SVU 3.19-3.21: Jenseits der Sinne
SVU 3.19-3.21: Jenseits der Sinne

SVU 3.19-3.21: Das paradoxe, feine und unermessliche Selbst

Ohne eigene Sinnesorgane nimmt das Selbst alles wahr; es ist kleiner als das Kleinste, größer als das Größte und wird als körperloser Herr erkannt.

Dr. Ronald Steiner Dr. Ronald Steiner Nils Jacob Liersch Nils Jacob Liersch
Śvetāśvatara Upaniṣad 3.19
अपाणिपादो जवनो ग्रहीता पश्यत्यचक्षुः स शृणोत्यकर्णः |
apāṇi-pādo, javano grahītā; paśyaty acakṣuḥ, sa śṛṇoty akarṇaḥ | Analyse ▾ Analyse ▴
apāṇi
Bahuvrīhi-Kompositum
Adjektiv
ohne Hände, handlos
pādaḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
hand- und fußlos
javanaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Adjektiv
schnell, flink
grahītā
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
der Greifende, Erfassende
paśyati
3. Person Singular Aktiv Präsens
Verbalwurzel
er sieht
acakṣuḥ
Nominativ Singular Maskulin
Adjektiv
ohne Augen, augenlos
saḥ
Nominativ Singular Maskulin
Pronomen dem
er, dieser
śṛṇoti
3. Person Singular Aktiv Präsens
Verbalwurzel
er hört, vernimmt
akarṇaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Adjektiv
ohne Ohren, ohrlos
स वेत्ति वेद्यं न च तस्यास्ति वेत्ता तमाहुरग्र्यं पुरुषं महान्तम् ||19||
sa vetti vedyaṃ, na ca tasyāsti vettā; tam āhur agryaṃ, puruṣaṃ mahāntam ||19|| Analyse ▾ Analyse ▴
saḥ
Nominativ Singular Maskulin
Pronomen dem
er, dieser
vetti
3. Person Singular Aktiv Präsens
Verbalwurzel
er weiß, kennt
vedyam
Akkusativ Singular Neutrum Partizip Futur Passiv
Verbalwurzel
das zu Wissende, Erkennbare
na
Partikel
nicht
ca
Partikel
und
tasya
Genitiv Singular Maskulin
Pronomen dem
von ihm, dessen
asti
3. Person Singular Aktiv Präsens
Verbalwurzel
ist, besteht
vettā
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
der Kenner, Wissende
tam
Akkusativ Singular Maskulin
Pronomen dem
ihn, diesen
āhuḥ
3. Person Plural Aktiv Perfekt
Verbalwurzel
sie nennen, erklären
agryam
Akkusativ Singular Maskulin
Adjektiv
den ersten, höchsten
puruṣam
Akkusativ Singular
Substantiv Maskulin
den Puruṣa, Menschengeist
mahāntam
Akkusativ Singular Maskulin
Adjektiv
den großen, mächtigen
Metrum: Pāda 1: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 2: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 3: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang — 12 Silben; Pāda 4: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang
Ohne Hände und Füße (apāṇi-pādaḥ | nom sg) [ist er] schnell (javanaḥ | nom sg m), der Greifende (grahītā | nom sg); er sieht (paśyati | 3p sg act pres), ohne Augen (acakṣuḥ | nom sg m), er (saḥ | nom sg m) hört (śṛṇoti | 3p sg act pres), ohne Ohren (akarṇaḥ | nom sg m). Er (saḥ | nom sg m) kennt (vetti | 3p sg act pres) das zu Erkennende (vedyam | acc sg n pfp), nicht (na) aber (ca) ist von ihm (tasya | gen sg m) vorhanden (asti | 3p sg act pres) ein Kenner (vettā | nom sg). Ihn (tam | acc sg m) nennen sie (āhuḥ | 3p pl act perf) den ersten großen Puruṣa (agryaṃ puruṣaṃ mahāntam | acc sg).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Ohne Hände und Füße bewegt er sich schnell und greift; ohne Augen sieht er, ohne Ohren hört er. Er kennt alles Erkennbare, doch niemand kennt ihn. Man nennt ihn den ursprünglichen, großen Puruṣa.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya beschreibt den unbedingten Paramātman: Ohne Hände greift, ohne Augen sieht und ohne Ohren hört er; ohne Denkorgan kennt er alles. Weil nichts anderes neben ihm besteht, gibt es keinen zweiten Erkennenden seiner selbst.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda liest den organlosen Erkennenden als den mit dem Jīva identischen Herrn. Seine Bewegung, sein Greifen und Wissen hängen nicht von körperlichen Werkzeugen ab. Er ist selbstleuchtend, vollständig und als Ursache allem anderen voraus.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa löst das Paradox fehlender Organe durch Allgegenwart: Wer überall gegenwärtig ist, erreicht alles ohne Füße und erfasst alles ohne Hände. Er kennt jedes Erkennbare, bleibt aber selbst ohne einen übergeordneten Kenner.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat erklärt Sehen und Hören als unmittelbare Selbstgegenwart in Organ, Funktion und Gegenstand. Ein weiterer Erkenner hinter dem selbstleuchtenden Bewusstsein würde einen endlosen Regress erzeugen. Deshalb ist der Puruṣa der ursprüngliche Zeuge und selbst nicht Objekt eines anderen Wissens.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
Ohn’ Hände greift er, ohne Füße läuft er, Sieht ohne Augen und hört ohne Ohren, Er weiß, was wißbar, aber ihn weiß niemand, Er heißt der Erstlings-Purusha, der Große.<1>
<1: Das Subjekt des Erkennens allein ist, greifend, laufend, sehend, hörend, obgleich die betreffenden Organe gar nicht Subjekt sind; und dieses individuelle Subjekt ist das Ursubjekt, „das Große“ (mahat, buddhi) der Sāṅkhyalehre.>
Paul Deussen - 1921
Without foot or hand, he is swift and a seizer! He sees without eye; he hears without ear! He knows whate’er is to be known; him there is none who knows! Men call him the Great Primeval Person.
Robert Hume - 1921
Having no hands and feet, He can reach fast and can grasp; without eyes, He can see; without ears, He can hear, (without a mind) He knows what is to be known; there is no knower of His; (they) speak of Him as the First, Perfect and Mighty Being.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Ohn’ Hände greift er, ohne Füße läuft er, Sieht ohne Augen und hört ohne Ohren, Er weiß, was wißbar, aber ihn weiß niemand, Er heißt der Erstlings-Purusha, der Große.<1>
<1: Das Subjekt des Erkennens allein ist, greifend, laufend, sehend, hörend, obgleich die betreffenden Organe gar nicht Subjekt sind; und dieses individuelle Subjekt ist das Ursubjekt, „das Große“ (mahat, buddhi) der Sāṅkhyalehre.>
Paul Deussen - 1897
Grasping without hands, hasting without feet, he sees without eyes, he hears without ears. He knows what can be known, but no one knows him; they call him the first, the great person (purusha).
F. Max Müller - 1884
Without hands and feet he speeds, he takes; without eye he sees, without ear he hears. He knows all that is to be known, yet none is there that knows him. They call him the supreme, great soul (Purusha).
Edward Röer - 1853
Śvetāśvatara Upaniṣad 3.20
अणोरणीयान्महतो महीयानात्मा गुहायां निहितो ऽस्य जन्तोः |
aṇor aṇīyān, mahato mahīyān; ātmā guhāyāṃ, nihito 'sya jantoḥ | Analyse ▾ Analyse ▴
aṇoḥ
Genitiv Singular
Substantiv Maskulin
des Kleinen, Atoms
aṇīyān
Nominativ Singular Maskulin Komperativ
Adjektiv
kleiner, feiner
mahataḥ
Genitiv Singular Neutrum
Adjektiv
des Großen, Mächtigen
mahīyān
Nominativ Singular Maskulin Komperativ
Adjektiv
größer, mächtiger
ātmā
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
das Selbst
guhāyām
Lokativ Singular
Substantiv Feminin
in der Höhle, Herzenshöhle
nihitaḥ
Nominativ Singular Maskulin Partizip Perfekt Passiv
Präfix
Verbalwurzel
verborgen, niedergelegt
asya
Genitiv Singular Maskulin
Pronomen dem
dieses, von diesem
jantoḥ
Genitiv Singular
Substantiv Maskulin
des Wesens, Menschen
तमक्रतुं पश्यति वीतशोको धातुप्रसादान्महिमानमीशम् ||20||
tam akratuṃ, paśyati vīta-śoko; dhātu-prasādān, mahimānam īśam ||20|| Analyse ▾ Analyse ▴
tam
Akkusativ Singular Maskulin
Pronomen dem
ihn, diesen
akratum
Akkusativ Singular Maskulin
Adjektiv
willenlos, frei von Begehren
paśyati
3. Person Singular Aktiv Präsens
Verbalwurzel
er sieht, erkennt
vīta
Upapada-Kompositum Partizip Perfekt Passiv
Präfix
Verbalwurzel
vergangen, frei geworden
śokaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Substantiv Maskulin
frei von Kummer, leidlos
dhātu
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Maskulin
der Grundbestandteile, des Geistes
prasādāt
Ablativ Singular
Substantiv Maskulin
durch Klarheit, Beruhigung
mahimānam
Akkusativ Singular
Substantiv Maskulin
die Größe, Herrlichkeit
īśam
Akkusativ Singular
Substantiv Maskulin
den Herrn, Gebieter
Metrum: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang
Des Kleinen (aṇoḥ | gen sg) kleiner (aṇīyān | nom sg m comp), des Großen (mahataḥ | gen sg n) größer (mahīyān | nom sg m comp), [ist] das Selbst (ātmā | nom sg), in der Höhle (guhāyām | loc sg) verborgen (nihitaḥ | nom sg m ppp), [nämlich in der Herzhöhle] dieses (asya | gen sg m) Wesens (jantoḥ | gen sg). Ihn (tam | acc sg m), den Willenlosen (akratum | acc sg m), sieht (paśyati | 3p sg act pres) der von Kummer Freie (vīta-śokaḥ | nom sg m) durch die Klarheit der Grundbestandteile (dhātu-prasādāt | abl sg), in seiner Herrlichkeit (mahimānam | acc sg), als den Herrn (īśam | acc sg).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Kleiner als das Kleinste und größer als das Größte ruht das Selbst in der Herzenshöhle jedes Wesens. Wer vom Kummer frei geworden ist, erkennt durch innere Klarheit den von Begehren freien Herrn in seiner ganzen Größe.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya gibt für dhātuprasāda zwei Deutungen: die Gnade des Schöpfers, durch die wahre Erkenntnis entsteht, oder die Klarheit der körpertragenden Sinne, nachdem Einsicht in die Fehler der Gegenstände ihre Außenbindung gelöst hat.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda versteht den entscheidenden prasāda entweder als barmherzigen Blick des Weltschöpfers oder als Reinheit des Innenorgans. Der von Avidyā freie Mensch erkennt dadurch das wunschlose Selbst in seiner Größe und als den unabhängigen Herrn.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa bezieht Gnade wahlweise auf das Selbst, den Schöpfer oder den Guru. Bei der zusammengeschriebenen Lesart dhātuprasāda meint sie die Gelöstheit und Sattva-Reinheit der Sinne. Beide Wege erklären, wie der Kummerfreie das verborgene Selbst erkennt.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat liest dhātuprasāda als Sammlung der Sinne: Sie werden den schwer beherrschbaren Gegenständen entzogen, der Geist wendet sich nach innen. So erkennt der Suchende das wunschlose innere Selbst als den nichtdualen Herrn und wird vom Saṃsāra-Kummer frei.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
dhātuprasādān LV1958 ] dhātuḥ prasādān ASS1927; dhātuḥ prasādāt LV1958-app
Kritischer Apparat
Des Kleinen Kleinstes und des Großen Größtes, Wohnt er als Selbst im Herzen dem Geschöpf hier; Den willensfreien schaut man, fern von Kummer, Durch Gottes Gnade als den Herrn, als Größe.<1>
<1: Vgl. über diesen Vers die Anmerkungen zu Mahānār. 10,1. Kāṭh. 2,20 (oben S. 247. 274).>
Paul Deussen - 1921
More minute than the minute, greater than the great, Is the Soul (Ātman) that is set in the heart of a creature here. One beholds Him as being without the active will, and becomes freed from sorrow—When through the grace (prasāda) of the Creator he sees the Lord (īś) and his greatness.<1>
<1: This stanza = TA. 10. 10. 1 (= Mahānār. 10. 1, or in the Atharva Recension 8. 3), and also, with slight variation, Kaṭha 2. 20.>
Robert Hume - 1921
Minuter than the minute, and greater than the great, the Soul is situated in the heart of this creature. By the grace of the Creator one can see that Mighty Controller who is free from appetites, and is redeemed from sorrow.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Des Kleinen Kleinstes und des Großen Größtes, Wohnt er als Selbst im Herzen dem Geschöpf hier; Den willensfreien schaut man, fern von Kummer, Durch Gottes Gnade als den Herrn, als Größe.<1>
<1: Vgl. über diesen Vers die Anmerkungen zu Mahānār. 10,1. Kāṭh. 2,20 (oben S. 247. 274).>
Paul Deussen - 1897
The Self, smaller than small, greater than great, is hidden in the heart of the creature. A man who has left all grief behind, sees the majesty, the Lord, the passionless, by the grace of the creator (the Lord).<1>
<1: Cf. Taitt. Ār. X, 12 (10), p. 800; Kaṭh. Up. II, 20; above, p. 11. The translation had to be slightly altered, because the Śvetāśvataras, as Taittirīyas, read akratum for akratuḥ, and īśam for ātmanaḥ.>
F. Max Müller - 1884
He is more subtle than what is subtle, greater than what is great, the soul, dwelling in the cavity (of the heart) of this creature.<1> He who sees by the grace of the creator the glorious ruler as devoid of action, becomes free from grief.<2>
<1: Of all animate beings.>
<2: This is a view of the Sānkhya. The whole verse is taken from the Kāṭhaka U. (2,20), where, however kratu is read instead of kraturo, and ātmanaḥ instead of īśam.>
Edward Röer - 1853
Śvetāśvatara Upaniṣad 3.21
वेदाहमेतमजरं पुराणं सर्वात्मानं सर्वगतं विभुत्वात् |
vedāham etam, ajaraṃ purāṇaṃ; sarvātmānaṃ, sarva-gataṃ vibhutvāt | Analyse ▾ Analyse ▴
veda
1. Person Singular Aktiv Präsens
Verbalwurzel
ich weiß, kenne
aham
Nominativ Singular
Pronomen pers 1p
ich
etam
Akkusativ Singular Maskulin
Pronomen dem
diesen
ajaram
Akkusativ Singular Maskulin
Adjektiv
den alterslosen, unvergänglichen
purāṇam
Akkusativ Singular Maskulin
Adjektiv
den uralten
sarva
Karmadhāraya-Kompositum
Pronomen quant
alles, all-
ātmānam
Akkusativ Singular
Substantiv Maskulin
dessen Selbst alles ist, das All-Selbst
sarva
Karmadhāraya-Kompositum
Pronomen quant
alles, überall
gatam
Akkusativ Singular Maskulin Partizip Perfekt Passiv
Verbalwurzel
überall hingelangt, allgegenwärtig
vibhutvāt
Ablativ Singular
Substantiv Neutrum
aufgrund der Allgegenwart, Ausbreitung
जन्मनिरोधं प्रवदन्ति यस्य ब्रह्मवादिनो हि प्रवदन्ति नित्यम् ||21||
janma-nirodhaṃ, pravadanti yasya; brahma-vādino, hi pravadanti nityam ||21|| Analyse ▾ Analyse ▴
janma
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Neutrum
der Geburt, Wiedergeburt
nirodham
Akkusativ Singular
Substantiv Maskulin
die Hemmung, Beendigung
pravadanti
3. Person Plural Aktiv Präsens
Präfix
Verbalwurzel
sie erklären, verkünden
yasya
Genitiv Singular Maskulin
Pronomen rel
dessen, von welchem
brahma
Upapada-Kompositum
Substantiv Neutrum
Brahman-
vādinaḥ
Nominativ Plural
Substantiv Maskulin
die Brahman-Kenner, Sprecher
hi
Partikel
denn, wahrlich
pravadanti
3. Person Plural Aktiv Präsens
Präfix
Verbalwurzel
sie erklären, verkünden
nityam
Adverb
stets, immer
Metrum: Pāda 1: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 2: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 3: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 4: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang — 12 Silben
Erkannt habe (veda | 1p sg act pres) ich (aham | nom sg) dieses alterslose, uralte All-Selbst (etam ajaraṃ purāṇaṃ sarvātmānaṃ | acc sg), allgegenwärtig (sarva-gatam | acc sg m ppp) aufgrund seiner Allgegenwart (vibhutvāt | abl sg). Die Beendigung der Geburt (janma-nirodham | acc sg) verkünden sie (pravadanti | 3p pl act pres) von ihm (yasya | gen sg m); die Brahman-Kenner (brahma-vādinaḥ | nom pl) nämlich (hi) verkünden [ihn] (pravadanti | 3p pl act pres) als ewig (nityam).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Ich habe dieses alterslose, uralte Selbst erkannt, das in allem gegenwärtig ist und alles durchdringt. Die Kenner des Brahman erklären, dass es keiner Geburt mehr unterliegt und ewig bleibt.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya versteht den Vers als bestätigende Erfahrung des Mantrasehers. Er erkennt das unveränderliche, uralte und alldurchdringende Selbst. Brahmavādins lehren seine Geburtlosigkeit und damit seine zeitlose Beständigkeit.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda ergänzt beim ersten Satzglied gedanklich die Unwissenden: Sie schreiben dem Selbst Geburt und Vernichtung zu. Die Brahmavādins dagegen haben die Wirklichkeit erkannt und lehren es eindeutig als geburts- und todlos sowie ewig.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa hält entweder die Lesung „sie verkünden keine Geburt“ für sinnvoll oder versteht die vorhandene Form stufenweise: Verblendete reden in Unwissenheit von Geburt und Tod, Vedakundige erkennen dagegen die in vielen Vedasätzen bezeugte Ewigkeit.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat bietet zwei Deutungen von janmanirodha. Entweder sind Weltschöpfung und Weltauflösung Handlungen des Herrn, oder gemeint ist die Beendigung weiterer individueller Geburt. In beiden Fällen bestätigt der Seher denselben alterslosen, allgegenwärtigen Paramātman.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
Ich weiß ihn, jenen alterlosen Alten, In allem, es durchdringend, gegenwärtig, Als Selbst in allem, dem Entstehn absprechen Die Brahmanwisser, das sie ewig nennen.
Paul Deussen - 1921
I know this undecaying, primeval Soul of all, present in everything through immanence, Of whose exemption from birth they speak—For the expounders of Brahma (brahma-vādin) speak of Him as eternal.
Robert Hume - 1921
I know that Being, unchangeable, ever-fresh though old, the Self of all, Omnipresent owing to his immanence, whose absence of birth the expounders of Brahm (as is well-known) always declare.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Ich weiß ihn, jenen alterlosen Alten, In allem, es durchdringend, gegenwärtig, Als Selbst in allem, dem Entstehn absprechen Die Brahmanwisser, das sie ewig nennen.
Paul Deussen - 1897
I know this undecaying, ancient one, the self of all things, being infinite and omnipresent. They declare that in him all birth is stopped, for the Brahma-students proclaim him to be eternal.<1><2><3>
<1: Cf. Taitt. Ār. III, 13, 1; III, 12, 7.>
<2: A. reads vedārūḍham, not B.>
<3: A. and B. read brahmavādino hi pravadanti.>
F. Max Müller - 1884
I know him, the undecaying, ancient, the soul of all, omnipresent by his pervading nature, whom the knowers of Bramha call unborn, whom the knowers of Bramha call everlasting.
Edward Röer - 1853

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Editor:innen

Dr. Ronald Steiner

Aus Ulm

Dr. Ronald Steiner, der „Yoga Doc“, begründete die AYI Methode: traditioneller Ashtanga, moderne Yogatherapie und lebendige Philosophie – als persönliche Praxis von sportlich-akrobatisch bis meditativ-therapeutisch. Er... mehr ›

Nils Jacob Liersch

Meine Begeisterung für Yoga, indische Philosophie und Sanskrit führte mich zum Studium der Indologie und Religionswissenschaft an der Universität Heidelberg. Seit 2004 befinde ich mich auf meinem persönlichen Yogaweg... mehr ›

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U
Zum gemeinsamen Rezitieren: https://youtu.be/l8I2UpavjjE
Wie greift der Ewige, der in mir wohnt, behende ohne Füße und Hände? Durch meine Füße und Hände.
Wie sieht ER ohne Augen, hört ohne Ohren? Durch meine Augen und Ohren.
Begreiflich? Ist wohl zu nah und zu inwendig, um vor Augen zu sein.
Wau. Vielen Dank fürs Teilen.
Ich bin so inspiriert von Deinen Inspirationen.