Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya begründet Unwandelbarkeit durch Teil- und Handlungslosigkeit. Der Herr ist friedvoll, fehlerlos und unbefleckt. Als Brücke zur Unsterblichkeit führt er über den Saṃsāra; das Bild des Feuers nach verbranntem Brennstoff verdeutlicht einen Zustand, in dem die Ursache weiterer Bindung erloschen ist.
Śaṅkarānanda verneint Teile, Tätigkeit und Veränderung sowie jede Berührung durch Avidyā und ihre Ursachen. Die höchste Brücke bildet die Grenze, jenseits deren Befreiung liegt. Wie Feuer nach dem Verbrauch des Brennstoffs bleibt das ruhige, makellose Selbst ohne neuen Anlass zur Entfaltung.
Nārāyaṇa bezieht die Teilfreiheit auf das Fehlen der sechzehn Kalās. Weil der Herr unveränderlich und vollständig ist, handelt er nicht im gewöhnlichen Sinn. Der höchste Übergang zur Unsterblichkeit schließt inhaltlich an die vorausgehende Zufluchtsbitte an.
Vijñānabhagavat verteidigt jede Negation einzeln: Teillosigkeit schließt Umwandlung aus, Handlungslosigkeit Veränderung, Frieden jede Betätigung, Fehlerlosigkeit Bewusstlosigkeit und Unbeflecktheit wirkliche Verbindung mit der Ursachenkraft. Die entscheidende Brücke ist die Erkenntnis „Ich bin Brahman“, die Dualität wie ein Feuer seinen Brennstoff verzehrt.
<5: Dasselbe wie die Kāṭh. 4,13 vorkommende „Flamme ohne Rauch“.>
<7: Cf. Kaṭha 4. 13 b, ‘Like a light without smoke.’>
<5: Dasselbe wie die Kāṭh. 4,13 vorkommende „Flamme ohne Rauch“.>
<2: Nirañjanam nirlepam.>
Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya macht das Einhüllen des Himmels in eine Haut zum Bild des Unmöglichen. Ebenso wenig endet ohne Selbsterkenntnis der Saṃsāra. Nur das Wissen um den Herrn beendet die drei Arten des Leidens und den Kreislauf wiederholter Geburt.
Śaṅkarānanda nimmt den unmöglichen Himmelsmantel als strengen Vergleich. Ohne die unmittelbare Erkenntnis „Ich bin Brahman“ gibt es kein Ende des dreifachen Leidens. Äußere Leistungen können die grundlegende Verwechslung des Selbst nicht ersetzen.
Nārāyaṇa prüft drei Lesarten. Eine bloße Ruhe der Jīvas in der Auflösung beendet Leid, schenkt aber noch keine Freude; eine zweite Deutung verbindet völlige Entsagung mit Befreiung. Als Lehrentscheidung bevorzugt er den Unmöglichkeitsvergleich: So wenig der formlose Himmel in Haut gehüllt werden kann, so wenig gibt es Mokṣa ohne Gotteserkenntnis.
Vijñānabhagavat versteht das Umhüllen des Himmels als offenkundig unmöglich. Ebenso unmöglich ist Befreiung, solange der teillose, handlungsfreie und unbefleckte Herr nicht als Selbst erkannt wird. Der Kommentar erwägt zusätzlich die Formulierung „ohne Erkenntnis des Śiva“, hält aber am Primat der Erkenntnis fest.
<1: Dieser Vers weist unverkennbar auf Richtungen hin, welche, wie später Sāṅkhyam und Buddhismus, nach einem Ende der Leiden ohne Anlehnung an theologische Vorstellungen suchten.>
<1: That is, when the impossible becomes possible.>
<1: Dieser Vers weist unverkennbar auf Richtungen hin, welche, wie später Sāṅkhyam und Buddhismus, nach einem Ende der Leiden ohne Anlehnung an theologische Vorstellungen suchten.>
<3: Śaṅkarānanda reads tadā śivam avijñāya duḥkhasyānto bhaviṣyati; Vijñānātman retains devam but mentions śivam as a various reading. Both have anto, not antam, like Roer. Śaṅkara seems to have found na before bhaviṣyati, or to have read duḥkhānto na bhaviṣyati, for he explains that there will be no end of misery, unless God has first been known. It is possible, however, that the same idea may be expressed in the text as we read it, so that it should mean, Only when the impossible shall happen, such as the sky being rolled up by men, will misery cease, unless God has been discovered in the heart.>
tapaḥ-prabhāvād, deva-prasādāc ca; brahma ha, śvetāśvataro 'tha vidvān | Analyse ▾ Analyse ▴
|
tapas
|
der Askese, Glut | |
|
prabhāvāt
|
durch die Kraft, infolge der Wirkung | |
|
deva
|
Gottes | |
|
prasādāt
|
durch die Gnade, infolge der Huld | |
|
ca
|
und | |
|
brahma
|
Brahman, das heilige Wissen | |
|
ha
|
wahrlich, gewiss | |
|
śvetāśvataraḥ
|
Śvetāśvatara | |
|
atha
|
nun, darauf | |
|
vidvān
|
wissend, der Weise |
atyāśramibhyaḥ, paramaṃ pavitraṃ; provāca samyag, ṛṣi-saṅgha-juṣṭam ||21|| Analyse ▾ Analyse ▴
|
ati
|
über, hinaus | |
|
āśramibhyaḥ
|
den Asketen, Angehörigen der Lebensstufen | |
|
paramam
|
höchstes, oberstes | |
|
pavitram
|
Läuterungsmittel, Heiligstes | |
|
provāca
|
er verkündete, sprach aus | |
|
samyak
|
richtig, vollständig | |
|
ṛṣi
|
der Seher, Weisen | |
|
saṅgha
|
durch die Gemeinschaft, Versammlung | |
|
juṣṭam
|
gepflegt, gebilligt |
Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya fasst Tapas als asketisch-rituelle Übung und als Einspitzigkeit des Geistes. Durch göttliche Gnade verwirklicht Śvetāśvatara Brahman und überliefert die reine Lehre an hochverehrte Atyāśramins, besonders Paramahaṃsa-Entsagende. Weise machen diese Überlieferung zum Gegenstand ihrer Verehrung.
Śaṅkarānanda deutet den Namen Śvetāśvatara als einen, dessen „weiße Pferde“, die Sinne, nicht mehr ausschweifen. Nach achtgliedrigem Yoga und den vier Voraussetzungen wird er durch Gnade zum unmittelbaren Kenner. Die Atyāśramins sind Paramahaṃsas, die sogar die vierte Lebensstufe überschreiten.
Nārāyaṇa verbindet Tapas und göttliche Gnade mit Śvetāśvataras Vollendung. Seine Textgestalt liest antyāśramibhyaḥ und versteht darunter Entsagende der letzten Lebensstufe. An diese übermittelt der Seher die höchste Brahmanlehre.
Vijñānabhagavat umfasst unter Tapas körperliche, sprachliche und geistige Disziplin sowie Erkenntnisübung. Durch Gnade wird Śvetāśvatara zu einem kundigen Lehrer, dessen Worte unmittelbares Erkennen auslösen. Die Atyāśramins sind Paramahaṃsas, denen die höchste Lehre angemessen ist.
atyāśramibhyaḥ LV1958 ] antyāśramibhyaḥ LV1958-app
<4: The MSS. read devaprasādāt, which is more in keeping with the character of this Upanishad.>
<5: Samyak may be both adverb and adjective in this sentence, kākākṣiṇyāyena.>
<6: Atyāśramin is explained by Śaṅkara as atyantam pūjyatamāśramibhyaḥ; and he adds, caturvidhā bhikṣavaś ca bahūdakakuṭīcakau, Haṃsaḥ paramahaṃsaś ca yo yaḥ paścāt sa uttamaḥ. Weber (Indische Studien, II, 109) has himself corrected his mistake of reading antyāśramibhyaḥ, and translating it by neighbouring hermits. These four stages in the life of a Sannyāsin are the same to-day as they were in the time of the Upanishads, and Dayānanda Sarasvatī describes them in his autobiography, though in a different order: 1. Kuṭīcaka, living in a hut, or in a desolate place, and wearing a red-ochre coloured garment, carrying a three-knotted bamboo rod, and wearing the hair in the centre of the crown of the head, having the sacred thread, and devoting oneself to the contemplation of Parabrahma. 2. Bahūdaka, one who lives quite apart from his family and the world, maintains himself on alms collected at seven houses, and wears the same kind of reddish garment. 3. Haṃsa, the same as in the preceding case, except the carrying of only a one-knotted bamboo. 4. Paramahaṃsa, the same as the others; but the ascetic wears the sacred thread, and his hair and beard are quite long. This is the highest of all orders. A Paramahaṃsa who shows himself worthy is on the very threshold of becoming a Dīkṣita.>
nāpraśāntāya dātavyaṃ; nāputrāyāśiṣyāya vā punaḥ ||22|| Analyse ▾ Analyse ▴
Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya beschränkt die geheime Lehre auf einen friedvollen, nach langer Prüfung als geeignet erkannten Sohn oder Schüler. Zuneigung allein rechtfertigt keine Weitergabe an einen Unqualifizierten. Die Lehrer-Schüler-Linie schützt so Inhalt und Wirksamkeit des höchsten Vedānta.
Śaṅkarānanda verlangt einen ruhigen, hingebungsvollen Sohn oder einen ebenso geeigneten Schüler. Weder Verwandtschaft noch Sympathie genügt ohne Befähigung. Purākalpa kann als alte Überlieferung, Vorschrift oder Lob verstanden werden und unterstreicht die Geheimhaltung des höchsten Wissens.
Nārāyaṇa spricht von sechs möglichen Übermittlungswegen, lässt für die Selbsterkenntnis aber nur zwei ausdrücklich zu: den friedvollen Sohn und den qualifizierten Schüler, jeweils von Hingabe getragen. Andere Empfänger bleiben ausgeschlossen. Der höchste Vedānta wird so innerhalb einer geprüften Überlieferung weitergegeben.
Vijñānabhagavat verankert die Lehre in einer alten, fortlaufenden Überlieferung. Sie darf nur einem innerlich befriedeten Sohn oder einem entsprechend vorbereiteten Schüler gegeben werden. Qualifikation und Vertrauen sind sachliche Bedingungen dafür, dass die geheime Unterweisung tatsächlich zur Erkenntnis führt.
<2: Similar restrictions are imposed at Bṛh. 6. 3. 12 and Maitri 6. 29.>
<1: Cf. Bṛh. Up. VI, 3, 12; Maitr. Up. VI, 29.>
tasyaite kathitā hy arthāḥ; prakāśante mahātmanaḥ; prakāśante mahātmana; iti ||23|| Analyse ▾ Analyse ▴
|
tasya
|
dessen, ihm | |
|
ete
|
diese | |
|
kathitāḥ
|
verkündet, dargelegt | |
|
hi
|
denn, wahrlich | |
|
arthāḥ
|
Bedeutungen, Lehren | |
|
prakāśante
|
sie werden offenbar, leuchten auf | |
|
mahātmanaḥ
|
des Hochgesinnten, der großen Seele | |
|
prakāśante
|
sie werden offenbar, leuchten auf | |
|
mahātmanaḥ
|
des Hochgesinnten, der großen Seele | |
|
iti
|
so, hiermit |
Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya fordert höchste, nicht bloß bildliche Hingabe an Gott und ebenso an den Guru. Ohne die Gnade des Lehrers ist Brahmavidyā schwer zugänglich. Beim hingebungsvollen Mahātman werden die Upaniṣad-Bedeutungen zur eigenen Erfahrung; die Wiederholung ehrt diese Aussage und beschließt das Werk.
Śaṅkarānanda bestimmt Gotteshingabe als Übergabe von Körper, Sinnen und Geist an die erwählte Gottheit. Dieselbe, sogar besonders sorgsame Hingabe gilt dem Guru: Einen gekränkten Lehrer könne selbst die Gottheit nicht einfach ersetzen. Dem ichfreien Mahātman leuchten deshalb die gelehrten Bedeutungen auf.
Nārāyaṇa nennt die Hingabe an den Guru ein ebenso enges und unmittelbares Mittel wie die Gotteshingabe. Die Wiederholung der Schlussaussage dient nach seiner knappen Erklärung dem Abschluss der Upaniṣad.
Vijñānabhagavat versteht die gleiche, vorbehaltlose Hingabe an Gott und Guru aus der Einsicht in ihre Einheit. Durch sie werden die Bedeutungen der Lehre im geläuterten Inneren offenbar; deshalb ist diese Bhakti bewusst zu pflegen. Die Wiederholung würdigt ihren Rang und markiert den Schluss.
Mit AYI Free weitermachen
Illustrationen: KI-generiert.
Bitte melde Dich an, um eine Nachricht zu schreiben. Hier gehts zum Login
Noch keine Nachrichten.