SVU 5.1-5.6: Der Herr der Weltursprünge
SVU 5.1-5.6: Der Herr der Weltursprünge

SVU 5.1-5.6: Wissen, Schöpfung und Weltherrschaft

Wissen und Nichtwissen ruhen im höchsten Brahman; der von ihnen verschiedene Gott entfaltet Ursprünge und Formen und bleibt in den Upaniṣaden verborgen.

Śvetāśvatara Upaniṣad 5.1
द्वे अक्षरे ब्रह्मपरे त्वनन्ते विद्याविद्ये निहिते यत्र गूढे |
dve akṣare, brahma-pare tv anante; vidyāvidye, nihite yatra gūḍhe | Analyse ▾ Analyse ▴
dve
Nominativ Dual Feminin
Zahlwort
zwei
akṣare
Lokativ Singular Neutrum
Substantiv Neutrum
im Unvergänglichen
brahma
Karmadhāraya-Kompositum
Substantiv Neutrum
Brahman
pare
Lokativ Singular Neutrum
Adjektiv
im höchsten, jenseitigen
tu
Partikel
aber, wahrlich
anante
Lokativ Singular Neutrum
Adjektiv
im unendlichen
vidyā
Dvandva-Kompositum
Substantiv Feminin
Wissen
avidye
Nominativ Dual
Substantiv Feminin
und Nichtwissen
nihite
Nominativ Dual Feminin Partizip Perfekt Passiv
Präfix
Verbalwurzel
niedergelegt, enthalten
yatra
Adverb
wo, worin
gūḍhe
Lokativ Singular Neutrum Partizip Perfekt Passiv
Verbalwurzel
im Verborgenen, verborgen
क्षरं त्वविद्या ह्यमृतं तु विद्या विद्याविद्ये ईशते यस्तु सो ऽन्यः ||1||
kṣaraṃ tv avidyā, hy amṛtaṃ tu vidyā; vidyāvidye, īśate yas tu so 'nyaḥ ||1|| Analyse ▾ Analyse ▴
kṣaram
Nominativ Singular Neutrum
Adjektiv
vergänglich
tu
Partikel
aber, hingegen
avidyā
Nominativ Singular
Substantiv Feminin
Nichtwissen
hi
Partikel
denn, wahrlich
amṛtam
Nominativ Singular Neutrum
Adjektiv
unsterblich
tu
Partikel
aber, hingegen
vidyā
Nominativ Singular
Substantiv Feminin
Wissen
vidyā
Dvandva-Kompositum
Substantiv Feminin
Wissen
avidye
Akkusativ Dual
Substantiv Feminin
und Nichtwissen
īśate
3. Person Singular Medial Präsens
Verbalwurzel
er herrscht über, lenkt
yaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Pronomen rel
welcher, der
tu
Partikel
aber, hingegen
saḥ
Nominativ Singular Maskulin
Pronomen dem
er, jener
anyaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Pronomen quant
der andere
Metrum: Pāda 1: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 2: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang; Pāda 3: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 4: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang
Die beiden (dve | nom du f) – Wissen und Nichtwissen – sind im Unvergänglichen (akṣare | loc sg n), im höchsten Brahman (brahma-pare | loc sg n), wahrlich (tu), im Unendlichen (anante | loc sg n), niedergelegt. Wissen und Nichtwissen (vidyāvidye | nom du) sind dort verborgen (nihite | nom du f ppp), wo (yatra) [alles] im Verborgenen [ruht] (gūḍhe | loc sg n ppp). Vergänglich (kṣaram | nom sg n) aber (tu) [ist] das Nichtwissen (avidyā | nom sg), denn (hi) unsterblich (amṛtam | nom sg n) hingegen (tu) [ist] das Wissen (vidyā | nom sg). Über Wissen und Nichtwissen (vidyāvidye | acc du) herrscht (īśate | 3p sg med pres), wer (yaḥ | nom sg m) jedoch (tu) [von ihnen verschieden ist]: Er (saḥ | nom sg m) [ist] der andere (anyaḥ | nom sg m).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Im unvergänglichen, unendlichen höchsten Brahman liegen Wissen und Nichtwissen verborgen. Nichtwissen ist vergänglich, Wissen unsterblich; der Herr, der beide regiert, ist von ihnen verschieden.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya bezieht akṣare brahmapare anante als Lokativreihe auf das unbegrenzte höchste Brahman. Darin liegen Wissen und Nichtwissen verborgen: Nichtwissen verursacht den Saṃsāra, Wissen führt zur Befreiung. Der Herr bleibt als ihr Zeuge und Lenker von beiden verschieden.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda entfaltet eine andere Dualdeutung: Wissen und Nichtwissen heißen beide akṣara, sind jedoch auf verschiedenen Ebenen verankert. Vergänglich ist das wirkende Nichtwissen, unsterblich die Selbsterkenntnis als Ursache der Befreiung. Ihr höchster Träger und Herr wird als der von beiden verschiedene Eine angesprochen.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa liest dve akṣare ausdrücklich als die beiden ewigen Größen Jīva und Brahman und erwägt anante als gemeinsames Attribut. brahmapura kann für ihn den Leib bezeichnen. Wissen und Nichtwissen sind Veränderungen des inneren Organs; der Paramātman beherrscht sie, ohne mit ihnen identisch zu sein.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat versteht die beiden Subjekte als Vidyā und Avidyā, die im unvergänglichen höchsten Brahman gründen. Avidyā erzeugt Vergänglichkeit; Vidyā führt durch innere Läuterung, Hören und Einsicht zur Befreiung. Der Herr ist ihr Grund, Zeuge und Regler, bleibt aber von beiden unberührt.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
Zwei sind im ewig, endlos, höchsten Brahman Latent enthalten, Wissen und Nichtwissen; Vergänglich ist Nichtwissen, ewig Wissen, Doch der als Herr verhängt sie, ist der Andre.
Paul Deussen - 1921
In the imperishable, infinite, supreme Brahma are two things; For therein are knowledge and ignorance placed hidden. Now, ignorance is a thing perishable, but knowledge is a thing immortal. And He who rules the ignorance and the knowledge is another.
Robert Hume - 1921
The two (Ignorance and Knowledge). Ignorance is perishable, while Knowledge is imperishable; and He is different, (from both of these) who governs Knowledge and Ignorance, and in whom, the Hidden Being, the Eternal, the Supreme Brahm, and the Infinite, both Knowledge and Ignorance exist.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Zwei sind im ewig, endlos, höchsten Brahman Latent enthalten, Wissen und Nichtwissen; Vergänglich ist Nichtwissen, ewig Wissen, Doch der als Herr verhängt sie, ist der Andre.
Paul Deussen - 1897
In the imperishable and infinite Highest Brahman<1>, wherein the two, knowledge and ignorance, are hidden<2>, the one, ignorance, perishes<3>, the other, knowledge, is immortal; but he who controls both, knowledge and ignorance, is another<4>.
<1: Śaṅkara explains Brahmapare by brahmaṇo hiraṇyagarbhāt pare, or by parasmin brahmaṇi, which comes to the same. Vijñānātman adds chāndasaḥ paranipātaḥ. As the termination e may belong to the locative singular or to the nom. dual, commentators vary in referring some of the adjectives either to brahman or to vidyāvidye.>
<2: Gūḍhe, lokair jñātum aśakye, Śaṅkarānanda.>
<3: Śaṅkara explains kṣaram by saṃsṛtikāraṇam, amṛtam by mokṣahetuḥ.>
<4: Śaṅkara explains that he is different from them, being only the sākṣin, or witness. Śaṅkarānanda seems to have read Somya, i.e. Somavatpriyadarśana, as if Śvetāśvatara addressed his pupil.>
F. Max Müller - 1884
He, the immortal, infinite, supreme Bramha,<1> in whom both knowledge and ignorance abide unmanifested,—ignorance verily is mortal, knowledge verily immortal,—and who again rules knowledge as well as ignorance, is different (from them).<2>
<1: The compound “Bramhaparē” means, either he who is greater than Bramha or Hiranyagarbha, or “the Supreme Bramha” (Parasmin va Bramhani).>
<2: Again a view of the Sānkhya.>
Edward Röer - 1853
Śvetāśvatara Upaniṣad 5.2
यो योनिं योनिमधितिष्ठत्येको विश्वानि रूपाणि योनीश्च सर्वाः |
yo yoniṃ yonim, adhitiṣṭhaty eko; viśvāni, rūpāṇi yonīś ca sarvāḥ | Analyse ▾ Analyse ▴
yaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Pronomen rel
welcher, der
yonim
Akkusativ Singular
Substantiv Feminin
Ursprung, Mutterschoß
yonim
Akkusativ Singular
Substantiv Feminin
jeden einzelnen Ursprung, Mutterschoß
adhitiṣṭhati
3. Person Singular Aktiv Präsens
Präfix
Verbalwurzel
er beherrscht, steht vor
ekaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Zahlwort
der eine
viśvāni
Akkusativ Plural Neutrum
Adjektiv
alle, sämtliche
rūpāṇi
Akkusativ Plural
Substantiv Neutrum
Formen, Gestalten
yonīḥ
Akkusativ Plural
Substantiv Feminin
Ursprünge, Mutterschöße
ca
Partikel
und
sarvāḥ
Akkusativ Plural Feminin
Pronomen quant
alle, sämtliche
ऋषिं प्रसूतं कपिलं यस्तमग्रे ज्ञानैर्बिभर्ति जायमानं च पश्येत् ||2||
ṛṣiṃ prasūtaṃ, kapilaṃ yas tam agre; jñānair bibharti, jāyamānaṃ ca paśyet ||2|| Analyse ▾ Analyse ▴
ṛṣim
Akkusativ Singular
Substantiv Maskulin
Seher, Weisen
prasūtam
Akkusativ Singular Maskulin Partizip Perfekt Passiv
Präfix
Verbalwurzel
hervorgebracht, gezeugt
kapilam
Akkusativ Singular
Substantiv Maskulin
Kapila, den Goldfarbenen
yaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Pronomen rel
welcher, der
tam
Akkusativ Singular Maskulin
Pronomen dem
ihn, jenen
agre
Adverb
am Anfang, zuerst
jñānaiḥ
Instrumentalis Plural
Substantiv Neutrum
durch Erkenntnisse, mit Wissen
bibharti
3. Person Singular Aktiv Präsens
Verbalwurzel
er trägt, erhält
jāyamānam
Akkusativ Singular Maskulin Partizip Präsens Medial
Verbalwurzel
geboren werdend, entstehend
ca
Partikel
und
paśyet
3. Person Singular Aktiv Optativ
Verbalwurzel
er möge sehen, erblicken
Metrum: Pāda 1: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 2: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang; Pāda 3: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang — 12 Silben; Pāda 4: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang — 12 Silben
Der (yaḥ | nom sg m) jeden Ursprung (yonim | acc sg), Ursprung für Ursprung (yonim | acc sg), beherrscht (adhitiṣṭhati | 3p sg act pres), [ist] der Eine (ekaḥ | nom sg m); sämtliche Formen (viśvāni rūpāṇi | acc pl), die Ursprünge (yonīḥ | acc pl) und (ca) alle (sarvāḥ | acc pl f) [Wesen unterstehen ihm]. [Was] den Seher (ṛṣim | acc sg), den hervorgebrachten (prasūtam | acc sg m ppp), Kapila (kapilam | acc sg), [betrifft]: Der (yaḥ | nom sg m) trägt ihn (tam | acc sg m) am Anfang (agre) mit Erkenntnissen (jñānaiḥ | ins pl), erhält [ihn] (bibharti | 3p sg act pres) und sieht den Geborenwerdenden (jāyamānam | acc sg m pcm) auch (ca); er möge [ihn] erblicken (paśyet | 3p sg act opt).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Der Eine herrscht über jeden Ursprung, alle Formen und sämtliche Lebensquellen. Zu Beginn erfüllt er den neugeborenen goldfarbenen Seher Kapila mit Erkenntnis und schaut ihn bei seiner Geburt.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya identifiziert den goldfarbenen Kapila vor allem mit Hiraṇyagarbha, dessen Geburt auch andere Schriftstellen dem höchsten Herrn zuschreiben. Der Eine erfüllt ihn zu Beginn mit Wissen, Entsagung und Herrschaftskraft und schaut ihn beim Hervorgehen der Schöpfung.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda grenzt Kapila vom Begründer des Sāṃkhya ab. Gemeint sein könne der avatārische Kapila oder, vorzugsweise, Hiraṇyagarbha als erste Wirkung und Träger von Erkenntnis- und Handlungskraft. Der Herr nährt ihn mit umfassender Einsicht und begleitet sein Entstehen.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa erprobt zunächst eine Jīva-Lesart: Das Wesen tritt in zahllose Geburten ein, verliert beim Geburtsschock frühere Erinnerung und wird durch Wahrnehmung wieder genährt. Abschließend stellt die Dīpikā jedoch klar, dass Zusammenhang und Lehrziel die Mantras auf Īśvara beziehen.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat lässt den Herrn über Urnatur, nachgeordnete Ursachen und sämtliche Formen wachen. Kapila erklärt er als den goldfarbenen Hiraṇyagarbha. Dieser empfängt bei der Schöpfung Wissen, Dharma, Loslösung und Herrschaft; Gott trägt und schaut ihn als Ursprung der weiteren Weltentfaltung.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
ṛṣiṃ prasūtaṃ LV1958, ASS1927 ] ṛṣiprasūtam LV1958-app

bibharti LV1958, ASS1927 ] piparti LV1958-app
Kritischer Apparat
Der jedem Mutterschoß als der Eine vorsteht (4,11), Allen Gestalten, allen Ursprungsstätten, Der mit jenem (4,12) ersterzeugten, roten Weisen<2> Im Geist ging schwanger und ihn sah geboren,
<2: Der ganze Zusammenhang und die parallelen Stellen 3,4. 4,12 (auf welche das tam zurückweist) beweisen, daß unter „jenem roten Weisen“ (kapila ṛishi) Hiranyagarbha, der „goldne (daher rote) Embryo“ zu verstehen ist. Es ist auch gar nicht abzusehen, wie hier, in dem Zusammenhange einer Vedāntaschrift als Erstgeborener des Urwesens auf einmal Kapila — der Begründer eines gegnerischen Systems! — proklamiert werden sollte. — Allenfalls könnte man, aber auch dies schwerlich, eine Anspielung auf denselben annehmen in dem Sinne: „Hiranyagarbha ist der Urheber aller Weisheit, ist der wahre Kapila“. — Möglich auch, daß der ganze Kapila auf unsrer Stelle beruht.>
Paul Deussen - 1921
[Even] the One who rules over every single source, All forms and all sources; Who bears in his thoughts, and beholds when born, That red (kapila<2>) seer who was engendered in the beginning.
<2: The reference may be to ‘the sage Kapila,’ the founder of the Sāṅkhya philosophy. But in the similar stanza 4. 12 (compare also 3. 4) the reference is clearly to the Demiurge Hiraṇyagarbha, ‘The Golden Germ.’>
Robert Hume - 1921
(He should be known) who, being One, governs the Causeless Cause, Maya, all the forms, and all the secondary causes, who, at the beginning of creation, nourishes with Sciences the infallibly wise Hiranyagarbha (when) born, and who saw Him being born.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Der jedem Mutterschoß als der Eine vorsteht (4,11), Allen Gestalten, allen Ursprungsstätten, Der mit jenem (4,12) ersterzeugten, roten Weisen<2> Im Geist ging schwanger und ihn sah geboren,
<2: Der ganze Zusammenhang und die parallelen Stellen 3,4. 4,12 (auf welche das tam zurückweist) beweisen, daß unter „jenem roten Weisen“ (kapila ṛishi) Hiranyagarbha, der „goldne (daher rote) Embryo“ zu verstehen ist. Es ist auch gar nicht abzusehen, wie hier, in dem Zusammenhange einer Vedāntaschrift als Erstgeborener des Urwesens auf einmal Kapila — der Begründer eines gegnerischen Systems! — proklamiert werden sollte. — Allenfalls könnte man, aber auch dies schwerlich, eine Anspielung auf denselben annehmen in dem Sinne: „Hiranyagarbha ist der Urheber aller Weisheit, ist der wahre Kapila“. — Möglich auch, daß der ganze Kapila auf unsrer Stelle beruht.>
Paul Deussen - 1897
It is he who, being one only, rules over every germ (cause), over all forms, and over all germs; it is he who, in the beginning, bears<5> in his thoughts the wise son, the fiery, whom he wishes to look on<6> while he is born<7>.
<5: Like a mother, see I, 9.>
<6: Like a father.>
<7: See on this verse the remarks made in the Introduction.>
F. Max Müller - 1884
He, who one alone, superintends every source of production, (vide 4. 11.) every form, and all the sources of production, who endowed his son, the Rishi Kapila<1> at the commencement of the creation with every kind of knowledge,<2> and who looked at him, when he was born,<3>
<1: Śankara explains this passage very artificially. Kapila is, according to him, not the founder of the Sānkhya, but another name of Hiranyagarbha, and he tries to prove this, first, from the name of “Kapila,” which means brown, so that Kapila would be here an adjective, instead of “Kapila Varṇam, the brown or golden-coloured,” which thereby would refer to Hiranyagarbha; and, secondly, from a passage of a Purāṇa; the latter, however, proves the contrary; for there is Kapila mentioned as the founder of the Sānkhya, and to praise him, he is identified with Hiranyagarbha.>
<2: With the four kinds of knowledge of the Sānkhya, viz., virtue, knowledge, renunciation of wordly desires, and superhuman power.>
<3: As a father does at his son after his birth.>
Edward Röer - 1853
Śvetāśvatara Upaniṣad 5.3
एकैकं जालं बहुधा विकुर्वन्नस्मिन्क्षेत्रे संहरत्येष देवः |
ekaikaṃ jālaṃ, bahudhā vikurvann; asmin kṣetre, saṃharaty eṣa devaḥ | Analyse ▾ Analyse ▴
eka
Karmadhāraya-Kompositum
Zahlwort
je, jeweils ein
ekam
Akkusativ Singular Neutrum
Zahlwort
einzelnes
jālam
Akkusativ Singular
Substantiv Neutrum
Netz
bahudhā
Adverb
vielfach, auf vielerlei Weise
vikurvan
Nominativ Singular Maskulin Partizip Präsens Aktiv
Präfix
Verbalwurzel
verwandelnd, entfaltend
asmin
Lokativ Singular Neutrum
Pronomen dem
in diesem
kṣetre
Lokativ Singular
Substantiv Neutrum
Feld, Bereich
saṃharati
3. Person Singular Aktiv Präsens
Präfix
Verbalwurzel
er zieht zusammen, nimmt zurück
eṣaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Pronomen dem
dieser, er
devaḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Gott, das göttliche Wesen
भूयः सृष्ट्वा पतयस्तथेशः सर्वाधिपत्यं कुरुते महात्मा ||3||
bhūyaḥ sṛṣṭvā, patayas tatheśaḥ; sarvādhipatyaṃ, kurute mahātmā ||3|| Analyse ▾ Analyse ▴
bhūyas
Adverb
wiederum, erneut
sṛṣṭvā
Absolutus
Verbalwurzel
nachdem er erschaffen hat
patayaḥ
Nominativ Plural
Substantiv Maskulin
Herren, Lenker
tathā
Adverb
ebenso, so
īśaḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Herr, Gebieter
sarva
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Pronomen quant
über alles, von allen
ādhipatyam
Akkusativ Singular
Substantiv Neutrum
Oberherrschaft
kurute
3. Person Singular Medial Präsens
Verbalwurzel
er übt aus, vollbringt
mahā
Karmadhāraya-Kompositum
Adjektiv
groß
ātmā
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Selbst, Seele
Metrum: Pāda 1: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 2: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang; Pāda 3: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang — 10 Silben; Pāda 4: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang
Jedes einzelne (ekaikaṃ | acc sg n) Netz (jālam | acc sg) entfaltet er auf vielfache Weise (bahudhā), [es] verwandelnd (vikurvan | nom sg m pca); in diesem Feld (asmin kṣetre | loc sg) zieht [es] zusammen (saṃharati | 3p sg act pres) dieser Gott (eṣa devaḥ | nom sg). Wiederum (bhūyaḥ), nachdem er [sie] erschaffen hat (sṛṣṭvā | abs), [stehen] die Herren (patayaḥ | nom pl) ebenso (tathā) [unter ihm]; [als] der Herr (īśaḥ | nom sg) übt die allumfassende (sarva | tp gen) Oberherrschaft (ādhipatyam | acc sg) aus (kurute | 3p sg med pres), das große Selbst (mahātmā | nom sg).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Dieser Gott entfaltet in diesem Feld für jedes Wesen ein vielfältiges Netz und zieht es wieder in sich zurück. Der Herr, das große Selbst, erschafft erneut die Lenker der Welt und übt über alle die höchste Herrschaft aus.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya versteht jedes Netz als die je besondere Saṃsāra-Welt von Göttern, Menschen oder Tieren. Gott breitet sie im Feld der Māyā aus und zieht sie wieder ein. In jedem Weltalter erschafft er erneut Marīci und andere Lenker.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda nennt das Māyā-Netz ein für jedes Lebewesen eingerichtetes Weltgeflecht. Der selbstleuchtende Herr entfaltet und beendet es am jeweiligen Geburtsort, bringt die Prajāpatis erneut hervor und bleibt als großes Selbst sogar der Herr über alle Herrschenden.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa deutet das Netz als Bindung durch Karma und dessen vielfältige Früchte. In seiner Jīva-Lesart ist das Feld die jeweilige Geburt, während Īśvara dem verkörperten Wesen Herrschaft über Leib und Sinne verleiht. Der umfassende Herr bleibt damit hinter jeder individuellen Wirksamkeit.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat beschreibt die Netze als kollektive und individuelle Komplexe von Innenorgan, Lebenskräften und Sinnen, die Lebewesen wie Fische binden. Gott entfaltet sie durch Māyā, nimmt sie in die Urnatur zurück und setzt Hiraṇyagarbha und weitere kosmische Lenker ein.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
patayas tatheśaḥ LV1958, ASS1927 ] yas tu patis tatheśaḥ LV1958-app
Kritischer Apparat
Der Gott, der vielfach ein Netz nach dem andern Im Raum ausbreitet hier und wieder einzieht. Durch seine Helfer<1> fortschaffend, hochsinnig, Betätigt so als Herrscher seine Allmacht.
<1: Wörtlich „als seine Helfer“; er verwandelt sich selbst in sie. Vgl. über diese, schon im Ṛgveda vorkommenden, Helfer bei der Schöpfung Gesch. d. Phil. I, 137 und zu ihrem Namen yati „die sich Anstrengenden“ Ṛgv. 10,129,5: svadhā avastāt, prayatiḥ parastāt.>
Paul Deussen - 1921
That God spreads out each single net [of illusion] manifoldly, And draws it together here in the world.<3> Thus again, having created his Yatis,<4> the Lord (īśa), The Great Soul (mahātman), exercises universal overlordship.
<3: Literally, ‘in this field.’>
<4: ‘Marshals’; literally, ‘Exercisers.’ According to RV. 10. 72. 7 they were Demiurges who assisted in the creation of the world.>
Robert Hume - 1921
Having transformed each group (of cause and effect) into various forms (in many ways), this Luminous Being withdraws (them to their) ground—Maya; then again, having created the Lords as before, the Supreme Soul, God, holds supreme sway over all.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Der Gott, der vielfach ein Netz nach dem andern Im Raum ausbreitet hier und wieder einzieht. Durch seine Helfer<1> fortschaffend, hochsinnig, Betätigt so als Herrscher seine Allmacht.
<1: Wörtlich „als seine Helfer“; er verwandelt sich selbst in sie. Vgl. über diese, schon im Ṛgveda vorkommenden, Helfer bei der Schöpfung Gesch. d. Phil. I, 137 und zu ihrem Namen yati „die sich Anstrengenden“ Ṛgv. 10,129,5: svadhā avastāt, prayatiḥ parastāt.>
Paul Deussen - 1897
<8>In that field<9> in which the god, after spreading out one net after another<10> in various ways, draws it together again, the Lord, the great Self<11>, having further created the lords<1>, thus carries on his lordship over all.
<8: The MSS. read yasmin for asmin, and patayas for yatayas, which the commentator explains by patīn.>
<9: The world, or the mūlaprakṛti, the net being the saṃsāra.>
<10: Śaṅkara explains ekaikam by pratyekam, i.e. for every creature, such as gods, men, beasts, &c.>
<11: I doubt whether mahātmā should be translated by the great Self, or whether great would not be sufficient. The whole verse is extremely difficult.>
<1: From Hiraṇyagarbha to insects; or beginning with Marīci.>
F. Max Müller - 1884
That God, having in various ways changed every kind (of existing principles) in that field (of Māyā),<1> destroys it (at last) again; having created the divine sages<2> in the same manner (as at a former period of creation), the Ruler, the great soul, rules supreme over all.
<1: The World.>
<2: The divine sages, according to Śankara, Marichi, and the other divine Rishis.>
Edward Röer - 1853
Śvetāśvatara Upaniṣad 5.4
सर्वा दिश ऊर्ध्वमधश्च तिर्यक्प्रकाशयन्भ्राजते यद्वानड्वान् |
sarvā diśa, ūrdhvam adhaś ca tiryak; prakāśayan, bhrājate yad vānaḍvān | Analyse ▾ Analyse ▴
sarvāḥ
Nominativ Plural Feminin
Pronomen quant
alle, sämtliche
diśaḥ
Nominativ Plural
Substantiv Feminin
Richtungen, Himmelsgegenden
ūrdhvam
Adverb
nach oben, oben
adhaḥ
Adverb
nach unten, unten
ca
Partikel
und
tiryak
Adverb
quer, ringsum
prakāśayan
Nominativ Singular Maskulin Partizip Präsens Aktiv Causativ
Präfix
Verbalwurzel
erleuchtend, sichtbar machend
bhrājate
3. Person Singular Medial Präsens
Verbalwurzel
er strahlt, leuchtet
yat
Partikel
wie, insofern wie
u
Partikel
nun, wahrlich
anaḍvān
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Zugstier, Sonnenstier
एवं स देवो भगवान्वरेण्यो योनिस्वभावानधितिष्ठत्येकः ||4||
evaṃ sa devo, bhagavān vareṇyo; yoni-svabhāvān, adhitiṣṭhaty ekaḥ ||4|| Analyse ▾ Analyse ▴
evam
Adverb
so, auf diese Weise
saḥ
Nominativ Singular Maskulin
Pronomen dem
er, jener
devaḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Gott, das göttliche Wesen
bhagavān
Nominativ Singular Maskulin
Adjektiv
erhaben, glücksmächtig
vareṇyaḥ
Nominativ Singular Maskulin Partizip Futur Passiv
Verbalwurzel
zu erwählen, verehrungswürdig
yoni
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Feminin
des Ursprungs, der Ursache
svabhāvān
Akkusativ Plural
Substantiv Maskulin
die von Ursprungsnatur, verursachten Wesen
adhitiṣṭhati
3. Person Singular Aktiv Präsens
Präfix
Verbalwurzel
er beherrscht, steht vor
ekaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Zahlwort
der eine
Metrum: Pāda 1: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 2: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang; Pāda 3: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 4: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang
Alle Himmelsrichtungen (sarvā diśaḥ | nom pl), nach oben (ūrdhvam), nach unten (adhaḥ) und (ca) quer ringsum (tiryak) erleuchtend (prakāśayan | nom sg m pca caus), strahlt er (bhrājate | 3p sg med pres), wie (yat) wahrlich (u) der Sonnenstier (anaḍvān | nom sg). So (evam) beherrscht er (saḥ | nom sg m), Gott (devaḥ | nom sg), der Erhabene (bhagavān | nom sg m), der Verehrungswürdige (vareṇyaḥ | nom sg m pfp), die Wesen von Ursprungsnatur (yoni-svabhāvān | acc pl); er steht [ihnen] vor (adhitiṣṭhati | 3p sg act pres), der Eine (ekaḥ | nom sg m).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Wie die Sonne alle Richtungen über, unter und rings um uns erhellt, so herrscht der eine erhabene und verehrungswürdige Gott über alle Wesen und ihre Ursprünge.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya löst yad u anaḍvān als Vergleich auf: Wie der als Sonnenstier gedachte Āditya das Weltrad erhellt, so lässt das Bewusstseinslicht Gottes alle Richtungen erscheinen. Der eine Herr regiert zugleich die ursächlichen Elemente und ihre Entfaltungen.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda identifiziert den Stier mit der Sonne, die auf ihrem Weg alle Richtungen beleuchtet. Ebenso strahlt der selbstleuchtende, mit den sechs göttlichen Vollkommenheiten ausgestattete Bhagavān. Als der Eine ohne innere Trennung steht er allen Ursachen und daraus entstandenen Formen vor.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa erklärt yad u anaḍvān am Bild des selbständigen Stiers in der Herde. So leuchtet und herrscht Gott im Verband von Leib und Sinnen, ohne von ihm abhängig zu sein. Trotz möglicher Jīva-Anklänge entscheidet der Lehrzusammenhang für die Īśvara-Deutung.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat nimmt yad u ausdrücklich im Sinn von „wie“ und deutet anaḍvān als den Sonnenstier, der vor das Weltrad gespannt ist. Entsprechend erhellt Gottes eigenes Bewusstseinslicht alles. Der verehrungswürdige Eine lenkt die Ursachen von der Urnatur bis zu ihren feinsten Wirkungen.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
yad vānaḍvān LV1958 ] yad u anaḍvān ASS1927
Kritischer Apparat
Wie alle Weiten, oben, unten, querdurch, Erleuchtend, strahlt der Sonnenstier am Himmel, So lenkt der Gott, der heilige, liebwerte, Als einer alles Mutterschoßentsprungne.
Paul Deussen - 1921
As the illumining sun shines upon All regions, above, below, and across, So that One God, glorious, adorable, Rules over whatever creatures are born from a womb.
Robert Hume - 1921
Just as the Sun, giving light to all the directions, above, below, and the intermediate sides, shines; in the same way, He, the Luminous Being, the Lord of Powers, Adorable, and One (without a second), governs (all) the causes.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Wie alle Weiten, oben, unten, querdurch, Erleuchtend, strahlt der Sonnenstier am Himmel, So lenkt der Gott, der heilige, liebwerte, Als einer alles Mutterschoßentsprungne.
Paul Deussen - 1897
As the car (of the sun) shines, lighting up all quarters, above, below, and across, thus does that god, the holy, the adorable, being one, rule over all that has the nature of a germ<2>.
<2: Cf. IV, 11; V, 2.>
F. Max Müller - 1884
As the sun, manifesting all parts of space, above, between, and below, shines resplendent, so over-rules the all-glorious, adorable God, one alone, all that exists in likeness with its cause.<1>
<1: Yoniswabhābān (all that exists in likeness with its cause, viz. the five elements, which are the same with its cause,—nature) may be also rendered “Yoni: swabhābān” he, (Bramha) the cause (of the whole world) rules all (the elements), which partake of his nature.>
Edward Röer - 1853
Śvetāśvatara Upaniṣad 5.5
यच्च स्वभावं पचति विश्वयोनिः पाच्यांश्च सर्वान्परिणामयेद्यः |
yac ca sva-bhāvaṃ, pacati viśva-yoniḥ; pācyāṃś ca sarvān, pariṇāmayed yaḥ | Analyse ▾ Analyse ▴
yat
Akkusativ Singular Neutrum
Pronomen rel
was, welches
ca
Partikel
und
sva
Karmadhāraya-Kompositum
Adjektiv
eigen
bhāvam
Akkusativ Singular
Substantiv Maskulin
Wesen, Natur
pacati
3. Person Singular Aktiv Präsens
Verbalwurzel
er lässt reifen, entwickelt
viśva
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Pronomen quant
von allem, des Alls
yoniḥ
Nominativ Singular
Substantiv Feminin
Ursprung, Quelle
pācyān
Akkusativ Plural Maskulin Partizip Futur Passiv
Verbalwurzel
die zu Reifenden, zu Entwickelnden
ca
Partikel
und
sarvān
Akkusativ Plural Maskulin
Pronomen quant
alle, sämtliche
pariṇāmayet
3. Person Singular Aktiv Optativ Causativ
Präfix
Verbalwurzel
er möge verwandeln, zur Reife führen
yaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Pronomen rel
welcher, der
सर्वमेतद्विश्वमधितिष्ठत्येको गुणांश्च सर्वान्विनियोजयेद्यः ||5||
sarvam etad, viśvam adhitiṣṭhaty eko; guṇāṃś ca sarvān, viniyojayed yaḥ ||5|| Analyse ▾ Analyse ▴
sarvam
Akkusativ Singular Neutrum
Pronomen quant
alles, das ganze
etat
Akkusativ Singular Neutrum
Pronomen dem
dieses
viśvam
Akkusativ Singular Neutrum
Adjektiv
All, Welt
adhitiṣṭhati
3. Person Singular Aktiv Präsens
Präfix
Verbalwurzel
er beherrscht, steht vor
ekaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Zahlwort
der eine
guṇān
Akkusativ Plural
Substantiv Maskulin
Eigenschaften, Guṇas
ca
Partikel
und
sarvān
Akkusativ Plural Maskulin
Pronomen quant
alle, sämtliche
viniyojayet
3. Person Singular Aktiv Optativ Causativ
Präfix
Präfix
Verbalwurzel
er möge zuteilen, einsetzen
yaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Pronomen rel
welcher, der
Metrum: Pāda 1: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang — 12 Silben; Pāda 2: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 3: Jagatī mit Vaṃśa-Ausklang; Pāda 4: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang
Was (yat | acc sg n) auch (ca) [sein] eigenes Wesen (sva-bhāvam | acc sg) [ist], lässt [es] reifen (pacati | 3p sg act pres), der Ursprung des Alls (viśva-yoniḥ | nom sg). Die zu Reifenden (pācyān | acc pl m pfp) aber (ca), und zwar sämtliche (sarvān | acc pl m), möge verwandeln (pariṇāmayet | 3p sg act opt caus), wer (yaḥ | nom sg m) [sie lenkt]. Alles (sarvam | acc sg n), dieses (etat | acc sg n), das ganze All (viśvam | acc sg n), beherrscht (adhitiṣṭhati | 3p sg act pres) der Eine (ekaḥ | nom sg m). Die Guṇas (guṇān | acc pl) und (ca) sämtliche (sarvān | acc pl m) [Eigenschaften] möge zuteilen (viniyojayet | 3p sg act opt caus), wer (yaḥ | nom sg m) [sie ordnet].
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Er ist der Ursprung des Alls: Er lässt die Natur der Dinge reifen, verwandelt alles, was sich entfalten soll, und teilt den Wesen ihre Eigenschaften zu. Als der Eine herrscht er über die ganze Welt.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya versteht das Reifen als Hervorbringen der den Dingen eigenen Wirkung, etwa der Hitze des Feuers. Der Weltursprung verwandelt die geeigneten Elemente, beherrscht das Ganze und weist allen Erscheinungen Sattva, Rajas und Tamas zu.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda bezieht Svabhāva sowohl auf Ursache und Wirkung als auch auf die sechs Veränderungen des Entstehens und Vergehens. Der Eine lässt bereits entstandene Dinge weiterreifen und verteilt Farben, Eigenschaften und Funktionen so, dass jede Wirkung ihren bestimmten Platz erhält.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa lässt den Herrn die Eigenkräfte von Sprache und anderen Fähigkeiten ihren Früchten entsprechend ausreifen. Er führt frühere Taten zur Wirkung und setzt Dharma sowie die Qualitäten Sattva und andere jeweils zur rechten Zeit bei den einzelnen Wesen ein.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat erklärt, dass bereits die bloße Gegenwart des Herrn die Ursachen reifen und als Wirkungen hervortreten lässt. Als innerer Lenker ordnet er Karmafolgen und verteilt Sattva, Rajas und Tamas gemäß Verdienst und Schuld. Deshalb soll er als das eigene Selbst erkannt werden.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
Wenn seinem Wesen zureift aller Ursprung<2>, Was reifen soll, er macht es alles wachsen, Er lenkt als einer alles hier und jedes, Verteilend einzeln alle Sonderheiten.
<2: viśvayoniḥ soviel wie „alles Entsprungene“. Der Īśvara hat im Vedāntasystem die Aufgabe, die Werke der Seelen wachsen und reifen zu machen, wie der Regen die Pflanzen, und ferner, die Vergeltung, den Werken entsprechend, zu verteilen; Brahmasūtra 2,1,34. 2,3,42 (S. 312. 431 meiner Übersetzung).>
Paul Deussen - 1921
The source of all, who develops his own nature, Who brings to maturity whatever can be ripened, And who distributes all qualities (guṇa)—Over this whole world rules the One.
Robert Hume - 1921
And (He alone should be known) who develops the nature (of things), who is the cause of the Universe, who transforms all the things requiring development, who, being One (without a second), governs this whole universe, and who unites all the qualities.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Wenn seinem Wesen zureift aller Ursprung<2>, Was reifen soll, er macht es alles wachsen, Er lenkt als einer alles hier und jedes, Verteilend einzeln alle Sonderheiten.
<2: viśvayoniḥ soviel wie „alles Entsprungene“. Der Īśvara hat im Vedāntasystem die Aufgabe, die Werke der Seelen wachsen und reifen zu machen, wie der Regen die Pflanzen, und ferner, die Vergeltung, den Werken entsprechend, zu verteilen; Brahmasūtra 2,1,34. 2,3,42 (S. 312. 431 meiner Übersetzung).>
Paul Deussen - 1897
He, being one, rules over all and everything, so that the universal germ ripens its nature, diversifies all natures that can be ripened<3>, and determines all qualities<4>.
<3: MS. B. has prācyān, and explains it by pūrvotpannān.>
<4: This is again a very difficult verse. I have taken viśvayoniḥ as a name for Brahman, possessed of that devātmaśakti which was mentioned before, but I feel by no means satisfied. The commentators do not help, because they do not see the difficulty of the construction. If one might conjecture, I should prefer pacet for pacati, and should write pariṇāmayed yat, and viniyojayed yat, unless we changed yac ca into yaś ca.>
F. Max Müller - 1884
He, who, the cause of the universe, brings to maturity the nature (of all), who changes all beings, which can be brought to maturity, who, one alone, overrules this whole universe, and who distributes all the qualities (to the things to which they belong),
Edward Röer - 1853
Śvetāśvatara Upaniṣad 5.6
तद्वेदगुह्योपनिषत्सु गूढं तद्ब्रह्मा वेदते ब्रह्मयोनिम् |
tad veda-guhyo,paniṣatsu gūḍhaṃ; tad brahmā vedate, brahma-yonim | Analyse ▾ Analyse ▴
tat
Akkusativ Singular Neutrum
Pronomen dem
das, jenes
veda
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Maskulin
des Veda, der Veden
guhya
Karmadhāraya-Kompositum
Adjektiv
geheim, verborgen
upaniṣatsu
Lokativ Plural
Substantiv Feminin
in den Upaniṣaden
gūḍham
Akkusativ Singular Neutrum Partizip Perfekt Passiv
Verbalwurzel
verborgen
tat
Akkusativ Singular Neutrum
Pronomen dem
das, jenes
brahmā
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Brahmā, Hiraṇyagarbha
vedate
3. Person Singular Medial Präsens
Verbalwurzel
er kennt, weiß
brahma
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Neutrum
des Brahman, des heiligen Wortes
yonim
Akkusativ Singular
Substantiv Feminin
Ursprung, Quelle
ये पूर्वं देवा ऋषयश्च तद्विदुस्ते तन्मया अमृता वै बभूवुः ||6||
ye pūrvaṃ devā, ṛṣayaś ca tad vidus; te tan-mayā, amṛtā vai babhūvuḥ ||6|| Analyse ▾ Analyse ▴
ye
Nominativ Plural Maskulin
Pronomen rel
diejenigen, welche
pūrvam
Adverb
früher, in alter Zeit
devāḥ
Nominativ Plural
Substantiv Maskulin
Götter
ṛṣayaḥ
Nominativ Plural
Substantiv Maskulin
Seher, Weise
ca
Partikel
und
tat
Akkusativ Singular Neutrum
Pronomen dem
das, jenes
viduḥ
3. Person Plural Aktiv Perfekt
Verbalwurzel
sie haben erkannt, wussten
te
Nominativ Plural Maskulin
Pronomen dem
sie, jene
tad
Tatpuruṣa-Kompositum Instrumentalis
Pronomen dem
daraus, aus ihm
mayāḥ
Nominativ Plural Maskulin
Adjektiv
bestehend, damit wesensgleich
amṛtāḥ
Nominativ Plural Maskulin
Adjektiv
unsterblich
vai
Partikel
wahrlich, gewiss
babhūvuḥ
3. Person Plural Aktiv Perfekt
Verbalwurzel
sie sind geworden
Metrum: Pāda 1: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 2: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang — 10 Silben; Pāda 3: Jagatī mit Vaṃśa-Ausklang; Pāda 4: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang
Jenes (tat | acc sg n) ist in den geheimen Upaniṣaden des Veda (veda-guhyopaniṣatsu | loc pl) verborgen (gūḍham | acc sg n ppp). Jenes (tat | acc sg n) kennt Brahmā (brahmā | nom sg); er weiß [es] (vedate | 3p sg med pres) als Ursprung des Brahman (brahma-yonim | acc sg). Diejenigen (ye | nom pl m), [die] früher (pūrvam) [lebten], die Götter (devāḥ | nom pl), die Seher (ṛṣayaḥ | nom pl) und (ca) [Weisen], haben jenes (tat | acc sg n) erkannt (viduḥ | 3p pl act perf). Sie (te | nom pl m) sind ihm wesensgleich (tan-mayāḥ | nom pl m) [und] unsterblich (amṛtāḥ | nom pl m), wahrlich (vai), geworden (babhūvuḥ | 3p pl act perf).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Er ist in den geheimen Upaniṣaden des Veda verborgen; Brahmā erkennt ihn als Ursprung des heiligen Wortes. Die Götter und Seher der Vorzeit, die ihn erkannten, wurden eins mit ihm und erlangten Unsterblichkeit.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya findet das Selbstwissen verborgen in den geheimen Upaniṣaden. Brahmā erkennt den Herrn als Ursprung des Veda oder Hiraṇyagarbhas. Frühere Götter und Seher wurden durch dieselbe Erkenntnis wesenseins mit ihm und unsterblich; dies gilt ebenso für gegenwärtig Suchende.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda verbindet das Verborgene mit den upaniṣadischen Mahāvākyas wie tat tvam asi. Hiraṇyagarbha erkennt den unbegrenzten Ursprung; Götter, Seher und Menschen, die ihm folgen, werden von Avidyā und ihren Wirkungen frei, nehmen Brahman zum einzigen Wesen und überschreiten den Tod.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa sagt knapp, dass der Jīva das in den Upaniṣaden verborgene höchste Brahman findet. Dieses ist Ursprung des Veda; schon die früheren Götter erkannten es und wurden unsterblich. Die Stelle verbindet damit Schriftüberlieferung, innere Erkenntnis und Befreiung.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat unterscheidet drei Lehrbereiche: den rituellen Veda, das Āraṇyaka mit saguṇa-Verehrung und die Upaniṣaden mit Erkenntnis des eigenschaftslosen Brahman. Brahmā und frühere Seher verwirklichten den Herrn als eigenes Selbst; mit dem Ende der Avidyā offenbarte sich ihre Unsterblichkeit.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
vedaguhyopaniṣatsu LV1958, ASS1927 ] veda guhyaṃ upaniṣatsu LV1958-app

pūrvaṃ devā LV1958, ASS1927 ] pūrvadevāḥ LV1958-app
Kritischer Apparat
Was im Veda-Geheimteil Upanishad-Geheimnis, Gott Brahmán kennt es als des Veda Urquell; Die das erkannt, der Vorzeit Götter, Weise, Zu ihm geworden, sind unsterblich worden.
Paul Deussen - 1921
That which is hidden in the secret of the Vedas, even the Upanishads—Brahmā knows That as the source of the sacred word (brahman). The gods and seers of old who knew That, They, [coming to be] of Its nature, verily, have become immortal.
Robert Hume - 1921
He is hidden in the secret Upanisadas of the Vedas; Hiranyagarbha knows Him to be the cause of the Vedas (or of Hiranyagarbha); those, the gods and the sages, who, in former times, knew Him, being identified with Him, became certainly immortal.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Was im Veda-Geheimteil Upanishad-Geheimnis, Gott Brahmán kennt es als des Veda Urquell; Die das erkannt, der Vorzeit Götter, Weise, Zu ihm geworden, sind unsterblich worden.
Paul Deussen - 1897
<5>Brahmā (Hiraṇyagarbha) knows this, which is hidden in the Upanishads, which are hidden in the Vedas, as the Brahma-germ. The ancient gods and poets who knew it, they became it and were immortal.
<5: This verse admits of various translations, and requires also some metrical emendations. Thus Vijñānātman explains vedaguhyopaniṣatsu very ingeniously by the Veda, i.e. that part of it which teaches sacrifices and their rewards; the Guhya, i.e. the Āraṇyaka, which teaches the worship of Brahman under various legendary aspects; and the Upanishads, which teach the knowledge of Brahman without qualities. These three divisions would correspond to the karmakāṇḍa, yogakāṇḍa, and jñānakāṇḍa. (Jaimini, Patañjali, Bādarāyaṇa). See Deussen, Vedānta, p. 20. Mr. Gough and Dr. Roer take Brahmayoni as ‘the source of the Veda,’ or as the source of Hiraṇyagarbha. The irregular form vedate may be due to a corruption of vedānte.>
F. Max Müller - 1884
He is concealed in the Upanishads, that are concealed in the Vēdas. Him Bramha knows as the source of the Vēdas (or as the source of Hiranyagarbha.) The former gods and sages who knew him, became indeed of his own nature, (became) immortal.
Edward Röer - 1853

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