aṅguṣṭha-mātro, ravi-tulya-rūpaḥ; saṃkalpā,haṃkāra-samanvito yaḥ | Analyse ▾ Analyse ▴
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aṅguṣṭha
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eines Daumens | |
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mātraḥ
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messend, groß | |
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ravi
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der Sonne gleich, mit der Sonne | |
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tulya
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gleich, ähnlich | |
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rūpaḥ
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Gestalt habend, sonnengestaltig | |
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saṃkalpa
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Vorstellung, Willensbildung | |
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ahaṃkāra
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Ichbewusstsein, Egoismus | |
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samanvitaḥ
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ausgestattet, verbunden | |
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yaḥ
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welcher, der |
buddher guṇenā,tma-guṇena caiva; ārāgra-mātro, hy avaro 'pi dṛṣṭaḥ ||8|| Analyse ▾ Analyse ▴
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buddheḥ
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der Erkenntniskraft, Intelligenz | |
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guṇena
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durch eine Eigenschaft, Begrenzung | |
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ātma
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des Selbstes | |
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guṇena
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durch die Eigenschaft, Begrenzung | |
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ca
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und | |
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eva
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gerade, eben | |
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ārā
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einer Ahle | |
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agra
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der Spitze | |
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mātraḥ
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messend, groß | |
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hi
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denn, wahrlich | |
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avaraḥ
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der niedere, andere | |
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api
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auch | |
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dṛṣṭaḥ
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gesehen, wahrgenommen |
Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya erklärt die Daumengröße aus dem Hohlraum des Herzens, nicht als wirkliches Maß des Selbst. Vorstellungen, Ichbewusstsein und körperliche Begrenzungen lassen das sonnenhelle Bewusstsein sogar fein wie eine Ahlenspitze erscheinen; diese Kleinheit gehört nur den Upādhis.
Śaṅkarānanda bezieht die Daumengröße auf den leuchtenden feinen Leib und grenzt so den Jīva vom höchsten Herrn ab. Saṅkalpa, Ichbewusstsein und Wünsche stammen aus dem Innenorgan; Licht und Freude weisen auf das Selbst. Die Ahlenspitze bezeichnet äußerste, nicht wörtliche Feinheit.
Nārāyaṇa lokalisiert den daumengroßen Herzbewohner im inneren Raum. Vorstellungen und Ichbewusstsein gehören zur Buddhi, die sonnenähnliche Leuchtkraft zum Selbst. Die beiden Seiten erklären, warum der Jīva als Verbindung von Bewusstem und Unbewusstem und zugleich als äußerst fein erscheint.
Vijñānabhagavat nennt das Selbst nur wegen seines Erscheinens im Herzlotus daumengroß. Als Zeugenlicht erhellt es Bekanntes und Unbekanntes; Denken und Ichheit stammen aus Geist und Ahaṃkāra. Auch die Größe einer Ahlenspitze entsteht allein durch die Begrenzung der Buddhi.
<3: Both MSS. (A. and B.) read ārāgramātro hy avaro ’pi dṛṣṭaḥ.>
bhāgo jīvaḥ sa vijñeyaḥ; sa cānantyāya kalpate ||9|| Analyse ▾ Analyse ▴
Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya lässt das Bild vom hundertfach geteilten Haar die kaum erfassbare Feinheit des feinen Leibes anzeigen. Es beschreibt keine wirkliche Größe des Selbst. Als Jīva erscheint dieses winzig; seinem eigenen Wesen nach ist es unendlich.
Śaṅkarānanda unterstreicht, dass der hundertste Teil eines nochmals hundertfach geteilten Haares nur im Geist vorgestellt werden kann. Ebenso ist die Kleinheit des Jīva nicht wörtlich. Fallen Avidyā und ihre begrenzenden Hüllen fort, ist er zur Identität mit dem unendlichen Brahman fähig.
Nārāyaṇa verbindet die äußerste Feinheit des Jīva mit zwei Möglichkeiten von Unendlichkeit. In Abhängigkeit von der grenzenlosen Kraft des Herrn kann er unendlich viele Geburten durchlaufen; aus der Perspektive seiner alldurchdringenden Grundlage kann er ebenso zur Brahmanwirklichkeit gelangen.
Vijñānabhagavat deutet das winzige Haarteil als scheinbare Begrenzung durch Avidyā und andere Upādhis. Nur in dieser bedingten Gestalt ist der Jīva klein. In seinem eigenen Wesen bleibt er derselbe nichtduale und unendliche Bewusstseinsgrund.
<4: An expression of frequent occurrence in Buddhist literature.>
naiva strī na pumān eṣa; na caivāyaṃ na-puṃsakaḥ | Analyse ▾ Analyse ▴
Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya spricht dem Selbst jedes Geschlecht ab, weil es seinem Wesen nach nichtduales Brahman ist. Erst mit einem angenommenen weiblichen, männlichen oder neutralen Körper überträgt der Jīva dessen Eigenschaften auf sich und denkt: „Ich bin dieser Leib.“
Śaṅkarānanda trennt den geschlechtslosen Jīva von seinen vergänglichen Körpern. Der jeweils angenommene Leib verdeckt seine eigene Natur und macht ihn zum Gegenstand der Bezeichnungen Frau, Mann oder Neutrum. Die sprachliche und soziale Zuordnung betrifft somit die Hülle, nicht das Selbst.
Nārāyaṇa fasst den Vers als Lehre von den Körpermerkmalen: Weiblichkeit, Männlichkeit und Neutralität berühren den Ātman nicht. Dass er dennoch so bezeichnet wird, liegt allein an dem jeweiligen Körper als begrenzender Upādhi.
Vijñānabhagavat beschreibt den Jīva als reines, ungeteiltes Bewusstsein ohne Geschlecht. Durch Avidyā, Verlangen und Karma nimmt er Körper an und eignet sich deren Merkmale an. So entstehen die falschen Urteile „Ich bin Frau“, „Ich bin Mann“, „Ich bin geboren“ oder „Ich sterbe“.
<5: A. and B. read yujyate, A. explains yujyate by saṃbadhyate. B. explains adyate bhakṣyate tirobhūtaḥ kriyate. Śaṅkara explains rakṣyate, saṃrakṣyate, tattaddharmān ātmany adhyasyābhimanyate.>
saṃkalpana,-sparśana-dṛṣṭi-mohair; grāsāmbu-vṛṣṭyā, cātma-vivṛddhi-janma | Analyse ▾ Analyse ▴
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saṃkalpana
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Vorstellen, Wünschen | |
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sparśana
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Berühren | |
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dṛṣṭi
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des Sehens, der Wahrnehmung | |
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mohaiḥ
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durch Verblendungen, Täuschungen | |
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grāsa
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Nahrung, Bissen | |
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ambu
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des Wassers, Getränks | |
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vṛṣṭyā
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durch einen Regen, eine Zufuhr | |
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ca
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und | |
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ātma
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des Selbstes, Körpers | |
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vivṛddhi
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Wachstum, Zunahme | |
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janma
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Geburt, Entstehung |
karmānugāny, anukrameṇa dehī; sthāneṣu rūpāṇy, abhisaṃprapadyate ||11|| Analyse ▾ Analyse ▴
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karma
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den Taten folgend, gemäß dem Werk | |
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anugāni
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nachfolgende, entsprechende | |
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anukrameṇa
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der Reihe nach, in Abfolge | |
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dehī
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Verkörperter, Leibträger | |
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sthāneṣu
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in Stätten, Zuständen | |
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rūpāṇi
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Formen, Gestalten | |
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abhisaṃprapadyate
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er nimmt an, gelangt vollständig zu |
Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya lässt Vorstellung, Berührung, Sehen und Verblendung Karma erzeugen. Dieses führt den Jīva der Reife nach in weibliche, männliche oder neutrale und in göttliche, tierische oder menschliche Körper. Nahrung und Wasser veranschaulichen, wie ein Leib dadurch heranwächst.
Śaṅkarānanda deutet die Sinnesvorgänge als Opferungen im inneren Feuer und Nahrung und Wasser als Bedingungen körperlicher Entwicklung. Geburt, Wachstum und die übrigen Veränderungen werden aus Avidyā dem Selbst zugeschrieben. Karma ordnet die wechselnden Erfahrungsformen in Wachen und Traum.
Nārāyaṇa zählt geistige Absicht, Berührung, Sehen, rituelles Handeln sowie Nahrung und Wasser als Bedingungen verkörperter Erfahrung. Entsprechend dem Karma gelangt der Jīva stufenweise in hohe oder niedere Geburten. Die Dīpikā verbindet dies ausdrücklich mit Pañcāgni-Vidyā und der Lehre von guten und schlechten Lebenswegen.
Vijñānabhagavat zeigt an Gedanken, Berührungen, Blicken, Opfern und Gaben, dass dieselbe Handlung je nach Gegenstand Verdienst oder Schuld erzeugen kann. Diese Prägungen führen zu göttlichen, menschlichen oder tierischen Körpern. Der Jīva hält sich dabei irrtümlich für das gesamte Körper-Sinne-Gefüge.
cātmavivṛddhijanma LV1958 ] cātmā vivṛddhijanmā Hillebrandt apud LV1958-app
<6: The MSS. vary considerably. Instead of mohaiḥ, A. and B. read homaiḥ. They read grāsāmbuvṛṣṭyā cātmā. A. reads ātmavivṛddhijanma, B. ātmanivṛddhijanma. A. has abhisaṃprapadye, B. abhisaṃprapadyate. My translation follows Śaṅkara, who seems to have read ātmavivṛddhijanma, taking the whole line as a simile and in an adverbial form. Vijñānātman, however, differs considerably. He reads homaiḥ, and explains homa as the act of throwing oblations into the fire, as in the Agnihotra. This action of the hands, he thinks, stands for all actions of the various members of the body. Grāsāmbuvṛṣṭi he takes to mean free distribution of food and drink, and then explains the whole sentence by ‘he whose self is born unto some states or declines from them again, namely, according as he has showered food and drink, and has used his hands, eyes, feelings, and thoughts.’ Śaṅkarānanda takes a similar view, only he construes saṅkalpanam and sparśanam as two dṛṣṭis, te eva dṛṣṭi, tayor ātmāgnau prakṣepā homāḥ; and then goes on, na kevalam etaiḥ, kiṃ tv asmin sthāne śarīre grāsāmbuvṛṣṭyā ca. He seems to read ātmavivṛddhajanmā, but afterwards explains vivṛddhi by vividhā vṛddhiḥ.>
<1: Forms as high as Hiraṇyagarbha or as low as beasts.>
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