SS 3.30–3.32: Die Welt als eigene Śakti
SS 3.30–3.32: Die Welt als eigene Śakti

Śiva Sūtra 3.30–3.32: Schöpfung, Erhaltung und Auflösung

Die Welt erscheint als Entfaltung der eigenen Śakti. Auch in Schöpfung, Erhaltung und Auflösung bleibt der Zustand des Erkennenden unaufgehoben.

Dr. Ronald Steiner Dr. Ronald Steiner
Śiva Sūtra 3.30
स्वशक्तिप्रचयो विश्वम् ||3.30||
sva-śakti-pracayo viśvam ||3.30|| Analyse ▾ Analyse ▴
sva
Karmadhāraya-Kompositum
Pronomen
eigen, selbst
śakti
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Feminin
Śakti, Kraft
pracayaḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Ansammlung, Entfaltung, Fülle
viśvam
Nominativ Singular
Substantiv Neutrum
Welt, All
Das All (viśvam | nom sg) [ist] die Entfaltung der eigenen Śakti (sva-śakti-pracayaḥ | nom sg).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Die ganze Welt erscheint als Entfaltung der eigenen Śakti.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Kṣemarāja erklärt in der Vimarśinī: Für den Verwirklichten ist die Welt nicht fremd, sondern Ansammlung seiner eigenen Kräfte.

Kṣemarājas Śivasūtravimarśinī

In der Vārttika wird erläutert: Wie für Śiva ist auch für den Parayogin die Welt die Entfaltung der eigenen, vom Selbst nie getrennten Śakti.

Bhāskaras Śivasūtravārttika
Śiva Sūtra 3.31
स्थितिलयौ ||3.31||
sthiti-layau ||3.31|| Analyse ▾ Analyse ▴
sthiti
Dvandva-Kompositum
Substantiv Feminin
Erhaltung, Bestehen
layau
Nominativ Dual
Substantiv Maskulin
Auflösung
[Es bestehen] Erhaltung und Auflösung (sthiti-layau | nom du).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
In ihr zeigen sich Erhaltung und Auflösung.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Kṣemarāja erklärt in der Vimarśinī: Die Kräfte, durch die Erfahrung bestehen bleibt oder vergeht, werden als eigene Bewusstseinsbewegungen erkannt.

Kṣemarājas Śivasūtravimarśinī

In der Vārttika wird erläutert: Sthiti ist die Weise, in der die entfaltete Welt für eine Zeit als Diesheit erscheint.

Bhāskaras Śivasūtravārttika
Śiva Sūtra 3.32
तत्प्रवृत्तावप्यनिरासः संवेत्तृभावात् ||3.32||
tat-pravṛttāv apy anirāsaḥ saṃvettṛ-bhāvāt ||3.32|| Analyse ▾ Analyse ▴
tat
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Pronomen dem
dieser, ihrer
pravṛttau
Lokativ Absolutus Singular
Substantiv Feminin
auch wenn es hervortritt oder wirkt
api
Partikel
auch
anirāsaḥ
Nominativ Singular
Präfix
Substantiv Maskulin
Nicht-Aufhebung, Nicht-Verlust
saṃvettṛ
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Maskulin
Erkenner, Wahrnehmender
bhāvāt
Ablativ Singular
Substantiv Maskulin
wegen des Zustands, wegen des Wesens
Auch wenn diese [Kräfte] hervortreten (tat-pravṛttau api | loc absl sg), [gibt es] keinen Verlust (anirāsaḥ | nom sg), weil der Zustand des Erkennenden bleibt (saṃvettṛ-bhāvāt | abl sg).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Auch im schöpferischen Handeln geht die Freiheit nicht verloren, solange Du im Erkennenden gegründet bleibst.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Kṣemarāja erklärt in der Vimarśinī: Selbst wenn Schöpfung, Erhaltung und Auflösung unaufhörlich hervortreten, verliert der Erkennende seine Grundlage nicht.

Kṣemarājas Śivasūtravimarśinī

In der Vārttika wird erläutert: Beim Yogin kann nur die äußere Wirkseite verschwinden: das zielgerichtete Bemühen, etwas hervorzubringen.

Bhāskaras Śivasūtravārttika

Illustrationen: KI-generiert.

Editor:innen

Dr. Ronald Steiner

Aus Ulm

Dr. Ronald Steiner, der „Yoga Doc“, begründete die AYI Methode: traditioneller Ashtanga, moderne Yogatherapie und lebendige Philosophie – als persönliche Praxis von sportlich-akrobatisch bis meditativ-therapeutisch. Er... mehr ›

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