SVU 6.7-6.13: Der Herr aller Herren
SVU 6.7-6.13: Der Herr aller Herren

SVU 6.7-6.13: Ein Gott in allen Wesen

Der höchste Herr wirkt durch seine wesenseigene Kraft, bleibt ohne Ursache über allem und wird als verborgener innerer Zeuge und Geber ewigen Glücks erkannt.

Śvetāśvatara Upaniṣad 6.7
तमीश्वराणां परमं महेश्वरं तं देवतानां परमं च दैवतम् |
tam īśvarāṇāṃ, paramaṃ maheśvaraṃ; taṃ devatānāṃ, paramaṃ ca daivatam | Analyse ▾ Analyse ▴
tam
Akkusativ Singular Maskulin
Pronomen dem
ihn, jenen
īśvarāṇām
Genitiv Plural
Substantiv Maskulin
der Herren, Herrscher
paramam
Akkusativ Singular Maskulin
Adjektiv
höchsten, obersten
maheśvaram
Akkusativ Singular
Substantiv Maskulin
großen Herrn, höchsten Herrscher
tam
Akkusativ Singular Maskulin
Pronomen dem
ihn, jenen
devatānām
Genitiv Plural
Substantiv Feminin
der Gottheiten, Götter
paramam
Akkusativ Singular Neutrum
Adjektiv
höchste, oberste
ca
Partikel
und
daivatam
Akkusativ Singular
Substantiv Neutrum
Gottheit, Göttliches
पतिं पतीनां परमं परस्ताद्विदाम देवं भुवनेशमीड्यम् ||7||
patiṃ patīnāṃ, paramaṃ parastād; vidāma devaṃ, bhuvaneśam īḍyam ||7|| Analyse ▾ Analyse ▴
patim
Akkusativ Singular
Substantiv Maskulin
Herrn, Gebieter
patīnām
Genitiv Plural
Substantiv Maskulin
der Herren, Gebieter
paramam
Akkusativ Singular Maskulin
Adjektiv
höchsten, obersten
parastāt
Adverb
darüber hinaus, jenseits
vidāma
1. Person Plural Aktiv Imperativ
Verbalwurzel
lasst uns erkennen, mögen wir erkennen
devam
Akkusativ Singular
Substantiv Maskulin
Gott, das göttliche Wesen
bhuvaneśam
Akkusativ Singular
Substantiv Maskulin
Herrn der Welt, Weltenherrn
īḍyam
Akkusativ Singular Maskulin Partizip Futur Passiv
Verbalwurzel
zu preisen, verehrungswürdig
Metrum: Pāda 1: Jagatī mit Vaṃśa-Ausklang; Pāda 2: Jagatī mit Vaṃśa-Ausklang; Pāda 3: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 4: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang
Jenen (tam | acc sg m) [erkennen wir als] den Herrschern (īśvarāṇām | gen pl) [übergeordneten] höchsten großen Herrn (paramaṃ maheśvaram | acc sg), jene [Macht] (tam | acc sg m) [als] den Gottheiten (devatānām | gen pl) [übergeordnete] höchste (paramam | acc sg n) und (ca) göttliche Macht (daivatam | acc sg), den Herrn (patim | acc sg) der Herren (patīnām | gen pl), den Höchsten (paramam | acc sg m) jenseits [von allem] (parastāt), lasst uns erkennen (vidāma | 1p pl act imp): Gott (devam | acc sg), den Weltenherrn (bhuvaneśam | acc sg), den Verehrungswürdigen (īḍyam | acc sg m pfp).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Lasst uns ihn erkennen: den höchsten Herrn aller Herrscher, die höchste Gottheit aller Götter, den Herrn aller Herren, erhaben über alles – Gott, den verehrungswürdigen Herrscher der Welt.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya ordnet den Herrn über Yama und die übrigen Weltherrscher, über Indra und andere Gottheiten sowie über die Prajāpatis ein. Der Vers wird so zu einer Hierarchie der Abhängigkeit: Über dem höchsten Herrn der Welt steht kein weiterer Lenker.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda entfaltet die Rangfolge von Hiraṇyagarbha über weitere kosmische Herren bis zu den Gottheiten. Auch der bereits verwirklichte Seher gebraucht die Gebetsform „mögen wir erkennen“. Damit verbindet der Kommentar kosmische Vorrangstellung und demütige Erkenntnisbitte.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat versteht alle großen Götter und Weltlenker als vom höchsten Herrn abhängig. Die Weisen sagen dennoch „wir erkennen“, weil die Aussage ihre vollendete unmittelbare Einsicht ausdrückt. Die Gebetsform bezeichnet hier nicht bloß einen noch unerfüllten Wunsch.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
So laßt uns ihn, der Herren höchsten Großherrn, Die höchste Gottheit unter allen Göttern, Als höchsten Fürst der Fürsten, jenseits thronend, Als Gott auffinden, als preiswerten Weltherrn.
Paul Deussen - 1921
Him who is the supreme Mighty Lord (maheśvara) of lords, The supreme Divinity of divinities, The supreme Ruler of rulers, paramount, Him let us know as the adorable God, the Lord (īś) of the world.
Robert Hume - 1921
May we know that Supreme and Mighty Governor of governors, that Supreme God of the gods, that Supreme Lord of the Lords, who is beyond (Maya and material things), Self-Luminous, the Ruler of the Universe, and praiseworthy.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
So laßt uns ihn, der Herren höchsten Großherrn, Die höchste Gottheit unter allen Göttern, Als höchsten Fürst der Fürsten, jenseits thronend, Als Gott auffinden, als preiswerten Weltherrn.
Paul Deussen - 1897
Let us know that highest great lord of lords<1>, the highest deity of deities, the master of masters, the highest above, as god, the lord of the world, the adorable.
<1: Śaṅkara thinks that the lords are Vaivasvata &c.; the deities, Indra &c.; the masters, the Prajāpatis. Vijñānātman explains the lords as Brahman, Vishṇu, Rudra, &c.; the deities as Indra, &c.; the masters as Hiraṇyagarbha, &c. Śaṅkarānanda sees in the lords Hiraṇyagarbha &c., in the deities Agni &c., in the masters the Prajāpatis, such as Kaśyapa.>
F. Max Müller - 1884
We know him, the supreme great Ruler of all rulers, the supreme deity of all deities, the lord of lords, greater than what is greatest, the resplendent, the praiseworthy Ruler of the worlds.
Edward Röer - 1853
Śvetāśvatara Upaniṣad 6.8
न तस्य कार्यं करणं च विद्यते न तत्समश्चाभ्यधिकश्च दृश्यते |
na tasya kāryaṃ, karaṇaṃ ca vidyate; na tat-samaś, cābhyadhikaś ca dṛśyate | Analyse ▾ Analyse ▴
na
Partikel
nicht
tasya
Genitiv Singular Maskulin
Pronomen dem
sein, von ihm
kāryam
Nominativ Singular
Substantiv Neutrum
Werk, Aufgabe
karaṇam
Nominativ Singular
Substantiv Neutrum
Werkzeug, Organ
ca
Partikel
und
vidyate
3. Person Singular Medial Präsens
Verbalwurzel
ist vorhanden, findet sich
na
Partikel
nicht
tad
Tatpuruṣa-Kompositum Instrumentalis
Pronomen dem
ihm, mit ihm
samaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Adjektiv
gleich
ca
Partikel
und
abhyadhikaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Adjektiv
überlegen, höher
ca
Partikel
und
dṛśyate
3. Person Singular Passiv Präsens
Verbalwurzel
wird gesehen, ist zu erkennen
परास्य शक्तिर्विविधैव श्रूयते स्वाभाविकी ज्ञानबलक्रिया च ||8||
parāsya śaktir, vividhaiva śrūyate; svābhāvikī, jñāna-bala-kriyā ca ||8|| Analyse ▾ Analyse ▴
parā
Nominativ Singular Feminin
Adjektiv
höchste, überragende
asya
Genitiv Singular Maskulin
Pronomen dem
seine, von ihm
śaktiḥ
Nominativ Singular
Substantiv Feminin
Kraft, Macht
vividhā
Nominativ Singular Feminin
Adjektiv
vielfältig, mannigfach
eva
Partikel
eben, allein
śrūyate
3. Person Singular Passiv Präsens
Verbalwurzel
wird verkündet, ist zu hören
svābhāvikī
Nominativ Singular Feminin
Adjektiv
naturgegeben, wesenseigen
jñāna
Dvandva-Kompositum
Substantiv Neutrum
Erkenntnis, Wissen
bala
Dvandva-Kompositum
Substantiv Neutrum
Kraft, Stärke
kriyā
Nominativ Singular
Substantiv Feminin
Wirksamkeit, Tätigkeit
ca
Partikel
und
Metrum: Pāda 1: Jagatī mit Vaṃśa-Ausklang; Pāda 2: Jagatī mit Vaṃśa-Ausklang; Pāda 3: Jagatī mit Vaṃśa-Ausklang; Pāda 4: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang
Nicht (na) ist von ihm (tasya | gen sg m) eine Aufgabe (kāryam | nom sg) [oder] ein Organ (karaṇam | nom sg) auch nur (ca) vorhanden (vidyate | 3p sg med pres); nicht (na) wird ein ihm Gleicher (tad-samaḥ | nom sg m) und (ca) ein Überlegener (abhyadhikaḥ | nom sg m) auch (ca) gesehen (dṛśyate | 3p sg pas pres). Höchste (parā | nom sg f) ist seine (asya | gen sg m) Kraft (śaktiḥ | nom sg); als vielfältig (vividhā | nom sg f) eben (eva) wird sie verkündet (śrūyate | 3p sg pas pres). Wesenseigen (svābhāvikī | nom sg f) [ist] die Einheit aus Erkenntnis, Kraft und Wirksamkeit (jñāna-bala-kriyā | nom sg), und (ca) [so wirkt sie].
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Er hat keine Aufgabe zu erfüllen und benötigt kein Werkzeug. Niemand ist ihm gleich oder überlegen. Seine höchste Kraft ist ihm wesenseigen und wird als vielfältig beschrieben: Sie wirkt als Erkenntnis, Stärke und schöpferisches Handeln.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya verneint Körper, Sinne, Ebenbürtige und Überlegene des nichtdualen Herrn. Seine vielfältige Kraft ist ihm von Natur aus eigen. Sie erscheint als Erkenntnis, Tätigkeit und Stärke; schon durch seine bloße Gegenwart werden alle Vorgänge geordnet.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda kann kārya und karaṇa als Körper und Sinne oder als Wirkung und Avidyāursache lesen. Die natürliche Māyākraft entfaltet Wissen, Lebenskraft und Handlung; hinzu kommen Beziehungs- und Eindruckskräfte. Diese Vielgestalt der Macht setzt weder einen zweiten Herrn noch eine äußere Hilfe voraus.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa betont, dass der Herr weder Mittel noch Ergebnis benötigt und keinen Gleichen kennt. Seine Erkenntnis-, Kraft- und Handlungsmacht ist wesensmäßig. Mehrere unabhängige Herren würden widersprüchliche Schöpfungs- und Auflösungsakte zugleich hervorbringen; die geordnete Welt spricht daher für den einen Lenker.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat begründet Körper- und Sinneslosigkeit mit Nichtdualität. Die vielfältige natürliche Macht ist Māyā; Erkenntnis, Stärke und Tätigkeit bezeichnen die allwissende Bewusstheit, ihre sāttvischen Erscheinungsformen und die Lenkung durch bloße Gegenwart. So bleibt die Kraft abhängig, ohne dem Selbst eine wirkliche Veränderung zuzuschreiben.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
Nicht gibt es an ihm Wirkung noch Organe auch, Nicht ist ihm einer gleich noch überlegen auch, Sein höchstes Können wird gelehrt als mannigfach, Des Wissens, Tuns Werk sind ihm eingeboren.<5>
<5: Gott durchläuft nicht, wie der Mensch, mancherlei Zustände, weil die ganze Mannigfaltigkeit schon in ihm liegt; er braucht nicht, wie der Mensch, durch Erkenntnisorgane und Tatorgane die entsprechenden Wirkungen erst zu vollbringen, weil ihm die Wirkungen des Erkennens und Tuns schon angeboren sind.>
Paul Deussen - 1921
No action or organ of his is found; There is not seen his equal, nor a superior. His high power (śakti) is revealed to be various indeed; And innate is the working of his intelligence and strength.
Robert Hume - 1921
His body or organ does not exist; His equal or superior has not been seen; His supreme power has been heard to be varied; and his knowledge, power and action (are) natural.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Nicht giebt es an ihm Wirkung noch Organe auch, Nicht ist ihm einer gleich noch überlegen auch, Sein höchstes Können wird gelehrt als mannigfach, Des Wissens, Thuns Werk sind ihm eingeboren.<5>
<5: Gott durchläuft nicht, wie der Mensch, mancherlei Zustände, weil die ganze Mannigfaltigkeit schon in ihm liegt; er braucht nicht, wie der Mensch, durch Erkenntnisorgane und Tatorgane die entsprechenden Wirkungen erst zu vollbringen, weil ihm die Wirkungen des Erkennens und Thuns schon angeboren sind.>
Paul Deussen - 1897
There is no effect and no cause known of him, no one is seen like unto him or better; his high power is revealed as manifold, as inherent, acting as force and knowledge.
F. Max Müller - 1884
There is no effect for him, or a cause;<1> there is none perceived that is like him or superior to him. The supreme power of him is declared to be various; (viz.) it is dependent upon himself, and acting according to (his) knowledge and power.
<1: “Effect” means, according to Śaṅkara, “body,” and “cause” an “organ.”>
Edward Röer - 1853
Śvetāśvatara Upaniṣad 6.9
न तस्य कश्चित्पतिरस्ति लोके न चेशिता नैव च तस्य लिङ्गम् |
na tasya kaścit, patir asti loke; na ceśitā, naiva ca tasya liṅgam | Analyse ▾ Analyse ▴
na
Partikel
nicht
tasya
Genitiv Singular Maskulin
Pronomen dem
sein, von ihm
kaścit
Nominativ Singular Maskulin
Pronomen inter
Suffix
irgendjemand
patiḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Herr, Gebieter
asti
3. Person Singular Aktiv Präsens
Verbalwurzel
ist, existiert
loke
Lokativ Singular
Substantiv Maskulin
in der Welt
na
Partikel
nicht
ca
Partikel
und
īśitā
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Gebieter, Herrscher
na
Partikel
nicht
eva
Partikel
einmal, eben
ca
Partikel
und
tasya
Genitiv Singular Maskulin
Pronomen dem
sein, von ihm
liṅgam
Nominativ Singular
Substantiv Neutrum
Kennzeichen, Merkmal
स कारणं करणाधिपाधिपो न चास्य कश्चिज्जनिता न चाधिपः ||9||
sa kāraṇaṃ, karaṇādhipādhipo; na cāsya kaścij, janitā na cādhipaḥ ||9|| Analyse ▾ Analyse ▴
saḥ
Nominativ Singular Maskulin
Pronomen dem
er, jener
kāraṇam
Nominativ Singular
Substantiv Neutrum
Ursache, Grund
karaṇa
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Neutrum
der Organe, Werkzeuge
adhipa
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Maskulin
des Herrn, Gebieters
adhipaḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Oberherr, Gebieter
na
Partikel
nicht
ca
Partikel
und
asya
Genitiv Singular Maskulin
Pronomen dem
sein, von ihm
kaścit
Nominativ Singular Maskulin
Pronomen inter
Suffix
irgendjemand
janitā
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Erzeuger, Vater
na
Partikel
nicht
ca
Partikel
und
adhipaḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Oberherr, Gebieter
Metrum: Pāda 1: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 2: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 3: Jagatī mit Vaṃśa-Ausklang — 11 Silben; Pāda 4: Jagatī mit Vaṃśa-Ausklang
Nicht (na) ist von ihm (tasya | gen sg m) irgendein (kaścit | nom sg m) Herr (patiḥ | nom sg) vorhanden (asti | 3p sg act pres) in der Welt (loke | loc sg); ebenso nicht (na) auch (ca) [ein] Gebieter (īśitā | nom sg), und nicht (na) einmal (eva) auch (ca) von ihm (tasya | gen sg m) ein Kennzeichen (liṅgam | nom sg). Er (saḥ | nom sg m) [ist] die Ursache (kāraṇam | nom sg), der Oberherr über den Herrn der Organe (karaṇādhipādhipaḥ | nom sg); nicht (na) auch (ca) [gibt es] für ihn (asya | gen sg m) irgendeinen (kaścit | nom sg m) Erzeuger (janitā | nom sg), nicht (na) auch (ca) [einen] Oberherrn (adhipaḥ | nom sg).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
In der Welt gibt es keinen Herrn über ihn, keinen Gebieter und kein Merkmal, das ihn festlegen könnte. Er selbst ist die Ursache und der oberste Herr aller Kräfte und Organe. Niemand hat ihn hervorgebracht, und niemand herrscht über ihn.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya verneint über dem Herrn einen Erzeuger, Gebieter oder erschließbaren höheren Grund. Er ist selbst die Ursache aller Dinge und Herr der Gottheiten, die den Sinnen vorstehen. Ein weiterer Lenker würde seine höchste Stellung und die Einheit des Weltgrundes aufheben.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda versteht die Negationen umfassend: Der Herr besitzt weder einen übergeordneten Gebieter noch einen Erzeuger oder fremden Körper. Er ist nicht Wirkung einer weiteren Ursache. Als Herr der Sinnesgottheiten lenkt er vielmehr selbst die Mächte, durch die das verkörperte Erkennen möglich wird.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa hebt hervor, dass der Herr nicht durch ein gewöhnliches Schlusszeichen erschlossen wird, weil er jenseits des Dharma liegt. Die Welt als Wirkung beweise nicht ohne Weiteres den besonderen Gott irgendeiner Schule; ein höherer Erzeuger führte zudem in einen Regress. Der Herr selbst erschafft und lenkt die Gottheiten des Innenorgans.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat begründet die Unerzeugtheit mit Selbständigkeit, Selbstbegründung und Nichtdualität. Weder ein Erzeuger noch ein Herr über den Herrn ist möglich. Wer den so bestimmten höchsten Herrn als eigenes Selbst erkennt, kann den großen Ozean des Saṃsāraleids überschreiten.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
Kein Fürst ist über ihm in allen Welten Und kein Gebieter, kein Kennzeichen<1> trägt er; Ursache ist er, Herr des Herrn der Sinne, Ihn zeugte keiner, niemand ist sein Oberherr.
<1: Oder: keinen feinen Leib (liṅgam), weil er der Herr des feinen Leibes (des „Herrn der Sinne“) ist. Vgl. aliṅga Kāṭh. 6,8.>
Paul Deussen - 1921
Of Him there is no ruler in the world, Nor lord; nor is there any mark (liṅga) of Him. He is the Cause (kāraṇa), lord of the lords of sense-organs. Of Him there is no progenitor, nor lord.
Robert Hume - 1921
In this world there does not exist any Lord of His, nor any Governor, nor (there is) any characteristic proof of His (existence); He is the Cause, the Lord of the guardian-deities of organs; (there does not exist) any Creator or Superintendent of His.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Kein Fürst ist über ihm in allen Welten Und kein Gebieter, kein Kennzeichen<1> trägt er; Ursache ist er, Herr des Herrn der Sinne, Ihn zeugte keiner, niemand ist sein Oberherr.
<1: Oder: keinen feinen Leib (liṅgam), weil er der Herr des feinen Leibes (des „Herrn der Sinne“) ist. Vgl. aliṅga Kāṭh. 6,8.>
Paul Deussen - 1897
There is no master of his in the world, no ruler of his, not even a sign of him<2>. He is the cause, the lord of the lords of the organs<3>, and there is of him neither parent nor lord.
<2: If he could be inferred from a sign, there would be no necessity for the Veda to reveal him.>
<3: Karaṇa, instrument, is explained as organ of sense. The lords of such organs would be all living beings, and their lord the true Lord.>
F. Max Müller - 1884
There is in the world no lord of him, nor a ruler, nor also a cause;<1> he is the cause, the sovereign of the sovereign of causes; for him there is no producer, no sovereign.
<1: Śaṅkara explains “liṅga” by a sign, on whose cogency his existence could be inferred.>
Edward Röer - 1853
Śvetāśvatara Upaniṣad 6.10
यस्तन्तुनाभ इव तन्तुभिः प्रधानजैः स्वभावतः |
yas tantu-nābha iva tantubhiḥ; pradhāna-jaiḥ sva-bhāvataḥ | Analyse ▾ Analyse ▴
yaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Pronomen rel
welcher, der
tantu
Bahuvrīhi-Kompositum
Substantiv Maskulin
Faden, mit Fäden
nābhaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Substantiv Feminin
einen Fadennabel habend, die Spinne
iva
Partikel
wie, gleichsam
tantubhiḥ
Instrumentalis Plural
Substantiv Maskulin
mit Fäden, durch Fäden
pradhāna
Tatpuruṣa-Kompositum Ablativ
Substantiv Neutrum
aus der Urmaterie, dem Urgrund
jaiḥ
Instrumentalis Plural Maskulin
Adjektiv
hervorgebracht, entstanden
sva
Karmadhāraya-Kompositum
Adjektiv
eigen
bhāvataḥ
bhāvatas
Adverb
von Natur aus, seinem Wesen gemäß
देव एकः स्वमावृणोति स नो दधाद्ब्रह्माप्ययम् ||10||
deva ekaḥ svam āvṛṇoti; sa no dadhād brahmāpyayam ||10|| Analyse ▾ Analyse ▴
devaḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Gott, das göttliche Wesen
ekaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Zahlwort
der eine
svam
Akkusativ Singular Maskulin
Adjektiv
sich selbst, das eigene Selbst
āvṛṇoti
3. Person Singular Aktiv Präsens
Präfix
Verbalwurzel
er umhüllt, bedeckt
saḥ
Nominativ Singular Maskulin
Pronomen dem
er, jener
naḥ
Dativ Plural
Pronomen pers 1p
uns
dadhāt
3. Person Singular Aktiv Imperativ
Verbalwurzel
er möge gewähren, geben
brahma
Tatpuruṣa-Kompositum Lokativ
Substantiv Neutrum
in Brahman
apyayam
Akkusativ Singular
Substantiv Maskulin
Eingang, Aufgehen
Metrum: Pāda 1: Anuṣṭubh — 10 statt 8 Silben; Pāda 2: Anuṣṭubh; Pāda 3: Anuṣṭubh — 9 statt 8 Silben; Pāda 4: Anuṣṭubh
Derjenige (yaḥ | nom sg m), der einer Spinne (tantu-nābhaḥ | nom sg m) gleich (iva) mit Fäden (tantubhiḥ | ins pl), die aus der Urmaterie hervorgebracht sind (pradhāna-jaiḥ | ins pl m), seinem eigenen Wesen gemäß (sva-bhāvataḥ) [wirkt], [ist] der eine Gott (deva ekaḥ | nom sg), der sich selbst (svam | acc sg m) umhüllt (āvṛṇoti | 3p sg act pres); er (saḥ | nom sg m) möge uns (naḥ | dat pl) gewähren (dadhāt | 3p sg act imp): das Eingehen in Brahman (brahmāpyayam | acc sg).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Wie eine Spinne sich mit den eigenen Fäden umgibt, so umhüllt der eine Gott sich selbst mit Kräften, die aus der Urnatur hervorgehen. Möge er uns gemäß seinem Wesen die Rückkehr und das Eingehen in Brahman gewähren.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya liest die Spinne als Bild des Herrn, der sich mit aus dem Pradhāna hervorgegangenen Fäden von Name, Form und Handlung umhüllt. Das Gebet bittet ihn, den Suchenden durch Auflösung dieser Verhüllung in das unvergängliche, nichtduale Brahman eingehen zu lassen.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda betont an der Spinne eine Schöpfung ohne persönlichen Bedarf. Wie Milch sich entfaltet, bringt der Herr aus sich die Fäden der Erscheinung hervor und verhüllt sich damit. Die Bitte zielt auf Brahmanerkenntnis und Aufhebung der Verdeckung, nicht auf ein weiteres endliches Gut.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa versteht die Fäden als naturgeborene Vāsanās, die das eigene Selbst verdecken. Der Herr erscheint dadurch in der von ihm getragenen Welt gebunden. Er soll den Beter von dieser Überlagerung lösen und ihm die eigene, unvergängliche Brahmangestalt schenken.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat lässt den selbstleuchtenden Herrn durch die aus Māyā entstandenen Namens- und Formfäden das eigene Selbst als duale Welt verhüllen. Er handelt dabei frei und ohne äußere Abhängigkeit. Das Gebet bittet entweder um die Erkenntnis des unvergänglichen Brahman oder um das Eingehen in Brahman durch Vernichtung von Avidyā und ihren Wirkungen.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
Der spinnegleich durch Fäden, die aus ihm als Stoff (pradhānam) Entsprangen, sich verbarg nach seinem Sein, der Gott Verleih’ Eingang in Brahman uns.
Paul Deussen - 1921
The one God who covers himself, Like a spider, with threads Produced from Primary Matter (pradhāna), according to his own nature (svabhāvatas)—May He grant us entrance into Brahma!
Robert Hume - 1921
May He grant us absorption into Brahm, Who, being one and Self-Luminous, has, by His own Will, concealed Himself by (qualities) born of Maya, just as a spider (conceals itself) by threads.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Der spinnegleich durch Fäden, die aus ihm als Stoff (pradhānam) Entsprangen, sich verbarg nach seinem Sein, der Gott Verleih’ Eingang in Brahman uns.
Paul Deussen - 1897
That only god who spontaneously covered himself, like a spider, with threads drawn from the first cause (pradhāna), grant us entrance into Brahman<4>.
<4: Besides brahmāpyayam, i.e. brahmaṇy apyayam, ekībhāvam, another reading is brahmāvyayam, i.e. brahma cāvyayaṃ ca.>
F. Max Müller - 1884
May the one God, who, like the spider, through his own nature, encases himself with many threads, which are produced by the first (cause, Pradhāna, nature,) grant us identity with Brahma,—
Edward Röer - 1853
Śvetāśvatara Upaniṣad 6.11
एको देवः सर्वभूतेषु गूढः सर्वव्यापी सर्वभूतान्तरात्मा |
eko devaḥ, sarva-bhūteṣu gūḍhaḥ; sarva-vyāpī, sarva-bhūtāntarātmā | Analyse ▾ Analyse ▴
ekaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Zahlwort
der eine
devaḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Gott, das göttliche Wesen
sarva
Karmadhāraya-Kompositum
Pronomen quant
alle, sämtliche
bhūteṣu
Lokativ Plural
Substantiv Neutrum
in den Wesen, Lebewesen
gūḍhaḥ
Nominativ Singular Maskulin Partizip Perfekt Passiv
Verbalwurzel
verborgen, verhüllt
sarva
Upapada-Kompositum
Pronomen quant
alles, überall
vyāpī
Nominativ Singular Maskulin
Adjektiv
durchdringend, allgegenwärtig
sarva
Karmadhāraya-Kompositum
Pronomen quant
alle, sämtliche
bhūta
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Neutrum
der Wesen, Lebewesen
antar
Karmadhāraya-Kompositum
Adjektiv
inneres, im Inneren
ātmā
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Selbst, Seele
कर्माध्यक्षः सर्वभूताधिवासः साक्षी चेता केवलो निर्गुणश्च ||11||
karmādhyakṣaḥ, sarva-bhūtādhivāsaḥ; sākṣī cetā, kevalo nir-guṇaś ca ||11|| Analyse ▾ Analyse ▴
karma
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Neutrum
der Werke, Handlungen
adhyakṣaḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Aufseher, Lenker
sarva
Karmadhāraya-Kompositum
Pronomen quant
alle, sämtliche
bhūta
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Neutrum
der Wesen, Lebewesen
adhivāsaḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Wohnstätte, Aufenthalt
sākṣī
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Zeuge
cetā
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Wahrnehmer, Erkennender
kevalaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Adjektiv
einzig, allein
nis
Bahuvrīhi-Kompositum
Präfix
ohne, frei von
guṇaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Substantiv Maskulin
Eigenschaften habend, von Guṇas frei
ca
Partikel
und
Metrum: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang
Der eine Gott (eko devaḥ | nom sg) ist in allen Wesen (sarva-bhūteṣu | loc pl) verborgen (gūḍhaḥ | nom sg m ppp), alldurchdringend (sarva-vyāpī | nom sg m), das innere Selbst aller Wesen (sarva-bhūtāntarātmā | nom sg), der Aufseher der Werke (karmādhyakṣaḥ | nom sg), die Wohnstätte aller Wesen (sarva-bhūtādhivāsaḥ | nom sg), Zeuge (sākṣī | nom sg), Wahrnehmer (cetā | nom sg) [und] allein (kevalaḥ | nom sg m); von Guṇas frei (nir-guṇaḥ | nom sg m) ist er auch (ca).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Der eine Gott ist in allen Wesen verborgen und durchdringt alles. Er ist ihr innerstes Selbst, der Hüter ihrer Handlungen und ihre Wohnstätte; er ist Zeuge und Bewusstsein, allein und frei von allen Guṇas.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya entfaltet den einen verborgenen Gott als innerstes Selbst aller Wesen. Er beaufsichtigt das Karma, wohnt in allem und ist unmittelbarer Zeuge. Cetā bezeichnet seine belebende Bewusstheit, kevala die Freiheit von Upādhis und nirguṇa die Unberührtheit von den Guṇas.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda lässt Anfangslosigkeit, Avidyā sowie Ich- und Meinvorstellung den einen Herrn verbergen. Als innerer Karmabeaufsichtiger ordnet er Folgen, ohne selbst Genießer zu werden; als Zeuge erkennt er unmittelbar. Kevala verneint den Körper, nirguṇa jede wirkliche Bindung an die Eigenschaften der Erscheinungswelt.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa nennt den einen Gott den Vorrangigen. Das Karma hängt hinsichtlich seiner Frucht von ihm ab; deshalb ist er Karmādhyakṣa. Als Zeuge schaut er die projizierte Welt ohne vermittelnden Abstand, und cetā weist auf seine sammelnde, bewusstmachende Funktion.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat erklärt das Verborgensein durch die wechselseitige Überlagerung von Selbst und Welt. Der Herr wohnt in allen Wesen, ohne sich durch ihre Veränderungen zu wandeln; als Zeuge erhellt er sie durch bloße Gegenwart. Selbstleuchtend, unabhängig und nirguṇa ist er nur scheinbar Träger von Kräften, die tatsächlich der mit ihm überlagerten Māyā angehören.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
cetā LV1958, ASS1927 ] cettā LV1958-app
Kritischer Apparat
Der eine Gott, verhüllt in allen Wesen, Durchdringend alle, aller inn’re Seele, Des Werks Aufseher, alles Sein durchduftend (vgl. Sāṅkhya-K. 40), Zuschauer, bloßer Geist und frei von Guna’s,
Paul Deussen - 1921
The one God, hidden in all things, All-pervading, the Inner Soul of all things, The overseer of deeds (karman), in all things abiding, The witness, the sole thinker,<3> devoid of qualities (nir-guṇa),
<3: Reading cettā instead of the tautologous cetā, ‘observer.’>
Robert Hume - 1921
There is one Self-Luminous Being, hidden in all creatures, pervading all, the inner soul of all, the Superintendent of actions, living in all creatures, direct seer, conscious without (organs, &c.) and free from any quality.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Der eine Gott, verhüllt in allen Wesen, Durchdringend alle, aller inn’re Seele, Des Werks Aufseher, alles Sein durchduftend (vgl. Sāṅkhya-K. 40), Zuschauer, bloßer Geist und frei von Guna’s,
Paul Deussen - 1897
He is the one God, hidden in all beings, all-pervading, the self within all beings, watching over all works, dwelling in all beings, the witness, the perceiver<1>, the only one, free from qualities.
<1: All the MSS. seem to read cetā, not cettā.>
F. Max Müller - 1884
The one God, who is concealed in all beings, who pervades all, who is the inner soul of all beings, the ruler of all actions, who dwells in all beings, the witness, who is mere thinking,<1> and without qualities,<2>—
<1: That is to say, thinking without any special thought.>
<2: The triad of qualities, goodness, activity, and darkness.>
Edward Röer - 1853
Śvetāśvatara Upaniṣad 6.12
एको वशी निष्क्रियाणां बहूणामेकं बीजं बहुधा यः करोति |
eko vaśī, niṣkriyāṇāṃ bahūṇām; ekaṃ bījaṃ, bahudhā yaḥ karoti | Analyse ▾ Analyse ▴
ekaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Zahlwort
der eine
vaśī
Nominativ Singular Maskulin
Adjektiv
gebietend, der Gebieter
niṣkriyāṇām
Genitiv Plural Maskulin
Adjektiv
der Untätigen, Handlungslosen
bahūnām
Genitiv Plural Maskulin
Adjektiv
der vielen
ekam
Akkusativ Singular Neutrum
Zahlwort
einen, einzigen
bījam
Akkusativ Singular
Substantiv Neutrum
Samen, Keim
bahudhā
Adverb
vielfach, auf vielerlei Weise
yaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Pronomen rel
welcher, der
karoti
3. Person Singular Aktiv Präsens
Verbalwurzel
er macht, gestaltet
तमात्मस्थं ये ऽनुपश्यन्ति धीरास्तेषां सुखं शाश्वतं नेतरेषाम् ||12||
tam ātma-sthaṃ, ye 'nupaśyanti dhīrās; teṣāṃ sukhaṃ, śāśvataṃ netareṣām ||12|| Analyse ▾ Analyse ▴
tam
Akkusativ Singular Maskulin
Pronomen dem
ihn, jenen
ātma
Tatpuruṣa-Kompositum Lokativ
Substantiv Maskulin
im Selbst
stham
Akkusativ Singular Maskulin
Adjektiv
befindlich, wohnend
ye
Nominativ Plural Maskulin
Pronomen rel
diejenigen, welche
anupaśyanti
3. Person Plural Aktiv Präsens
Präfix
Verbalwurzel
sie schauen, erkennen
dhīrāḥ
Nominativ Plural Maskulin
Adjektiv
die Weisen, Verständigen
teṣām
Genitiv Plural Maskulin
Pronomen dem
ihrer, ihnen
sukham
Nominativ Singular
Substantiv Neutrum
Glück, Wohl
śāśvatam
Nominativ Singular Neutrum
Adjektiv
ewig, bleibend
na
Partikel
nicht
itareṣām
Genitiv Plural Maskulin
Pronomen quant
der anderen, den anderen
Metrum: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang
Der Eine (ekaḥ | nom sg m) [ist] der Gebieter (vaśī | nom sg m) der vielen Untätigen (niṣkriyāṇāṃ bahūnām | gen pl m); den einen Samen (ekaṃ bījam | acc sg) in viele Gestalten (bahudhā) bringt er, der (yaḥ | nom sg m), hervor (karoti | 3p sg act pres). Ihn (tam | acc sg m), als im Selbst wohnend (ātma-stham | acc sg m), sehen diejenigen (ye | nom pl m) unmittelbar (anupaśyanti | 3p pl act pres), die Weisen (dhīrāḥ | nom pl m); ihnen (teṣām | gen pl m) [gehört] das ewige Glück (sukhaṃ śāśvatam | nom sg), nicht (na) den anderen (itareṣām | gen pl m).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Der Eine beherrscht die vielen, die aus sich selbst heraus nicht handeln, und entfaltet den einen Samen in zahllosen Gestalten. Die Weisen schauen ihn im eigenen Selbst. Ihnen gehört das ewige Glück, nicht denen, die ihn dort nicht erkennen.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya nennt die vielen Jīvas untätig, weil Handlung eigentlich im Körperverband stattfindet. Der eine unabhängige Herr macht aus dem feinen Keim die Vielheit. Weise erkennen ihn in der Buddhi und erlangen ein ewiges Glück, das anderen verborgen bleibt.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda setzt den einen Keim mit Avidyā gleich, aus der Elemente, Körper und Wünsche hervorgehen. Der Herr lenkt die an sich trägen Vielen. Nach Hören und Erkenntnis sehen die Weisen im Inneren: Wir sind Brahman; nur diese Einsicht erschließt das immer schon bestehende Glück.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa beschreibt den Herrn als Lenker der untätigen, unbewussten Größen wie Raum und Elemente. Das eine Selbst erscheint in vielen Formen. Es wohnt nicht räumlich, sondern als inneres Bewusstsein in der Buddhi; nur einwärts blickende Weise erfahren dort seine ewige Selbstfreude.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat unterscheidet zwei Weisen des einen Keims: Māyā ist der gemeinsame Grund der unbewussten Vielheit, das eine Bewusstseinsbild der Grund der vielen Jīvas. Der Herr erscheint im Körperverband als inneres Selbst. Durch Prüfung von tat und tvam erkennen Weise unmittelbar „Ich bin dieses Selbst“; andere Mittel gewähren das ewige Glück nicht.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
<2>Der eine Freie, der den einen Samen Vielfach macht vieler von Natur Werkloser, Wer den, als Weiser, in sich selbst sieht wohnen, Der nur ist ewig selig, und kein andrer.
<2: Der Vers ist Kāṭh. 5,12, angepaßt an die Śvet. 5,5. 6,4 herrschende Vorstellung des Īśvara als dessen, der die Werke der (ihrem ursprünglichen, gottgleichen Wesen nach) werklosen Seelen zur Entwicklung bringt.>
Paul Deussen - 1921
The one controller of the inactive many, Who makes the one seed manifold—The wise who perceive Him as standing in one’s self—They, and no others, have eternal happiness.<4>
<4: This stanza = Kaṭha 5. 12 with slight variation in a and b.>
Robert Hume - 1921
He is the one Controller of Actionless Beings, who shapes one germ (of Maya) into many forms; those wise men who see Him present in the Reason,—theirs is eternal happiness—and not of others.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
<2>Der eine Freie, der den einen Samen Vielfach macht vieler von Natur Werkloser, Wer den, als Weiser, in sich selbst sieht wohnen, Der nur ist ewig selig, und kein andrer.
<2: Der Vers ist Kāṭh. 5,12, angepaßt an die Śvet. 5,5. 6,4 herrschende Vorstellung des Īśvara als dessen, der die Werke der (ihrem ursprünglichen, gottgleichen Wesen nach) werklosen Seelen zur Entwicklung bringt.>
Paul Deussen - 1897
<2>He is the one ruler of many who (seem to act, but really do) not act<3>; he makes the one seed manifold. The wise who perceive him within their self, to them belongs eternal happiness, not to others.
<2: See Kaṭha-upanishad V, 12–15.>
<3: Śaṅkara explains that the acts of living beings are due to their organs, but do not affect the Highest Self, which always remains passive (niṣkriya).>
F. Max Müller - 1884
The only self-dependent among the many (souls) which are not active,<1> who makes manifold the one seed.<2> The wise who perceive him as placed within their own selves, obtain eternal bliss, not others.
<1: Nature only, according to the Sānkhya, is active, and not the soul, which is merely witnessing.>
<2: Either the first nature, or, as Śaṅkara explains, the subtle elements of matter.>
Edward Röer - 1853
Śvetāśvatara Upaniṣad 6.13
नित्यो नित्यानां चेतनश्चेतनानामेको बहूनां यो विदधाति कामान् |
nityo nityānāṃ, cetanaś cetanānām; eko bahūnāṃ, yo vidadhāti kāmān | Analyse ▾ Analyse ▴
nityaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Adjektiv
ewig, der Ewige
nityānām
Genitiv Plural Maskulin
Adjektiv
unter den Ewigen
cetanaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Adjektiv
bewusst, der Bewusste
cetanānām
Genitiv Plural Maskulin
Adjektiv
unter den Bewussten
ekaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Zahlwort
der eine
bahūnām
Genitiv Plural Maskulin
Adjektiv
unter den vielen
yaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Pronomen rel
welcher, der
vidadhāti
3. Person Singular Aktiv Präsens
Präfix
Verbalwurzel
er teilt zu, gewährt
kāmān
Akkusativ Plural
Substantiv Maskulin
Wünsche, Begehren
तत्कारणं सांख्ययोगाधिगम्यं ज्ञात्वा देवं मुच्यते सर्वपाशैः ||13||
tat kāraṇaṃ, sāṃkhya-yogādhigamyaṃ; jñātvā devaṃ, mucyate sarva-pāśaiḥ ||13|| Analyse ▾ Analyse ▴
tat
Akkusativ Singular Neutrum
Pronomen dem
jene, diese
kāraṇam
Akkusativ Singular
Substantiv Neutrum
Ursache, Grund
sāṃkhya
Dvandva-Kompositum
Substantiv Neutrum
Sāṃkhya, Unterscheidungserkenntnis
yoga
Upapada-Kompositum
Substantiv Maskulin
durch Yoga, Sammlung
adhigamyam
Akkusativ Singular Neutrum Partizip Futur Passiv
Präfix
Verbalwurzel
zu erreichen, zu erkennen
jñātvā
Absolutus
Verbalwurzel
nachdem man erkannt hat
devam
Akkusativ Singular
Substantiv Maskulin
Gott, das göttliche Wesen
mucyate
3. Person Singular Passiv Präsens
Verbalwurzel
wird befreit, löst sich
sarva
Karmadhāraya-Kompositum
Pronomen quant
alle, sämtliche
pāśaiḥ
Instrumentalis Plural
Substantiv Maskulin
von Fesseln, durch Bande
Metrum: Pāda 1: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang — 12 Silben; Pāda 2: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang — 12 Silben; Pāda 3: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang; Pāda 4: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang
Der Ewige (nityaḥ | nom sg m) unter den Ewigen (nityānām | gen pl m), der Bewusste (cetanaḥ | nom sg m) unter den Bewussten (cetanānām | gen pl m), der Eine (ekaḥ | nom sg m) unter den Vielen (bahūnām | gen pl m), der (yaḥ | nom sg m) [ihnen] zuteilt (vidadhāti | 3p sg act pres), was sie wünschen (kāmān | acc pl): Jene Ursache (tat kāraṇam | acc sg), [die] durch Sāṃkhya und Yoga zu erkennen [ist] (sāṃkhya-yogādhigamyam | acc sg n pfp), nachdem man [sie] erkannt hat (jñātvā | abs), [und zwar als] Gott (devam | acc sg), [dann] wird man befreit (mucyate | 3p sg pas pres) von allen Fesseln (sarva-pāśaiḥ | ins pl).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Er ist der Ewige unter den Ewigen, der Bewusste unter den bewussten Wesen, der Eine unter den Vielen, der ihre Wünsche erfüllt. Wer diese durch Sāṃkhya und Yoga erkennbare Ursache als Gott verwirklicht, wird von allen Fesseln frei.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya unterscheidet den einen wahrhaft Ewigen und Bewussten von den nur abgeleitet ewigen und bewussten Jīvas. Er teilt ihnen die durch Wünsche und Karma bedingten Erfahrungen zu. Durch Sāṃkhya und Yoga wird ihre Ursache erkannt; mit dem Ende der Avidyā folgt Befreiung.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda deutet Sāṃkhya als selbsterhellende Erkenntnis und Yoga als Identitätseinsicht, achtgliedrige Übung oder vedisches Handeln. Der Herr verteilt die begehrten Erfahrungen, bleibt aber selbst jenseits aller Objektivierung. Die scheinbar widersprüchlichen Schriftaussagen lösen sich, weil Brahman kein Gegenstand von Wort oder Geist ist und dennoch als Selbst erkannt wird.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇas Rezension erweitert 6.13 um zwei zusätzliche Strophen: Auf die Schau des Ewigen im eigenen Selbst folgen die Aussage vom unaussprechlichen höchsten Glück und die Frage, ob es leuchte. Der Kommentar erklärt Wirkungsschluss, Sāṃkhya-Erkenntnis und Yoga als Zugänge, wobei Yoga wunschloses Handeln oder Geisteszügelung bedeuten kann. Die Ausgabe kennzeichnet diese Erweiterung als nur hier kommentiert.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat lässt den einen Herrn die begehrten Früchte gemäß Verdienst und Schuld verteilen. Weise erkennen ihn durch Sāṃkhya, verstanden als vedāntische Identitätserkenntnis, und durch Yoga, verstanden als Hören, Erwägen und tiefe Vergegenwärtigung. Nur aus dieser unmittelbaren Einsicht erwächst die endgültige Freiheit.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
tat kāraṇaṃ LV1958, ASS1927 ] tam kāraṇaṃ LV1958-app
Kritischer Apparat
<3>Der, als der Ew’ge den Nichtew’gen, Freude, Als Geist den Geistern schafft, als Einer Vielen, Wer dies Ursein durch Prüfung (sāṅkhyam) und Hingebung (yoga) Als Gott erkennt, wird frei von allen Banden.
<3: Die erste Hälfte = Kāṭh. 5,13. Unter sāṅkhyam und yoga können hier, wie schon die Parallele 1,3 dhyāna-yoga-anugatāḥ zeigt, nicht die spätern Systeme dieses Namens verstanden werden, da sie ja den Lehren unsrer Upanishad vielfach widersprechen, sondern nur, mit Śaṅkara (ad Brahmasūtra p. 417,6) zu reden, vaidikam jñānam dhyānaṃ ca.>
Paul Deussen - 1921
Him who is the constant among the inconstant, the intelligent among intelligences, The One among many, who grants desires,<1> That Cause, attainable by discrimination and abstraction (sāṅkhya-yoga)—By knowing God, one is released from all fetters!<2>
<1: These first two lines = Kaṭha 5. 13 a and b.>
<2: The last line of the stanza is repeated at 5. 13 d, etc.>
Robert Hume - 1921
He who, being One, creates the means of enjoyment (for) the many, is the Eternal of the Eternals, and the Intelligent of the Intelligent; having known that cause, knowable by knowledge (Sankhya) and self-control (Yoga) (a man) is released from all bonds.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
<3>Der, als der Ew’ge den Nichtew’gen, Freude, Als Geist den Geistern schafft, als Einer Vielen, Wer dies Ursein durch Prüfung (sāṅkhyam) und Hingebung (yoga) Als Gott erkennt, wird frei von allen Banden.
<3: Die erste Hälfte = Kāṭh. 5,13. Unter sāṅkhyam und yoga können hier, wie schon die Parallele 1,3 dhyāna-yoga-anugatāḥ zeigt, nicht die spätern Systeme dieses Namens verstanden werden, da sie ja den Lehren unsrer Upanishad vielfach widersprechen, sondern nur, mit Śaṅkara (ad Brahmasūtra p. 417,6) zu reden, vaidikam jñānam dhyānaṃ ca.>
Paul Deussen - 1897
<4>He is the eternal among eternals, the thinker among thinkers, who, though one, fulfils the desires of many. He who has known that cause which is to be apprehended by Sāṅkhya (philosophy) and Yoga (religious discipline), he is freed from all fetters.
<4: I have formerly translated this verse, according to the reading nityo ’nityānāṃ cetanaś cetanānām, the eternal thinker of non-eternal thoughts. This would be a true description of the Highest Self who, though himself eternal and passive, has to think (jīvātman) non-eternal thoughts. I took the first cetanaḥ in the sense of cettā, the second in the sense of cetanam. The commentators, however, take a different, and it may be, from their point, a more correct view. Śaṅkara says: ‘He is the eternal of the eternals, i.e. as he possesses eternity among living souls (jīvas), these living souls also may claim eternity. Or the eternals may be meant for earth, water, &c. And in the same way he is the thinker among thinkers.’ Śaṅkarānanda says: ‘He is eternal, imperishable, among eternal, imperishable things, such as the ether, &c. He is thinking among thinkers.’ Vijñānātman says: ‘The Highest Lord is the cause of eternity in eternal things on earth, and the cause of thought in the thinkers on earth.’ But he allows another construction, namely, that he is the eternal thinker of those who on earth are endowed with eternity and thought. In the end all these interpretations come to the same, viz. that there is only one eternal, and only one thinker, from whom all that is (or seems to be) eternal and all that is thought on earth is derived.>
F. Max Müller - 1884
He is the eternal one among those that are eternal,<1> the conscious one among those that are conscious,—the one among the many who dispenses desirable objects. Whoever knows this cause, the god who is to be comprehended by the Sānkhya and Yoga, is liberated from all bonds.
<1: That is among the souls. This view of the Sānkhya, adopted by the author, entirely deviates from the Vedānta. Śaṅkara tries to guard against this interpretation by stating, that the souls are said to be eternal by partaking of the eternity of the supreme spirit.>
Edward Röer - 1853

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