PYS 3.47–48: Meisterschaft über Sinne
PYS 3.47–48: Meisterschaft über Sinne

Yogaśāstra 3.47–48: Sinnesorgane und Pradhāna

Saṃyama auf die fünf Seiten der Sinnesorgane verleiht gedankenschnelle Bewegung, Erkenntnis ohne körperliche Sinneswerkzeuge und Meisterschaft über Pradhāna.

Dr. Ronald Steiner Dr. Ronald Steiner Laura von Ostrowski Laura von Ostrowski
Patañjali Yoga Sūtra 3.47
ग्रहणस्वरूपास्मितान्वयार्थवत्त्वसंयमादिन्द्रियजयः ||47||
grahaṇa-svarūpāsmitānvayārthavattva-saṃyamād indriya-jayaḥ ||47|| Analyse ▾ Analyse ▴
grahaṇa
Dvandva-Kompositum
Substantiv Neutrum
Erfassen, Wahrnehmen
svarūpa
Dvandva-Kompositum
Substantiv Neutrum
Eigenform, eigene Gestalt
asmitā
Dvandva-Kompositum
Substantiv Feminin
Ichheit, Ichbewusstsein
anvaya
Dvandva-Kompositum
Substantiv Maskulin
Zusammenhang, Verbindung
arthavattva
Tatpuruṣa-Kompositum Lokativ
Substantiv Neutrum
Zweckhaftigkeit, Bedeutsamkeit
saṃyamāt
Ablativ Singular
Substantiv Maskulin
Meditation, Sammlung
indriya
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Neutrum
Sinnesorgan
jayaḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Sieg, Meisterschaft
Durch Saṃyama auf das Erfassen [eines Gegenstands], die Eigenform [des Sinnesvermögens], die Ichheit, den Zusammenhang [mit den Guṇa] und die Zweckhaftigkeit [für Erfahrung und Befreiung] (grahaṇa-svarūpāsmitānvayārthavattva-saṃyamāt | abl sg) [entsteht] Meisterschaft über die Sinnesorgane (indriya-jayaḥ | nom sg).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Erforsche einen Sinn Schritt für Schritt: den Kontakt mit dem Objekt, die Eigenart des Wahrnehmens, das Gefühl „ich nehme wahr“, seine Verbindungen und seinen Zweck. So wird Sinneserleben (indriya) bewusst, ohne dass Du es unterdrücken musst.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Vyāsa-Bhāṣya analysiert die Sinne in fünf Formen: grahaṇa als Erfassen eines besonderen Sinnesgegenstands, svarūpa als das aus Buddhi-Sattva gebildete Sinnesorgan, asmitā als seine Ich-Ursache, anvaya als die in ihm wirkenden Guṇas und arthavattva als sein Zweck für Puruṣa. Stufenweises saṃyama auf diese fünf Formen führt zur Sinnesmeisterschaft.

Yoga Śāstra Vyāsa-Bhāṣya
The conquering of the organs of sense results from restraint performed with regard to perception, nature, egotism, concomitance and possession of objects.
James R. Ballantyne - 1852
From Sanyama with regard to perception, nature, egoism, concomitance and usefulness, results mastery over the sense-organs.
Ganganatha Jha - 1907
Durch [Anwendung der] Allzucht auf Perzeption, Qualität, Ichbewußtsein, Abhängigkeit [von den Guṇa’s] und Zweckbestimmtheit [der Sinnesorgane] erfolgt Beherrschung der Sinnesorgane.
Paul Deussen - 1908
As a result of constraint upon the process-of-knowing and the essential-attribute and the feeling-of-personality and the inherence and the purposiveness, [there follows] the subjugation of the organs.
James Haughton Woods - 1914
Patañjali Yoga Sūtra 3.48
ततो मनोजवित्वं विकरणभावः प्रधानजयश्च ||48||
tato mano-javitvaṃ vikaraṇa-bhāvaḥ pradhāna-jayaś ca ||48|| Analyse ▾ Analyse ▴
tatas
Adverb
daraus, danach
manas
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Neutrum
Geist, Denkprinzip
javitvam
Nominativ Singular
Substantiv Neutrum
Schnelligkeit
vikaraṇa
Karmadhāraya-Kompositum
Adjektiv
ohne Organ, ohne Werkzeug
bhāvaḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Zustand, Sein
pradhāna
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Neutrum
Urmaterie, Urgrund
jayaḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Sieg, Meisterschaft
ca
Partikel
und
Daraus (tataḥ) [entstehen] Schnelligkeit [des Körpers] wie die des Denkprinzips (mano-javitvam | nom sg), ein Zustand [des Wahrnehmens] ohne [körperliche] Sinneswerkzeuge (vikaraṇa-bhāvaḥ | nom sg) und (ca) Meisterschaft über Pradhāna [die Urmaterie] (pradhāna-jayaḥ | nom sg).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Wenn die Sinne ruhig und klar sind, kannst Du schneller reagieren, ohne jedem Reiz zu folgen. Nutze diese Freiheit, um bewusst zu wählen, was jetzt Aufmerksamkeit und Handlung erhält.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Vyāsa-Bhāṣya nennt drei Folgen der Sinnesmeisterschaft: mano-javitva, die unübertroffene Schnelligkeit des Körpers; vikaraṇa-bhāva, die körperunabhängige Tätigkeit der Sinne am gewünschten Ort, zur gewünschten Zeit und am gewünschten Gegenstand; und pradhāna-jaya, die Beherrschung aller Umformungen der Prakṛti.

Yoga Śāstra Vyāsa-Bhāṣya
Therefrom spring up velocity of mind, the state of modification and the conquest of nature.
James R. Ballantyne - 1852
Therefrom (proceed) fleetness like that of mind, un-instrumental perception, and complete mastery over Nature.
Ganganatha Jha - 1907
Aus ihr Gedankenschnelle, Bestehen auch ohne Organe und Beherrschung der Prakṛiti.
Paul Deussen - 1908
As a result of this [there follows] speed [great as that] of the central-organ, action of the instruments of [knowledge] disjunct [from the body], and the subjugation of the primary-cause.
James Haughton Woods - 1914

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Illustrationen: KI-generiert.

Editor:innen

Dr. Ronald Steiner

Aus Ulm

Dr. Ronald Steiner, der „Yoga Doc“, begründete die AYI Methode: traditioneller Ashtanga, moderne Yogatherapie und lebendige Philosophie – als persönliche Praxis von sportlich-akrobatisch bis meditativ-therapeutisch. Er... mehr ›

Laura von Ostrowski

Ich bin 2004 das erste Mal mit Yoga in Berührung gekommen und habe seitdem unendlich viele Facetten kennengelernt. Einerseits die vielfältigen praktischen Seiten von Yoga - in Form verschiedener Ausbildungen (500 h... mehr ›

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