SVU 6.18-6.23: Zuflucht und Weitergabe
SVU 6.18-6.23: Zuflucht und Weitergabe

SVU 6.18-6.23: Befreiung, Geheimnis und Hingabe

Die Schlussverse nehmen Zuflucht beim makellosen Gott, würdigen Śvetāśvataras Lehre und binden ihr Verstehen an Reife sowie gleiche Hingabe zu Gott und Lehrer.

Śvetāśvatara Upaniṣad 6.18
यो ब्रह्माणं विदधाति पूर्वं यो वै वेदांश्च प्रहिणोति तस्मै |
yo brahmāṇaṃ, vidadhāti pūrvaṃ; yo vai vedāṃś ca, prahiṇoti tasmai | Analyse ▾ Analyse ▴
yaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Pronomen rel
welcher, der
brahmāṇam
Akkusativ Singular
Substantiv Maskulin
Brahmā, den Weltschöpfer
vidadhāti
3. Person Singular Aktiv Präsens
Präfix
Verbalwurzel
er erschafft, bringt hervor
pūrvam
Adverb
zuerst, am Anfang
yaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Pronomen rel
welcher, der
vai
Partikel
wahrlich, ja
vedān
Akkusativ Plural
Substantiv Maskulin
Veden, heilige Überlieferungen
ca
Partikel
und
prahiṇoti
3. Person Singular Aktiv Präsens
Präfix
Verbalwurzel
er sendet, übermittelt
tasmai
Dativ Singular Maskulin
Pronomen dem
ihm, jenem
तं ह देवमात्मबुद्धिप्रकाशं मुमुक्षुर्वै शरणमहं प्रपद्ये ||18||
taṃ ha devam, ātma-buddhi-prakāśaṃ; mumukṣur vai, śaraṇam ahaṃ prapadye ||18|| Analyse ▾ Analyse ▴
tam
Akkusativ Singular Maskulin
Pronomen dem
ihn, jenen
ha
Partikel
wahrlich, eben
devam
Akkusativ Singular
Substantiv Maskulin
Gott, das göttliche Wesen
ātma
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Maskulin
des Selbst, Selbsterkenntnis
buddhi
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Feminin
der Erkenntnis, Einsicht
prakāśam
Akkusativ Singular
Substantiv Maskulin
Licht, Erleuchter
mumukṣuḥ
Nominativ Singular Maskulin
Adjektiv
nach Befreiung verlangend
vai
Partikel
wahrlich, ja
śaraṇam
Akkusativ Singular
Substantiv Neutrum
Zuflucht, Schutz
aham
Nominativ Singular
Pronomen pers 1p
ich
prapadye
1. Person Singular Medial Präsens
Präfix
Verbalwurzel
ich nehme Zuflucht, begebe mich hin
Metrum: Pāda 1: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang — 10 Silben; Pāda 2: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 3: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang; Pāda 4: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang — 12 Silben
Derjenige, der (yaḥ | nom sg m) den Gott Brahmā (brahmāṇam | acc sg) erschafft (vidadhāti | 3p sg act pres) am Anfang (pūrvam), und der (yaḥ | nom sg m) wahrlich (vai) die Veden (vedān | acc pl) auch (ca) übermittelt (prahiṇoti | 3p sg act pres) ihm (tasmai | dat sg m): Zu jenem (tam | acc sg m) eben (ha), dem Gott (devam | acc sg), dem Erleuchter der Selbsterkenntnis (ātma-buddhi-prakāśam | acc sg), als nach Befreiung Verlangender (mumukṣuḥ | nom sg m), wahrhaftig (vai), Zuflucht (śaraṇam | acc sg) [suche] ich (aham | nom sg), indem ich mich [zu ihm] begebe (prapadye | 1p sg med pres).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Er erschuf am Anfang Brahmā und übergab ihm die Veden. Bei diesem Gott, der die Erkenntnis des Selbst erhellt, suche ich Zuflucht, weil ich nach Befreiung verlange.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya lässt den Herrn zuerst Hiraṇyagarbha hervorbringen und ihm die Veden übermitteln. Der Befreiungssuchende nimmt bei diesem Ursprung Zuflucht. Ātmabuddhiprakāśa kann das Erhellen der Selbsterkenntnis bezeichnen; die mitbedachte Lesart prasāda betont die Beruhigung der auf das Selbst gerichteten Buddhi.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda beschreibt den Herrn als Schöpfer Hiraṇyagarbhas und Geber der Veden. Er ist der Zeuge und Erheller der eigenen Buddhi. Wer bei ihm Zuflucht sucht, begehrt nicht eine endliche Gabe, sondern die Erkenntnis, die zur Befreiung führt.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa erklärt die Übermittlung der Veden an Hiraṇyagarbha und lässt Śvetāśvatara selbst als Sprecher der Zufluchtsbitte auftreten. Der Herr wird durch Unterweisung zugänglich und ist Erheller von Leib und Innenorgan. Die Bitte zielt ausdrücklich auf Befreiung.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat lässt den Herrn nach der kosmischen Auflösung Hiraṇyagarbha schaffen und ihm die verlorenen Veden erneut offenbaren. Ātmabuddhiprasāda bezeichnet die Klärung, ātmabuddhiprakāśa die Erhellung der auf das Selbst gerichteten Einsicht. Bei diesem Urheber von Schöpfung und Erkenntnis sucht der Befreiungswillige Schutz.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
ātmabuddhiprakāśaṃ LV1958, ASS1927 ] ātmabuddhiprasādam LV1958-app
Kritischer Apparat
Zu ihm, der den Gott Brahmán schuf zu Anfang, Und der ihm auch die Veden überliefert, Dem Gott, der sich erkennen läßt aus Gnade<4>, Nehm’ ich, Erlösung suchend, meine Zuflucht,—
<4: ātmā-buddhi-prasādam, wie Śāṅkara liest und auch der Zusammenhang vorziehen läßt; oder: ātmā-buddhi-prakāśam, „dem Gotte, dessen eigner Geist sein Licht ist“ (svayamjyotis Bṛh. 4,3,9).>
Paul Deussen - 1921
To Him who of old creates Brahmā, And who, verily, delivers to him the Vedas—To that God, who is lighted by his own intellect,<6> Do I, being desirous of liberation, resort as a shelter—
<6: Or, ‘who is the light of self-knowledge’; or, according to the variant reading ātma-buddhi-prasādam, ‘who through his own grace lets himself be known.’>
Robert Hume - 1921
Verily, as a seeker after salvation, I resort to the refuge (of) only that Luminous Being, who is the illuminator of spiritual understanding, who creates Brahma in the beginning (of creation) and who vouchsafes the Vedas unto Him.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Zu ihm, der den Gott Brahmán schuf zu Anfang, Und der ihm auch die Veden überliefert, Dem Gott, der sich erkennen läßt aus Gnade<4>, Nehm’ ich, Erlösung suchend, meine Zuflucht,—
<4: ātmā-buddhi-prasādam, wie Śāṅkara liest und auch der Zusammenhang vorziehen läßt; oder: ātmā-buddhi-prakāśam, „dem Gotte, dessen eigner Geist sein Licht ist“ (svayamjyotis Bṛh. 4,3,9).>
Paul Deussen - 1897
Seeking for freedom I go for refuge to that God who is the light of his own thoughts<8>, he who first creates Brahman (m.)<1> and delivers the Vedas to him;
<8: The MSS. vary between ātmabuddhiprakāśam and ātmabuddhiprasādam. The former reading is here explained by Śaṅkarānanda as svabuddhisākṣiṇam.>
<1: Explained as Hiraṇyagarbha.>
F. Max Müller - 1884
Let me, desirous of liberation, approach the protection of the God, the manifester of the knowledge of himself, who at first, (at the commencement of the creation) created Brahma, and who gave him the Vēdas;—
Edward Röer - 1853
Śvetāśvatara Upaniṣad 6.19
निष्कलं निष्क्रियं शान्तं निरवद्यं निरञ्जनम् |
niṣkalaṃ niṣkriyaṃ śāntaṃ; niravadyaṃ nirañjanam | Analyse ▾ Analyse ▴
niṣkalam
Akkusativ Singular Maskulin
Adjektiv
teillos, ohne Teile
niṣkriyam
Akkusativ Singular Maskulin
Adjektiv
untätig, ohne Wirken
śāntam
Akkusativ Singular Maskulin Partizip Perfekt Passiv
Verbalwurzel
beruhigt, friedvoll
niravadyam
Akkusativ Singular Maskulin
Adjektiv
untadelig, fehlerlos
nirañjanam
Akkusativ Singular Maskulin
Adjektiv
unbefleckt, makellos
अमृतस्य परं सेतुं दग्धेन्धनमिवानलम् ||19||
amṛtasya paraṃ setuṃ; dagdhendhanam ivānalam ||19|| Analyse ▾ Analyse ▴
amṛtasya
Genitiv Singular
Substantiv Neutrum
der Unsterblichkeit
param
Akkusativ Singular Maskulin
Adjektiv
höchste, jenseitige
setum
Akkusativ Singular
Substantiv Maskulin
Brücke, Damm
dagdha
Karmadhāraya-Kompositum Partizip Perfekt Passiv
Verbalwurzel
verbrannt
indhanam
Akkusativ Singular Maskulin
Substantiv Neutrum
dessen Brennstoff, Feuerholz
iva
Partikel
wie, gleichsam
analam
Akkusativ Singular
Substantiv Maskulin
Feuer
Metrum: Anuṣṭubh
[Er ist] teillos (niṣkalam | acc sg m), ohne Wirken (niṣkriyam | acc sg m), friedvoll (śāntam | acc sg m ppp), untadelig (niravadyam | acc sg m) [und] makellos (nirañjanam | acc sg m); der Unsterblichkeit (amṛtasya | gen sg) höchste Brücke (paraṃ setum | acc sg), mit verbranntem Brennstoff (dagdhendhanam | acc sg m), wie (iva) ein Feuer (analam | acc sg).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Er ist ohne Teile und ohne Wirken, friedvoll, untadelig und makellos. Er ist die höchste Brücke zur Unsterblichkeit und gleicht einem Feuer, dessen Brennstoff vollständig verzehrt ist.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya begründet Unwandelbarkeit durch Teil- und Handlungslosigkeit. Der Herr ist friedvoll, fehlerlos und unbefleckt. Als Brücke zur Unsterblichkeit führt er über den Saṃsāra; das Bild des Feuers nach verbranntem Brennstoff verdeutlicht einen Zustand, in dem die Ursache weiterer Bindung erloschen ist.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda verneint Teile, Tätigkeit und Veränderung sowie jede Berührung durch Avidyā und ihre Ursachen. Die höchste Brücke bildet die Grenze, jenseits deren Befreiung liegt. Wie Feuer nach dem Verbrauch des Brennstoffs bleibt das ruhige, makellose Selbst ohne neuen Anlass zur Entfaltung.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa bezieht die Teilfreiheit auf das Fehlen der sechzehn Kalās. Weil der Herr unveränderlich und vollständig ist, handelt er nicht im gewöhnlichen Sinn. Der höchste Übergang zur Unsterblichkeit schließt inhaltlich an die vorausgehende Zufluchtsbitte an.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat verteidigt jede Negation einzeln: Teillosigkeit schließt Umwandlung aus, Handlungslosigkeit Veränderung, Frieden jede Betätigung, Fehlerlosigkeit Bewusstlosigkeit und Unbeflecktheit wirkliche Verbindung mit der Ursachenkraft. Die entscheidende Brücke ist die Erkenntnis „Ich bin Brahman“, die Dualität wie ein Feuer seinen Brennstoff verzehrt.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
Der teillos, wirkungslos, ruhig, Ohne Tadel und fleckenlos, Höchste Unsterblichkeitsbrücke, Feuer gleich, wenn das Holz verbrannt.<5>
<5: Dasselbe wie die Kāṭh. 4,13 vorkommende „Flamme ohne Rauch“.>
Paul Deussen - 1921
To Him who is without parts, without activity, tranquil (śānta), Irreproachable, spotless, The highest bridge of immortality, Like a fire with fuel burned.<7>
<7: Cf. Kaṭha 4. 13 b, ‘Like a light without smoke.’>
Robert Hume - 1921
(I resort to Him who is) without parts, free from action, Unchangeable, Faultless, Untainted, the Supreme bridge (for the attainment of) salvation, (manifested) like fire which has consumed the fuel.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Der teillos, wirkungslos, ruhig, Ohne Tadel und fleckenlos, Höchste Unsterblichkeitsbrücke, Feuer gleich, wenn das Holz verbrannt.<5>
<5: Dasselbe wie die Kāṭh. 4,13 vorkommende „Flamme ohne Rauch“.>
Paul Deussen - 1897
Who is without parts, without actions, tranquil, without fault, without taint<2>, the highest bridge to immortality—like a fire that has consumed its fuel.
<2: Nirañjanam nirlepam.>
F. Max Müller - 1884
Who is without parts, without action, who is tranquil, blameless, without spot, the last bridge to immortality, (brilliant) like fire when it consumes the wood.
Edward Röer - 1853
Śvetāśvatara Upaniṣad 6.20
यदा चर्मवदाकाशं वेष्टयिष्यन्ति मानवाः |
yadā carmavad ākāśaṃ; veṣṭayiṣyanti mānavāḥ | Analyse ▾ Analyse ▴
yadā
Adverb
wenn, wann
carmavat
carmavat
Adverb
wie eine Haut, einem Fell gleich
ākāśam
Akkusativ Singular
Substantiv Neutrum
Raum, Himmel
veṣṭayiṣyanti
3. Person Plural Aktiv Futur Causativ
Verbalwurzel
sie werden einwickeln, zusammenrollen
mānavāḥ
Nominativ Plural
Substantiv Maskulin
Menschen
तदा देवमविज्ञाय दुःखस्यान्तो भविष्यति ||20||
tadā devam avijñāya; duḥkhasyānto bhaviṣyati ||20|| Analyse ▾ Analyse ▴
tadā
Adverb
dann
devam
Akkusativ Singular
Substantiv Maskulin
Gott, das göttliche Wesen
avijñāya
Absolutus
Präfix
Präfix
Verbalwurzel
ohne erkannt zu haben, ohne zu erkennen
duḥkhasya
Genitiv Singular
Substantiv Neutrum
des Leidens, Übels
antaḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Ende
bhaviṣyati
3. Person Singular Aktiv Futur
Verbalwurzel
wird sein, entstehen
Metrum: Anuṣṭubh
Wenn (yadā) wie ein Fell (carmavat) den Raum (ākāśam | acc sg) zusammenrollen werden (veṣṭayiṣyanti | 3p pl act fut caus) die Menschen (mānavāḥ | nom pl), dann (tadā) wird, Gott (devam | acc sg) nicht erkannt habend (avijñāya | abs), des Leidens (duḥkhasya | gen sg) Ende (antaḥ | nom sg) eintreten (bhaviṣyati | 3p sg act fut).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Erst wenn Menschen den Raum wie ein Fell zusammenrollen könnten, wäre es möglich, dem Leiden ein Ende zu setzen, ohne Gott erkannt zu haben. So unmöglich das eine ist, so unmöglich ist auch das andere.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya macht das Einhüllen des Himmels in eine Haut zum Bild des Unmöglichen. Ebenso wenig endet ohne Selbsterkenntnis der Saṃsāra. Nur das Wissen um den Herrn beendet die drei Arten des Leidens und den Kreislauf wiederholter Geburt.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda nimmt den unmöglichen Himmelsmantel als strengen Vergleich. Ohne die unmittelbare Erkenntnis „Ich bin Brahman“ gibt es kein Ende des dreifachen Leidens. Äußere Leistungen können die grundlegende Verwechslung des Selbst nicht ersetzen.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa prüft drei Lesarten. Eine bloße Ruhe der Jīvas in der Auflösung beendet Leid, schenkt aber noch keine Freude; eine zweite Deutung verbindet völlige Entsagung mit Befreiung. Als Lehrentscheidung bevorzugt er den Unmöglichkeitsvergleich: So wenig der formlose Himmel in Haut gehüllt werden kann, so wenig gibt es Mokṣa ohne Gotteserkenntnis.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat versteht das Umhüllen des Himmels als offenkundig unmöglich. Ebenso unmöglich ist Befreiung, solange der teillose, handlungsfreie und unbefleckte Herr nicht als Selbst erkannt wird. Der Kommentar erwägt zusätzlich die Formulierung „ohne Erkenntnis des Śiva“, hält aber am Primat der Erkenntnis fest.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
Ja, wenn man sich erst wird wickeln In den Luftraum wie in ein Kleid,—Dann wird auch ohne Gottwissen Des Leids Ende erreichbar sein.<1>
<1: Dieser Vers weist unverkennbar auf Richtungen hin, welche, wie später Sāṅkhyam und Buddhismus, nach einem Ende der Leiden ohne Anlehnung an theologische Vorstellungen suchten.>
Paul Deussen - 1921
When men shall roll up space As it were a piece of leather,<1> Then will there be an end of evil Apart from knowing God!
<1: That is, when the impossible becomes possible.>
Robert Hume - 1921
When human beings, not knowing the Luminous Being, will put on the sky (ether) like skin, then there will be the end of (their) misery.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Ja, wenn man sich erst wird wickeln In den Luftraum wie in ein Kleid,—Dann wird auch ohne Gottwissen Des Leids Ende erreichbar sein.<1>
<1: Dieser Vers weist unverkennbar auf Richtungen hin, welche, wie später Sāṅkhyam und Buddhismus, nach einem Ende der Leiden ohne Anlehnung an theologische Vorstellungen suchten.>
Paul Deussen - 1897
Only when men shall roll up the sky like a hide, will there be an end of misery, unless God has first been known<3>.
<3: Śaṅkarānanda reads tadā śivam avijñāya duḥkhasyānto bhaviṣyati; Vijñānātman retains devam but mentions śivam as a various reading. Both have anto, not antam, like Roer. Śaṅkara seems to have found na before bhaviṣyati, or to have read duḥkhānto na bhaviṣyati, for he explains that there will be no end of misery, unless God has first been known. It is possible, however, that the same idea may be expressed in the text as we read it, so that it should mean, Only when the impossible shall happen, such as the sky being rolled up by men, will misery cease, unless God has been discovered in the heart.>
F. Max Müller - 1884
Until man is able to compress the ether like leather, there will be no end of misery, except through the knowledge of God.
Edward Röer - 1853
Śvetāśvatara Upaniṣad 6.21
तपःप्रभावाद्देवप्रसादाच्च ब्रह्म ह श्वेताश्वतरो ऽथ विद्वान् |
tapaḥ-prabhāvād, deva-prasādāc ca; brahma ha, śvetāśvataro 'tha vidvān | Analyse ▾ Analyse ▴
tapas
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Neutrum
der Askese, Glut
prabhāvāt
Ablativ Singular
Substantiv Maskulin
durch die Kraft, infolge der Wirkung
deva
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Maskulin
Gottes
prasādāt
Ablativ Singular
Substantiv Maskulin
durch die Gnade, infolge der Huld
ca
Partikel
und
brahma
Akkusativ Singular
Substantiv Neutrum
Brahman, das heilige Wissen
ha
Partikel
wahrlich, gewiss
śvetāśvataraḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Śvetāśvatara
atha
Partikel
nun, darauf
vidvān
Nominativ Singular Maskulin Partizip Perfekt Aktiv
Verbalwurzel
wissend, der Weise
अत्याश्रमिभ्यः परमं पवित्रं प्रोवाच सम्यगृषिसङ्घजुष्टम् ||21||
atyāśramibhyaḥ, paramaṃ pavitraṃ; provāca samyag, ṛṣi-saṅgha-juṣṭam ||21|| Analyse ▾ Analyse ▴
ati
Wortbildung
Präfix
über, hinaus
āśramibhyaḥ
Dativ Plural
Substantiv Maskulin
den Asketen, Angehörigen der Lebensstufen
paramam
Akkusativ Singular Neutrum
Adjektiv
höchstes, oberstes
pavitram
Akkusativ Singular
Substantiv Neutrum
Läuterungsmittel, Heiligstes
provāca
3. Person Singular Aktiv Perfekt
Präfix
Verbalwurzel
er verkündete, sprach aus
samyak
Adverb
richtig, vollständig
ṛṣi
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Maskulin
der Seher, Weisen
saṅgha
Tatpuruṣa-Kompositum Instrumentalis
Substantiv Maskulin
durch die Gemeinschaft, Versammlung
juṣṭam
Akkusativ Singular Neutrum Partizip Perfekt Passiv
Verbalwurzel
gepflegt, gebilligt
Metrum: Pāda 1: Triṣṭubh; Pāda 2: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 3: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 4: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang
Durch die Kraft der Askese (tapaḥ-prabhāvāt | abl sg), durch Gottes Gnade (deva-prasādāt | abl sg) gleichermaßen (ca): Brahman (brahma | acc sg) wahrlich (ha) [ist es, das] Śvetāśvatara (śvetāśvataraḥ | nom sg) darauf (atha), der Weise (vidvān | nom sg m ppa), den höchsten Asketen (atyāśramibhyaḥ | dat pl) als das höchste Läuterungsmittel (paramaṃ pavitram | acc sg) verkündete (provāca | 3p sg act perf), vollständig (samyak), [als] von der Gemeinschaft der Seher gebilligt (ṛṣi-saṅgha-juṣṭam | acc sg n ppp).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Durch die Kraft seiner Askese und durch Gottes Gnade erkannte der Weise Śvetāśvatara Brahman. Er verkündete diese höchste und vollkommen läuternde Lehre den weit fortgeschrittenen Asketen, bestätigt von der Gemeinschaft der Seher.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya fasst Tapas als asketisch-rituelle Übung und als Einspitzigkeit des Geistes. Durch göttliche Gnade verwirklicht Śvetāśvatara Brahman und überliefert die reine Lehre an hochverehrte Atyāśramins, besonders Paramahaṃsa-Entsagende. Weise machen diese Überlieferung zum Gegenstand ihrer Verehrung.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda deutet den Namen Śvetāśvatara als einen, dessen „weiße Pferde“, die Sinne, nicht mehr ausschweifen. Nach achtgliedrigem Yoga und den vier Voraussetzungen wird er durch Gnade zum unmittelbaren Kenner. Die Atyāśramins sind Paramahaṃsas, die sogar die vierte Lebensstufe überschreiten.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa verbindet Tapas und göttliche Gnade mit Śvetāśvataras Vollendung. Seine Textgestalt liest antyāśramibhyaḥ und versteht darunter Entsagende der letzten Lebensstufe. An diese übermittelt der Seher die höchste Brahmanlehre.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat umfasst unter Tapas körperliche, sprachliche und geistige Disziplin sowie Erkenntnisübung. Durch Gnade wird Śvetāśvatara zu einem kundigen Lehrer, dessen Worte unmittelbares Erkennen auslösen. Die Atyāśramins sind Paramahaṃsas, denen die höchste Lehre angemessen ist.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
devaprasādāc ca LV1958, ASS1927 ] devaprasādāt Deussen apud LV1958-app

atyāśramibhyaḥ LV1958 ] antyāśramibhyaḥ LV1958-app
Kritischer Apparat
Gestärkt durch Buße, mit dem Veda begnadigt, Fand Brahman Shvetāshvatara und lehrt’ es, Als höchstes Heiligungsmittel gern genossen, Dem Rishi-Kreis der Āshrama-Erhabnen.
Paul Deussen - 1921
By the efficacy of his austerity and by the grace of God (deva-prasāda) The wise Śvetāśvatara in proper manner declared Brahma Unto the ascetics of the most advanced stage as the supreme means of purification—This which is well pleasing to the company of seers.
Robert Hume - 1921
By the power of penance (and self-control) and by the grace of God, Svetasvatara (first) knowing Brahm, thoroughly expounded to the most respectable Sannyāsis (called Paramahamsa) the Holy, Supreme Being well-served by groups of sages.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Gestärkt durch Buße, mit dem Veda begnadigt, Fand Brahman Shvetāshvatara und lehrt’ es, Als höchstes Heiligungsmittel gern genossen, Dem Rishi-Kreis der Āshrama-Erhabnen.
Paul Deussen - 1897
Through the power of his penance and through the grace of God<4> has the wise Śvetāśvatara truly<5> proclaimed Brahman, the highest and holiest, to the best of ascetics<6>, as approved by the company of Rishis.
<4: The MSS. read devaprasādāt, which is more in keeping with the character of this Upanishad.>
<5: Samyak may be both adverb and adjective in this sentence, kākākṣiṇyāyena.>
<6: Atyāśramin is explained by Śaṅkara as atyantam pūjyatamāśramibhyaḥ; and he adds, caturvidhā bhikṣavaś ca bahūdakakuṭīcakau, Haṃsaḥ paramahaṃsaś ca yo yaḥ paścāt sa uttamaḥ. Weber (Indische Studien, II, 109) has himself corrected his mistake of reading antyāśramibhyaḥ, and translating it by neighbouring hermits. These four stages in the life of a Sannyāsin are the same to-day as they were in the time of the Upanishads, and Dayānanda Sarasvatī describes them in his autobiography, though in a different order: 1. Kuṭīcaka, living in a hut, or in a desolate place, and wearing a red-ochre coloured garment, carrying a three-knotted bamboo rod, and wearing the hair in the centre of the crown of the head, having the sacred thread, and devoting oneself to the contemplation of Parabrahma. 2. Bahūdaka, one who lives quite apart from his family and the world, maintains himself on alms collected at seven houses, and wears the same kind of reddish garment. 3. Haṃsa, the same as in the preceding case, except the carrying of only a one-knotted bamboo. 4. Paramahaṃsa, the same as the others; but the ascetic wears the sacred thread, and his hair and beard are quite long. This is the highest of all orders. A Paramahaṃsa who shows himself worthy is on the very threshold of becoming a Dīkṣita.>
F. Max Müller - 1884
The sage Śvetāśvatara, by the power of his austerity and the grace of God, has verily declared to the most excellent of the four orders, the supreme holy Brahma, who is adored as all in all by all the Rishis.
Edward Röer - 1853
Śvetāśvatara Upaniṣad 6.22
वेदान्ते परमं गुह्यं पुराकल्पे प्रचोदितम् |
vedānte paramaṃ guhyaṃ; purā-kalpe pracoditam | Analyse ▾ Analyse ▴
vedānte
Lokativ Singular
Substantiv Maskulin
im Vedānta, am Ende des Veda
paramam
Nominativ Singular Neutrum
Adjektiv
höchstes, oberstes
guhyam
Nominativ Singular
Substantiv Neutrum
Geheimnis
purā
Karmadhāraya-Kompositum
Adverb
vormals, in alter Zeit
kalpe
Lokativ Singular
Substantiv Maskulin
in einer Weltperiode, in alter Zeit
pracoditam
Nominativ Singular Neutrum Partizip Perfekt Passiv
Präfix
Verbalwurzel
verkündet, gelehrt
नाप्रशान्ताय दातव्यं नापुत्रायाशिष्याय वा पुनः ||22||
nāpraśāntāya dātavyaṃ; nāputrāyāśiṣyāya vā punaḥ ||22|| Analyse ▾ Analyse ▴
na
Partikel
nicht
apraśāntāya
Dativ Singular Maskulin Partizip Perfekt Passiv
Präfix
Präfix
Verbalwurzel
dem Unberuhigten, Ungefestigten
dātavyam
Nominativ Singular Neutrum Partizip Futur Passiv
Verbalwurzel
zu geben, weiterzugeben
na
Partikel
nicht
aputrāya
Dativ Singular Maskulin
Präfix
Substantiv Maskulin
einem, der kein Sohn ist
aśiṣyāya
Dativ Singular Maskulin
Präfix
Substantiv Maskulin
einem, der kein Schüler ist
vā
Partikel
oder
punaḥ
Adverb
wiederum, ferner
Metrum: Pāda 1: Anuṣṭubh; Pāda 2: Anuṣṭubh; Pāda 3: Anuṣṭubh; Pāda 4: Anuṣṭubh — 10 statt 8 Silben
Im Vedānta (vedānte | loc sg) [ist] das höchste Geheimnis (paramaṃ guhyam | nom sg), in einer früheren Weltperiode (purā-kalpe | loc sg) verkündet (pracoditam | nom sg n ppp). Nicht (na) dem Unberuhigten (apraśāntāya | dat sg m ppp) ist [es] zu geben (dātavyam | nom sg n pfp); nicht (na) einem, der kein Sohn ist (aputrāya | dat sg m), [noch] einem, der kein Schüler ist (aśiṣyāya | dat sg m), oder (vā) [auch] wiederum (punaḥ) [nicht].
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Dieses höchste Geheimnis des Vedānta wurde schon in einer früheren Weltzeit gelehrt. Es soll weder einem innerlich Unfriedlichen noch jemandem anvertraut werden, der nicht in der engen Beziehung eines Sohnes oder Schülers zur Überlieferung steht.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya beschränkt die geheime Lehre auf einen friedvollen, nach langer Prüfung als geeignet erkannten Sohn oder Schüler. Zuneigung allein rechtfertigt keine Weitergabe an einen Unqualifizierten. Die Lehrer-Schüler-Linie schützt so Inhalt und Wirksamkeit des höchsten Vedānta.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda verlangt einen ruhigen, hingebungsvollen Sohn oder einen ebenso geeigneten Schüler. Weder Verwandtschaft noch Sympathie genügt ohne Befähigung. Purākalpa kann als alte Überlieferung, Vorschrift oder Lob verstanden werden und unterstreicht die Geheimhaltung des höchsten Wissens.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa spricht von sechs möglichen Übermittlungswegen, lässt für die Selbsterkenntnis aber nur zwei ausdrücklich zu: den friedvollen Sohn und den qualifizierten Schüler, jeweils von Hingabe getragen. Andere Empfänger bleiben ausgeschlossen. Der höchste Vedānta wird so innerhalb einer geprüften Überlieferung weitergegeben.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat verankert die Lehre in einer alten, fortlaufenden Überlieferung. Sie darf nur einem innerlich befriedeten Sohn oder einem entsprechend vorbereiteten Schüler gegeben werden. Qualifikation und Vertrauen sind sachliche Bedingungen dafür, dass die geheime Unterweisung tatsächlich zur Erkenntnis führt.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
Vor Zeiten ward im Vedānta Höchstes Geheimnis ausgebracht; Keinem gebt es, der nicht ruhig, Der nicht Sohn oder auch Schüler ist.
Paul Deussen - 1921
The supreme mystery in the Veda’s End (Vedānta), Which has been declared in former time, Should not be given to one not tranquil, Nor again to one who is not a son or a pupil.<2>
<2: Similar restrictions are imposed at Bṛh. 6. 3. 12 and Maitri 6. 29.>
Robert Hume - 1921
This knowledge, extremely confidential in the Vedānta, and taught in the previous creation, should not be imparted to one whose (heart) has not been purified, nor to one who is not a (pure-hearted) son, nor to one who is not a (pure-hearted) disciple.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Vor Zeiten ward im Vedānta Höchstes Geheimnis ausgebracht; Keinem gebt es, der nicht ruhig, Der nicht Sohn oder auch Schüler ist.
Paul Deussen - 1897
This highest mystery in the Vedānta, delivered in a former age, should not be given to one whose passions have not been subdued, nor to one who is not a son, or who is not a pupil<1>.
<1: Cf. Bṛh. Up. VI, 3, 12; Maitr. Up. VI, 29.>
F. Max Müller - 1884
The deepest mystery of the Vēdānta is not to be declared to a son, or again to a pupil, whose (mind or senses) are not subdued.
Edward Röer - 1853
Śvetāśvatara Upaniṣad 6.23
यस्य देवे परा भक्तिर्यथा देवे तथा गुरौ |
yasya deve parā bhaktir; yathā deve tathā gurau | Analyse ▾ Analyse ▴
yasya
Genitiv Singular Maskulin
Pronomen rel
dessen, wessen
deve
Lokativ Singular
Substantiv Maskulin
zu Gott, in Gott
parā
Nominativ Singular Feminin
Adjektiv
höchste, vollkommene
bhaktiḥ
Nominativ Singular
Substantiv Feminin
Hingabe, Verehrung
yathā
Adverb
wie, so wie
deve
Lokativ Singular
Substantiv Maskulin
zu Gott, in Gott
tathā
Adverb
ebenso, so
gurau
Lokativ Singular
Substantiv Maskulin
zum Lehrer, beim Lehrer
तस्यैते कथिता ह्यर्थाः प्रकाशन्ते महात्मनः प्रकाशन्ते महात्मन इति ||23||
tasyaite kathitā hy arthāḥ; prakāśante mahātmanaḥ; prakāśante mahātmana; iti ||23|| Analyse ▾ Analyse ▴
tasya
Genitiv Singular Maskulin
Pronomen dem
dessen, ihm
ete
Nominativ Plural Maskulin
Pronomen dem
diese
kathitāḥ
Nominativ Plural Maskulin Partizip Perfekt Passiv
Verbalwurzel
verkündet, dargelegt
hi
Partikel
denn, wahrlich
arthāḥ
Nominativ Plural
Substantiv Maskulin
Bedeutungen, Lehren
prakāśante
3. Person Plural Medial Präsens
Präfix
Verbalwurzel
sie werden offenbar, leuchten auf
mahātmanaḥ
Genitiv Singular
Substantiv Maskulin
des Hochgesinnten, der großen Seele
prakāśante
3. Person Plural Medial Präsens
Präfix
Verbalwurzel
sie werden offenbar, leuchten auf
mahātmanaḥ
Genitiv Singular
Substantiv Maskulin
des Hochgesinnten, der großen Seele
iti
Partikel
so, hiermit
Metrum: Pāda 1: Anuṣṭubh; Pāda 2: Anuṣṭubh; Pāda 3: Anuṣṭubh; Pāda 4: Anuṣṭubh; Pāda 5: Anuṣṭubh; iti: außermetrisch
Bei wem (yasya | gen sg m) zu Gott (deve | loc sg) höchste Hingabe (parā bhaktiḥ | nom sg) [besteht], wie (yathā) zu Gott (deve | loc sg), ebenso (tathā) zum Lehrer (gurau | loc sg): Für ihn (tasya | gen sg m) werden diese (ete | nom pl m) dargelegten (kathitāḥ | nom pl m ppp) – eben (hi) die Lehren (arthāḥ | nom pl) – offenbar (prakāśante | 3p pl med pres), für den Hochgesinnten (mahātmanaḥ | gen sg); sie werden offenbar (prakāśante | 3p pl med pres) für den Hochgesinnten (mahātmanaḥ | gen sg) – so (iti).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Wer Gott mit höchster Hingabe verehrt und seinem Lehrer dieselbe Hingabe entgegenbringt, dem erschließen sich die hier dargelegten Lehren. Einem solchen hochgesinnten Menschen werden sie wirklich offenbar – so endet die Unterweisung.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya fordert höchste, nicht bloß bildliche Hingabe an Gott und ebenso an den Guru. Ohne die Gnade des Lehrers ist Brahmavidyā schwer zugänglich. Beim hingebungsvollen Mahātman werden die Upaniṣad-Bedeutungen zur eigenen Erfahrung; die Wiederholung ehrt diese Aussage und beschließt das Werk.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda bestimmt Gotteshingabe als Übergabe von Körper, Sinnen und Geist an die erwählte Gottheit. Dieselbe, sogar besonders sorgsame Hingabe gilt dem Guru: Einen gekränkten Lehrer könne selbst die Gottheit nicht einfach ersetzen. Dem ichfreien Mahātman leuchten deshalb die gelehrten Bedeutungen auf.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa nennt die Hingabe an den Guru ein ebenso enges und unmittelbares Mittel wie die Gotteshingabe. Die Wiederholung der Schlussaussage dient nach seiner knappen Erklärung dem Abschluss der Upaniṣad.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat versteht die gleiche, vorbehaltlose Hingabe an Gott und Guru aus der Einsicht in ihre Einheit. Durch sie werden die Bedeutungen der Lehre im geläuterten Inneren offenbar; deshalb ist diese Bhakti bewusst zu pflegen. Die Wiederholung würdigt ihren Rang und markiert den Schluss.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
iti LV1958 ] om. ASS1927
Kritischer Apparat
Doch wer zuhöchst an Gott gläubig, Wie an Gott an den Lehrer auch, Dem, wenn er hohen Sinns, werden Diese Lehren Erleuchtung sein,—diese Lehren Erleuchtung sein.
Paul Deussen - 1921
To him who has the highest devotion (bhakti) for God, And for his spiritual teacher (guru) even as for God, To him these matters which have been declared Become manifest [if he be] a great soul (mahātman)—Yea, become manifest [if he be] a great soul!
Robert Hume - 1921
These subjects, as described (above) are revealed to that great soul who has devotion to God, and as much devotion to (his) preceptor as God.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Doch wer zuhöchst an Gott gläubig, Wie an Gott an den Lehrer auch, Dem, wenn er hohen Sinns, werden Diese Lehren Erleuchtung sein,—diese Lehren Erleuchtung sein.
Paul Deussen - 1897
If these truths have been told to a high-minded man, who feels the highest devotion for God, and for his Guru as for God, then they will shine forth,—then they will shine forth indeed.
F. Max Müller - 1884
To the high-minded who has an absolute reliance in God, and as in God, also in the teacher, reveal themselves the meanings, declared (in this Upanishad), reveal themselves those meanings.
Edward Röer - 1853

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