PYS 3.13–14: Drei Arten der Wandlung
PYS 3.13–14: Drei Arten der Wandlung

Yogaśāstra 3.13–14: Beschaffenheit, Zeit und Zustand

Das Modell des Citta gilt auch für Elemente und Sinne: Ein bleibender Dharmin trägt vergangene, gegenwärtige und noch unbestimmbare Beschaffenheiten.

Dr. Ronald Steiner Dr. Ronald Steiner Laura von Ostrowski Laura von Ostrowski
Patañjali Yoga Sūtra 3.13
एतेन भूतेन्द्रियेषु धर्मलक्षणावस्थापरिणामा व्याख्याताः ||13||
etena bhūtendriyeṣu dharma-lakṣaṇāvasthā-pariṇāmā vyākhyātāḥ ||13|| Analyse ▾ Analyse ▴
etena
Instrumentalis Singular Neutrum
Pronomen dem
durch jenes
bhūta
Dvandva-Kompositum
Substantiv Neutrum
grobstoffliches Element
indriyeṣu
Lokativ Plural
Substantiv Neutrum
Sinnesorgan
dharma
Dvandva-Kompositum
Substantiv Maskulin
Beschaffenheit, Aufgabe, Eigenschaft
lakṣaṇa
Dvandva-Kompositum
Substantiv Neutrum
Merkmal, Zeichen, zeitliche Bestimmung
avasthā
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Feminin
Zustand, Lage
pariṇāmāḥ
Nominativ Plural
Substantiv Maskulin
Umwandlungen
vyākhyātāḥ
Nominativ Plural Maskulin Partizip Perfekt Passiv
Präfix
Präfix
Verbalwurzel
erklärt
Durch dieses [Modell der Citta-Umwandlungen] (etena | ins sg n) [sind] bei den Elementen und Sinnesorganen (bhūtendriyeṣu | loc pl) die Umwandlungen von Beschaffenheit, Zeitmerkmal und Zustand (dharma-lakṣaṇāvasthā-pariṇāmāḥ | nom pl) erklärt (vyākhyātāḥ | nom pl m ppp).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Erkunde Wandel (pariṇāma) in einer einfachen Haltung: ihre Form, ihren zeitlichen Verlauf und ihre wechselnde Intensität. Dein Körper ist kein festes Bild, sondern ein lebendiger Prozess.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Vyāsa-Bhāṣya überträgt das am Citta erklärte Wandlungsmodell auf Elemente und Sinne. Beim dharma-pariṇāma tritt in einem Träger eine Eigenschaft zurück und eine andere hervor; beim lakṣaṇa-pariṇāma durchläuft eine Eigenschaft die zeitlichen Kennzeichnungen zukünftig, gegenwärtig und vergangen; beim avasthā-pariṇāma verändert sich ihre jeweilige Stärke oder Verfassung. Diese drei Aspekte überschreiten den zugrunde liegenden dharmin nicht: Wie Ton beim Übergang von Klumpen zu Gefäß bleibt der Stoff derselbe, während Eigenschaft, Zeitkennzeichnung und Zustand wechseln.

Yoga Śāstra Vyāsa-Bhāṣya
By this (exposition of the modifications of the internal organs) the (three) modifications in the shape of property (Dharma), indication (Lakṣaṇa) and position (Avasthā) in (or of) the elements-and organs, have been (sufficiently) explained.
James R. Ballantyne - 1852
This also explains the modifications of property, time and condition, in the elementary substances and the sense-organs.
Ganganatha Jha - 1907
Damit sind in bezug auf Elemente und Sinnesorgane die [durch die drei Akte bedingten] Umwandlungen ihrer Naturbeschaffenheiten, Merkmale und Zustände erklärt.
Paul Deussen - 1908
Thus, with regard to elements and to organs, mutations of external-aspect and of time-variation and of intensity have been enumerated.
James Haughton Woods - 1914
Patañjali Yoga Sūtra 3.14
शान्तोदिताव्यपदेश्यधर्मानुपाती धर्मी ||14||
śāntoditāvyapadeśya-dharmānupātī dharmī ||14|| Analyse ▾ Analyse ▴
śānta
Dvandva-Kompositum
Adjektiv
beruhigt, vergangen, erloschen
udita
Dvandva-Kompositum
Adjektiv
hervorgetreten, aktuell
avyapadeśya
Karmadhāraya-Kompositum
Adjektiv
unbestimmbar, zukünftig
dharma
Tatpuruṣa-Kompositum Akkusativ
Substantiv Maskulin
Beschaffenheit, Eigenschaft
anupātī
Nominativ Singular Maskulin
Adjektiv
folgend, entsprechend
dharmī
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Beschaffenheitsträger
Der Beschaffenheitsträger (dharmī | nom sg) entspricht den vergangenen, gegenwärtigen und noch unbestimmbaren [zukünftigen] Beschaffenheiten (śāntoditāvyapadeśya-dharmānupātī | nom sg m).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Zustände kommen und gehen. Spüre die Kontinuität (dharmin), die vergangene, gegenwärtige und noch entstehende Erfahrung miteinander verbindet.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Der dharmin ist nach dem Vyāsa-Bhāṣya der durchgehende Träger der beruhigten, hervorgetretenen und noch nicht benennbaren Eigenschaften. Der Kommentar verteidigt diesen Zusammenhang gegen eine Lehre bloß momentaner Eigenschaften: Ohne einen fortbestehenden Träger ließen sich weder karmische Erfahrung noch Erinnerung oder das Wiedererkennen eines Gegenstands erklären.

Yoga Śāstra Vyāsa-Bhāṣya
add. tatra PM2026 ante śāntoditāvyapadeśyadharmānupātī
Kritischer Apparat

Das zusätzliche tatra in PM2026 bindet die Definition des Trägers ausdrücklich an den zuvor beschriebenen Zusammenhang. Die Ergänzung verändert den Sachgehalt nur wenig, macht den Anschluss aber syntaktisch deutlicher. PE1904 bleibt als festgelegter Basistext unverändert.

Apparat-Kommentar
A Dharmī is that which follows upon (or has) the properties in the shape of Śānta (tranquil), udita (risen) and avyapaddṣya (incapable of denomination).
James R. Ballantyne - 1852
The subject is that which is correlated to the properties of tranquility, activity, and latency (indescribability).
Ganganatha Jha - 1907
Hierbei ist der Beschaffenheitsträger der beruhigten, der erhabenen und der unaussprechlichen Beschaffenheit entsprechend.
Paul Deussen - 1908
A substance conforms itself to quiescent and uprisen and indeterminable external-aspects.
James Haughton Woods - 1914

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Illustrationen: KI-generiert.

Editor:innen

Dr. Ronald Steiner

Aus Ulm

Dr. Ronald Steiner, der „Yoga Doc“, begründete die AYI Methode: traditioneller Ashtanga, moderne Yogatherapie und lebendige Philosophie – als persönliche Praxis von sportlich-akrobatisch bis meditativ-therapeutisch. Er... mehr ›

Laura von Ostrowski

Ich bin 2004 das erste Mal mit Yoga in Berührung gekommen und habe seitdem unendlich viele Facetten kennengelernt. Einerseits die vielfältigen praktischen Seiten von Yoga - in Form verschiedener Ausbildungen (500 h... mehr ›

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