PYS 4.33–34: Rücklauf der Guṇa
PYS 4.33–34: Rücklauf der Guṇa

Yogaśāstra 4.33–34: Kaivalya

Wenn die Guṇa keinen Zweck mehr für den Puruṣa haben, kehren sie in ihren Ursprung zurück; ihre Wandlungsfolge endet, und die Bewusstseinskraft ruht in ihrer eigenen Form.

Patañjali Yoga Sūtra 4.33
क्षणप्रतियोगी परिणामापरान्तनिर्ग्राह्यः क्रमः ||33||
kṣaṇa-pratiyogī pariṇāmāparānta-nirgrāhyaḥ kramaḥ ||33|| Analyse ▾ Analyse ▴
kṣaṇa
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Maskulin
Augenblick
pratiyogī
Nominativ Singular Maskulin
Adjektiv
entsprechend
pariṇāma
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Maskulin
Umwandlung
aparānta
Tatpuruṣa-Kompositum Lokativ
Substantiv Maskulin
Ende
nirgrāhyaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Adjektiv
erfassbar
kramaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Substantiv Maskulin
Abfolge
Die Abfolge (kramaḥ | nom sg) entspricht dem Augenblick (kṣaṇa-pratiyogī | nom sg m) und ist am äußersten Ende einer Umwandlung erfassbar (pariṇāmāparānta-nirgrāhyaḥ | nom sg m).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Veränderung zeigt sich nicht immer im einzelnen Augenblick (kṣaṇa), sondern oft erst im Rückblick auf eine Folge (krama). Würdige kleine Schritte, auch wenn ihre Wirkung erst später sichtbar wird.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Krama ist die unmittelbare Folge von Augenblicken und wird am Endpunkt einer Umwandlung erfasst, etwa an der schließlich sichtbaren Alterung eines Stoffes. Das Bhāṣya unterscheidet die unveränderliche Dauer des Puruṣa von der sich umwandelnden Dauer der Guṇa: Bei Guṇa-Wirkungen wie Buddhi kann eine Abfolge enden, bei den Guṇa als bleibenden Trägern nicht. Ob Saṃsāra überhaupt endlich oder unendlich sei, ist ohne Einschränkung unbeantwortbar; für den Einsichtigen mit geschwundenem Verlangen endet seine Abfolge, für andere nicht.

Yoga Śāstra Vyāsa-Bhāṣya
The order is counterpart of the moment, perceptible in the latter end of the modification.
James R. Ballantyne - 1852
The succession is the counterpart of the moment perceptible at the end of the modification.
Ganganatha Jha - 1907
Als Gegenteil des Augenblicks wird dann die ganze Zeitreihe am letzten Ende der Veränderungen erfaßt (vgl. Bṛih. Up. 4,4,16).
Paul Deussen - 1908
The positive correlate to the moment, recognized as such at the final limit of the mutation, is a sequence.
James Haughton Woods - 1914
Patañjali Yoga Sūtra 4.34
पुरुषार्थशून्यानां गुणानां प्रतिप्रसवः कैवल्यं स्वरूपप्रतिष्ठा वा चितिशक्तिरिति ||34||
puruṣārtha-śūnyānāṃ guṇānāṃ pratiprasavaḥ kaivalyaṃ svarūpa-pratiṣṭhā vā citi-śaktir iti ||34|| Analyse ▾ Analyse ▴
puruṣa
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Maskulin
Puruṣa
artha
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Maskulin
Zweck
śūnyānām
Genitiv Plural Maskulin
Adjektiv
ohne
guṇānām
Genitiv Plural Maskulin
Substantiv Maskulin
der Guṇa
pratiprasavaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Substantiv Maskulin
Rückentwicklung
kaivalyam
Nominativ Singular Neutrum
Substantiv Neutrum
Kaivalya
svarūpa
Tatpuruṣa-Kompositum Lokativ
Substantiv Neutrum
eigene Form
pratiṣṭhā
Nominativ Singular Feminin
Substantiv Feminin
Gegründetsein
vā
Partikel
oder
citi
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Feminin
Bewusstsein
śaktiḥ
Nominativ Singular Feminin
Substantiv Feminin
Kraft
iti
Partikel
so
Kaivalya (kaivalyam | nom sg) [ist] die Rückentwicklung [in ihren Ursprung] (pratiprasavaḥ | nom sg) der Guṇa (guṇānām | gen pl), die keinen Zweck mehr für den Puruṣa haben (puruṣārtha-śūnyānām | gen pl), oder (vā) die Bewusstseinskraft (citi-śaktiḥ | nom sg), die in ihrer eigenen Form ruht (sva-rūpa-pratiṣṭhā | nom sg f) – so (iti) [lautet es].
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Innere Freiheit (kaivalya) heißt nicht, dem Körper oder dem Leben zu entkommen. Du darfst ganz in Deiner eigenen Form (svarūpa) ruhen und Dich von dort aus dem Leben zuwenden.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Kaivalya wird in zwei gleichgeordneten Formulierungen bestimmt. Es ist der pratiprasava der als Ursache und Wirkung bestehenden Guṇa, die nach erfülltem bhoga und apavarga keinen Zweck mehr für diesen Puruṣa haben; oder es ist die Gründung der Erkenntniskraft (citiśakti) in ihrer eigenen Form, weil keine Verbindung mit dem Buddhi-Sattva mehr besteht. Ihr fortwährendes Verbleiben in dieser Weise ist Kaivalya.

Yoga Śāstra Vyāsa-Bhāṣya
The re-absorption of those (qualities) void of the aim of the soul or the abiding of the powers of intelligence in its own nature, is isolation.
James R. Ballantyne - 1852
The repression of the Attributes, devoid of the soul's purpose, is the Isolation; or it is the sentient faculty abiding in itself.
Ganganatha Jha - 1907
Die Rückströmung der von den Zwecken des Puruṣa freien Guṇas ist die Absolutheit, oder auch sie ist die in ihrer eigenen Natur verharrende Kraft des Geistes.
Paul Deussen - 1908
Isolation is the inverse generation of the aspects, no longer provided with a purpose by the Self, or it is the Energy of Intellect grounded in itself.
James Haughton Woods - 1914

Illustrationen: KI-generiert.

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