SVU 6.14-6.17: Licht und Unsterblichkeit
SVU 6.14-6.17: Licht und Unsterblichkeit

SVU 6.14-6.17: Das Licht jenseits des Todes

Das selbstleuchtende Göttliche erhellt die Welt, führt über den Tod und erscheint als Schöpfer, Kenner, Hüter und einziger Grund der kosmischen Ordnung.

Śvetāśvatara Upaniṣad 6.14
न तत्र सूर्यो भाति न चन्द्रतारकं नेमा विद्युतो भान्ति कुतो ऽयमग्निः |
na tatra sūryo, bhāti na candra-tārakaṃ; nemā vidyuto, bhānti kuto 'yam agniḥ | Analyse ▾ Analyse ▴
na
Partikel
nicht
tatra
Adverb
dort
sūryaḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Sonne
bhāti
3. Person Singular Aktiv Präsens
Verbalwurzel
sie leuchtet, scheint
na
Partikel
nicht
candra
Dvandva-Kompositum
Substantiv Maskulin
Mond
tārakam
Nominativ Singular
Substantiv Neutrum
Stern, Sternenlicht
na
Partikel
nicht
imāḥ
Nominativ Plural Feminin
Pronomen dem
diese
vidyutaḥ
Nominativ Plural
Substantiv Feminin
Blitze
bhānti
3. Person Plural Aktiv Präsens
Verbalwurzel
sie leuchten, scheinen
kutas
Adverb
woher, geschweige denn
ayam
Nominativ Singular Maskulin
Pronomen dem
dieses, dieser
agniḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Feuer
तमेव भान्तमनुभाति सर्वं तस्य भासा सर्वमिदं विभाति ||14||
tam eva bhāntam, anubhāti sarvaṃ; tasya bhāsā, sarvam idaṃ vibhāti ||14|| Analyse ▾ Analyse ▴
tam
Akkusativ Singular Maskulin
Pronomen dem
ihn, jenen
eva
Partikel
allein, eben
bhāntam
Akkusativ Singular Maskulin Partizip Präsens Aktiv
Verbalwurzel
leuchtend, strahlend
anubhāti
3. Person Singular Aktiv Präsens
Präfix
Verbalwurzel
leuchtet nach, strahlt im Gefolge
sarvam
Nominativ Singular Neutrum
Pronomen quant
alles, das ganze
tasya
Genitiv Singular Maskulin
Pronomen dem
sein, von ihm
bhāsā
Instrumentalis Singular
Substantiv Feminin
durch Licht, Glanz
sarvam
Nominativ Singular Neutrum
Pronomen quant
alles, das ganze
idam
Nominativ Singular Neutrum
Pronomen dem
dieses
vibhāti
3. Person Singular Aktiv Präsens
Präfix
Verbalwurzel
erstrahlt, leuchtet auf
Metrum: Pāda 1: Jagatī mit Vaṃśa-Ausklang — 13 Silben; Pāda 2: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang — 12 Silben; Pāda 3: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 4: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang
Nicht (na) dort (tatra) [ist es so, dass] die Sonne (sūryaḥ | nom sg) scheint (bhāti | 3p sg act pres); nicht (na) [leuchten] Mond und Sterne (candra-tārakam | nom sg). Nicht (na) leuchten diese Blitze (imāḥ vidyutaḥ | nom pl), sie scheinen [nicht] (bhānti | 3p pl act pres); woher [dann] (kutas) dieses Feuer (ayam agniḥ | nom sg)? Ihm (tam | acc sg m) allein (eva), dem Leuchtenden (bhāntam | acc sg m pca), leuchtet nach (anubhāti | 3p sg act pres) alles (sarvam | nom sg n); durch seinen (tasya | gen sg m) Glanz (bhāsā | ins sg) [wird] all dieses (sarvam idam | nom sg n) offenbar, es erstrahlt (vibhāti | 3p sg act pres).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Dort leuchten weder Sonne noch Mond und Sterne, weder Blitze noch irdisches Feuer. Alles empfängt sein Licht von ihm, der aus sich selbst leuchtet; durch seinen Glanz wird die ganze Welt offenbar.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya versteht Sonne, Mond, Sterne, Blitz und Feuer als nur geborgt leuchtend. Sie erscheinen durch das Licht des höchsten Selbst, wie Eisen erst in Verbindung mit Feuer brennt. Brahman ist daher nicht ein Lichtkörper neben anderen, sondern Bedingung jedes Erscheinens.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda lässt alle Leuchtkörper von der Bewusstheit des Selbst abhängen. Sie können weder sich noch anderes unabhängig offenbaren. Das selbstleuchtende Bewusstsein macht Sonne, Mond und Feuer überhaupt erst zu erfahrbaren und scheinbar erhellenden Größen.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa liest den Vers als Lehre vom abhängigen Licht: Sonne und die übrigen Leuchtkörper folgen dem Glanz des höchsten Herrn. Zur Bestätigung zieht er die entsprechende Aussage der Bhagavadgītā über das Licht jenseits von Sonne, Mond und Feuer heran.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat unterscheidet physisches Leuchten von der ursprünglichen Offenbarkeit. Alles Sichtbare und selbst alle Lichtquellen werden nur im Bewusstsein offenbar. Das Licht des Selbst ist deshalb nicht von ihnen abzuleiten; vielmehr entlehnen sämtliche Leuchtkörper ihm ihre Fähigkeit zu erscheinen und erscheinen zu lassen.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
<4>Dort leuchtet nicht die Sonne, nicht Mond noch Sternenglanz, Noch jene Blitze, geschweige irdisch Feuer. Ihm, der allein glänzt, nachglänzt alles andre, Die ganze Welt erglänzt von seinem Glanze.
<4: Dieser schöne Vers erscheint hier abrupt, während er Kāṭh. 5,15 in seinem natürlichen Zusammenhange, als Antwort auf die vorhergehende Frage, steht. Er wird also mitsamt den vorhergehenden Versen wohl von dort herübergenommen sein.>
Paul Deussen - 1921
The sun shines not there, nor the moon and stars; These lightnings shine not, much less this [earthly] fire! After Him, as He shines, doth everything shine. This whole world is illumined with his light.<3>
<3: This stanza = Kaṭha 5. 15 and Muṇḍ. 2. 2. 10.>
Robert Hume - 1921
Neither the sun shines there, nor the moon and the stars, nor these lightnings, (then) how this fire? Everything shines after His shining; (in short) this whole world shines by His light.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
<4>Dort leuchtet nicht die Sonne, nicht Mond noch Sternenglanz, Noch jene Blitze, geschweige irdisch Feuer. Ihm, der allein glänzt, nachglänzt alles andre, Die ganze Welt erglänzt von seinem Glanze.
<4: Dieser schöne Vers erscheint hier abrupt, während er Kāṭh. 5,15 in seinem natürlichen Zusammenhange, als Antwort auf die vorhergehende Frage, steht. Er wird also mitsamt den vorhergehenden Versen wohl von dort herübergenommen sein.>
Paul Deussen - 1897
The<1> sun does not shine there, nor the moon and the stars, nor these lightnings, and much less this fire. When he shines, everything shines after him; by his light all this is lightened.
<1: See Kaṭh. Up. V, 15; Muṇḍ. Up. II, 2, 10; Bhagavadgītā XV, 6.>
F. Max Müller - 1884
There (with regard to Brahma) does not manifest the sun, nor the moon and stars, there do not manifest those lightnings,—how then should manifest this (earthly) fire? When he is manifest (by himself), all gets manifest after him. By his manifestation this whole (world) becomes manifest.<1>
<1: This verse occurs also in the Kāṭh. U. 5, 14, and in Muṇḍ. 2, 10.>
Edward Röer - 1853
Śvetāśvatara Upaniṣad 6.15
एको हंसो भुवनस्यास्य मध्ये स एवाग्निः सलिले संनिविष्टः |
eko haṃso, bhuvanasyāsya madhye; sa evāgniḥ, salile saṃniviṣṭaḥ | Analyse ▾ Analyse ▴
ekaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Zahlwort
der eine
haṃsaḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Schwan, Wandervogel
bhuvanasya
Genitiv Singular
Substantiv Neutrum
der Welt, des Weltalls
asya
Genitiv Singular Neutrum
Pronomen dem
dieses, dieser
madhye
Lokativ Singular
Substantiv Neutrum
in der Mitte
saḥ
Nominativ Singular Maskulin
Pronomen dem
er, jener
eva
Partikel
eben, allein
agniḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Feuer
salile
Lokativ Singular
Substantiv Neutrum
im Wasser, im Gewässer
saṃniviṣṭaḥ
Nominativ Singular Maskulin Partizip Perfekt Passiv
Präfix
Präfix
Verbalwurzel
eingegangen, niedergelassen
तमेव विदित्वाति मृत्युमेति नान्यः पन्था विद्यते ऽयनाय ||15||
tam eva viditvā,ti mṛtyum eti; nānyaḥ panthā, vidyate 'yanāya ||15|| Analyse ▾ Analyse ▴
tam
Akkusativ Singular Maskulin
Pronomen dem
ihn, jenen
eva
Partikel
allein, eben
viditvā
Absolutus
Verbalwurzel
nachdem man erkannt hat
ati
Präfix
über, jenseits
mṛtyum
Akkusativ Singular
Substantiv Maskulin
Tod
eti
3. Person Singular Aktiv Präsens
Verbalwurzel
er geht, gelangt
na
Partikel
nicht
anyaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Pronomen quant
anderer
panthāḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Weg, Pfad
vidyate
3. Person Singular Medial Präsens
Verbalwurzel
ist vorhanden, findet sich
ayanāya
Dativ Singular
Substantiv Neutrum
zum Gehen, als Zugang
Metrum: Pāda 1: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang; Pāda 2: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang; Pāda 3: Triṣṭubh; Pāda 4: Triṣṭubh — 10 Silben
Der eine Schwan (eko haṃsaḥ | nom sg) [befindet sich] im Bereich dieser Welt (bhuvanasyāsya | gen sg), in ihrer Mitte (madhye | loc sg); er (saḥ | nom sg m) allein (eva) [ist] das Feuer (agniḥ | nom sg), im Wasser (salile | loc sg) eingegangen (saṃniviṣṭaḥ | nom sg m ppp). Ihn (tam | acc sg m) allein (eva) erkannt habend (viditvā | abs), geht man über (ati) den Tod (mṛtyum | acc sg) hinaus (eti | 3p sg act pres); nicht (na) ist ein anderer (anyaḥ | nom sg m) Weg (panthāḥ | nom sg) vorhanden (vidyate | 3p sg med pres) zum Gehen (ayanāya | dat sg).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Der eine Schwan weilt inmitten dieser Welt; er ist das Feuer, das in die kosmischen Wasser eingegangen ist. Wer ihn allein erkennt, überschreitet den Tod. Einen anderen Weg zu diesem Ziel gibt es nicht.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya lässt den einen Haṃsa die Fesseln der Avidyā verbrennen. „Im Wasser“ kann auf den nach der fünften Opfergabe entstehenden Leib oder auf den gereinigten, durchsichtigen Geist weisen. Nur die Erkenntnis dieses verborgenen Feuers führt über den Tod; ein anderer Weg besteht nicht.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda versteht den Haṃsa als das eine Selbst, dessen Erkenntnis die vorgestellten Unterschiede vernichtet. Wie verborgenes Feuer im Wasser ist der Herr als Ursache gegenwärtig, ohne sich in den Wirkungen zu erschöpfen. Selbsterkenntnis allein beendet Tod und Saṃsāra.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa deutet den Haṃsa als Vernichter des Nichtwissens und das Wasser als See der werdenden Welt, in dem alle Kräfte ruhen. Der Herr gleicht dem darin verborgenen Feuer. Wer ihn erkennt, gewinnt Herrschaft über den Saṃsāra und überschreitet den Tod.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat lässt den einen Haṃsa Wachsein, Traum, Tiefschlaf und die ihnen zugrunde liegende Avidyā überwinden. Das Feuerbild wird zugleich pädagogisch: Lehrer und Schüler erzeugen durch Hören, Erwägen und Vertiefen das Erkenntnisfeuer wie durch Reibung. Nur dieses führt zum innersten Selbst und über den Tod.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
Der eine Schwan in dieses Weltalls Mitte, Als Feuer ging er ein in das Gewoge<1>, Nur wer ihn kennt, entrinnt dem Reich des Todes, Nicht gibt es einen andern Weg zum Gehen.
<1: Das Bild soll den Gegensatz zwischen Brahman und Welt (Subjekt und Objekt) zur Anschauung bringen. Ursprünglich mögen allerdings die Zeilen 1–2 einem Liede angehören, welches von dem Untergang der Sonne im Meere redete. Zeile 3–4 sind wieder (wie Śvet. 3,8) = Vāj. Saṃh. 31,18.>
Paul Deussen - 1921
The one soul (haṃsa) in the midst of this world—This indeed is the fire which has entered into the ocean. Only by knowing Him does one pass over death. There is no other path for going there.<4>
<4: The last two lines = 3. 8 c, d and VS. 31. 18 c, d.>
Robert Hume - 1921
(He alone) is the one Destroyer (of bonds) in the midst of this world, he alone is the fire (which) has entered water; having known Him alone (man) overcomes Death, there exists no other path to the attainment of salvation.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Der eine Schwan in dieses Weltalls Mitte, Als Feuer ging er ein in das Gewoge<1>, Nur wer ihn kennt, entrinnt dem Reich des Todes, Nicht giebt es einen andern Weg zum Gehen.
<1: Das Bild soll den Gegensatz zwischen Brahman und Welt (Subjekt und Objekt) zur Anschauung bringen. Ursprünglich mögen allerdings die Zeilen 1–2 einem Liede angehören, welches von dem Untergang der Sonne im Meere redete. Zeile 3–4 sind wieder (wie Śvet. 3,8) = Vāj. Saṃh. 31,18.>
Paul Deussen - 1897
He is the one bird<2> in the midst of the world; he is also (like) the fire (of the sun) that has set in the ocean. A man who knows him truly, passes over death<3>; there is no other path to go.
<2: Haṃsa, frequently used for the Highest Self, is explained here as hanty avidyādibandhakāraṇam iti haṃsaḥ.>
<3: Cf. III, 8.>
F. Max Müller - 1884
He is the one Hansa<1> in the midst of this world, he is even fire, entered into water.<2> Knowing him, one overcomes death; there is no other road for obtaining (the last end of man).
<1: “Hansa,” destroyer of ignorance, according to Śaṅkara.>
<2: That is he has entered the heart, like fire, consuming all ignorance.>
Edward Röer - 1853
Śvetāśvatara Upaniṣad 6.16
स विश्वकृद्विश्वविदात्मयोनिर्ज्ञः कालकालो गुणी सर्वविद्यः |
sa viśva-kṛd, viśva-vid ātma-yonir; jñaḥ kāla-kālo, guṇī sarva-vidyaḥ | Analyse ▾ Analyse ▴
saḥ
Nominativ Singular Maskulin
Pronomen dem
er, jener
viśva
Upapada-Kompositum
Pronomen quant
alles, das All
kṛt
Nominativ Singular Maskulin
Adjektiv
schaffend, Schöpfer
viśva
Upapada-Kompositum
Pronomen quant
alles, das All
vit
Nominativ Singular Maskulin
Adjektiv
wissend, Kenner
ātma
Bahuvrīhi-Kompositum
Substantiv Maskulin
selbst, dessen Selbst
yoniḥ
Nominativ Singular Maskulin
Substantiv Feminin
den Ursprung in sich selbst habend, selbstentsprungen
jñaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Adjektiv
wissend, der Kenner
kāla
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Maskulin
der Zeit
kālaḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Zeit, Vernichter
guṇī
Nominativ Singular Maskulin
Adjektiv
eigenschaftsmächtig, Herr der Guṇas
sarva
Upapada-Kompositum
Pronomen quant
alles
vidyaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Adjektiv
wissend, allwissend
प्रधानक्षेत्रज्ञपतिर्गुणेशः संसारमोक्षस्थितिबन्धहेतुः ||16||
pradhāna-kṣetra,-jña-patir guṇeśaḥ; saṃsāra-mokṣa,-sthiti-bandha-hetuḥ ||16|| Analyse ▾ Analyse ▴
pradhāna
Dvandva-Kompositum
Substantiv Neutrum
Urmaterie, Pradhāna
kṣetra
Upapada-Kompositum
Substantiv Neutrum
Feld, Leib
jña
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Adjektiv
Kenner, Feldkenner
patiḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Herr, Gebieter
guṇa
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Maskulin
der Eigenschaften, Guṇas
īśaḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Herr, Gebieter
saṃsāra
Dvandva-Kompositum
Substantiv Maskulin
Daseinskreislauf, Saṃsāra
mokṣa
Dvandva-Kompositum
Substantiv Maskulin
Befreiung
sthiti
Dvandva-Kompositum
Substantiv Feminin
Fortbestand, Verweilen
bandha
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Maskulin
der Bindung, Fesselung
hetuḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Ursache, Grund
Metrum: Pāda 1: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 2: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang; Pāda 3: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 4: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang
Er (saḥ | nom sg m) [ist] der Schöpfer des Alls (viśva-kṛt | nom sg m), der Kenner des Alls (viśva-vit | nom sg m), selbstentsprungen (ātma-yoniḥ | nom sg m), der Kenner (jñaḥ | nom sg m), der Vernichter der Zeit (kāla-kālaḥ | nom sg), eigenschaftsmächtig (guṇī | nom sg m) [und] allwissend (sarva-vidyaḥ | nom sg m); der Herr über Urmaterie und Feldkenner (pradhāna-kṣetrajña-patiḥ | nom sg), der Herr der Guṇas (guṇeśaḥ | nom sg), die Ursache von Daseinskreislauf, Befreiung, Fortbestand und Bindung (saṃsāra-mokṣa-sthiti-bandha-hetuḥ | nom sg).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Er schafft und kennt das All, geht aus sich selbst hervor, überwindet die Zeit, trägt alle Eigenschaften und weiß alles. Er ist Herr über Urnatur, Einzelseele und Guṇas und die Ursache von Weltkreislauf und Befreiung, Fortbestand und Bindung.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya bietet wiederum kālakāra, den Schöpfer der Zeit. Der Herr schafft und erkennt die Welt und ist selbstbegründeter Grund. Als Herr über Pradhāna, Kṣetrajña und Guṇas verursacht er Saṃsāra, Befreiung, Fortbestand und Bindung.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda liest kālakāla, den Vernichter selbst des Vernichters Zeit. Der allwissende Herr lenkt Pradhāna, Jīva und Guṇas. Der Kommentar bestimmt Saṃsāra, Mokṣa, Bestand und Bindung als die vier von seiner Herrschaft abhängigen Zustände.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa erklärt kālakāla als Lenker der Zeit. Der Herr ist Weltschöpfer und Weltkenner, Träger aller Erkenntnis und Gebieter über Prakṛti, Jīva und Guṇas. Von ihm hängen die vier Möglichkeiten Saṃsāra, Befreiung, Fortdauer und Gebundenheit ab.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat versteht kālakāla als den, in dem selbst die alles verschlingende Zeit zuletzt aufgeht. Der Herr ist Weltschöpfer, Weltkenner und eigener Grund sowie Lenker von Pradhāna, Kṣetrajña und Guṇas. Unerkannt bindet er durch den Saṃsāra, erkannt wird er zum Grund der Befreiung.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
kālakālo LV1958 ] kālakāro ASS1927
Kritischer Apparat
Allmächtig und allweise, selbstentsprungen, Als Geist, Zeitschöpfer, gunahaft, allwissend (6,2), Des Urstoffs (pradhānam) Herr, der Einzelseele und Guna’s, Wirkt Stillstand, Wanderung er, Erlösung, Bindung.<2>
<2: sthiti ist hier der Gegensatz zu saṃsāra, wie moksha der zu bandha.>
Paul Deussen - 1921
He who is the maker of all, the all-knower, self-sourced, Intelligent, the author of time, possessor of qualities, omniscient,<5> Is the ruler of Primary Matter (pradhāna) and of the spirit (kṣetra-jña), the lord of qualities (guṇa), The cause of transmigration (saṃsāra) and of liberation (mokṣa), of continuance and of bondage.
<5: This line = 6. 2 b.>
Robert Hume - 1921
He is the Creator of the Universe, Omniscient, (the Supreme) Soul and Cause (of all), conscious (in nature), the Creator of Time, possessing faultless qualities and all sciences, the Lord of Maya and the individual soul, the Controller of qualities and the cause of salvation from the world (as well as) the Cause of bondage in the form of stay in the world.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Allmächtig und allweise, selbstentsprungen, Als Geist, Zeitschöpfer, gunahaft, allwissend (6,2), Des Urstoffs (pradhānam) Herr, der Einzelseele und Guna’s, Wirkt Stillstand, Wanderung er, Erlösung, Bindung.<2>
<2: sthiti ist hier der Gegensatz zu saṃsāra, wie moksha der zu bandha.>
Paul Deussen - 1897
He makes all, he knows all, the self-caused, the knower<4>, the time of time (destroyer of time), who assumes qualities and knows everything, the master of nature and of man<5>, the lord of the three qualities (guṇa), the cause of the bondage, the existence, and the liberation of the world<6>.
<4: Again the MSS. read kālakālo, as in verse 2. They also agree in putting jñaḥ before kālakālo, as in verse 2.>
<5: Pradhānam avyaktam, kṣetrajño vijñānātmā.>
<6: He binds, sustains, and dissolves worldly existence.>
F. Max Müller - 1884
He creates the universe, and knows the universe, he is the soul (of all) and the origin (of all), the sovereign of time, endowed with (all) qualities (of perfection); he is omniscient, the lord of the first cause (Pradhāna, the first form of creative nature) and of the conscious embodied being, the Ruler of the (three) qualities, and the cause of the liberation, existence and bondage with reference to the world.
Edward Röer - 1853
Śvetāśvatara Upaniṣad 6.17
स तन्मयो ह्यमृत ईशसंस्थो ज्ञः सर्वगो भुवनस्यास्य गोप्ता |
sa tan-mayo, hy amṛta īśa-saṃstho; jñaḥ sarva-go, bhuvanasyāsya goptā | Analyse ▾ Analyse ▴
saḥ
Nominativ Singular Maskulin
Pronomen dem
er, jener
tad
Tatpuruṣa-Kompositum Instrumentalis
Pronomen dem
daraus, aus diesem
mayaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Adjektiv
bestehend, erfüllt
hi
Partikel
denn, wahrlich
amṛtaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Adjektiv
unsterblich
īśa
Tatpuruṣa-Kompositum Lokativ
Substantiv Maskulin
im Herrn, in der Herrschaft
saṃsthaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Adjektiv
feststehend, gegründet
jñaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Adjektiv
wissend, der Kenner
sarva
Upapada-Kompositum
Pronomen quant
überall, alles
gaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Adjektiv
gehend, allgegenwärtig
bhuvanasya
Genitiv Singular
Substantiv Neutrum
der Welt, des Weltalls
asya
Genitiv Singular Neutrum
Pronomen dem
dieses, dieser
goptā
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Hüter, Beschützer
य ईशे अस्य जगतो नित्यमेव नान्यो हेतुर्विद्यत ईशनाय ||17||
ya īśe asya, jagato nityam eva; nānyo hetur, vidyata īśanāya ||17|| Analyse ▾ Analyse ▴
yaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Pronomen rel
welcher, der
īśe
3. Person Singular Medial Präsens
Verbalwurzel
er herrscht, gebietet
asya
Genitiv Singular Neutrum
Pronomen dem
dieses, hiervon
jagataḥ
Genitiv Singular
Substantiv Neutrum
der Welt, des Beweglichen
nityam
Adverb
beständig, immer
eva
Partikel
eben, allein
na
Partikel
nicht
anyaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Pronomen quant
anderer
hetuḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Ursache, Grund
vidyata
3. Person Singular Medial Präsens
Verbalwurzel
ist vorhanden, findet sich
īśanāya
Dativ Singular
Substantiv Neutrum
zum Herrschen, für die Weltherrschaft
Metrum: Pāda 1: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 2: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang; Pāda 3: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang — 12 Silben; Pāda 4: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang
Er (saḥ | nom sg m), aus diesem bestehend (tan-mayaḥ | nom sg m), ist nämlich (hi) unsterblich (amṛtaḥ | nom sg m), in der Herrschaft gegründet (īśa-saṃsthaḥ | nom sg m), der Kenner (jñaḥ | nom sg m), allgegenwärtig (sarva-gaḥ | nom sg m) [und] für diese Welt (bhuvanasyāsya | gen sg) der Hüter (goptā | nom sg). [Er ist] derjenige, der (yaḥ | nom sg m) herrscht (īśe | 3p sg med pres) über diese Welt (asya jagataḥ | gen sg), beständig (nityam) allein (eva); nicht (na) ist ein anderer (anyaḥ | nom sg m) Grund (hetuḥ | nom sg) vorhanden (vidyata | 3p sg med pres) für die Weltherrschaft (īśanāya | dat sg).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Dieser unsterbliche Herr ist in seiner eigenen Macht gegründet. Er weiß alles, ist überall und behütet diese Welt. Er allein herrscht beständig über sie; es gibt keinen anderen Grund ihrer Ordnung.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya nennt den Herrn Selbst und Licht der Welt sowie unsterblich. Er gründet in der eigenen Herrlichkeit und besitzt die Herrschaft nicht aufgrund eines anderen. Als allwissender, allgegenwärtiger Beschützer ist er allein fähig, das Ganze zu regieren.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda versteht den Herrn als in der eigenen Größe gegründeten Lenker. Seine Herrschaft hängt weder von einem höheren Wesen noch von einer fremden Ursache ab. Der Weltkenner und Weltbeschützer ist deshalb aus sich bestehender Īśvara, nicht ein beauftragter Teil einer größeren Ordnung.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa deutet tanmaya ungewöhnlich auf den durch die fünf Hüllen der Lebenskräfte gegliederten Saṃsāra. Zugleich nennt er den Herrn īśasaṃstha, mit dem Namen Īśa bezeichnet, wissend und herrschend. Die knappe Glosse verbindet damit Weltgestalt und Herrschaft.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat hebt die Selbstgründung des Herrn hervor. Seine Größe und Herrschaft entstehen weder aus Karma noch aus Verehrung oder einer äußeren Verleihung, sondern gehören ihm ursprünglich an. Als Weltkenner und Beschützer regiert er aus eigenem Wesen.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
Aus ihm besteht, unsterblich, in Gott ruhend, Der Geist<3>, der überall, des Weltalls Hüter, Und ewig über diese Welt gebietet, Nur dies verleiht ihm seiner Herrschaft Rechte.
<3: Nach der ganzen Beschreibung kann auch hier schon, wie im nächsten Verse, nur der Erstgeborne des Brahman, der Weltintellekt (buddhi, mahad der Sāṅkhya’s), theologisch gesprochen, Hiraṇyagarbha, der persönliche Brahmán, gemeint sein. Daß er aus dem Urwesen besteht, ist der Grund seiner Weltherrschaft.>
Paul Deussen - 1921
Consisting of That, immortal, existing as the Lord, Intelligent, omnipresent, the guardian of this world, Is He who constantly rules this world. There is no other cause found for the ruling.
Robert Hume - 1921
He, full of that (light), is immortal, abiding in his divine glory, conscious in nature, pervading everywhere, the Protector of this world, and who always governs this world. There is no other cause (capable of) governing (the Universe).
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Aus ihm besteht, unsterblich, in Gott ruhend, Der Geist<3>, der überall, des Weltalls Hüter, Und ewig über diese Welt gebietet, Nur dies verleiht ihm seiner Herrschaft Rechte.
<3: Nach der ganzen Beschreibung kann auch hier schon, wie im nächsten Verse, nur der Erstgeborne des Brahman, der Weltintellekt (buddhi, mahad der Sāṅkhya’s), theologisch gesprochen, Hiraṇyagarbha, der persönliche Brahmán, gemeint sein. Daß er aus dem Urwesen besteht, ist der Grund seiner Weltherrschaft.>
Paul Deussen - 1897
He who has become that<7>, he is the immortal, remaining the lord, the knower, the ever-present guardian of this world, who rules this world for ever, for no one else is able to rule it.
<7: He who seems to exist for a time in the form of kṣetrajña and pradhāna.>
F. Max Müller - 1884
He is like himself,<1> immortal, and abiding in the form of Ruler, alwise, omnipresent, the preserver of this world; he rules eternally this world; there is no other cause of the dominion (of the world).
<1: “Tanmaya” may be also rendered “like the world.”>
Edward Röer - 1853

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Illustrationen: KI-generiert.

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