sa bhūmiṃ viśvato vṛtvā; 'tyatiṣṭhad daśāṅgulam ||14|| Analyse ▾ Analyse ▴
Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya liest tausend als „unendlich“. Der Puruṣa durchdringt die Welt und ragt über sie hinaus. Die zehn Fingerbreit können seine Unbegrenztheit oder, in einer inneren Lesart, den Herzort oberhalb des Nabels anzeigen.
Śaṅkarānanda verbindet die tausend Glieder mit kosmischer und individueller Ebene. Der Puruṣa umfasst das Brahmāṇḍa, doch die ganze sichtbare Welt ist nur ein kleiner, „zehn Finger“ genannter Teil seiner allumfassenden Wirklichkeit.
Nārāyaṇa erklärt die Überschreitung so, dass der Puruṣa die Erde vollständig durchdringt und noch über jedes messbare Zehn-Finger-Maß hinausreicht. Das Bild soll daher nicht eine begrenzte Verlängerung, sondern den Vorrang des Allgegenwärtigen ausdrücken.
Vijñānabhagavat bietet mehrere Deutungen der zehn Finger: Hiraṇyagarbha und Virāj, zehn psychokosmische Faktoren, die zehn Sinne oder die Richtungen. In jeder Variante übersteigt der Puruṣa das gesamte begrenzte Zehnersystem und ruht in seiner unveränderlichen Herrlichkeit.
<1: Vers 14–15 = Ṛgv. 10,90,1–2 (erklärt Gesch. d. Phil. I, 152).>
<1: This stanza = RV. 10. 90. 1; VS. 31. 1; SV. 1. 618; TA. 3. 12. 1; AV. 19. 6. 1.>
<1: Vers 14–15 = Ṛgv. 10,90,1–2 (erklärt Gesch. d. Phil. I, 152).>
<1: This is a famous verse of the Rig-veda, X, 90, 1; repeated in the Atharva-veda, XIX, 6, 1; Yag. Saṃh. XXXI, 1; Taitt. Ār. III, 12, 1. Śaṅkara explains ten fingers’ breadth by endless; or, he says, it may be meant for the heart, which is ten fingers above the navel.>
Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya fasst Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft als den Puruṣa selbst. Er herrscht sowohl über die todlose Befreiung als auch über alles, was durch Nahrung wächst und in der sichtbaren Welt erscheint.
Śaṅkarānanda betont, dass der Puruṣa nicht nur dem Namen nach Herr ist. Er setzt auch die gesetzmäßigen Abläufe dessen fest, was durch Nahrung entsteht und wächst. Zugleich beherrscht er die Befreiung und umfasst alle drei Zeiten.
Nārāyaṇa unterscheidet die Unsterblichkeit der Befreiung von bloßer Langlebigkeit in einer Himmelswelt. Der Puruṣa übersteigt alle nur vergleichsweise unsterblichen Zustände und ist daher auch über jedes durch Nahrung erhaltene Leben Herr.
Vijñānabhagavat erklärt die zeitliche Welt als Avidyā-Projektion auf den Puruṣa. Anna kann Māyā heißen: Durch sie scheint das Eine in gegensätzlichen Formen zu wachsen. Derselbe Herr trägt diese Erscheinung und beendet im Wissen den Saṃsāra.
<1: Vers 14–15 = Ṛgv. 10,90,1–2 (erklärt Gesch. d. Phil. I, 152).>
<1: This stanza = RV. 10. 90. 2; VS. 31. 2; SV. 1. 620; AV. 19. 6. 4; TA. 3. 12. 1, with variants.>
<1: Vers 14–15 = Ṛgv. 10,90,1–2 (erklärt Gesch. d. Phil. I, 152).>
<1: Sāyaṇa, in his commentary on the Rig-veda and the Taitt. Ār., gives another explanation, viz. he is also the lord of all the immortals, i. e. the gods, because they grow to their exceeding state by means of food, or for the sake of food.>
sarvataḥ-pāṇi-pādaṃ tat; sarvato 'kṣi-śiro-mukham | Analyse ▾ Analyse ▴
Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya schreibt dem Einen zunächst alle Hände, Füße und Sinnesorgane der Lebewesen zu. Die folgende Negation eigener Organe verhindert jedoch eine körperliche Begrenzung. Das Verfahren macht die Allgegenwart sichtbar, ohne sie zu materialisieren.
Śaṅkarānanda versteht die universale Leiblichkeit als Gegenwart in den Gliedern aller Wesen. Der Herr durchdringt die Welt kraft seiner Brahmangestalt; er wächst durch Nahrung, ohne deshalb ein einzelner nahrungsabhängiger Körper zu werden.
Nārāyaṇa liest die allseitigen Glieder als die ungehinderte Handlungs- und Bewusstseinskraft des Herrn. Weil kein Sinnesvorgang außerhalb seiner Gegenwart stattfindet, kann er überall wirken, ohne auf ein bestimmtes Organ angewiesen zu sein.
Vijñānabhagavat macht alle Hände und Füße der Wesen zu Gliedern Īśvaras. Wie die von einem Zauberer geschaffenen Gestalten von dessen Macht abhängen, durchdringt der Herr die von Māyā hervorgebrachten Körper innen und außen, ohne mit ihnen begrenzt zu sein.
<1: Wieder, wie oben Vers 11, eine Paraphrase.>
<1: This stanza = BhG. 13. 13.>
<1: Wieder, wie oben Vers 11, eine Paraphrase.>
<1: The gender changes frequently, according as the author thinks either of the Brahman, or of its impersonation as Īśa, Lord.>
<2: Śaṅkara explains loka by nikāya, body.>
Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya lässt alle Sinnesvorgänge im Selbst erscheinen und verneint ihm dennoch eigene Organe. In seiner Lesart bṛhat ist es nicht nur Herr und letzte Zuflucht, sondern auch der „große“ Grund, aus dem die gesamte Ordnung hervorgeht.
Śaṅkarānanda fasst Sinneswissen und seine Gegenstände als Erscheinungen im Herrn. Er selbst ist frei von Organen und Avidyā, lenkt und schützt die Welt. Als suhṛt hilft er ohne erwartete Gegenleistung und kann deshalb nicht der Parteilichkeit beschuldigt werden.
Nārāyaṇa deutet die Guṇas der Sinne als Gegenstände und deren Offenbarung im Bewusstsein. Der Herr bleibt von den Organen frei. śaraṇa bezeichnet ihn als schützende Zuflucht, suhṛt als verlässlichen Freund.
Vijñānabhagavat unterscheidet den Zeugen aller Sinnesfunktionen von Organ, Tätigkeit und Gegenstand. Der selbstleuchtende Herr ist mit keinem davon gebunden, obwohl nichts außerhalb seines Bewusstseins erscheint. Er bleibt Lenker, Zuflucht und wohltätiger Freund des Ganzen.
<1: The first two lines occur as BhG. 13. 14 a, b.>
<1: Of the external senses as well as the internal sense, the mind. These qualities are for instance sound, colour, &c.; doubt, determination, &c.>
Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya zählt die neun Tore des Körpers als sieben Öffnungen des Kopfes und zwei untere. Der Paramātman erscheint darin als verkörpertes Erkenntnisselbst, bewegt sich zur Aufnahme äußerer Gegenstände und bleibt doch Beherrscher des Beweglichen und Unbeweglichen.
Śaṅkarānanda versteht den Haṃsa als durch Buddhi begrenzten Jīva, der durch die neun Körperöffnungen zu äußeren Gegenständen wandert. Der Satz führt aber zur Identität zurück: Derselbe Haṃsa ist in Wahrheit der Lenker aller beweglichen und unbeweglichen Wesen.
Nārāyaṇa identifiziert die neuntorige Stadt mit dem Leib. Dort scheint das Selbst zu spielen, zu handeln und zu meditieren, während die Sinne nach außen laufen. Als innerer Herr beherrscht es dennoch alle hohen und niedrigen Lebensformen.
Vijñānabhagavat lässt den Haṃsa Wachsein, Traum und Tiefschlaf sowie Diesseits, Jenseits und verschiedene Geburten durchlaufen. Er handelt unter Karma und Māyā, während der Paramātman als unveränderlicher, raumgleicher Lenker von allen Zuständen unberührt bleibt.
<1: Das Subjekt des Erkennens, indem es durch die Sinne wahrnimmt, „schweift gleichsam“ nach außen, lelāyati iva, wie es in der ursprünglichen Stelle Bṛh. 4,3,7 heißt, woher wohl mit dem Ausdrucke die Vorstellung entlehnt ist.>
<1: That is, in the body, cf. Kaṭha 5. 1 and BhG. 5. 13.>
<1: Das Subjekt des Erkennens, indem es durch die Sinne wahrnimmt, „schweift gleichsam“ nach außen, lelāyati iva, wie es in der ursprünglichen Stelle Bṛh. 4,3,7 heißt, woher wohl mit dem Ausdrucke die Vorstellung entlehnt ist.>
<1: Cf. Kaṭh. Up. V, 1.>
<1: Vid. Bhag. G. 5, 13, where the commencement is the same, “navadvāre pure dehī.”>
<2: Here derives Śankara the word “Hansa” “hanti avidyātmakam kāryam” he destroys the effect of the ignorance, while above he explains it by “hanti, gacchanti adhvānam iti haṃsa,” it is called hansa, because it travels along the road.>
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