SVU 3.7-3.9: Der höchste Puruṣa
SVU 3.7-3.9: Der höchste Puruṣa

SVU 3.7-3.9: Das sonnenhelle Wesen jenseits der Finsternis

Das höchste Brahman ist in jedem Leib verborgen; der sonnenhelle Puruṣa jenseits der Finsternis steht wie ein Baum, erfüllt die Welt und führt über den Tod.

Dr. Ronald Steiner Dr. Ronald Steiner Nils Jacob Liersch Nils Jacob Liersch
Śvetāśvatara Upaniṣad 3.7
ततः परं ब्रह्म परं बृहन्तं यथानिकायं सर्वभूतेषु गूढम् |
tataḥ paraṃ, brahma paraṃ bṛhantaṃ; yathā-nikāyaṃ, sarva-bhūteṣu gūḍham | Analyse ▾ Analyse ▴
tatas
Adverb
darüber hinaus, danach
param
Nominativ Singular Neutrum
Adjektiv
das höhere, höchste
brahma
Nominativ Singular
Substantiv Neutrum
Brahman
param
Akkusativ Singular Maskulin
Adjektiv
den höchsten, jenseitigen
bṛhantam
Akkusativ Singular Maskulin
Adjektiv
den großen, mächtigen
yathā
Avyayībhāva-Kompositum
Adverb
gemäß, je
nikāyam
Akkusativ Singular
Substantiv Maskulin
Körper für Körper, in jedem Leib
sarva
Karmadhāraya-Kompositum
Pronomen quant
alle, sämtliche
bhūteṣu
Lokativ Plural
Substantiv Neutrum
in den Wesen, Geschöpfen
gūḍham
Akkusativ Singular Maskulin Partizip Perfekt Passiv
Verbalwurzel
verborgen, verhüllt
विश्वस्य एकं परिवेष्टितारमीशं तं ज्ञात्वा अमृता भवन्ति ||7||
viśvasya* ekaṃ, pariveṣṭitāram; īśaṃ taṃ jñātvā, a*mṛtā bhavanti ||7|| Analyse ▾ Analyse ▴
viśvasya
Genitiv Singular Neutrum
Pronomen quant
des Alls, der ganzen Welt
ekam
Akkusativ Singular Maskulin
Zahlwort
den einen, einzigen
pariveṣṭitāram
Akkusativ Singular
Substantiv Maskulin
den Umhüller, Umschließer
īśam
Akkusativ Singular
Substantiv Maskulin
den Herrn, Gebieter
tam
Akkusativ Singular Maskulin
Pronomen dem
ihn, diesen
jñātvā
Absolutus
Verbalwurzel
nachdem man erkannt hat
amṛtāḥ
Nominativ Plural Maskulin
Adjektiv
unsterblich
bhavanti
3. Person Plural Aktiv Präsens
Verbalwurzel
sie werden
Metrum: Pāda 1: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 2: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang — 12 Silben; Pāda 3: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 4: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang
Darüber hinaus (tataḥ) [liegt] das höchste Brahman (paraṃ brahma | nom sg). Den Höchsten (param | acc sg m), Großen (bṛhantam | acc sg m), Leib für Leib (yathā-nikāyam | acc sg), in allen Wesen (sarva-bhūteṣu | loc pl) Verborgenen (gūḍham | acc sg m ppp), des Alls (viśvasya | gen sg n) den Einen (ekam | acc sg m), den Umhüller (pariveṣṭitāram | acc sg), den Herrn (īśam | acc sg), ihn (tam | acc sg m) erkannt habend (jñātvā | abs), [zu] Unsterblichen (amṛtāḥ | nom pl m) werden sie (bhavanti | 3p pl act pres).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Höher als diese sichtbare Welt ist das höchste, große Brahman. In jedem einzelnen Leib ist es verborgen, und als der eine Herr umschließt es das ganze All. Wer ihn erkennt, wird unsterblich.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya setzt das höhere Brahman über die Welt als Wirkung und über Virāj. Es ist in jedem Körper verborgen, umschließt das All von innen und ist dessen Herr. Wer es erkennt, wird unsterblich.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda stellt das unbegrenzte Brahman über Hiraṇyagarbha. Es erscheint je nach Körper verschieden, wie Feuer in geradem oder krummem Holz, bleibt aber ohne wirkliche Formveränderung. Erkenntnis von tat tvam asi beendet die Sterblichkeit.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa versteht yathānikāyam sowohl als den jeweiligen Leib als auch als Hinweis auf den Paramātman selbst. Yoga und Verehrung bereiten seine Erkenntnis vor; der eine umschließende Herr wird in allen Wesen verborgen gefunden.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat vergleicht das verborgene Brahman mit Feuer, das je nach Brennstoff verschieden geformt erscheint, und mit dem Grund einer Luftspiegelung. Es erfüllt jedes Wesen innen und außen. Einheitswissen beseitigt nur die trennende Avidyā, nicht eine wirkliche Distanz.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
viśvasya* ekaṃ conj. LV1958 (m. c.) ] viśvasyaikaṃ LV1958, ASS1927
Kritischer Apparat
Doch höher noch steht Brahman! Den höchsten, großen, Der Leib für Leib versteckt in allen Wesen, Den Einen, der das Weltall hält umschlossen,—Wer den als Gott versteht<1>, der wird unsterblich.
<1: Wer unter dem erwähnten Gotte Rudra den Ātman (das Brahman) versteht.>
Paul Deussen - 1921
Higher than this<1> is Brahma. The Supreme, the Great, Hidden in all things, body by body, The One embracer of the universe—By knowing Him as Lord (īś) men become immortal.
<1: Either “higher than this [Terrible, Vedic god Rudra],” or “higher than this [world].”>
Robert Hume - 1921
(Men) become immortal, having known that God, who is beyond this world, (nay), who is beyond Hiranyagarbha, who is Mighty, hidden in all created things, according to their form, and who is one pervading the universe.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Doch höher noch steht Brahman! Den höchsten, großen, Der Leib für Leib versteckt in allen Wesen, Den Einen, der das Weltall hält umschlossen,—Wer den als Gott versteht<1>, der wird unsterblich.
<1: Wer unter dem erwähnten Gotte Rudra den Ātman (das Brahman) versteht.>
Paul Deussen - 1897
Those who know beyond this the High Brahman, the vast, hidden in the bodies of all creatures, and alone enveloping everything, as the Lord, they become immortal<1>.
<1: The knowledge consists in knowing either that Brahman is Īsa or that Īsa is Brahman. But in either case the gender of the adjectives is difficult. The Svetāsvatara-upanishad seems to use brihanta as an adjective, instead of brihat. I should prefer to translate: Beyond this is the High Brahman, the vast. Those who know Īsa, the Lord, hidden in all things and embracing all things to be this (Brahman), become immortal. See also Muir, Metrical Translations, p. 196, whose translation of these verses I have adopted with few exceptions.>
F. Max Müller - 1884
Those who know Bramha, who is greater than the universe, the great one, the infinite, who is concealed within all beings according to their bodies, the only pervader of the whole universe, the ruler,—become immortal.
Edward Röer - 1853
Śvetāśvatara Upaniṣad 3.8
वेदाहमेतं पुरुषं महान्तमादित्यवर्णं तमसः परस्तात् |
vedāham etaṃ, puruṣaṃ mahāntam; āditya-varṇaṃ, tamasaḥ parastāt | Analyse ▾ Analyse ▴
veda
1. Person Singular Aktiv Präsens
Verbalwurzel
ich weiß, kenne
aham
Nominativ Singular
Pronomen pers 1p
ich
etam
Akkusativ Singular Maskulin
Pronomen dem
diesen
puruṣam
Akkusativ Singular
Substantiv Maskulin
den Puruṣa, Menschengeist
mahāntam
Akkusativ Singular Maskulin
Adjektiv
den großen, mächtigen
āditya
Upapada-Kompositum
Substantiv Maskulin
Sonne, Sonnen-
varṇam
Akkusativ Singular Maskulin
Substantiv Maskulin
von sonnenhafter Farbe, Strahlkraft
tamasaḥ
Genitiv Singular
Substantiv Neutrum
der Dunkelheit
parastāt
Adverb
jenseits, darüber hinaus
तमेव विदित्वाति मृत्युमेति नान्यः पन्था विद्यते ऽयनाय ||8||
tam eva viditvā,ti mṛtyum eti; nānyaḥ panthā, vidyate 'yanāya ||8|| Analyse ▾ Analyse ▴
tam
Akkusativ Singular Maskulin
Pronomen dem
ihn, diesen
eva
Partikel
allein, eben
viditvā
Absolutus
Verbalwurzel
nachdem man erkannt hat
ati
Präfix
über, jenseits
mṛtyum
Akkusativ Singular
Substantiv Maskulin
den Tod
eti
3. Person Singular Aktiv Präsens
Verbalwurzel
er geht, überschreitet
nānyaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Partikel
Pronomen quant
kein anderer
panthāḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Weg, Pfad
vidyate
3. Person Singular Passiv Präsens
Verbalwurzel
wird gefunden, ist vorhanden
ayanāya
Dativ Singular
Substantiv Neutrum
zum Gehen, als Zugang
Metrum: Pāda 1: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 2: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 3: Triṣṭubh; Pāda 4: Triṣṭubh — 10 Silben
Erkannt habe (veda | 1p sg act pres) ich (aham | nom sg) diesen großen Puruṣa (etaṃ puruṣaṃ mahāntam | acc sg), von sonnenhafter Strahlkraft (āditya-varṇam | acc sg m), der Dunkelheit (tamasaḥ | gen sg) jenseits (parastāt). Ihn (tam | acc sg m) allein (eva) erkannt habend (viditvā | abs), über (ati) den Tod (mṛtyum | acc sg) geht man hinaus (eti | 3p sg act pres). Kein anderer (nānyaḥ | nom sg m) Weg (panthāḥ | nom sg) ist vorhanden (vidyate | 3p sg pas pres) zum Gehen (ayanāya | dat sg).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Ich habe diesen großen Puruṣa erkannt: Er leuchtet wie die Sonne und steht jenseits aller Dunkelheit. Nur wer ihn erkennt, überschreitet den Tod; einen anderen Weg gibt es nicht.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya präsentiert den Vers als eigene Erfahrung des Sehers. Der sonnenhafte Puruṣa ist das innere Zeugenbewusstsein jenseits des Unwissens. Nur seine Erkenntnis, nicht Karma oder ein anderer Weg, führt über den Tod zum höchsten Ziel.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda versteht den Tod als Avidyā mit verhüllender und projizierender Kraft. Die eindringliche Aussage des Sehers schließt nicht nur einen zweiten Erkenntnisgegenstand, sondern jeden anderen Befreiungsweg aus: allein unmittelbare Selbsterkenntnis trägt über den Saṃsāra.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa betont die Ausschließlichkeit des Brahmanwissens. Wallfahrten, große Schenkungen und andere religiöse Werke können höchstens mittelbar vorbereiten; sie bilden keinen selbständigen Weg über den Tod. Erkenntnis allein ist die unmittelbare Ursache.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat liest das Bekenntnis als Mahāvākya-Erkenntnis des Sehers. Der Tod ist das Unwissen selbst; es wird im vollendeten Wissen verbrannt. Weder ein anderer Gegenstand noch ein mit Wissen verbundenes Zusatzmittel kann Kaivalya hervorbringen.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
tamasaḥ parastāt LV1958, ASS1927 ] tamasas tu pāre LV1958-app
Kritischer Apparat
Ich kenne jenen Purusha, den großen, Jenseits der Dunkelheit wie Sonnen leuchtend; Nur wer ihn kennt, entrinnt dem Reich des Todes; Nicht gibt es einen andern Weg zum Gehen.<1>
<1: = Vāj. Saṃh. 31,18 (Gesch. d. Phil. I, 290).>
Paul Deussen - 1921
I know this mighty Person (Purusha) Of the color of the sun, beyond darkness. Only by knowing Him does one pass over death. There is no other path for going there.<1>
<1: This stanza = VS. 31. 18.>
Robert Hume - 1921
I know that perfectly pervading Being, Mighty, Luminous, and beyond darkness. Having known Him alone, (a man) can conquer death; there exists no other path leading to salvation.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Ich kenne jenen Purusha, den großen, Jenseits der Dunkelheit wie Sonnen leuchtend; Nur wer ihn kennt, entrinnt dem Reich des Todes; Nicht gibt es einen andern Weg zum Gehen.<1>
<1: = Vāj. Saṃh. 31,18 (Gesch. d. Phil. I, 290).>
Paul Deussen - 1897
I know that great person (purusha) of sunlike lustre beyond the darkness. A man who knows him truly, passes over death; there is no other path to go.<1><2><3>
<1: Cf. Vāg. Saṃh. XXX, 18; Taitt. Ār. III, 12, 7; III, 13, 1.>
<2: Cf. Bhagavadgītā VIII, 9.>
<3: Cf. Śvet. Up. VI, 15.>
F. Max Müller - 1884
I know that perfect, infinite spirit, who is like the sun after darkness. Thus knowing him, a person overcomes death; there is no other road for obtaining (liberation).<1>
<1: Taken from the Vāj. Saṃh. 31–8. The second distich of this verse returns, 6–15, and the second part of the first distich is literally found in Bhag. G. 8,9.>
Edward Röer - 1853
Śvetāśvatara Upaniṣad 3.9
यस्मात्परं नापरमस्ति किंचिद्यस्मान्नाणीयो न ज्यायो ऽस्ति किंचित् |
yasmāt paraṃ, nāparam asti kiṃcid; yasmān nāṇīyo, na jyāyo 'sti kiṃcit | Analyse ▾ Analyse ▴
yasmāt
Ablativ Singular Maskulin
Pronomen rel
als welcher, über welchen hinaus
param
Nominativ Singular Neutrum
Adjektiv
höher, überlegen
na
Partikel
nicht
aparam
Nominativ Singular Neutrum
Adjektiv
anderes, weiteres
asti
3. Person Singular Aktiv Präsens
Verbalwurzel
ist, besteht
kiṃcit
Nominativ Singular Neutrum
Pronomen inter
irgendetwas
yasmāt
Ablativ Singular Maskulin
Pronomen rel
als welcher, gegenüber welchem
nāṇīyaḥ
Nominativ Singular Maskulin Komperativ
Partikel
Adjektiv
nichts Kleineres, Feineres
na
Partikel
nicht
jyāyaḥ
Nominativ Singular Maskulin Komperativ
Adjektiv
größer, mächtiger
asti
3. Person Singular Aktiv Präsens
Verbalwurzel
ist, besteht
kiṃcit
Nominativ Singular Neutrum
Pronomen inter
irgendetwas
वृक्ष इव स्तब्धो दिवि तिष्ठत्येकस्तेनेदं पूर्णं पुरुषेण सर्वम् ||9||
vṛkṣa iva stabdho, divi tiṣṭhaty ekas; tenedaṃ pūrṇaṃ, puruṣeṇa sarvam ||9|| Analyse ▾ Analyse ▴
vṛkṣaḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
ein Baum
iva
Partikel
wie, gleich
stabdhaḥ
Nominativ Singular Maskulin Partizip Perfekt Passiv
Verbalwurzel
feststehend, unbeweglich
divi
Lokativ Singular
Substantiv Feminin
im Himmel, Himmelsraum
tiṣṭhati
3. Person Singular Aktiv Präsens
Verbalwurzel
er steht, weilt
ekaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Zahlwort
der eine, einzige
tena
Instrumentalis Singular Maskulin
Pronomen dem
durch ihn, diesen
idam
Nominativ Singular Neutrum
Pronomen dem
dieses
pūrṇam
Nominativ Singular Neutrum Partizip Perfekt Passiv
Verbalwurzel
erfüllt, durchdrungen
puruṣeṇa
Instrumentalis Singular
Substantiv Maskulin
durch den Puruṣa, Menschengeist
sarvam
Nominativ Singular Neutrum
Pronomen quant
alles, das Ganze
Metrum: Pāda 1: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 2: Triṣṭubh; Pāda 3: Jagatī; Pāda 4: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang
Über welchen hinaus (yasmāt | abl sg m) [gibt es] etwas Höheres (param | nom sg n)? Nein (na): Etwas anderes (aparam | nom sg n) besteht [auch nicht] (asti | 3p sg act pres), was immer es sei (kiṃcit | nom sg n). Gegenüber welchem (yasmāt | abl sg m) [gibt es] etwas Kleineres (nāṇīyaḥ | nom sg m comp)? Nein (na): Etwas Größeres (jyāyaḥ | nom sg m comp) ist [auch nicht vorhanden] (asti | 3p sg act pres), was immer es sei (kiṃcit | nom sg n). Einem Baum (vṛkṣaḥ | nom sg) gleich (iva), unbeweglich (stabdhaḥ | nom sg m ppp), im Himmel (divi | loc sg) steht (tiṣṭhati | 3p sg act pres) der Eine (ekaḥ | nom sg m). Durch ihn (tena | ins sg m) ist dieses [All] (idam | nom sg n) erfüllt (pūrṇam | nom sg n ppp), durch den Puruṣa (puruṣeṇa | ins sg), das Ganze (sarvam | nom sg n).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Nichts steht über ihm und nichts ist von ihm verschieden; nichts ist kleiner und nichts größer als er. Unbeweglich wie ein Baum steht der Eine im Himmel. Dieser Puruṣa erfüllt die ganze Welt.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya lässt über oder unter dem einen Puruṣa nichts bestehen. Wie ein unbeweglicher Baum ruht er in seinem eigenen Licht; zugleich erfüllt er die gesamte Welt ohne Unterbrechung und ohne dadurch geteilt zu werden.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda versteht den Baum als Bild innerer Unterschiedslosigkeit und div als das Licht des Bewusstseins. Weil alle Dinge ihre Existenz und Erscheinung nur vom Selbst erhalten, ist nichts kleiner, größer oder außerhalb dieses Einen.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa liest den feststehenden Baum zugleich kosmisch: Der Eine steht wie ein beherrschender Himmelsbaum am Kailāsa. Seine Brahmangestalt erfüllt alles, und wegen der Nichtdualität kann es weder etwas Höheres noch etwas Niedrigeres neben ihm geben.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat bietet für divi mehrere Lesarten: die Erkenntnis ahaṃ brahmāsmi, das selbstleuchtende Bewusstsein oder die Sonne. Der unveränderliche Baum bezeichnet in jeder Deutung den Einen, der alle Erscheinungen wie Gold Schmuckstücke oder das Seil eine Schlange durchdringt.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
na jyāyo 'sti kiṃcit LV1958 ] na jyāyo 'sti kaścit ASS1927
Kritischer Apparat
Höher als der nichts andres ist vorhanden, Nichts Kleineres und nichts Größeres, was auch immer, Als Baum im Himmel wurzelnd steht der Eine,<1> Der Purusha, der diese ganze Welt füllt.<2>
<1: Es ist derselbe Baum, von dem Kāṭh. 6,1 die Rede ist.>
<2: = Mahānār. 10,20.>
Paul Deussen - 1921
Than whom there is naught else higher, Than whom there is naught smaller, naught greater, The One stands like a tree established in heaven. By Him, the Person, this whole world is filled.<1><2>
<1: Compare “the eternal fig-tree rooted in heaven,” described at Kaṭha 6. 1.>
<2: This stanza = Mahānār. 10. 20.>
Robert Hume - 1921
This whole (universe) is pervaded by that Perfect Being than whom there is nothing higher or lower, than whom there is nothing smaller or greater; who stands alone in His glory, immovable like a tree.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Höher als der nichts andres ist vorhanden, Nichts Kleineres und nichts Größeres, was auch immer, Als Baum im Himmel wurzelnd steht der Eine,<1> Der Purusha, der diese ganze Welt füllt.<2>
<1: Es ist derselbe Baum, von dem Kāṭh. 6,1 die Rede ist.>
<2: = Mahānār. 10,20.>
Paul Deussen - 1897
This whole universe is filled by this person (purusha), to whom there is nothing superior, from whom there is nothing different, than whom there is nothing smaller or larger, who stands alone, fixed like a tree in the sky.<1>
<1: Divi, the sky, is explained by Śaṅkara as dyotanātmani svamahimni.>
F. Max Müller - 1884
By him, than whom nothing is greater, than whom nothing more subtle, nothing older, who one alone stands in the heavens like an unshaken tree, by him, the perfect spirit (Purusha), all this is pervaded.
Edward Röer - 1853

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Editor:innen

Dr. Ronald Steiner

Aus Ulm

Dr. Ronald Steiner, der „Yoga Doc“, begründete die AYI Methode: traditioneller Ashtanga, moderne Yogatherapie und lebendige Philosophie – als persönliche Praxis von sportlich-akrobatisch bis meditativ-therapeutisch. Er... mehr ›

Nils Jacob Liersch

Meine Begeisterung für Yoga, indische Philosophie und Sanskrit führte mich zum Studium der Indologie und Religionswissenschaft an der Universität Heidelberg. Seit 2004 befinde ich mich auf meinem persönlichen Yogaweg... mehr ›

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U
Kapitel 3, Verse 7 bis 9:
https://youtu.be/jH-_A4cdtqw
Diesmal hat mich besonders der vorletzte Versfuß von Vers 9 inspiriert bzw. an etwas erinnert, was ich vor langer Zeit von einem Yogi hörte, nämlich, dass das menschliche Wesen wie ein umgedrehter, im Himmel wurzelnder Baum, betrachtet werden könne, wenn man sich dessen Nervensystem vor Augen führt: Das Gehirn sei der Wurzelballen dieses Baumes, das Nervengeflecht im Rückenmark der Stamm, und die von dort ausgehenden Nervenbahnen die mannigfaltigen Zweige des Baumes. Der Lebenssaft in diesem Baum sei die lebendige Kraft Gottes (deva shakti). Bei den meisten Menschen würde die Aufmerksamkeit mit dem sich von der Wurzel her ausbreitenden Strom der Shakti nach außen Gehen - zu den äußere Reize empfangenden Nervenenden. In der Meditation jedoch kehrten wir unsere Aufmerksamkeit nach innen und stromaufwärts, sodass wir schließlich zur Quelle des Stroms, zum "großen Licht" gelangten.
Da bekommt das Gegen-den-Strom-Schwimmen noch eine tiefere Bedeutung. :-)
Tolles Bild mit dem Gehirn als Wurzel. Danke Ulf fürs teilen, welch schöner Bezug zu diesem Abschnitt!