SVU 3.13-3.18: Im Herzen und in der Welt
SVU 3.13-3.18: Im Herzen und in der Welt

SVU 3.13-3.18: Kosmischer Puruṣa und innerer Lenker

Der Puruṣa erscheint daumengroß im Herzen und umfasst doch das All; frei von Sinnen lenkt er als Haṃsa die neuntorige Stadt und ist Zuflucht aller Wesen.

Dr. Ronald Steiner Dr. Ronald Steiner Nils Jacob Liersch Nils Jacob Liersch
Śvetāśvatara Upaniṣad 3.13
अङ्गुष्ठमात्रः पुरुषो ऽन्तरात्मा सदा जनानां हृदये संनिविष्टः |
aṅguṣṭha-mātraḥ, puruṣo 'ntarātmā; sadā janānāṃ, hṛdaye saṃniviṣṭaḥ | Analyse ▾ Analyse ▴
aṅguṣṭha
Upapada-Kompositum
Substantiv Maskulin
Daumen
mātraḥ
Nominativ Singular Maskulin
Adjektiv
von Daumengröße, daumenlang
puruṣaḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
der Puruṣa, Menschengeist
antara
Karmadhāraya-Kompositum
Adjektiv
innerer, innen
ātmā
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
das innere Selbst
sadā
Adverb
stets, immer
janānām
Genitiv Plural
Substantiv Maskulin
der Menschen, Wesen
hṛdaye
Lokativ Singular
Substantiv Neutrum
im Herzen
saṃniviṣṭaḥ
Nominativ Singular Maskulin Partizip Perfekt Passiv
Präfix
Präfix
Verbalwurzel
niedergelassen, eingegangen
हृदा मनीषा मनसाभिकॢप्तो य एतद्विदुरमृतास्ते भवन्ति ||13||
hṛdā manīṣā, manasābhikḷpto; ya etad vidur, amṛtās te bhavanti ||13|| Analyse ▾ Analyse ▴
hṛdā
Instrumentalis Singular
Substantiv Neutrum
durch das Herz
manīṣā
Instrumentalis Singular
Substantiv Feminin
durch Einsicht, Erkenntnis
manasā
Instrumentalis Singular
Substantiv Neutrum
durch den Geist, Verstand
abhikḷptaḥ
Nominativ Singular Maskulin Partizip Perfekt Passiv
Präfix
Verbalwurzel
gestaltet, erfasst
ye
Nominativ Plural Maskulin
Pronomen rel
die, welche
etat
Akkusativ Singular Neutrum
Pronomen dem
dieses
viduḥ
3. Person Plural Aktiv Perfekt
Verbalwurzel
sie wissen, erkennen
amṛtāḥ
Nominativ Plural Maskulin
Adjektiv
unsterblich
te
Nominativ Plural Maskulin
Pronomen dem
sie, jene
bhavanti
3. Person Plural Aktiv Präsens
Verbalwurzel
sie werden
Metrum: Pāda 1: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 2: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang — 12 Silben; Pāda 3: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 4: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang — 12 Silben
Von Daumengröße (aṅguṣṭha-mātraḥ | nom sg m) [ist] der Puruṣa (puruṣaḥ | nom sg), das innere Selbst (antara-ātmā | nom sg), stets (sadā) bei den Menschen (janānām | gen pl) im Herzen (hṛdaye | loc sg) niedergelassen (saṃniviṣṭaḥ | nom sg m ppp), durch das Herz (hṛdā | ins sg), durch Einsicht (manīṣā | ins sg), durch den Geist (manasā | ins sg) erfasst (abhikḷptaḥ | nom sg m ppp). Diejenigen (ye | nom pl m), die dieses (etat | acc sg n) erkennen (viduḥ | 3p pl act perf), unsterblich (amṛtāḥ | nom pl m) – sie (te | nom pl m) werden es (bhavanti | 3p pl act pres).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Der Puruṣa, das innere Selbst, erscheint von Daumengröße und wohnt stets im Herzen der Menschen. Durch Herz, Einsicht und gesammelten Geist wird er erkannt. Wer ihn erkennt, wird unsterblich.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya erklärt die Daumengröße nicht als wirkliche Begrenzung, sondern aus der Größe des Hohlraums im Herzen, an dem das Selbst offenbar wird. Es ist innerstes Selbst aller; Herz, Erkenntniskraft und Geist dienen seiner Erfassung.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda bezieht die Daumengröße auf die im Herzen wohnende Buddhi und ihre begrenzte Erscheinungsfläche. Das Selbst selbst ist nicht räumlich klein. Verneinende Unterweisung, Unterscheidung von Selbst und Nicht-Selbst sowie gesammelter Geist führen zu seiner unmittelbaren Erkenntnis.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa lokalisiert einen daumengroßen feinen Leib im Hohlraum des Herzlotus. Das Selbst wird dort durch die im Herzen gegründete Buddhi, entschlossene Einsicht und betrachtenden Geist erfasst. Wer diese innere Gegenwart wirklich erkennt, wird befreit.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat setzt die Herzensgröße mit der Erscheinung des Selbst im feinen Leib gleich. Der Geist entwirft diese begrenzte Form, die Buddhi bestimmt sie; das Selbst bleibt als Grund aller Upādhis unbegrenzt. Erkenntnis löst die Hüllen auf und beendet Geburt und Tod.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
manīṣā LV1958 ] manīṣo ASS1927
Kritischer Apparat
Der Purusha, zollhoch, als innre Seele Ist stets zu finden in der Geschöpfe Herzen; Nur wer an Herz und Sinn und Geist bereitet,—Unsterblich werden, die ihn also kennen.<1>
<1: Dieser Vers (bis auf die erste Zeile Śvet. 4,17 wiederholt) ist eine Fusion aus Kāṭh. 6,17 und Kāṭh. 6,9, wo (vgl. Mahānār. 1,11. Śvet. 4,20) die ursprüngliche Form des Spruches erhalten ist.>
Paul Deussen - 1921
A Person of the measure of a thumb is the inner soul (antar-ātman), Ever seated in the heart of creatures. He is framed by the heart, by the thought, by the mind. They who know That, become immortal.<1>
<1: Line a = Kaṭha 6. 17 a. The first part of it also = Kaṭha 4. 12 a; 4. 13 a. Lines c and d = Kaṭha 6. 9 c, d. Lines b, c, d, recur as Śvet. 4. 17 b, c, d.>
Robert Hume - 1921
The All-pervading Being (situated in the hole), about the size of the thumb, the inner Soul (of all), has thoroughly entered the heart of all human beings; He is known (through reason), the ruler of the mind and situated in the heart, and through meditation. Those who know him become immortal.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Der Purusha, zollhoch, als innre Seele Ist stets zu finden in der Geschöpfe Herzen; Nur wer an Herz und Sinn und Geist bereitet,—Unsterblich werden, die ihn also kennen.<1>
<1: Dieser Vers (bis auf die erste Zeile Śvet. 4,17 wiederholt) ist eine Fusion aus Kāṭh. 6,17 und Kāṭh. 6,9, wo (vgl. Mahānār. 1,11. Śvet. 4,20) die ursprüngliche Form des Spruches erhalten ist.>
Paul Deussen - 1897
The person (purusha), not larger than a thumb,<1> dwelling within, always dwelling in the heart of man, is perceived by the heart, the thought<2>, the mind; they who know it become immortal.
<1: Cf. Taitt. Ār. X, 71 (Anuv. 38, p. 858). Kaṭh. Up. IV, 12–13; above, p. 16.>
<2: The text has manvīśa, which Śaṅkara explains by jñāneśa. But Weber has conjectured rightly, I believe, that the original text must have been manīshā. The difficulty is to understand how so common a word as manīshā could have been changed into so unusual a word as manvīśa. See IV, 20.>
F. Max Müller - 1884
He is the perfect spirit (Purusha), of the measure of a thumb, the inner soul, who always abides in the heart of every man, the ruler of knowledge, who is concealed by the heart and mind. Those who know him, become immortal.<1>
<1: Returns 4–17. Vid. Kāth. 3. 11 and 13, where v. 11 commences “aṅguṣṭhamātraḥ puruṣo’ntarātmā.”>
Edward Röer - 1853
Śvetāśvatara Upaniṣad 3.14
सहस्रशीर्षा पुरुषः सहस्राक्षः सहस्रपात् |
sahasra-śīrṣā puruṣaḥ; sahasrākṣaḥ sahasra-pāt | Analyse ▾ Analyse ▴
sahasra
Dvigu-Kompositum
Zahlwort
tausend
śīrṣā
Nominativ Singular Maskulin
Substantiv Neutrum
tausendköpfig
puruṣaḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
der Puruṣa, Menschengeist
sahasra
Dvigu-Kompositum
Zahlwort
tausend
akṣaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Substantiv Maskulin
tausendäugig
sahasra
Dvigu-Kompositum
Zahlwort
tausend
pāt
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
tausendfüßig
स भूमिं विश्वतो वृत्वा ऽत्यतिष्ठद्दशाङ्गुलम् ||14||
sa bhūmiṃ viśvato vṛtvā; 'tyatiṣṭhad daśāṅgulam ||14|| Analyse ▾ Analyse ▴
saḥ
Nominativ Singular Maskulin
Pronomen dem
er, dieser
bhūmim
Akkusativ Singular
Substantiv Feminin
die Erde
viśvatas
Adverb
ringsum, nach allen Seiten
vṛtvā
Absolutus
Verbalwurzel
nachdem er umhüllt, umfasst hat
atyatiṣṭhat
3. Person Singular Aktiv Präteritum
Präfix
Verbalwurzel
er ragte hinaus, überschritt
daśa
Dvigu-Kompositum
Zahlwort
zehn
aṅgulam
Akkusativ Singular
Substantiv Neutrum
Fingerbreit, Finger
Metrum: Pāda 1: Anuṣṭubh; Pāda 2: Anuṣṭubh; Pāda 3: Anuṣṭubh; Pāda 4: Anuṣṭubh — 7 statt 8 Silben
Tausendköpfig (sahasra-śīrṣā | nom sg m) [ist] der Puruṣa (puruṣaḥ | nom sg), tausendäugig (sahasrākṣaḥ | nom sg m), tausendfüßig (sahasra-pāt | nom sg). Er (saḥ | nom sg m), die Erde (bhūmim | acc sg) ringsum (viśvatas) umfasst habend (vṛtvā | abs), ragte hinaus (atyatiṣṭhat | 3p sg act pret) um zehn Fingerbreit (daśāṅgulam | acc sg).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Der Puruṣa hat tausend Köpfe, tausend Augen und tausend Füße. Er umschließt die Erde von allen Seiten und ragt noch zehn Fingerbreit über sie hinaus.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya liest tausend als „unendlich“. Der Puruṣa durchdringt die Welt und ragt über sie hinaus. Die zehn Fingerbreit können seine Unbegrenztheit oder, in einer inneren Lesart, den Herzort oberhalb des Nabels anzeigen.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda verbindet die tausend Glieder mit kosmischer und individueller Ebene. Der Puruṣa umfasst das Brahmāṇḍa, doch die ganze sichtbare Welt ist nur ein kleiner, „zehn Finger“ genannter Teil seiner allumfassenden Wirklichkeit.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa erklärt die Überschreitung so, dass der Puruṣa die Erde vollständig durchdringt und noch über jedes messbare Zehn-Finger-Maß hinausreicht. Das Bild soll daher nicht eine begrenzte Verlängerung, sondern den Vorrang des Allgegenwärtigen ausdrücken.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat bietet mehrere Deutungen der zehn Finger: Hiraṇyagarbha und Virāj, zehn psychokosmische Faktoren, die zehn Sinne oder die Richtungen. In jeder Variante übersteigt der Puruṣa das gesamte begrenzte Zehnersystem und ruht in seiner unveränderlichen Herrlichkeit.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
Der Purusha mit tausendfachen Häuptern, Mit tausendfachen Augen, tausend Füßen Bedeckt ringsum die Erde allerorten, Zehn Finger hoch noch drüber hin zu fließen.<1>
<1: Vers 14–15 = Ṛgv. 10,90,1–2 (erklärt Gesch. d. Phil. I, 152).>
Paul Deussen - 1921
The Person has a thousand heads, A thousand eyes, a thousand feet; He surrounds the earth on all sides, And stands ten fingers’ breadth beyond.<1>
<1: This stanza = RV. 10. 90. 1; VS. 31. 1; SV. 1. 618; TA. 3. 12. 1; AV. 19. 6. 1.>
Robert Hume - 1921
That Perfect Being is one having thousands heads, thousands of eyes and thousands of feet. Having encompassed the earth on all sides, He rises above it by the measure of a span.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Der Purusha mit tausendfachen Häuptern, Mit tausendfachen Augen, tausend Füßen Bedeckt ringsum die Erde allerorten, Zehn Finger hoch noch drüber hin zu fließen.<1>
<1: Vers 14–15 = Ṛgv. 10,90,1–2 (erklärt Gesch. d. Phil. I, 152).>
Paul Deussen - 1897
The person (purusha) with a thousand heads, a thousand eyes, a thousand feet, having compassed the earth on every side, extends beyond it by ten fingers’ breadth.<1>
<1: This is a famous verse of the Rig-veda, X, 90, 1; repeated in the Atharva-veda, XIX, 6, 1; Yag. Saṃh. XXXI, 1; Taitt. Ār. III, 12, 1. Śaṅkara explains ten fingers’ breadth by endless; or, he says, it may be meant for the heart, which is ten fingers above the navel.>
F. Max Müller - 1884
The perfect spirit of thousand heads, of thousand eyes, and thousand feet, pervading everywhere (internally and externally) the world, dwells ten fingers above (the navel in the heart).
Edward Röer - 1853
Śvetāśvatara Upaniṣad 3.15
पुरुष एवेदं सर्वं यद्भूतं यच्च भव्यम् |
puruṣa evedaṃ sarvaṃ; yad bhūtaṃ yac ca bhavyam | Analyse ▾ Analyse ▴
puruṣaḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
der Puruṣa, Menschengeist
eva
Partikel
allein, eben
idam
Nominativ Singular Neutrum
Pronomen dem
dieses
sarvam
Nominativ Singular Neutrum
Pronomen quant
alles, das Ganze
yat
Nominativ Singular Neutrum
Pronomen rel
was, welches
bhūtam
Nominativ Singular Neutrum Partizip Perfekt Passiv
Verbalwurzel
geworden, vergangen
yat
Nominativ Singular Neutrum
Pronomen rel
was, welches
ca
Partikel
und
bhavyam
Nominativ Singular Neutrum Partizip Futur Passiv
Verbalwurzel
künftig, was werden wird
उतामृतत्वस्येशानो यदन्नेनातिरोहति ||15||
utāmṛtatvasyeśāno; yad annenātirohati ||15|| Analyse ▾ Analyse ▴
uta
Partikel
und, auch
amṛtatvasya
Genitiv Singular
Substantiv Neutrum
der Unsterblichkeit
īśānaḥ
Nominativ Singular Maskulin Partizip Präsens Medial
Verbalwurzel
der Herr, Gebieter
yat
Nominativ Singular Neutrum
Pronomen rel
was, welches
annena
Instrumentalis Singular
Substantiv Neutrum
durch Nahrung, Speise
atirohati
3. Person Singular Aktiv Präsens
Präfix
Verbalwurzel
wächst hinaus, entfaltet sich
Metrum: Pāda 1: Anuṣṭubh; Pāda 2: Anuṣṭubh — 7 statt 8 Silben; Pāda 3: Anuṣṭubh; Pāda 4: Anuṣṭubh
Der Puruṣa (puruṣaḥ | nom sg) allein (eva) [ist] dieses (idam | nom sg n) Ganze (sarvam | nom sg n), was (yat | nom sg n) geworden ist (bhūtam | nom sg n ppp), was (yat | nom sg n) auch (ca) künftig sein wird (bhavyam | nom sg n pfp); und (uta) der Unsterblichkeit (amṛtatvasya | gen sg) Herr (īśānaḥ | nom sg m pcm) [ist er], was (yat | nom sg n) durch Nahrung (annena | ins sg) hinauswächst (atirohati | 3p sg act pres).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Der Puruṣa allein ist dieses ganze All: alles, was geworden ist, und alles, was künftig sein wird. Er ist der Herr der Unsterblichkeit und ebenso all dessen, was durch Nahrung wächst.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya fasst Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft als den Puruṣa selbst. Er herrscht sowohl über die todlose Befreiung als auch über alles, was durch Nahrung wächst und in der sichtbaren Welt erscheint.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda betont, dass der Puruṣa nicht nur dem Namen nach Herr ist. Er setzt auch die gesetzmäßigen Abläufe dessen fest, was durch Nahrung entsteht und wächst. Zugleich beherrscht er die Befreiung und umfasst alle drei Zeiten.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa unterscheidet die Unsterblichkeit der Befreiung von bloßer Langlebigkeit in einer Himmelswelt. Der Puruṣa übersteigt alle nur vergleichsweise unsterblichen Zustände und ist daher auch über jedes durch Nahrung erhaltene Leben Herr.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat erklärt die zeitliche Welt als Avidyā-Projektion auf den Puruṣa. Anna kann Māyā heißen: Durch sie scheint das Eine in gegensätzlichen Formen zu wachsen. Derselbe Herr trägt diese Erscheinung und beendet im Wissen den Saṃsāra.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
Nur Purusha ist diese ganze Welt, Und was da war, und was zukünftig währt, Herr ist er über die Unsterblichkeit,—Diejenige, die sich durch Speise nährt.<1>
<1: Vers 14–15 = Ṛgv. 10,90,1–2 (erklärt Gesch. d. Phil. I, 152).>
Paul Deussen - 1921
The Person, in truth, this whole world is, Whate’er has been and whate’er will be; Also ruler of immortality, [And] whatever grows up by food.<1>
<1: This stanza = RV. 10. 90. 2; VS. 31. 2; SV. 1. 620; AV. 19. 6. 4; TA. 3. 12. 1, with variants.>
Robert Hume - 1921
All that is past, present or future is only the Perfect Being. He is also the Lord of Salvation, and transcends whatever world of phenomena (there is).
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Nur Purusha ist diese ganze Welt, Und was da war, und was zukünftig währt, Herr ist er über die Unsterblichkeit,—Diejenige, die sich durch Speise nährt.<1>
<1: Vers 14–15 = Ṛgv. 10,90,1–2 (erklärt Gesch. d. Phil. I, 152).>
Paul Deussen - 1897
That person alone (purusha) is all this, what has been and what will be; he is also the lord of immortality; he is whatever grows by food.<1>
<1: Sāyaṇa, in his commentary on the Rig-veda and the Taitt. Ār., gives another explanation, viz. he is also the lord of all the immortals, i. e. the gods, because they grow to their exceeding state by means of food, or for the sake of food.>
F. Max Müller - 1884
The perfect spirit is the Ruler of this all, of all that was, that is to be, and grows by food, yea that is immortal.
Edward Röer - 1853
Śvetāśvatara Upaniṣad 3.16
सर्वतःपाणिपादं तत्सर्वतो ऽक्षिशिरोमुखम् |
sarvataḥ-pāṇi-pādaṃ tat; sarvato 'kṣi-śiro-mukham | Analyse ▾ Analyse ▴
sarvatas
Bahuvrīhi-Kompositum
Adverb
nach allen Seiten, überall
pāṇi
Dvandva-Kompositum
Substantiv Maskulin
Hände
pādam
Nominativ Singular Neutrum
Substantiv Maskulin
mit Händen und Füßen überall
tat
Nominativ Singular Neutrum
Pronomen dem
dieses, jenes
sarvatas
Adverb
nach allen Seiten, überall
akṣi
Dvandva-Kompositum
Substantiv Neutrum
Augen
śiras
Dvandva-Kompositum
Substantiv Neutrum
Köpfe
mukham
Nominativ Singular
Substantiv Neutrum
mit Augen, Köpfen und Gesichtern überall
सर्वतःश्रुतिमल्लोके सर्वमावृत्य तिष्ठति ||16||
sarvataḥ-śrutimal loke; sarvam āvṛtya tiṣṭhati ||16|| Analyse ▾ Analyse ▴
sarvatas
Bahuvrīhi-Kompositum
Adverb
nach allen Seiten, überall
śrutimat
Nominativ Singular Neutrum
Adjektiv
überall hörend, mit Gehör überall
loke
Lokativ Singular
Substantiv Maskulin
in der Welt
sarvam
Akkusativ Singular Neutrum
Pronomen quant
alles, das Ganze
āvṛtya
Absolutus
Präfix
Verbalwurzel
nachdem es umhüllt, umfasst hat
tiṣṭhati
3. Person Singular Aktiv Präsens
Verbalwurzel
es steht, besteht
Metrum: Anuṣṭubh
Mit Händen und Füßen überall (sarvataḥ-pāṇi-pādam | nom sg n) [ist] dieses (tat | nom sg n), mit Augen, Köpfen und Gesichtern überall (sarvato'kṣi-śiro-mukham | nom sg), mit Gehör überall (sarvataḥ-śrutimat | nom sg n) in der Welt (loke | loc sg); alles (sarvam | acc sg n) umfasst habend (āvṛtya | abs), steht es (tiṣṭhati | 3p sg act pres).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Seine Hände und Füße sind überall, ebenso seine Augen, Köpfe und Gesichter; überall in der Welt hört er. Er umfasst das All und ist in allem gegenwärtig.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya schreibt dem Einen zunächst alle Hände, Füße und Sinnesorgane der Lebewesen zu. Die folgende Negation eigener Organe verhindert jedoch eine körperliche Begrenzung. Das Verfahren macht die Allgegenwart sichtbar, ohne sie zu materialisieren.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda versteht die universale Leiblichkeit als Gegenwart in den Gliedern aller Wesen. Der Herr durchdringt die Welt kraft seiner Brahmangestalt; er wächst durch Nahrung, ohne deshalb ein einzelner nahrungsabhängiger Körper zu werden.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa liest die allseitigen Glieder als die ungehinderte Handlungs- und Bewusstseinskraft des Herrn. Weil kein Sinnesvorgang außerhalb seiner Gegenwart stattfindet, kann er überall wirken, ohne auf ein bestimmtes Organ angewiesen zu sein.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat macht alle Hände und Füße der Wesen zu Gliedern Īśvaras. Wie die von einem Zauberer geschaffenen Gestalten von dessen Macht abhängen, durchdringt der Herr die von Māyā hervorgebrachten Körper innen und außen, ohne mit ihnen begrenzt zu sein.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
Nach allwärts ist es Hand, Füße, Nach allwärts Augen, Haupt und Mund, Nach allen Seiten hin hörend, Die Welt umfassend steht es da.<1>
<1: Wieder, wie oben Vers 11, eine Paraphrase.>
Paul Deussen - 1921
It has a hand and foot on every side, On every side an eye and head and face, It has an ear everywhere in the world. It stands encompassing all.<1>
<1: This stanza = BhG. 13. 13.>
Robert Hume - 1921
He whose hands and feet are everywhere, whose eyes, heads and faces are everywhere, whose ears are everywhere, exists, having pervaded all.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Nach allwärts ist es Hand, Füße, Nach allwärts Augen, Haupt und Mund, Nach allen Seiten hin hörend, Die Welt umfassend steht es da.<1>
<1: Wieder, wie oben Vers 11, eine Paraphrase.>
Paul Deussen - 1897
Its<1> hands and feet are everywhere, its eyes and head are everywhere, its ears are everywhere, it stands encompassing all in the world.<2>
<1: The gender changes frequently, according as the author thinks either of the Brahman, or of its impersonation as Īśa, Lord.>
<2: Śaṅkara explains loka by nikāya, body.>
F. Max Müller - 1884
Everywhere having his hands and feet, everywhere his eyes and face, everywhere his ears, he pervades all within the world (body).
Edward Röer - 1853
Śvetāśvatara Upaniṣad 3.17
सर्वेन्द्रियगुणाभासं सर्वेन्द्रियविवर्जितम् |
sarvendriya-guṇābhāsaṃ; sarvendriya-vivarjitam | Analyse ▾ Analyse ▴
sarva
Karmadhāraya-Kompositum
Pronomen quant
alle, sämtliche
indriya
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Neutrum
der Sinne
guṇa
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Maskulin
der Eigenschaften, Kräfte
ābhāsam
Akkusativ Singular
Substantiv Maskulin
die Erscheinung, Widerspiegelung
sarva
Karmadhāraya-Kompositum
Pronomen quant
alle, sämtliche
indriya
Tatpuruṣa-Kompositum Ablativ
Substantiv Neutrum
von den Sinnen
vivarjitam
Akkusativ Singular Maskulin Partizip Perfekt Passiv
Präfix
Verbalwurzel
frei, entblößt
सर्वस्य प्रभुमीशानं सर्वस्य शरणं सुहृत् ||17||
sarvasya prabhum īśānaṃ; sarvasya śaraṇaṃ suhṛt ||17|| Analyse ▾ Analyse ▴
sarvasya
Genitiv Singular Neutrum
Pronomen quant
des Alls, von allem
prabhum
Akkusativ Singular
Substantiv Maskulin
den Herrn, Mächtigen
īśānam
Akkusativ Singular Maskulin Partizip Präsens Medial
Verbalwurzel
den Herrschenden, Gebieter
sarvasya
Genitiv Singular Neutrum
Pronomen quant
des Alls, von allem
śaraṇam
Akkusativ Singular
Substantiv Neutrum
die Zuflucht, den Schutz
suhṛt
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
der Freund, Wohlgesinnte
Metrum: Anuṣṭubh
[Man erkennt ihn] als Erscheinung aller Sinneskräfte (sarvendriya-guṇābhāsaṃ | acc sg), [doch] von allen Sinnen frei (sarvendriya-vivarjitam | acc sg m ppp), des Alls (sarvasya | gen sg n) Herr (prabhum | acc sg), der Herrschende (īśānam | acc sg m pcm), des Alls (sarvasya | gen sg n) Zuflucht (śaraṇam | acc sg). [Er ist] der Freund (suhṛt | nom sg).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Er erscheint in den Kräften aller Sinne und ist doch selbst frei von jedem Sinnesorgan. Er ist der Herr und Gebieter des Alls, die Zuflucht und der Freund aller Wesen.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya lässt alle Sinnesvorgänge im Selbst erscheinen und verneint ihm dennoch eigene Organe. In seiner Lesart bṛhat ist es nicht nur Herr und letzte Zuflucht, sondern auch der „große“ Grund, aus dem die gesamte Ordnung hervorgeht.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda fasst Sinneswissen und seine Gegenstände als Erscheinungen im Herrn. Er selbst ist frei von Organen und Avidyā, lenkt und schützt die Welt. Als suhṛt hilft er ohne erwartete Gegenleistung und kann deshalb nicht der Parteilichkeit beschuldigt werden.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa deutet die Guṇas der Sinne als Gegenstände und deren Offenbarung im Bewusstsein. Der Herr bleibt von den Organen frei. śaraṇa bezeichnet ihn als schützende Zuflucht, suhṛt als verlässlichen Freund.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat unterscheidet den Zeugen aller Sinnesfunktionen von Organ, Tätigkeit und Gegenstand. Der selbstleuchtende Herr ist mit keinem davon gebunden, obwohl nichts außerhalb seines Bewusstseins erscheint. Er bleibt Lenker, Zuflucht und wohltätiger Freund des Ganzen.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
suhṛt LV1958 ] bṛhat ASS1927, LV1958-app
Kritischer Apparat
Durch aller Sinne Kraft scheinend Und doch von allen Sinnen frei, Als Gott und Herrn der Welt [ehrt ihn], Als großen Hort des Weltenalls.
Paul Deussen - 1921
Seeming to possess the quality (guṇa) of all the senses, It is devoid of all the senses! The lord (prabhu), the ruler of all, The great shelter of all—<1>
<1: The first two lines occur as BhG. 13. 14 a, b.>
Robert Hume - 1921
He is the Light of all the organs of sense, their faculties and their objects; He is free from all the organs of sense; He is the Lord and Governor of all, the Great Refuge of all.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Durch aller Sinne Kraft scheinend Und doch von allen Sinnen frei, Als Gott und Herrn der Welt [ehrt ihn], Als großen Hort des Weltenalls.
Paul Deussen - 1897
Separate from all the senses, yet reflecting the qualities of all the senses, it is the lord and ruler of all, it is the great refuge of all.
F. Max Müller - 1884
He who shines forth with the qualities of all the senses, is devoid of all the senses.<1> (They call him) the lord of all, the ruler of all, the infinite support.
<1: Of the external senses as well as the internal sense, the mind. These qualities are for instance sound, colour, &c.; doubt, determination, &c.>
Edward Röer - 1853
Śvetāśvatara Upaniṣad 3.18
नवद्वारे पुरे देही हंसो लेलायते बहिः |
nava-dvāre pure dehī; haṃso lelāyate bahiḥ | Analyse ▾ Analyse ▴
nava
Dvigu-Kompositum
Zahlwort
neun
dvāre
Lokativ Singular
Substantiv Neutrum
im neuntorigen
pure
Lokativ Singular
Substantiv Neutrum
in der Stadt, Körperstadt
dehī
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
der Verkörperte
haṃsaḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
der Schwan, die Einzelseele
lelāyate
3. Person Singular Medial Präsens Intensive
Verbalwurzel
bewegt sich spielend, flattert
bahis
Adverb
draußen, nach außen
वशी सर्वस्य लोकस्य स्थावरस्य चरस्य च ||18||
vaśī sarvasya lokasya; sthāvarasya carasya ca ||18|| Analyse ▾ Analyse ▴
vaśī
Nominativ Singular Maskulin
Adjektiv
der Beherrschende, Lenker
sarvasya
Genitiv Singular Neutrum
Pronomen quant
des ganzen, von allem
lokasya
Genitiv Singular
Substantiv Maskulin
der Welt, des Bereichs
sthāvarasya
Genitiv Singular Neutrum
Adjektiv
des Unbeweglichen, Feststehenden
carasya
Genitiv Singular Neutrum
Adjektiv
des Beweglichen, Wandelnden
ca
Partikel
und
Metrum: Anuṣṭubh
In der neuntorigen [Stadt] (nava-dvāre | loc sg), in der Stadt (pure | loc sg), [wohnt] der Verkörperte (dehī | nom sg); der Schwan (haṃsaḥ | nom sg) bewegt sich spielend (lelāyate | 3p sg med pres inte) nach außen (bahiḥ). Der Beherrschende (vaśī | nom sg m) [ist er] der ganzen (sarvasya | gen sg n) Welt (lokasya | gen sg), des Unbeweglichen (sthāvarasya | gen sg n), des Beweglichen (carasya | gen sg n) gleichermaßen (ca).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Der Verkörperte wohnt als Schwan in der Stadt mit neun Toren und bewegt sich durch die Außenwelt. Doch er ist der innere Lenker der ganzen Welt, des Unbeweglichen wie des Beweglichen.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya zählt die neun Tore des Körpers als sieben Öffnungen des Kopfes und zwei untere. Der Paramātman erscheint darin als verkörpertes Erkenntnisselbst, bewegt sich zur Aufnahme äußerer Gegenstände und bleibt doch Beherrscher des Beweglichen und Unbeweglichen.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda versteht den Haṃsa als durch Buddhi begrenzten Jīva, der durch die neun Körperöffnungen zu äußeren Gegenständen wandert. Der Satz führt aber zur Identität zurück: Derselbe Haṃsa ist in Wahrheit der Lenker aller beweglichen und unbeweglichen Wesen.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa identifiziert die neuntorige Stadt mit dem Leib. Dort scheint das Selbst zu spielen, zu handeln und zu meditieren, während die Sinne nach außen laufen. Als innerer Herr beherrscht es dennoch alle hohen und niedrigen Lebensformen.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat lässt den Haṃsa Wachsein, Traum und Tiefschlaf sowie Diesseits, Jenseits und verschiedene Geburten durchlaufen. Er handelt unter Karma und Māyā, während der Paramātman als unveränderlicher, raumgleicher Lenker von allen Zuständen unberührt bleibt.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
Der in der Stadt mit neun Toren (vgl. Kāṭh. 5,1) Als Schwan wohnend (Śvet. 1,6) nach außen schweift,<1> Der ist der ganzen Welt Herrscher, Alles dessen, was steht und geht.
<1: Das Subjekt des Erkennens, indem es durch die Sinne wahrnimmt, „schweift gleichsam“ nach außen, lelāyati iva, wie es in der ursprünglichen Stelle Bṛh. 4,3,7 heißt, woher wohl mit dem Ausdrucke die Vorstellung entlehnt ist.>
Paul Deussen - 1921
Though in the nine-gated city<1> embodied, Back and forth to the external hovers the soul (haṁsa), The Controller of the whole world, Both the stationary and the moving.
<1: That is, in the body, cf. Kaṭha 5. 1 and BhG. 5. 13.>
Robert Hume - 1921
In the body having nine openings, or in the (city having nine gates) the soul, connected with the body, wanders out (in the world). He is the Controller of the whole world, animate as well as inanimate.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Der in der Stadt mit neun Toren (vgl. Kāṭh. 5,1) Als Schwan wohnend (Śvet. 1,6) nach außen schweift,<1> Der ist der ganzen Welt Herrscher, Alles dessen, was steht und geht.
<1: Das Subjekt des Erkennens, indem es durch die Sinne wahrnimmt, „schweift gleichsam“ nach außen, lelāyati iva, wie es in der ursprünglichen Stelle Bṛh. 4,3,7 heißt, woher wohl mit dem Ausdrucke die Vorstellung entlehnt ist.>
Paul Deussen - 1897
The embodied spirit within the town with nine gates<1>, the bird, flutters outwards, the ruler of the whole world, of all that rests and of all that moves.
<1: Cf. Kaṭh. Up. V, 1.>
F. Max Müller - 1884
Embodied in the town of nine gates, the soul (Hansa),<1> moves to things without, subduing the whole world, all that is immoveable and moveable.<2>
<1: Vid. Bhag. G. 5, 13, where the commencement is the same, “navadvāre pure dehī.”>
<2: Here derives Śankara the word “Hansa” “hanti avidyātmakam kāryam” he destroys the effect of the ignorance, while above he explains it by “hanti, gacchanti adhvānam iti haṃsa,” it is called hansa, because it travels along the road.>
Edward Röer - 1853

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Dr. Ronald Steiner

Aus Ulm

Dr. Ronald Steiner, der „Yoga Doc“, begründete die AYI Methode: traditioneller Ashtanga, moderne Yogatherapie und lebendige Philosophie – als persönliche Praxis von sportlich-akrobatisch bis meditativ-therapeutisch. Er... mehr ›

Nils Jacob Liersch

Meine Begeisterung für Yoga, indische Philosophie und Sanskrit führte mich zum Studium der Indologie und Religionswissenschaft an der Universität Heidelberg. Seit 2004 befinde ich mich auf meinem persönlichen Yogaweg... mehr ›

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U
Verse 13-18 zum Einüben der Rezitation: https://youtu.be/Ij3uIpDgsmM
Ein paar Gedanken zu den Versen 13 und 14:
Vers 13. Wenn die "Höhle Brahmas" im physischen Bereich des Zwischenhirns lokalisiert werden kann, so kann unser wahres Selbst (puruṣa, christlich: Gotteskind, Sohn Gottes) also an einem Ort "im Herzen" (gebräuchliches Synonym für Gehirn) wahrgenommen werden, der nicht mehr als daumengroß ist - aṅguṣṭhamātraḥ, puruṣo'ntarātmā.Darauf mit Herz (hr̥dā), Sinn (manīṣā) und Verstand (manas) ausgerichtet Sein (abhikl̥pto) mag wirklich zu einer Erfahrung von Unsterblichkeit (amr̥ta, christlich: Geburt des Gotteskindes/Sohnes Gottes) führen.

Vers 14. Von einem Yogi hörte ich einmal die Bemerkung, dass das Sahasrara-Chakra, der "tausendblättrige Lotus", auch als "Platz der zehn Finger" bezeichnet würde und ein Ort sei, an dem wir den Vater, das Absolute, Brahma, oder wie man es nennen möchte, in uns erfahren können. In diesem Vers nun kommt dreimal die Zahl tausend (sahasra) vor und einmal werden die zehn Finger (daśāṅgulam) erwähnt. Kein Zufall, denke ich. Brahma, Gott Vater, der absolute Aspekt von Gottes Dreifaltigkeit, steht, so betrachtet, zehn Finger über allem (aty atiṣṭhad daśāṅgulam).

Wie gelangt man nun zum "Platz der zehn Finger"?

Dafür halte man Zeige- bis kleinen Finger der linken Hand gestreckt und aneinander, lege diese dann mit der Fingerkuppe des kleinen Fingers am Platz zwischen den Augenbrauen auf die Stirn, lege die gleichen vier Finger der rechten Hand daran und zuletzt noch Zeige- und Mittelfinger der linken Hand. Dann ist man dort: am Scheitelpunkt, Sahasrara Chakra.
Wau. Super spannend. Vielen Dank für's Teilen.
Hallo, ist bei 3.15 im dritten Pada - utāmrṭatvasyeśāno - das r ein Sonant und somit "mrṭa" zwei Silben, oder tatsächlich ein Konsonant und dann nur eine Silbe? Danke für die Hilfe.
Oh ja. Das war ein Fehler. Ich habe es gleich korrigiert. Danke für den Hinweis. Es sollte ~i~.r~~ sein, also ein Sonant.