SVU 1.13-1.16: Das verborgene Feuer
SVU 1.13-1.16: Das verborgene Feuer

SVU 1.13-1.16: Om, Meditation und Selbsterkenntnis

Wie Feuer im Reibholz und Butter in Milch liegt das Selbst verborgen; Wahrhaftigkeit, Askese, Meditation und Om machen es im eigenen Inneren offenbar.

Dr. Ronald Steiner Dr. Ronald Steiner Nils Jacob Liersch Nils Jacob Liersch
Śvetāśvatara Upaniṣad 1.13
वह्नेर्यथा योनिगतस्य मूर्तिर्न दृश्यते नैव च लिङ्गनाशः |
vahner yathā, yoni-gatasya mūrtir; na dṛśyate, naiva ca liṅga-nāśaḥ | Analyse ▾ Analyse ▴
vahneḥ
Genitiv Singular
Substantiv Maskulin
des Feuers
yathā
Adverb
wie
yoni
Tatpuruṣa-Kompositum Lokativ
Substantiv Feminin
in der Quelle, im Reibholz
gatasya
Genitiv Singular Maskulin Partizip Perfekt Passiv
Verbalwurzel
des hineingegangenen, darin befindlichen
mūrtiḥ
Nominativ Singular
Substantiv Feminin
die Gestalt, Erscheinungsform
na
Partikel
nicht
dṛśyate
3. Person Singular Passiv Präsens
Verbalwurzel
wird gesehen
na
Partikel
nicht
eva
Partikel
eben, auch
ca
Partikel
und
liṅga
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Neutrum
des Kennzeichens, Samens
nāśaḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
das Verschwinden, Zugrundegehen
स भूय एवेन्धनयोनिगृह्यस्तद्वोभयं वै प्रणवेन देहे ||13||
sa bhūya eve,ndhana-yoni-gṛhyas; tad vobhayaṃ vai, praṇavena dehe ||13|| Analyse ▾ Analyse ▴
saḥ
Nominativ Singular Maskulin
Pronomen dem
es, dieses
bhūyas
Adverb
wieder, erneut
eva
Partikel
eben, gerade
indhana
Dvandva-Kompositum
Substantiv Neutrum
Brennstoff, Reibstock
yoni
Upapada-Kompositum
Substantiv Feminin
Unterholz, Quelle
gṛhyaḥ
Nominativ Singular Maskulin Partizip Futur Passiv
Verbalwurzel
zu ergreifen, wahrzunehmen
tat
Nominativ Singular Neutrum
Pronomen dem
dies
vā
Partikel
oder, vielmehr
ubhayam
Nominativ Singular Neutrum
Zahlwort
beides, in beiden Fällen
vai
Partikel
wahrlich, gewiss
praṇavena
Instrumentalis Singular
Substantiv Maskulin
durch den Praṇava, Om-Laut
dehe
Lokativ Singular
Substantiv Maskulin
im Körper
Metrum: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang
Des Feuers (vahneḥ | gen sg), wie (yathā) eines in seine Quelle eingegangenen (yonigatasya | gen sg m ppp), wird die Gestalt (mūrtiḥ | nom sg) nicht (na) gesehen (dṛśyate | 3p sg pas pres); doch auch nicht (naiva), und zwar (ca), [erfolgt] das Verschwinden seines Kennzeichens (liṅganāśaḥ | nom sg). Es (saḥ | nom sg m) ist wieder (bhūyas) eben (eva) in Brennstoff und Quelle zu ergreifen (indhanayonigṛhyaḥ | nom sg m pfp). Dies (tat | nom sg n), oder vielmehr (vā) beides (ubhayam | nom sg n), ist wahrlich (vai) durch den Praṇava (praṇavena | ins sg) im Körper (dehe | loc sg) [zu erfassen].
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Wenn das Feuer in seine Quelle, das Brennholz, eingegangen ist, sieht man seine Gestalt nicht mehr; sein verborgenes Zeichen ist dennoch nicht ausgelöscht. Durch Reiben lässt es sich erneut hervorbringen. Ebenso lassen sich im menschlichen Körper durch den Klang Om beide Zustände erfassen: die verborgene Wirklichkeit und ihr Offenbarwerden.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya strukturiert die Feueranalogie genau: Feuer ist im Holz verborgen, wird an seinem Merkmal erschlossen und durch wiederholtes Reiben ergriffen. Ebenso wird das im Leib verborgene Selbst durch die zum Reiben gehörende Praṇava-Meditation sichtbar.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda nimmt die fühlbare Wärme als Zeichen des noch unsichtbaren Feuers. Reiben macht es offenbar. Entsprechend werden im Herzensraum das höhere und das niedere Brahman durch Praṇava erschlossen und aus der Verborgenheit in unmittelbare Erfahrung überführt.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa erklärt, dass verborgenes Feuer durch sein Zeichen erkennbar bleibt und zwischen zwei Reibhölzern hervortritt. Ebenso liegt Brahman im Körper verborgen und wird durch Praṇava erkannt. Das Gleichnis begründet somit eine konkrete Meditationsmethode.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat sieht im verborgenen Feuer eine vorhandene Kraft, deren Holzart ein Zeichen liefert und die das Reiben offenbart. Ebenso ist das durch Māyā verhüllte Selbst an Unendlichkeit und Zeitlosigkeit erschließbar und wird mittels Praṇava als Einheit von Brahman und Selbst unmittelbar.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
Wie Feuer, eingekehrt in seine Heimstatt, Unsichtbar fortbesteht nach seinem Wesen, Und aus der Reibholzheimstatt neu aufleuchtet, So flammt’s, in beidem gleich<2>, im Leib durch Om auf.
<2: Das Brahman, in beidem, dem Latentfortbestehen und dem Neuaufleuchten, dem Feuer vergleichbar, kommt durch den Praṇava, den heiligen Laut Om, im Leibe zum Aufflammen.>
Paul Deussen - 1921
As the material form (mūrti) of fire when latent in its source [i.e. the fire-wood] Is not perceived—and yet there is no evanishment of its subtile form (liṅga)— But may be caught again by means of the drill in its source, So, verily, both [the universal and the individual Brahma] are [to be found] in the body by the use of Om.
Robert Hume - 1921
The form of fire present in the fire-producing wooden stick is not seen; yet there is no destruction of the form. Just as that (form of the fire), again, can be obtained by means of (another) wooden stick; like this, both (forms of Brahm) (can be grasped) in this body by means of Om.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Wie Feuer, eingekehrt in seine Heimstatt, Unsichtbar fortbesteht nach seinem Wesen, Und aus der Reibholzheimstatt neu aufleuchtet, So flammt’s, in beidem gleich<26>, im Leib durch Om auf.
<26: Das Brahman, in beidem, dem Latentfortbestehen und dem Neuaufleuchten, dem Feuer vergleichbar, kommt durch den Praṇava, den heiligen Laut Om, im Leibe zum Aufflammen.>
Paul Deussen - 1897
As the form of fire, while it exists in the under-wood,<5> is not seen, nor is its seed destroyed, but it has to be seized again and again by means of the stick and the under-wood, so it is in both cases, and the Self has to be seized in the body by means of the praṇava (the syllable Om).
<5: This metaphor, like most philosophical metaphors in Sanskrit, is rather obscure at first sight, but very exact when once understood. Fire, as produced by a fire drill, is compared to the Self. It is not seen at first, yet it must be there all the time; its liṅga or subtle body cannot have been destroyed, because as soon as the stick, the indhana, is drilled in the under-wood, the yoni, the fire becomes visible. In the same way the Self, though invisible during a state of ignorance, is there all the time, and is perceived when the body has been drilled by the Pranava, that is, after, by a constant repetition of the sacred syllable Om, the body has been subdued, and the ecstatic vision of the Self has been achieved. Indhana, the stick used for drilling, and yoni, the under-wood, in which the stick is drilled, are the two aranis, the fire-sticks used for kindling fire. See Tylor, Anthropology, p. 260.>
F. Max Müller - 1884
As the nature of fire, when concealed in its cause (the wood) is not perceived, nor also a destruction of its subtle body, as it is again (and again) perceived in its cause, the wood, (by rubbing),—as both is (perceived and not perceived), so (the soul is perceived) within the body by the sacred word (Om).
Edward Röer - 1853
Śvetāśvatara Upaniṣad 1.14
स्वदेहमरणिं कृत्वा प्रणवं चोत्तरारणिम् |
sva-deham araṇiṃ kṛtvā; praṇavaṃ cottarāraṇim | Analyse ▾ Analyse ▴
sva
Karmadhāraya-Kompositum
Adjektiv
eigen, den eigenen
deham
Akkusativ Singular
Substantiv Maskulin
Körper
araṇim
Akkusativ Singular
Substantiv Feminin
das untere Reibholz
kṛtvā
Absolutus
Verbalwurzel
nachdem man gemacht hat
praṇavam
Akkusativ Singular
Substantiv Maskulin
den Praṇava, Om-Laut
ca
Partikel
und
uttara
Karmadhāraya-Kompositum
Adjektiv
oberes
araṇim
Akkusativ Singular
Substantiv Feminin
Reibholz
ध्याननिर्मथनाभ्यासाद्देवं पश्येन्निगूढवत् ||14||
dhyāna-nirmathanābhyāsād; devaṃ paśyen nigūḍhavat ||14|| Analyse ▾ Analyse ▴
dhyāna
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Neutrum
Meditation
nirmathana
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Neutrum
Reiben, Quirlen
abhyāsāt
Ablativ Singular
Substantiv Maskulin
aufgrund der Übung, Wiederholung
devam
Akkusativ Singular
Substantiv Maskulin
Gott
paśyet
3. Person Singular Aktiv Optativ
Verbalwurzel
man möge sehen, erkennen
nigūḍhavat
Adverb
wie etwas Verborgenes, wie verborgenes Feuer
Metrum: Anuṣṭubh
Nachdem man den eigenen Körper (svadeham | acc sg) zum unteren Reibholz (araṇim | acc sg) gemacht hat (kṛtvā | abs), den Praṇava (praṇavam | acc sg) aber (ca) zum oberen Reibholz (uttarāraṇim | acc sg), möge man aufgrund der Übung des Reibens in Meditation (dhyānanirmathanābhyāsāt | abl sg) den Gott (devam | acc sg) sehen (paśyet | 3p sg act opt), wie etwas Verborgenes (nigūḍhavat).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Mache den eigenen Körper zum unteren Reibholz und den Praṇava Om zum oberen. Entfache durch die beständige Reibung der Meditation das innere Feuer, und du wirst den Gott erkennen, der darin verborgen ist.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya setzt den eigenen Leib als unteres Reibholz, Praṇava als oberes und wiederholte Meditation als Reibevorgang an. Dessen Ergebnis ist die Schau des leuchtenden Selbst, das nicht neu entsteht, sondern zuvor wie Feuer im Brennstoff verborgen war.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda bestimmt Körper beziehungsweise Herz und Om als die beiden Reibhölzer. Meditation muss wie ununterbrochenes Reiben fortgesetzt werden, bis die unmittelbare Schau eintritt. Ein bloß gelegentliches Nachdenken erfüllt die Bildlogik des Mantras nicht.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa versteht den Körper als unteres Reibholz und Praṇava als das obere, das durch die sechs Cakras emporgeführt wird. Wiederholte Meditation entzündet auf diesem inneren Weg die Schau des leuchtenden Selbst.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat nennt Leib und psychophysischen Verband das untere Reibholz, Praṇava das obere und anhaltendes Nididhyāsana das Reiben. Dieses verbrennt Avidyā und macht das selbstleuchtende Bewusstsein nicht erst wirklich, sondern unmittelbar sichtbar.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
Den Leib machend zum Reibholze, Und den Om-Laut zum obern Holz, Schaut man, nach fleiß’ger Denkquirlung, Verstecktem Feuer gleich, den Gott.
Paul Deussen - 1921
By making one’s own body the lower friction-stick And the syllable Om the upper friction-stick, By practising the friction of meditation (dhyāna), One may see the God (deva) who is hidden, as it were.
Robert Hume - 1921
Having made one’s body (as it were) the (first) fire-producing wooden stick, and the syllable Om as the second wooden stick, (one) should see, by means of repeated friction in the form of meditation, the Luminous God like fire (which was) extremely hidden (before friction).
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Den Leib machend zum Reibholze, Und den Om-Laut zum obern Holz, Schaut man, nach fleiß’ger Denkquirlung, Verstecktem Feuer gleich, den Gott.
Paul Deussen - 1897
By making his body the under-wood, and the syllable Om the upper-wood, man, after repeating the drill of meditation, will perceive the bright god, like the spark hidden in the wood.<1>
<1: Cf. Dhyānavindūpan. verse 20; Brahmopanishad, p. 256.>
F. Max Müller - 1884
Having made his own body the lower piece of wood, and the sacred word the upper piece, a person by practice of abstract meditation, which serves as rubbing, will behold god, as the concealed (fire becomes visible to him by rubbing).
Edward Röer - 1853
Śvetāśvatara Upaniṣad 1.15
तिलेषु तैलं दधनीव सर्पिरापः स्रोतःसु अरणीषु चाग्निः |
tileṣu tailaṃ, dadhanīva sarpir; āpaḥ srotaḥsu*, araṇīṣu cāgniḥ | Analyse ▾ Analyse ▴
tileṣu
Lokativ Plural
Substantiv Maskulin
in den Sesamsamen
tailam
Nominativ Singular
Substantiv Neutrum
das Öl
dadhani
Lokativ Singular
Substantiv Neutrum
in Dickmilch, Sauermilch
iva
Partikel
wie
sarpiḥ
Nominativ Singular
Substantiv Neutrum
Butter, Schmalz
āpaḥ
Nominativ Plural
Substantiv Feminin
Wasser
srotaḥsu
Lokativ Plural
Substantiv Neutrum
in den Wasserläufen, Flussbetten
araṇīṣu
Lokativ Plural
Substantiv Feminin
in den Reibhölzern
ca
Partikel
und
agniḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
das Feuer
एवमात्मा आत्मनि गृह्यते ऽसौ सत्येनैनं तपसा यो ऽनुपश्यति ||15||
evam ātmā, ātmani gṛhyate 'sau; satyenainaṃ, tapasā yo 'nupaśyati ||15|| Analyse ▾ Analyse ▴
evam
Adverb
so, auf diese Weise
ātmā
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
das Selbst
ātmani
Lokativ Singular
Substantiv Maskulin
im Selbst, in sich
gṛhyate
3. Person Singular Passiv Präsens
Verbalwurzel
wird ergriffen, erkannt
asau
Nominativ Singular Maskulin
Pronomen dem
jenes, dieses dort
satyena
Instrumentalis Singular
Substantiv Neutrum
durch Wahrheit, Wahrhaftigkeit
enam
Akkusativ Singular Maskulin
Pronomen dem
ihn, diesen
tapasā
Instrumentalis Singular
Substantiv Neutrum
durch Askese, innere Glut
yaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Pronomen rel
wer, der
anupaśyati
3. Person Singular Aktiv Präsens
Präfix
Verbalwurzel
er erschaut, erkennt
Metrum: Pāda 1: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 2: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 3: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 4: Jagatī
In Sesamsamen (tileṣu | loc pl) [liegt] das Öl (tailam | nom sg); in Dickmilch (dadhani | loc sg) [liegt], wie zum Vergleich (iva), die Butter (sarpiḥ | nom sg). Wasser (āpaḥ | nom pl) [liegt] in den Flussbetten (srotaḥsu | loc pl) und in den Reibhölzern (araṇīṣu | loc pl) wiederum (ca) das Feuer (agniḥ | nom sg). So (evam) wird das Selbst (ātmā | nom sg) im eigenen Selbst (ātmani | loc sg) ergriffen (gṛhyate | 3p sg pas pres), jenes dort (asau | nom sg m): Durch Wahrhaftigkeit (satyena | ins sg) erkennt man ihn (enam | acc sg m), durch Askese (tapasā | ins sg), wenn einer (yaḥ | nom sg m) ihn erschaut (anupaśyati | 3p sg act pres).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Wie Öl im Sesam, Butter in der Dickmilch, Wasser in den Flussbetten und Feuer in den Reibhölzern verborgen liegt, so ist das Selbst im eigenen Inneren zu finden. Wer es mit Wahrhaftigkeit und asketischer Sammlung betrachtet, erkennt es dort.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya ordnet den vier Bildern je einen Zugangsweg zu: Pressen, Buttern, Graben und Reiben. Entsprechend erfasst man das Selbst im eigenen Inneren durch Reflexion, wahrhaftiges und heilsames Reden sowie durch die einpünktige Sammlung von Sinnen und Geist.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda liest die vier Beispiele als verschiedene Erschließungsverfahren. Wie jeder verborgene Stoff sein passendes Mittel verlangt, wird das selbstleuchtende Selbst im Herz-Geist durch Praṇava, Wahrhaftigkeit und Tapas unmittelbar erkannt.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa betont das Auffinden im Geist: Wie Wasser durch Graben zugänglich wird, erscheint das Selbst in innerer Sammlung. Wahrhaftigkeit und Tapas sind die Mittel, wiederholte Kontemplation ist der eigentliche Vollzug dieser Entdeckung.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat differenziert Öl, Butter, Wasser und Feuer nach Pressen, Buttern, Graben und Reiben. Entsprechend wird das innerlich gegenwärtige Selbst durch Hören und Vertiefung, Wahrhaftigkeit sowie die Sammlung äußerer und innerer Sinne als das eigene Selbst erkannt.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
dadhanīva LV1958 ] dadhnīva ASS1927, LV1958-app, TO1995
Kritischer Apparat
Wie im Ölsamen Öl, in Milch die Butter, In Strömen Wasser, im Reibholze Feuer, So findet im eignen Selbste jenen [Ātman], Wer ihn erschaut durch Wahrheit und Kasteiung,
Paul Deussen - 1921
As oil in sesame seeds, as butter in cream, As water in river-beds, and as fire in the friction-sticks, So is the Soul (Ātman) apprehended in one’s own soul, If one looks for Him with true austerity (tapas).
Robert Hume - 1921
As oil in sesamum seeds, clarified butter in curd, water in hidden springs, and fire in fire-producing wooden-sticks (is obtained), so the (supreme) Self is grasped in one’s own mind (by him) who tries to see It with truth and mental concentration, and control of the senses.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Wie im Ölsamen Öl, in Milch die Butter, In Strömen Wasser, im Reibholze Feuer, So findet im eignen Selbste jenen [Ātman], Wer ihn erschaut durch Wahrheit und Kasteiung,
Paul Deussen - 1897
As oil in seeds, as butter in cream, as water in (dry) river-beds,<2> as fire in wood, so is the Self seized within the self, if man looks for him by truthfulness and penance;<3>
<2: Srotas, a stream, seems to mean here the dry bed of a stream, which, if dug into, will yield water.>
<3: The construction is correct, if we remember that he who is seized is the same as he who looks for the hidden Self. But the metre would be much improved if we accepted the reading of the Brahmopanishad, evam ātmā ātmani grihyate ’sau, which is confirmed by B. The last line would be improved by reading, satyenainam ye ’nupasyanti dhīrāḥ.>
F. Max Müller - 1884
As oil in sesam seed (is found by pressing it), butter in curds (by churning them), water in a river (by digging the ground), and fire in the two pieces of wood (by rubbing them),—so is that (absolute soul) perceived within his own self (soul) by a person who beholds him by truth and by austerity (characterized by the subduing of the senses and the mind),
Edward Röer - 1853
Śvetāśvatara Upaniṣad 1.16
सर्वव्यापिनमात्मानं क्षीरे सर्पिरिवार्पितम् |
sarva-vyāpinam ātmānaṃ; kṣīre sarpir ivārpitam | Analyse ▾ Analyse ▴
sarva
Karmadhāraya-Kompositum
Pronomen quant
alles, all-
vyāpinam
Akkusativ Singular Maskulin
Adjektiv
durchdringend
ātmānam
Akkusativ Singular
Substantiv Maskulin
das Selbst
kṣīre
Lokativ Singular
Substantiv Neutrum
in der Milch
sarpiḥ
Nominativ Singular
Substantiv Neutrum
Butter, Schmalz
iva
Partikel
wie
arpitam
Akkusativ Singular Maskulin Partizip Perfekt Passiv
Verbalwurzel
eingebettet, enthalten
आत्मविद्यातपोमूलं तद्ब्रह्मोपनिषत्परं तद्ब्रह्मोपनिषत्परम् इति ||16||
ātma-vidyā-tapo-mūlaṃ; tad brahmopaniṣat-paraṃ; tad brahmopaniṣat-param; iti ||16|| Analyse ▾ Analyse ▴
ātma
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Maskulin
des Selbstes, Selbst-
vidyā
Dvandva-Kompositum
Substantiv Feminin
Wissen, Erkenntnis
tapas
Bahuvrīhi-Kompositum
Substantiv Neutrum
Askese, innere Glut
mūlam
Akkusativ Singular Maskulin
Substantiv Neutrum
dessen Wurzel, dessen Grundlage
tat
Nominativ Singular Neutrum
Pronomen dem
dies, das
brahma
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Neutrum
Brahman-
upaniṣad
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Feminin
der Upaniṣad, Geheimlehre
param
Nominativ Singular Neutrum
Adjektiv
das höchste, letzte Ziel
tat
Nominativ Singular Neutrum
Pronomen dem
dies, das
brahma
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Neutrum
Brahman-
upaniṣad
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Feminin
der Upaniṣad, Geheimlehre
param
Nominativ Singular Neutrum
Adjektiv
das höchste, letzte Ziel
iti
Partikel
so, damit
Metrum: Pāda 1: Anuṣṭubh; Pāda 2: Anuṣṭubh; Pāda 3: Anuṣṭubh; Pāda 4: Anuṣṭubh; Pāda 5: Anuṣṭubh; iti: außermetrisch
[Man erschaut] das alldurchdringende (sarvavyāpinam | acc sg m) Selbst (ātmānam | acc sg), in Milch (kṣīre | loc sg) Butter (sarpiḥ | nom sg) gleichsam (iva) eingebettet (arpitam | acc sg m ppp) und in Selbsterkenntnis und Askese wurzelnd (ātmavidyātapomūlam | acc sg m). Das (tad | nom sg n) ist das höchste Ziel der Brahman-Upaniṣad (brahmopaniṣatparam | nom sg n); das (tad | nom sg n) ist das höchste Ziel der Brahman-Upaniṣad (brahmopaniṣatparam | nom sg n) – so (iti).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Das Selbst durchdringt alles und ist doch verborgen wie Butter in der Milch; es wurzelt in Selbsterkenntnis und innerer Disziplin. Das ist das höchste Ziel der Brahman-Upaniṣad – das höchste Ziel der Brahman-Upaniṣad.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya lässt das Selbst Prakṛti bis zur sichtbaren Welt durchdringen und in allem als Wesenskern gegenwärtig sein, wie Butter in Milch. Selbstwissen und Tapas dienen seiner Offenbarung; Wahrhaftigkeit und Sammlung machen den Menschen für die Erkenntnis dieses höchsten Upaniṣad-Brahman bereit.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda beschreibt das Zeugenselbst als weiter als den Raum und immer gegenwärtig, ohne Methode aber so verborgen wie Butter in Milch. Selbstwissen und Tapas erschließen den Weltgrund. Die Wiederholung schließt bewusst sowohl Lehrgang als auch Kapitel.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa verbindet das allgegenwärtige Selbst mit dem Körper, ohne es auf ihn zu begrenzen. Brahman ist das höchste Upaniṣad-Geheimnis; Selbstwissen und Tapas bilden Wurzel und Erkenntnismittel. Die Wiederholung markiert den Abschluss des Kapitels.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat sieht das allgegenwärtige Selbst in allem als das Wesentliche, wie Butter in Milch. Wissen und Tapas erzeugen es nicht, sondern legen es frei. Das nichtduale Brahman ist das höchste Upaniṣad-Geheimnis; die Wiederholung beendet Kapitel und Lehrbewegung.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
iti LV1958 ] om. ASS1927

tad brahmopaniṣatparam iti LV1958 ] om. TO1995
Kritischer Apparat
Den alldurchdringenden Ātman, Wie Butter in der Milch versteckt, In Selbstkenntnis, Selbst-Zucht wurzelnd, Das Endziel der Upanishad, — das Endziel der Upanishad.
Paul Deussen - 1921
The Soul (Ātman), which pervades all things As butter is contained in cream, Which is rooted in self-knowledge and austerity— This is Brahma, the highest mystic teaching (upaniṣad)!<1> This is Brahma, the highest mystic teaching!
<1: Or ‘This is the highest mystic teaching concerning Brahma (brahmopaniṣad)!’>
Robert Hume - 1921
One should know that All-pervading Spirit who is present like clarified butter in milk, the means of whose obtaining are Spiritual Science and concentration (of mind and body) and who is that Brahm, Supreme, and present inside (as the Self of all); and present inside (as the Self of all).
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Den alldurchdringenden Ātman, Wie Butter in der Milch versteckt, In Selbstkenntnis, Selbst-Zucht wurzelnd, Das Endziel der Upanishad, — das Endziel der Upanishad.
Paul Deussen - 1897
(If he looks) for the Self that pervades everything, as butter is contained in milk, and the roots whereof are self-knowledge and penance. That is the Brahman taught by the Upanishad.
F. Max Müller - 1884
(Who beholds) as the all-pervading soul, like butter contained in milk, as the root of the knowledge of the soul and of austerity, that Bramha, upon whom the last end<1> is founded, upon whom the last end is founded.
<1: Weber (I. S. vol. I. p. 424), instead of “Upanishad-param” reads “Upanishad-padam”; in this case the rendering of the passage is: “That Bramha who is the last end of the Upanishads.” Śankara explains “Upanishad-param,” literally by “upanishadāṁ asmin paraṁ śreya iti.”>
Edward Röer - 1853

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Editor:innen

Dr. Ronald Steiner

Aus Ulm

Dr. Ronald Steiner, der „Yoga Doc“, begründete die AYI Methode: traditioneller Ashtanga, moderne Yogatherapie und lebendige Philosophie – als persönliche Praxis von sportlich-akrobatisch bis meditativ-therapeutisch. Er... mehr ›

Nils Jacob Liersch

Meine Begeisterung für Yoga, indische Philosophie und Sanskrit führte mich zum Studium der Indologie und Religionswissenschaft an der Universität Heidelberg. Seit 2004 befinde ich mich auf meinem persönlichen Yogaweg... mehr ›

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