SVU 3.1-3.4: Der eine Rudra
SVU 3.1-3.4: Der eine Rudra

SVU 3.1-3.4: Weltherrschaft, Allgegenwart und goldener Keim

Der eine Rudra herrscht durch Māyā, wohnt im Menschen, erschafft, bewahrt und nimmt alles zurück; als Ursprung Hiraṇyagarbhas schenke er heilsame Einsicht.

Dr. Ronald Steiner Dr. Ronald Steiner Nils Jacob Liersch Nils Jacob Liersch
Śvetāśvatara Upaniṣad 3.1
य एको जालवानीशत ईशनीभिः सर्वांल्लोकानीशत ईशनीभिः |
ya eko jāla-vān, īśata īśanībhiḥ; sarvāṃl lokān, īśata īśanībhiḥ | Analyse ▾ Analyse ▴
yaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Pronomen rel
der, welcher
ekaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Zahlwort
der eine, einzige
jāla
Upapada-Kompositum
Substantiv Neutrum
Netz, Fangnetz
vān
Nominativ Singular Maskulin
Suffix
netztragend, mit einem Netz versehen
īśata
3. Person Singular Medial Präsens
Verbalwurzel
er herrscht, regiert
īśanībhiḥ
Instrumentalis Plural
Substantiv Feminin
durch Herrscherkräfte, Machtmittel
sarvān
Akkusativ Plural Maskulin
Pronomen quant
alle, sämtliche
lokān
Akkusativ Plural
Substantiv Maskulin
die Welten, Bereiche
īśata
3. Person Singular Medial Präsens
Verbalwurzel
er herrscht, regiert
īśanībhiḥ
Instrumentalis Plural
Substantiv Feminin
durch Herrscherkräfte, Machtmittel
य एवैक उद्भवे संभवे च य एतद्विदुरमृतास्ते भवन्ति ||1||
ya evaika, udbhave saṃbhave ca; ya etad vidur, amṛtās te bhavanti ||1|| Analyse ▾ Analyse ▴
yaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Pronomen rel
der, welcher
eva
Partikel
eben, allein
ekaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Zahlwort
der eine, einzige
udbhave
Lokativ Singular
Substantiv Maskulin
beim Hervorgehen, Entstehen
saṃbhave
Lokativ Singular
Substantiv Maskulin
beim Fortbestehen, Werden
ca
Partikel
und
ye
Nominativ Plural Maskulin
Pronomen rel
die, welche
etat
Akkusativ Singular Neutrum
Pronomen dem
dieses
viduḥ
3. Person Plural Aktiv Perfekt
Verbalwurzel
sie wissen, erkennen
amṛtāḥ
Nominativ Plural Maskulin
Adjektiv
unsterblich
te
Nominativ Plural Maskulin
Pronomen dem
sie, jene
bhavanti
3. Person Plural Aktiv Präsens
Verbalwurzel
sie werden
Metrum: Pāda 1: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang — 13 Silben; Pāda 2: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 3: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang; Pāda 4: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang — 12 Silben
Der (yaḥ | nom sg m), der Eine (ekaḥ | nom sg m), netztragend (jāla-vān | nom sg m), herrscht (īśata | 3p sg med pres) durch Herrscherkräfte (īśanībhiḥ | ins pl); alle Welten (sarvāṃl lokān | acc pl) beherrscht er (īśata | 3p sg med pres) durch Herrscherkräfte (īśanībhiḥ | ins pl). Der (yaḥ | nom sg m) eben (eva) Eine (ekaḥ | nom sg m), [der] beim Entstehen (udbhave | loc sg), beim Fortbestehen (saṃbhave | loc sg) gleichermaßen (ca) [derselbe ist]: Diejenigen (ye | nom pl m), die dieses (etat | acc sg n) erkennen (viduḥ | 3p pl act perf), unsterblich (amṛtāḥ | nom pl m) – sie (te | nom pl m) werden es (bhavanti | 3p pl act pres).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Der Eine trägt das Netz der Māyā und herrscht durch seine göttlichen Kräfte über alle Welten. Im Entstehen wie im Fortbestehen bleibt er der Eine. Wer ihn so erkennt, wird unsterblich.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya identifiziert das schwer zu durchdringende Netz mit Māyā. Der eine Paramātman herrscht als durch diese Māyā begrenzter Īśvara mit seinen Kräften. Wer ihn in Entfaltung und Auflösung als denselben Einen erkennt, überschreitet die Sterblichkeit.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda deutet das Netz aus Fäden als große Avidyā, deren Verhüllungs- und Projektionskräfte die Welten hervorbringen. Der Eine bleibt sowohl in ihrer Vielheit als auch bei ihrer Rückkehr in bloßes Sein unverändert. Identitätserkenntnis macht den Erkennenden unsterblich.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa erwägt für das Netz Māyā, eine Ansammlung von Nāḍīs und weitere Bedeutungen. Trotz der vielfältigen Wissens- und Handlungskräfte bleibt der Herr der einzige Stoff- und Wirkursprung. Was am Anfang und Ende allein besteht, ist auch in der Mitte wirklich.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat nennt Māyā wegen ihrer Bindekraft für den Jīva ein unentwirrbares Netz. Der unveränderliche Herr regiert durch Māyā, ihre Kräfte und ihre Wirkungen, ohne selbst verändert zu werden. Unmittelbare Erkenntnis verbrennt Avidyā und offenbart die schon bestehende Brahmanwirklichkeit.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
Der netzausbreitend<1> herrscht mit Herrscherkräften, Die ganze Welt beherrscht mit Herrscherkräften, Einer bleibend beim Entstehen und Bestehen [der Welt], Unsterblich werden, welche das verstehen!
<1: Śaṅkara denkt an das Fangnetz der Māyā. Zunächst wird wohl das bekannte Bild von der Spinne und dem Netz (zuerst Bṛh. 2,1,20) vorschweben; vgl. 5,3. 6,10; jālam vom Spinnennetz auch Brahma-Up. 1: yathā mākṣikā ekena tantunā jālam vikṣipati.>
Paul Deussen - 1921
The One spreader of the net, who rules with his ruling powers, Who rules all the worlds with his ruling powers, The one who alone stands in their arising and in their continued existence—They who know That, become immortal.
Robert Hume - 1921
Those become immortal who know Him who, the one Lord of the web of Maya, governs by his (Sovereign) powers, governs all the worlds by his (Sovereign) powers; who alone remains one (without a second) and the same at the time of Creation, Destruction, and the interval between them.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Der netzausbreitend<1> herrscht mit Herrscherkräften, Die ganze Welt beherrscht mit Herrscherkräften, Einer bleibend beim Entstehen und Bestehen [der Welt], Unsterblich werden, welche das verstehen!
<1: Śaṅkara denkt an das Fangnetz der Māyā. Zunächst wird wohl das bekannte Bild von der Spinne und dem Netz (zuerst Bṛh. 2,1,20) vorschweben; vgl. 5,3. 6,10; jālam vom Spinnennetz auch Brahma-Up. 1: yathā mākṣikā ekena tantunā jālam vikṣipati.>
Paul Deussen - 1897
The snarer<1> who rules alone by his powers, who rules all the worlds by his powers, who is one and the same, while things arise and exist<2>,—they who know this are immortal.
<1: Saṅkara explains gāla, snare, by māyā. The verse must be corrected, according to Saṅkara’s commentary: ya eko gālavān īsata īsanībhiḥ sarvān̐ llokān īsata īsanībhiḥ.>
<2: Sambhava, in the sense of Vergehen, perishing, rests on no authority.>
F. Max Müller - 1884
He, who is only one, possessed of delusion (Maya), rules by his ruling powers, rules all the world by his ruling powers,—he, who is ever one—in their (the worlds’) origin and manifestation. They who know him, become immortal.
Edward Röer - 1853
Śvetāśvatara Upaniṣad 3.2
एको हि रुद्रो न द्वितीयाय तस्थे य इमांल्लोकानीशत ईशनीभिः |
eko hi rudro, na dvitīyāya tasthe; ya imāṃl lokān, īśata īśanībhiḥ | Analyse ▾ Analyse ▴
ekaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Zahlwort
der eine, einzige
hi
Partikel
denn, wahrlich
rudraḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Rudra, der Furchtbare
na
Partikel
nicht
dvitīyāya
Dativ Singular Maskulin
Zahlwort
für einen Zweiten, einem Zweiten
tasthe
3. Person Singular Medial Perfekt
Verbalwurzel
er hat sich gestellt, bestand
yaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Pronomen rel
der, welcher
imān
Akkusativ Plural Maskulin
Pronomen dem
diese
lokān
Akkusativ Plural
Substantiv Maskulin
die Welten, Bereiche
īśata
3. Person Singular Medial Präsens
Verbalwurzel
er beherrscht, regiert
īśanībhiḥ
Instrumentalis Plural
Substantiv Feminin
durch Herrscherkräfte, Machtmittel
प्रत्यङ्जनास्तिष्ठति संचुकोचान्तकाले संसृज्य विश्वा भुवनानि गोपाः ||2||
pratyaṅ janās, tiṣṭhati saṃcukocānta-kāle; saṃsṛjya viśvā, bhuvanāni gopāḥ ||2|| Analyse ▾ Analyse ▴
pratyaṅ
Nominativ Singular Maskulin
Adjektiv
nach innen gewandt, im Innern
janāḥ
Vokativ Plural
Substantiv Maskulin
o Menschen
tiṣṭhati
3. Person Singular Aktiv Präsens
Verbalwurzel
er steht, weilt
saṃcukoca
3. Person Singular Aktiv Perfekt
Präfix
Verbalwurzel
er zog zusammen, ließ eingehen
anta
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Maskulin
des Endes, End-
kāle
Lokativ Singular
Substantiv Maskulin
zur Zeit, am Ende der Zeit
saṃsṛjya
Absolutus
Präfix
Verbalwurzel
nachdem er erschaffen, hervorgebracht hat
viśvā
Akkusativ Plural Neutrum
Pronomen quant
alle, sämtliche
bhuvanāni
Akkusativ Plural
Substantiv Neutrum
die Welten, Wesen
gopāḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
der Hüter, Beschützer
Metrum: Pāda 1: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang — 12 Silben; Pāda 2: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang — 12 Silben; Pāda 3: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang — 14 Silben; Pāda 4: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang
Der Eine (ekaḥ | nom sg m) nämlich (hi) [ist] Rudra (rudraḥ | nom sg); nicht (na) für einen Zweiten (dvitīyāya | dat sg m) hat er sich hingestellt (tasthe | 3p sg med perf). Der (yaḥ | nom sg m) diese Welten (imāṃl lokān | acc pl) beherrscht (īśata | 3p sg med pres) durch Herrscherkräfte (īśanībhiḥ | ins pl), nach innen gewandt (pratyaṅ | nom sg m), o Menschen (janāḥ | voc pl), steht er (tiṣṭhati | 3p sg act pres). Er zog [sie] zusammen (saṃcukoca | 3p sg act perf) zur Endzeit (anta-kāle | loc sg), nachdem er erschaffen hatte (saṃsṛjya | abs) alle Welten (viśvā bhuvanāni | acc pl), [als ihr] Hüter (gopāḥ | nom sg).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Rudra ist der Eine; neben ihm besteht kein Zweiter. Durch seine Macht herrscht er über alle Welten und wohnt im Inneren der Menschen. Er bringt sämtliche Wesen hervor, bewahrt sie und zieht sie am Ende der Zeit wieder in sich zurück.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya betont Rudras Nichtdualität. Er erschafft nicht wie ein Töpfer aus einem fremden Stoff, sondern projiziert kraft eigener Macht, tritt in jedes Wesen als innerstes Selbst ein und zieht die Welten am Ende wieder zusammen.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda leitet Rudra als den her, der Leiden und Avidyā auflöst. Weil kein Zweiter neben ihm besteht, bringt er die vierzehn Welten hervor, schützt sie und nimmt sie bei der Auflösung wieder in sich zurück.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa liest Rudras Schöpfung und Rücknahme als Ausdehnung und Zusammenziehung einer ihm selbst überlagerten Welt. Der Herr bleibt in jedem Menschen nach innen gewandt und wirkt wie ein Hirt als Schöpfer, Erhalter und Auflöser aller Wesen.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat erklärt Rudra sowohl als kosmischen Auflöser als auch als den, der Saṃsāra-Leid beseitigt. Ursache und Wirkung können seine Nichtdualität nicht wirklich verdoppeln; Schöpfung, Erhaltung und Auflösung beruhen vollständig auf seiner Sein, Bewusstsein und Freude verleihenden Gegenwart.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
eko hi LV1958 ] ekaiva Hauschild apud LV1958-app

tasthe LV1958 ] tasthur ASS1927; tasthuḥ LV1958-app
Kritischer Apparat
Der eine Rudra,—zu keinem zweiten stehn sie<1>,—Ist’s, der die Welt beherrscht mit Herrscherkräften; Er weilt in den Wesen, und wutentbrannt zur Endzeit Zerschmettert er als Herr die Geschöpfe alle.
<1: Die Brahmanwisser halten zu ihm allein.>
Paul Deussen - 1921
For truly, Rudra (the Terrible) is the One—they stand not for a second—Who rules all the worlds with his ruling powers. He stands opposite creatures. He, the Protector, After creating all beings, merges them together at the end of time.
Robert Hume - 1921
As Rudra (Destroyer of the world or of pain) is one, therefore (they) did not wait for a second. (He) who governs these worlds by His ruling powers, and is present within all human beings as their self, having created all the worlds, and (remained) as their Protector (during their existence) showed his wrath (or withdrew the world), on the occasion of Universal Destruction.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Der eine Rudra,—zu keinem zweiten stehn sie<1>,—Ist’s, der die Welt beherrscht mit Herrscherkräften; Er weilt in den Wesen, und wutentbrannt zur Endzeit Zerschmettert er als Herr die Geschöpfe alle.
<1: Die Brahmanwisser halten zu ihm allein.>
Paul Deussen - 1897
For there is one Rudra only, they do not allow a second, who rules all the worlds by his powers. He stands behind all persons<1>, and after having created all worlds he, the protector, rolls it up<2> at the end of time.
<1: Here again the MSS. A. B. read ganās, as a vocative.>
<2: I prefer samkukoka to samkukopa, which gives us the meaning that Rudra, after having created all things, draws together, i.e. takes them all back into himself, at the end of time. I have translated samsrigya by having created, because Boehtlingk and Roth give other instances of samsrig with that sense. Otherwise, “having mixed them together again,” would seem more appropriate. A. and B. read samkukoka.>
F. Max Müller - 1884
For it is one Rudra only<1>—(the knowers of Bramha) acknowledge not a second,—who rules these worlds with his ruling powers, who dwells within every man, and who, having created all the worlds (and being their) protector, gets wrathful at the time of the end (destroys them).
<1: Rudra represents here the supreme spirit.>
Edward Röer - 1853
Śvetāśvatara Upaniṣad 3.3
विश्वतश्चक्षुरुत विश्वतोमुखो विश्वतोबाहुरुत विश्वतस्पात् |
viśvataś-cakṣur, uta viśvato-mukho; viśvato-bāhur, uta viśvatas-pāt | Analyse ▾ Analyse ▴
viśvatas
Bahuvrīhi-Kompositum
Adverb
nach allen Seiten, überall
cakṣus
Nominativ Singular Maskulin
Substantiv Neutrum
mit Augen nach allen Seiten
uta
Partikel
und, auch
viśvatas
Bahuvrīhi-Kompositum
Adverb
nach allen Seiten, überall
mukhaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Substantiv Neutrum
mit Gesichtern nach allen Seiten
viśvatas
Bahuvrīhi-Kompositum
Adverb
nach allen Seiten, überall
bāhuḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
mit Armen nach allen Seiten
uta
Partikel
und, auch
viśvatas
Bahuvrīhi-Kompositum
Adverb
nach allen Seiten, überall
pāt
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
mit Füßen nach allen Seiten
सं बाहुभ्यां धमति सं पतत्रैर्द्यावाभूमी जनयन्देव एकः ||3||
saṃ bāhubhyāṃ, dhamati saṃ patatrair; dyāvā-bhūmī, janayan deva ekaḥ ||3|| Analyse ▾ Analyse ▴
sam
Präfix
zusammen
bāhubhyām
Instrumentalis Dual
Substantiv Maskulin
mit beiden Armen
dhamati
3. Person Singular Aktiv Präsens
Verbalwurzel
er fügt zusammen, schmiedet
sam
Präfix
zusammen
patatraiḥ
Instrumentalis Plural
Substantiv Neutrum
mit Flügeln, Schwingen
dyāvā
Dvandva-Kompositum
Substantiv Feminin
Himmel
bhūmī
Akkusativ Dual
Substantiv Feminin
Himmel und Erde
janayan
Nominativ Singular Maskulin Partizip Präsens Aktiv
Verbalwurzel
hervorbringend, erschaffend
devaḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
der Gott, Göttliche
ekaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Zahlwort
der eine, einzige
Metrum: Pāda 1: Jagatī mit Vaṃśa-Ausklang; Pāda 2: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 3: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 4: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang
Mit Augen nach allen Seiten (viśvataś-cakṣus | nom sg m) und (uta) mit Gesichtern nach allen Seiten (viśvato-mukhaḥ | nom sg m), mit Armen nach allen Seiten (viśvato-bāhuḥ | nom sg) und (uta) mit Füßen nach allen Seiten (viśvatas-pāt | nom sg), zusammen (sam) mit beiden Armen (bāhubhyām | ins du) fügt er [alles] (dhamati | 3p sg act pres), zusammen (sam) mit Flügeln (patatraiḥ | ins pl): Himmel und Erde (dyāvā-bhūmī | acc du) hervorbringend (janayan | nom sg m pca), [wirkt] der eine Gott (deva ekaḥ | nom sg m).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Seine Augen, Gesichter, Arme und Füße sind überall. Der eine Gott fügt mit seinen Armen und Schwingen alles zusammen; indem er Himmel und Erde hervorbringt, verleiht er den Wesen ihre Glieder und Kräfte.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya versteht die Allgliedrigkeit durch die Organe sämtlicher Wesen: Ihre Augen und Glieder sind seine. Der eine Gott verbindet die Lebewesen mit ihren Fähigkeiten und bringt als Virāj Himmel und Erde hervor.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda begründet die kosmischen Organe mit der Identität des Herrn und aller Wesen. Die beiden Arme können Verdienst und Schuld bezeichnen; Himmel und Erde stehen für die kosmische Gesamtheit. Zugleich weist er eine atomistische Erklärung der Schöpfung zurück.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa deutet die zwei Arme als Wissens- und Handlungskraft, die Flügel als Vāsanās. Durch gutes, gemischtes und schlechtes Karma entstehen Himmel, irdische Bereiche und Höllen; als Steuermann bewegt der Eine dennoch die ganze Ordnung aus eigener Freiheit.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat sieht alle Körper und Organe als vom Herrn geschaffene und bewohnte Werkzeuge. Arme und Flügel vertreten die verschiedenen Glieder und Fähigkeiten der Wesen. Himmel, Erde und alles in ihnen werden so als seine eine Schöpfung verstanden.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
Allseitig Auge und allseitig Antlitz, Allseitig Arme und allseitig Fuß, Schweißt schaffend er mit Armen, schweißt mit Flügeln Zusammen Erd’ und Himmel, Gott, der Eine.<1>
<1: = Ṛgv. 10,81,3; die Erklärung siehe Gesch. d. Phil. I, 136.>
Paul Deussen - 1921
Having an eye on every side and a face on every side, Having an arm on every side and a foot on every side, The One God forges<1> together with hands, with wings, Creating the heaven and the earth.<2>
<1: Compare RV. 10. 72. 2, where Brahmaṇaspati “forged together” (sam-adhamat) all things here.>
<2: With variants this stanza = RV. 10. 81. 3; VS. 17. 19; AV. 13. 2. 26; TS. 4. 6. 2. 4; TA. 10. 1. 3; MS. 2. 10. 2.>
Robert Hume - 1921
He has eyes everywhere, He has also faces everywhere, He has also arms everywhere, and He has also feet everywhere. (He), the One Luminous Being, while creating heaven and earth, fits (human beings) with arms, (and birds) with wings.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Allseitig Auge und allseitig Antlitz, Allseitig Arme und allseitig Fuß, Schweißt schaffend er mit Armen, schweißt mit Flügeln Zusammen Erd’ und Himmel, Gott, der Eine.<1>
<1: = Ṛgv. 10,81,3; die Erklärung siehe Gesch. d. Phil. I, 136.>
Paul Deussen - 1897
That one god,<1> having his eyes, his face, his arms, and his feet in every place, when producing heaven and earth, forges them together with his arms and his wings<2>.
<1: This is a very popular verse, and occurs Rig-veda X, 81, 3; Vāg. Saṃh. XVII, 19; Ath.-veda XIII, 2, 26; Taitt. Saṃh. IV, 6, 2, 4; Taitt. Ār. X, 1, 3.>
<2: Saṅkara takes dhamati in the sense of samyogayati, i.e. he joins men with arms, birds with wings.>
F. Max Müller - 1884
He is the eye of all, the face of all, the arm of all, nay the foot of all. He joins (man) man with arms, the bird with wings, the one god, when creating the heaven and the earth.<1>
<1: The supreme soul or Virāt is the creator of the world. This verse is taken from the Yāj. S. 1349.>
Edward Röer - 1853
Śvetāśvatara Upaniṣad 3.4
यो देवानां प्रभवश्चोद्भवश्च विश्वाधिपो रुद्रो महर्षिः |
yo devānāṃ, prabhavaś codbhavaś ca; viśvādhipo, rudro maharṣiḥ | Analyse ▾ Analyse ▴
yaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Pronomen rel
der, welcher
devānām
Genitiv Plural
Substantiv Maskulin
der Götter
prabhavaḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Ursprung, Hervorgang
ca
Partikel
und
udbhavaḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Entstehung, Hervorgehen
ca
Partikel
und
viśva
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Neutrum
des Alls, Welt-
adhipaḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
der Herrscher, Gebieter
rudraḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Rudra
maharṣiḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
der große Seher
हिरण्यगर्भं जनयामास पूर्वं स नो बुद्ध्या शुभया संयुनक्तु ||4||
hiraṇya-garbhaṃ, janayāmāsa pūrvaṃ; sa no buddhyā, śubhayā saṃyunaktu ||4|| Analyse ▾ Analyse ▴
hiraṇya
Karmadhāraya-Kompositum
Substantiv Neutrum
golden, Gold-
garbham
Akkusativ Singular
Substantiv Maskulin
den goldenen Keim, Hiraṇyagarbha
janayāmāsa
3. Person Singular Aktiv Perfekt Causativ
Verbalwurzel
er brachte hervor, zeugte
pūrvam
Adverb
zuvor, in alter Zeit
saḥ
Nominativ Singular Maskulin
Pronomen dem
er, dieser
naḥ
Akkusativ Plural
Pronomen pers 1p
uns
buddhyā
Instrumentalis Singular
Substantiv Feminin
mit Einsicht, Erkenntnis
śubhayā
Instrumentalis Singular Feminin
Adjektiv
mit guter, heilsamer
saṃyunaktu
3. Person Singular Aktiv Imperativ
Präfix
Verbalwurzel
er möge verbinden, ausstatten
Metrum: Pāda 1: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang; Pāda 2: Triṣṭubh — 9 Silben; Pāda 3: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang — 12 Silben; Pāda 4: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang
Der (yaḥ | nom sg m) der Götter (devānām | gen pl) Ursprung (prabhavaḥ | nom sg) sowie (ca) Entstehungsgrund (udbhavaḥ | nom sg) [ist] und (ca) der Herrscher des Alls (viśvādhipaḥ | nom sg), Rudra (rudraḥ | nom sg), der große Seher (maharṣiḥ | nom sg), den goldenen Keim (hiraṇya-garbham | acc sg) hervorbrachte (janayāmāsa | 3p sg act perf caus), in alter Zeit (pūrvam), er (saḥ | nom sg m) möge uns (naḥ | acc pl) mit heilsamer Einsicht (buddhyā śubhayā | ins sg) ausstatten (saṃyunaktu | 3p sg act imp).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Rudra ist Ursprung und Entstehungsgrund der Götter, Herrscher des Alls und großer Seher. Er brachte einst Hiraṇyagarbha, den goldenen Keim, hervor. Möge er uns mit heilsamer Einsicht erfüllen.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya nennt Rudra Ursprung und Erhalter auch der Götter. Hiraṇyagarbha ist sein zuerst hervorgebrachter, von strahlender Erkenntnis erfüllter innerer Kern. Die erbetene gute Einsicht soll den Menschen zum höchsten Ziel führen.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda bestimmt Hiraṇyagarbha als erste, äußerst subtile Wirkung: das von Bewusstsein getragene Ganze aus Wissens- und Handlungskraft. Die heilsame Buddhi, um die der Vers bittet, ist ausdrücklich auf Brahman und Befreiung gerichtet.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa beschreibt Hiraṇyagarbha als erstes göttliches Hervorgebrachtes, dessen Leib das Brahmāṇḍa bildet. Rudra steht als allwissender Seher über ihm. Wie ein Vater sein Kind soll er die Betenden mit guter Einsicht verbinden.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat unterscheidet die Einzelgottheiten als Organherren und Hiraṇyagarbha als kosmisches Innenorgan. Beide gehen aus dem höchsten Herrn hervor und kehren in ihn zurück. Die erbetene Buddhi soll die Identität mit dem grenzenlosen Brahman erfassen.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
maharṣiḥ LV1958, ASS1927 ] mahāṃ ṛṣiḥ LV1958-app
Kritischer Apparat
Er, der der Götter Ursprung und Hervorgang, Der Herr des Alls, Rudra, der große Weise, Er, der vormals Hiranyagarbha zeugte, Der Gott begäbe uns mit edler Einsicht.<1>
<1: Derselbe Vers etwas anders 4,12 und wieder anders Mahānār. 10,19.>
Paul Deussen - 1921
He who is the source and origin of the gods, The ruler of all, Rudra, the great seer, Who of old created the Golden Germ (Hiraṇyagarbha)—May He endow us with clear intellect!<1>
<1: With variants this stanza = 4. 12 and Mahānār. 10. 19.>
Robert Hume - 1921
May He, who is the Cause of the birth and prosperity of Gods, who is the Protector of Creation, who is the Destroyer (of pain or of the world), Mighty, and Omniscient, (and) who created Hiranyagarbha in the beginning of creation, equip us with good wisdom.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Er, der der Götter Ursprung und Hervorgang, Der Herr des Alls, Rudra, der große Weise, Er, der vormals Hiranyagarbha zeugte, Der Gott begäbe uns mit edler Einsicht.<1>
<1: Derselbe Vers etwas anders 4,12 und wieder anders Mahānār. 10,19.>
Paul Deussen - 1897
He,<1> the creator and supporter of the gods, Rudra, the great seer, the lord of all, he who formerly gave birth to Hiranyagarbha, may he endow us with good thoughts.
<1: See IV, 12.>
F. Max Müller - 1884
May Rudra, the lord of the universe, the alwise (Maharshi) who produced the gods and gave them majesty, and who created at first Hiranyagarbha,—strengthen us with auspicious intellect.<1>
<1: Returns 4, 12.>
Edward Röer - 1853

Mit AYI Free weitermachen

Illustrationen: KI-generiert.

Editor:innen

Dr. Ronald Steiner

Aus Ulm

Dr. Ronald Steiner, der „Yoga Doc“, begründete die AYI Methode: traditioneller Ashtanga, moderne Yogatherapie und lebendige Philosophie – als persönliche Praxis von sportlich-akrobatisch bis meditativ-therapeutisch. Er... mehr ›

Nils Jacob Liersch

Meine Begeisterung für Yoga, indische Philosophie und Sanskrit führte mich zum Studium der Indologie und Religionswissenschaft an der Universität Heidelberg. Seit 2004 befinde ich mich auf meinem persönlichen Yogaweg... mehr ›

Nachrichten und Bewertungen
2 Nachrichten

Bitte melde Dich an, um eine Nachricht zu schreiben. Hier gehts zum Login

U
Kapitel 3, Verse 1 bis 4, zum Rezitieren in der Form von Ruf und Antwort, so wie Ronald es vermittelt:

https://youtu.be/Du4cPCrvYnw

Idee dabei ist es, dass ich die Unterscheidung zwischen kurzen und langen Vokalen strikt befolge, sodass der damit einhergehende zeitliche und betonungsmäßige Rhythmus klar definiert ist. Bei unregelmäßigen Betonungen, die nur dem Erfüllen eines Metrums geschuldet sind, könnte es noch kleine Ungenauigkeiten geben. Man möge gnädig darüber hinwegsehen. In der Melodie wird nur zwischen Anuṣṭubh und nicht Anuṣṭubh unterschieden.

Viel Freude beim Rezitieren!