SS 3.16–3.19: Tiefe und Lautkräfte
SS 3.16–3.19: Tiefe und Lautkräfte

Śiva Sūtra 3.16–3.19: Hṛda, Schöpfung und Mātṛkās

Im inneren See erkennt der Yogin die eigene Maßgebung der Welt und das Ende von Geburt; zugleich durchschaut er die bindende Macht der Lautmütter.

Dr. Ronald Steiner Dr. Ronald Steiner
Śiva Sūtra 3.16
आसनस्थः सुखं ह्रदे निमज्जति ||3.16||
āsana-sthaḥ sukhaṃ hrade nimajjati ||3.16|| Analyse ▾ Analyse ▴
āsana
Tatpuruṣa-Kompositum Lokativ
Substantiv Neutrum
Sitz, Grundlage
sthaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Adjektiv
stehend, befindlich
sukham
Adverb
leicht, mühelos, angenehm
hrade
Lokativ Singular
Substantiv Maskulin
im See, Hṛda, Herzenssee
nimajjati
3. Person Singular Aktiv Präsens
Präfix
Verbalwurzel
taucht ein
In der Grundlage gefestigt (āsana-sthaḥ | nom sg m), taucht [der Yogin] mühelos (sukham | adv) in den See [des Bewusstseins] (hrade | loc sg) ein (nimajjati | 3p sg act pres).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
In dieser Grundlage gefestigt, tauchst Du mühelos in den See des Bewusstseins.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Kṣemarāja erklärt in der Vimarśinī: Der rechte Sitz ist mehr als Körperhaltung; er ist ein stabiler innerer Stand.

Kṣemarājas Śivasūtravimarśinī

In der Vārttika wird erläutert: Āsana ist hier kein äußerer Sitz, sondern das Verweilen in Einheit.

Bhāskaras Śivasūtravārttika
Śiva Sūtra 3.17
स्वमात्रानिर्माणमापादयति ||3.17||
sva-mātrā-nirmāṇam āpādayati ||3.17|| Analyse ▾ Analyse ▴
sva
Karmadhāraya-Kompositum
Pronomen
eigen, selbst
mātrā
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Feminin
Mātrā, Maß, begrenzende Einheit
nirmāṇam
Akkusativ Singular
Substantiv Neutrum
Erzeugung, Konstruktion
āpādayati
3. Person Singular Aktiv Präsens Causativ
Präfix
Verbalwurzel
bringt hervor, bewirkt
[Er] bringt (āpādayati | 3p sg act pres caus) eine Gestalt nach eigenem Maß (sva-mātrā-nirmāṇam | acc sg) hervor.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Aus ihm kannst Du Erfahrung nach dem eigenen inneren Maß gestalten.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Kṣemarāja erklärt in der Vimarśinī: Die verwirklichte Erfahrung nimmt eine eigene Form an, passend zur inneren Reife des Übenden.

Kṣemarājas Śivasūtravimarśinī

In der Vārttika wird erläutert: Der Yogin sieht die eigene Mātrā als konstruierten Verdichtungsanteil des Bewusstseins.

Bhāskaras Śivasūtravārttika
Śiva Sūtra 3.18
विद्याविनाशे जन्मविनाशः ||3.18||
vidyāvināśe janma-vināśaḥ ||3.18|| Analyse ▾ Analyse ▴
vidyā
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Feminin
Vidyā, Erkenntnis
avināśe
Lokativ Singular
Substantiv Maskulin
bei Nicht-Vergehen, Unvergänglichkeit
janma
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Neutrum
Geburt
vināśaḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Vernichtung, Auflösung
Wenn Erkenntnis nicht vergeht (vidyā-avināśe | loc absl sg), [folgt] die Auflösung der Geburt (janma-vināśaḥ | nom sg).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Wo Erkenntnis nicht mehr vergeht, endet die Wiederkehr begrenzter Geburt.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Kṣemarāja erklärt in der Vimarśinī: Geburt steht hier für das immer neue Hineinfallen in begrenzte Identität.

Kṣemarājas Śivasūtravimarśinī

In der Vārttika wird erläutert: Geburt endet, wenn Sahaja-Vidyā dauerhaft aufgeht: Der ganze Komplex aus Körper, Prāṇa, Denken, Unwissen und Karma verliert seine Wurzel.

Bhāskaras Śivasūtravārttika
Śiva Sūtra 3.19
कवर्गादिषु माहेश्वर्याद्याः पशुमातरः ||3.19||
ka-vargādiṣu māheśvary-ādyāḥ paśu-mātaraḥ ||3.19|| Analyse ▾ Analyse ▴
ka
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Neutrum
der Laut ka
varga
Tatpuruṣa-Kompositum Lokativ
Substantiv Maskulin
Gruppe, Klasse
ādiṣu
Lokativ Plural
Substantiv Maskulin
beginnend mit, usw.
māheśvarī
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Feminin
Māheśvarī
ādi
Karmadhāraya-Kompositum
Adjektiv
beginnend mit
ādyāḥ
Nominativ Plural Feminin
Adjektiv
erste, beginnend mit
paśu
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Maskulin
Paśu, gebundenes Wesen
mātaraḥ
Nominativ Plural
Substantiv Feminin
Mütter
In den Lautgruppen, beginnend mit ka (ka-varga-ādiṣu | loc pl), [sind] die Mütter der gebundenen Wesen (paśu-mātaraḥ | nom pl) die [Kräfte], beginnend mit Māheśvarī (māheśvarī-ādyāḥ | nom pl f).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Die Lautkräfte können das gebundene Wesen hervorbringen; erkannt werden sie zu Kräften der Befreiung.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Kṣemarāja erklärt in der Vimarśinī: Die Kräfte der Sprache bringen gebundene Wesen hervor, indem sie Erfahrung in Namen, Klassen und feste Bedeutungen kleiden.

Kṣemarājas Śivasūtravimarśinī

In der Vārttika wird erläutert: Die Mātṛkā-Kräfte sitzen in den Lautgruppen und können in die Erkenner eintreten.

Bhāskaras Śivasūtravārttika

Illustrationen: KI-generiert.

Editor:innen

Dr. Ronald Steiner

Aus Ulm

Dr. Ronald Steiner, der „Yoga Doc“, begründete die AYI Methode: traditioneller Ashtanga, moderne Yogatherapie und lebendige Philosophie – als persönliche Praxis von sportlich-akrobatisch bis meditativ-therapeutisch. Er... mehr ›

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