PYS 4.7–8: Vier Arten des Karma
PYS 4.7–8: Vier Arten des Karma

Yogaśāstra 4.7–8: Karma und Vāsanā

Das Karma des Yogin ist weder weiß noch schwarz; das der anderen ist schwarz, gemischt oder weiß. Bei seiner Reifung treten nur die jeweils entsprechenden Vāsanā hervor.

Dr. Ronald Steiner Dr. Ronald Steiner Laura von Ostrowski Laura von Ostrowski
Patañjali Yoga Sūtra 4.7
कर्माशुक्लाकृष्णं योगिनस्त्रिविधमितरेषाम् ||7||
karmāśuklākṛṣṇaṃ yoginas trividham itareṣām ||7|| Analyse ▾ Analyse ▴
karma
Nominativ Singular Neutrum
Substantiv Neutrum
Karma
aśukla
Dvandva-Kompositum
Adjektiv
nicht weiß
akṛṣṇam
Nominativ Singular Neutrum
Adjektiv
nicht schwarz
yoginaḥ
Genitiv Singular Maskulin
Substantiv Maskulin
für einen Yogi
trividham
Nominativ Singular Neutrum
Adjektiv
dreifach
itareṣām
Genitiv Plural Maskulin
Adjektiv
für andere
Das Karma (karma | nom sg) des Yogin (yoginaḥ | gen sg) ist weder weiß noch schwarz (aśuklākṛṣṇam | nom sg n); das der anderen (itareṣām | gen pl) ist dreifach [schwarz, weiß-schwarz oder weiß] (trividham | nom sg n).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Bewusstes Handeln muss nicht ständig als gut oder schlecht bewertet werden (aśuklākṛṣṇa). Es kann aus Klarheit entstehen und dem Leben dienen, ohne am Ergebnis zu haften.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Bhāṣya gliedert Karma in vier Arten: schwarz bei Übeltätern; weiß-schwarz bei äußerlich vollzogenen Handlungen, die anderen schaden und nützen; weiß bei tapas, svādhyāya und dhyāna, die allein vom Geist abhängen und niemanden schädigen; und weder weiß noch schwarz bei Entsagenden mit geschwundenen Kleśas und letztem Körper. Für den Yogin ist es wegen des Verzichts auf die Frucht nicht weiß und wegen des Nicht-Ergreifens nicht schwarz; bei den übrigen Wesen kommen die ersten drei Arten vor.

Yoga Śāstra Vyāsa-Bhāṣya
The work of an ascetic is neither pure nor dark and that of others is of three kinds.
James R. Ballantyne - 1852
The actions of the Yogi are neither white nor black; those of others are of three kinds.
Ganganatha Jha - 1907
Das Werk eines Yogin ist nicht weiß und nicht schwarz [jenseits von Gut und Böse], das der andern ist dreifach [weiß, schwarz und gemischt].
Paul Deussen - 1908
The yogin's karma is neither-white-nor-black; [the karma] of others is of three kinds.
James Haughton Woods - 1914
Patañjali Yoga Sūtra 4.8
ततस्तद्विपाकानुगुणानामेवाभिव्यक्तिर्वासनानाम् ||8||
tatas tad-vipākānuguṇānām evābhivyaktir vāsanānām ||8|| Analyse ▾ Analyse ▴
tatas
Adverb
daher
tat
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Pronomen dem
dieser
vipāka
Tatpuruṣa-Kompositum Dativ
Substantiv Maskulin
Fruchtreifung
anuguṇānām
Genitiv Plural Feminin
Adjektiv
entsprechend
eva
Partikel
nur
abhivyaktiḥ
Nominativ Singular Feminin
Substantiv Feminin
Manifestation
vāsanānām
Genitiv Plural Feminin
Substantiv Feminin
latente Dispositionen
Aus diesem [dreifachen Karma] (tataḥ) erfolgt nur (eva) die Manifestation (abhivyaktiḥ | nom sg) derjenigen Vāsanā (vāsanānām | gen pl), die der Reifung des jeweiligen [Karma] entsprechen (tad-vipākānuguṇānām | gen pl).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Nicht jede Prägung (vāsanā) zeigt sich zu jeder Zeit. Was unter den gegenwärtigen Bedingungen reifen kann (vipāka), tritt hervor – und Du kannst ihm bewusst begegnen.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Aus dem dreifachen Karma der übrigen Wesen werden nur diejenigen vāsanā manifest, die zu seinem jeweiligen vipāka passen. Reift etwa Karma für eine göttliche Geburt, kann es keine höllischen, tierischen oder menschlichen Vāsanās manifestieren; für die anderen Geburtsarten gilt dasselbe.

Yoga Śāstra Vyāsa-Bhāṣya
Therefrom (results) manifestation of those mental deposits alone which are conformable to its fructification.
James R. Ballantyne - 1852
Thence is the manifestation of the impressions or residua which are suitable to its fruition.
Ganganatha Jha - 1907
Aus diesen [guten, bösen und gemischten Werken] geht nur eine solche Manifestation der Werkresiduen [im neuen Dasein] hervor, wie sie der Heranreifung jener [Werke in einer früheren Geburt] entspricht.
Paul Deussen - 1908
As a result of this there follows the manifestation of those subconscious-impressions only which correspond to the fruition of their [karma].
James Haughton Woods - 1914

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Illustrationen: KI-generiert.

Editor:innen

Dr. Ronald Steiner

Aus Ulm

Dr. Ronald Steiner, der „Yoga Doc“, begründete die AYI Methode: traditioneller Ashtanga, moderne Yogatherapie und lebendige Philosophie – als persönliche Praxis von sportlich-akrobatisch bis meditativ-therapeutisch. Er... mehr ›

Laura von Ostrowski

Ich bin 2004 das erste Mal mit Yoga in Berührung gekommen und habe seitdem unendlich viele Facetten kennengelernt. Einerseits die vielfältigen praktischen Seiten von Yoga - in Form verschiedener Ausbildungen (500 h... mehr ›

Nachrichten und Bewertungen
8 Nachrichten

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Hallo Ronald, gleich noch eine Verständnisfrage zu Sutra 8: Warum ist denn bei dem "a" von "va" im letzten Abschnitt (vasananam) ein Häkchen?
Hallo Alexander,
das ist die Frage, die Du schon gelöst hast. Das "r" am Beginn der Silbe.
Namaste und herzliche Grüße
Ronald
Hallo Ronald,
ich versuche mal zwei Bilder hochzuladen, damit zu verstehst, was ich meine. Ich glaube, dass ich den Fehler bereits gefunden habe. Das Zeichen, das ich meine (Sonant im Wort), ist nicht ganz identisch mit dem Zeichen im Sutra, sondern hat einen kleinen Schwung unten rechts mehr. Ist das mein Fehler?
Ah, ok, gecheckt, das Häkchen ist das "r" von "ktir", also das Zeichen "kta" und das "r" kommt durch das Häkchen auf dem "a" von "va" zustande … es heißt praktisch "kti" und "rva"
Ich bin einfach drüber gestolpert, dass das Devanagari-Zeichen für "kla" in meinen Unterlagen mit einem Kringel darunter übersetzt wird. Vielleicht handelt es sich hier ja aber um etwas anderes (?)
Ein Krignel in der Lautschrift?
- Das wäre ein Vokal "l". Hier ist es aber kein Vokal "l". Poste gerne ein Foto, dann verstehe ich was Du meinst.
Hallo, fehlt da in der Passage "karmasuklakrsnam" von 4.7. unter dem "kla" nicht ein Kringel? Herzlichen Gruß Alex
Hallo Alex,
meinst Du ~i~"sukla~~ (hell)? Also ~i~"suk.l~~? Was soll das heißen?
Namaste und herzliche Grüße
Ronald