Ballantyne - 1852
From Sanyama over the relation between the organ of hearing and âkâsa, perfect audition.
Ganganatha Jha - 1907
Durch Allzucht angewendet auf die Verbindung von Gehör und Äther erfolgt himmlisches Gehör.
Paul Deussen - 1908
As a result of constraint upon the relation between the organ-of-hearing and the air (ākāśa), [there arises] the supernal organ-of-hearing.
James Haughton Woods - 1914
Patañjali Yoga Sūtra 3.42
कायाकाशयोः संबन्धसंयमाल्लघुतूलसमापत्तेश्चाकाशगमनम् ||42||
kāyākāśayoḥ saṃbandha-saṃyamāl laghu-tūla-samāpatteś cākāśa-gamanam ||42|| Analyse ▾ Analyse ▴
kāya
Dvandva-Kompositum
Substantiv Maskulin
Körper
ākāśayoḥ
Genitiv Dual
Substantiv Neutrum
Raum, Äther
saṃbandha
Tatpuruṣa-Kompositum Lokativ
Substantiv Maskulin
Verbindung, Beziehung
saṃyamāt
Ablativ Singular
Substantiv Maskulin
Meditation, Sammlung
laghu
Karmadhāraya-Kompositum
Adjektiv
leicht
tūla
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Neutrum
Baumwolle, Baumwollfaser
samāpatteḥ
Ablativ Singular
Substantiv Feminin
Zusammenfallen, meditative Versenkung
ca
Partikel
und, oder
ākāśa
Tatpuruṣa-Kompositum Lokativ
Substantiv Neutrum
Raum, Äther
gamanam
Nominativ Singular
Substantiv Neutrum
Gehen, Bewegung
Durch Saṃyama auf die Verbindung (saṃbandha-saṃyamāt | abl sg) von Körper und Raum [als Element] (kāyākāśayoḥ | gen du) sowie (ca) durch Samāpatti mit der Leichtigkeit einer Baumwollfaser (laghu-tūla-samāpatteḥ | abl sg) [entsteht] Bewegung [des Körpers] durch den Raum (ākāśa-gamanam | nom sg).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Bewege Dich langsam, als wäre Dein Körper leicht wie eine Baumwollfaser. Spüre zugleich Boden und Raum: Leichtigkeit entsteht durch weniger unnötige Spannung, nicht durch ein Verlassen des Körpers.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Raum steht nach dem Vyāsa-Bhāṣya mit dem Körper in Beziehung, weil er ihm Platz gibt. Durch saṃyama auf diese Beziehung und samāpatti auf sehr leichte Dinge bis hin zum Atom wird der Yogin leicht; der Kommentar beschreibt eine Steigerung vom Gehen über Wasser über Spinnfäden und Lichtstrahlen bis zur freien Bewegung im Raum.

Yoga Śāstra Vyāsa-Bhāṣya
A power of walking through the air is developed in the ascetic by his obtaining a state of lightness like a light piece of cotton, from performing restraint with regard to the connection which a body has with air.
James R. Ballantyne - 1852
From the Sanyama over the relation of the body and Âkâsâ, (results) passage through space, from the acquisition of levity like that of cotton.
Ganganatha Jha - 1907
Durch Anwendung der Allzucht auf die Verbindung von Leib und Luftraum und durch Werden wie leichte Baumwolle erfolgt Gehen im Luftraum.
Paul Deussen - 1908
Either as the result of constraint upon the relation between the body and the air (ākāśa), or as the result of the balanced-state of lightness, such as that of the cotton-fibre, there follows the passing through air.
James Haughton Woods - 1914

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Illustrationen: KI-generiert.

Editor:innen

Dr. Ronald Steiner

Aus Ulm

Dr. Ronald Steiner, der „Yoga Doc“, begründete die AYI Methode: traditioneller Ashtanga, moderne Yogatherapie und lebendige Philosophie – als persönliche Praxis von sportlich-akrobatisch bis meditativ-therapeutisch. Er... mehr ›

Laura von Ostrowski

Ich bin 2004 das erste Mal mit Yoga in Berührung gekommen und habe seitdem unendlich viele Facetten kennengelernt. Einerseits die vielfältigen praktischen Seiten von Yoga - in Form verschiedener Ausbildungen (500 h... mehr ›

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