PYS 2.3–9: Fünf Kleśa
PYS 2.3–9: Fünf Kleśa

Yogaśāstra 2.3–9: Formen verkehrter Erkenntnis

Avidyā nährt Asmitā, Rāga, Dveṣa und Abhiniveśa. Diese Verkennungen halten den Wandel der Guṇa, Karma und Wiedergeburt in Gang.

Dr. Ronald Steiner Dr. Ronald Steiner Laura von Ostrowski Laura von Ostrowski
Patañjali Yoga Sūtra 2.3
अविद्यास्मितारागद्वेषाभिनिवेशाः क्लेशाः ||3||
avidyāsmitā-rāga-dveṣābhiniveśāḥ kleśāḥ ||3|| Analyse ▾ Analyse ▴
avidyā
Dvandva-Kompositum
Substantiv Feminin
Nichtwissen
asmitā
Dvandva-Kompositum
Substantiv Feminin
Ichbewusstsein
rāga
Dvandva-Kompositum
Substantiv Maskulin
Anhaften
dveṣa
Dvandva-Kompositum
Substantiv Maskulin
Abneigung
abhiniveśāḥ
Nominativ Plural
Substantiv Maskulin
Festhalten am Leben
kleśāḥ
Nominativ Plural
Substantiv Maskulin
leidverursachende Faktoren
Unwissenheit, Ichheit, Anhaften, Abneigung und Festhalten am Leben (avidyāsmitā-rāga-dveṣābhiniveśāḥ | nom pl) [sind] die Kleśa (kleśāḥ | nom pl).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Wenn Du innerlich eng wirst, prüfe freundlich, was wirkt: Unklarheit (avidyā), Festhalten am Ich-Bild (asmitā), Habenwollen (rāga), Wegstoßen (dveṣa) oder Angst vor Verlust (abhiniveśa). Benennen schafft Abstand, ohne Dich auf ein Muster festzulegen.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Vyāsa-Bhāṣya bestimmt die fünf Kleśa als fünf Formen verkehrter Erkenntnis (viparyaya). Wenn sie wirksam sind, festigen sie die Tätigkeit der Guṇa, halten den Wandel in Gang, verstärken den Strom von Ursache und Wirkung und bringen, einander stützend, die Reifung des Karma hervor.

Yoga Śāstra Vyāsa-Bhāṣya
The afflictions are ignorance, egotism, desire, aversion and tenacity (of Mundane existence).
James R. Ballantyne - 1852
Ignorance, Egoism, Desire, Aversion, and Attachment are the five distractions.
Ganganatha Jha - 1907
Die fünf kleśa sind: Nichtwissen Egoismus, Liebe, Haß und Lebenshang.
Paul Deussen - 1908
Undifferentiated-consciousness (avidyā) and the feeling-of-personality and passion and aversion and the will-to-live are the five <1> hindrances.
James Haughton Woods - 1914
Patañjali Yoga Sūtra 2.4
अविद्या क्षेत्रमुत्तरेषां प्रसुप्ततनुविच्छिन्नोदाराणाम् ||4||
avidyā kṣetram uttareṣāṃ prasupta-tanu-vicchinnodārāṇām ||4|| Analyse ▾ Analyse ▴
avidyā
Nominativ Singular
Substantiv Feminin
Nichtwissen
kṣetram
Nominativ Singular
Substantiv Neutrum
Nährboden
uttareṣām
Genitiv Plural Maskulin
Adjektiv
der folgenden [vier]
prasupta
Dvandva-Kompositum Partizip Perfekt Passiv
Präfix
Verbalwurzel
schlafenden
tanu
Dvandva-Kompositum
Adjektiv
abgeschwächten
vicchinna
Dvandva-Kompositum Partizip Perfekt Passiv
Präfix
Verbalwurzel
unterbrochenen
udārāṇām
Genitiv Plural Maskulin
Adjektiv
voll wirksamen
Unwissenheit (avidyā | nom sg) [ist] das Feld (kṣetram | nom sg) der übrigen [vier Kleśa] (uttareṣām | gen pl m), ob sie ruhend, abgeschwächt, unterbrochen oder voll hervorgetreten sind (prasupta-tanu-vicchinnodārāṇām | gen pl m).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Innere Muster (kleśa) haben verschiedene Lautstärken: Sie können schlafen, leise werden, zeitweise verschwinden oder den ganzen Raum einnehmen (prasupta, tanu, vicchinna, udāra). Nimm ihre Stärke wahr, bevor Du handelst.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Avidyā ist der Nährboden der übrigen Kleśa. Das Vyāsa-Bhāṣya erläutert deren vier Zustände: schlafend als bloße Samenanlage, abgeschwächt durch Gegenkultivierung, unterbrochen, wenn zeitweilig ein anderer Kleśa hervortritt, und voll wirksam an einem Gegenstand. Beim Wissenden mit verbrannten Kleśa-Samen komme als fünfter Zustand ihre endgültige Keimunfähigkeit hinzu. Alle Kleśa seien Ausprägungen der Avidyā und nähmen mit ihr ab.

Yoga Śāstra Vyāsa-Bhāṣya
Ignorance is the field of the others, whether they be dormant extenuated, intercepted or simple.
James R. Ballantyne - 1852
Ignorance is the breeding ground for those that follow—( whether they be ) dormant, weak, intercepted, or operative.
Ganganatha Jha - 1907
Das Nichtwissen (avidyā) ist der Boden für die übrigen [vier], mögen sie nun schlummernd (latent), schwach, zwiespältig [unter einander] oder voll entwickelt sein.
Paul Deussen - 1908
Undifferentiated-consciousness (avidyā) is the field for the others whether they be dormant or attenuated or intercepted or sustained.
James Haughton Woods - 1914
Patañjali Yoga Sūtra 2.5
अनित्याशुचिदुःखानात्मसु नित्यशुचिसुखात्मख्यातिरविद्या ||5||
anityāśuci-duḥkhānātmasu nitya-śuci-sukhātma-khyātir avidyā ||5|| Analyse ▾ Analyse ▴
anitya
Dvandva-Kompositum
Adjektiv
Vergänglichen
aśuci
Dvandva-Kompositum
Adjektiv
Unreinen
duḥkha
Dvandva-Kompositum
Substantiv Neutrum
Leidvollen
anātmasu
Lokativ Plural
Substantiv Maskulin
in Nicht-Selbsten
nitya
Dvandva-Kompositum
Adjektiv
Ewiges
śuci
Dvandva-Kompositum
Adjektiv
Reines
sukha
Dvandva-Kompositum
Substantiv Neutrum
Glück
ātma
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Maskulin
Selbst
khyātiḥ
Nominativ Singular
Substantiv Feminin
Auffassung
avidyā
Nominativ Singular
Substantiv Feminin
Nichtwissen
Unwissenheit (avidyā | nom sg) [ist] die Erkenntnis des Ewigen, Reinen, Lustvollen und des Selbst (nitya-śuci-sukhātma-khyātiḥ | nom sg) im Vergänglichen, Unreinen, Leidvollen und Nicht-Selbst (anityāśuci-duḥkhānātmasu | loc pl).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Halte inne, wenn Du Vergängliches für sicher, Belastendes für beglückend oder eine Rolle für Dein ganzes Selbst hältst (avidyā). Frage Dich: Was ist hier tatsächlich wahr und heilsam?
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Vyāsa-Bhāṣya entfaltet die vierfache Verkennung: Vergängliches gilt als ewig, der als äußerst unrein beschriebene Körper als rein, Leidvolles als Glück und Nicht-Selbst – etwa Körper oder Geist – als Selbst. Avidyā ist die Wurzel der Kleśa und des zur Reifung kommenden Karma-Speichers. Sie ist nicht bloß fehlendes Wissen, sondern eine dem Wissen entgegengesetzte Erkenntnis.

Yoga Śāstra Vyāsa-Bhāṣya
Ignorance (avidyā) is the notion that the uneternal, the impure, evil and what is not soul are (severally) eternal, pure, joy and soul.
James R. Ballantyne - 1852
Ignorance is the notion of the identity of the eternal, the pure, the joyous and the spirit, with that which is non-eternal, impure, painful and non-spirit.
Ganganatha Jha - 1907
Nichtwissen (avidyā) ist die Auffassung des Nicht-Ewigen, Unreinen, Leidvollen und Nicht-Selbstes als ewig, rein, lustvoll und als das Selbst.
Paul Deussen - 1908
The recognition of the permanent, of the pure, of pleasure, and of a self in what is impermanent, impure, pain, and notself is undifferentiated-consciousness.
James Haughton Woods - 1914
Patañjali Yoga Sūtra 2.6
दृग्दर्शनशक्त्योरेकात्मतेवास्मिता ||6||
dṛg-darśana-śaktyor ekātmatevāsmitā ||6|| Analyse ▾ Analyse ▴
dṛk
Dvandva-Kompositum
Substantiv Feminin
des Sehenden
darśana
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Neutrum
des Seh-Instruments
śaktyoḥ
Genitiv Dual
Substantiv Feminin
der beiden Kräfte
eka
Karmadhāraya-Kompositum
Zahlwort
eine
ātmatā
Nominativ Singular
Substantiv Feminin
Identität
iva
Partikel
gleichsam
asmitā
Nominativ Singular
Substantiv Feminin
Ichbewusstsein
Ichheit (asmitā | nom sg) [ist] gleichsam (iva) die Einheit (ekātmatā | nom sg) der Kraft des Sehenden [Puruṣa] und der Kraft des Erkenntnisinstruments [Buddhi] (dṛg-darśana-śaktyoḥ | gen du).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Wenn Wahrnehmen (dṛg) und das Instrument des Wahrnehmens (darśana) verschmelzen, wird eine Momentaufnahme schnell zum „Ich“ (asmitā). Spüre einen Gedanken oder Körperzustand, ohne ihn zu Deiner ganzen Identität zu machen.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Asmitā ist die scheinbare Identität der Kraft des Sehens, Puruṣa, und der Erkenntniskraft, Buddhi. Obwohl Genießender und Genießbares vollständig verschieden und unvermengt sind, ermöglicht ihr scheinbares Ungetrenntsein Erfahrung; in der Erkenntnis ihrer je eigenen Natur liegt Kaivalya.

Yoga Śāstra Vyāsa-Bhāṣya
Egotism (asmitā) is the identifying of the power that sees with the power of seeing.
James R. Ballantyne - 1852
Egoism is the identifying of the power that sees with the power of seeing.
Ganganatha Jha - 1907
Egoismus (asmitā) ist die Identifikation der Potenzen des Sehenden und des Sehens [des puruṣa und des Innenorgans, bei welchem letztern Organ und Funktion nach Sāṃkhya-Kārikā 29: svālakṣaṇyam vṛttis trayasya, zusammenfallen.]
Paul Deussen - 1908
When the power of seeing and the power by which one sees have the appearance (iva) of being a single-self, [this is] the feeling-of-personality.
James Haughton Woods - 1914
Patañjali Yoga Sūtra 2.7
सुखानुशयी रागः ||7||
sukhānuśayī rāgaḥ ||7|| Analyse ▾ Analyse ▴
sukha
Tatpuruṣa-Kompositum Lokativ
Substantiv Neutrum
auf Lust
anuśayī
Nominativ Singular Maskulin
Adjektiv
beruhend
rāgaḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Anhaften
Anhaften (rāgaḥ | nom sg) [ist] das, was einer Lusterfahrung folgt (sukhānuśayī | nom sg m).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Freude hinterlässt eine Spur und kann zu Habenwollen werden (rāga). Genieße das Angenehme (sukha), ohne es festhalten oder wiederholen zu müssen.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Rāga ist das aus der Erinnerung an erfahrenes Glück hervorgehende Begehren, Dürsten oder Gieren nach diesem Glück oder nach seinen Mitteln.

Yoga Śāstra Vyāsa-Bhāṣya
Desire is what dwells on pleasure.
James R. Ballantyne - 1852
Desire is that which dwells on pleasure.
Ganganatha Jha - 1907
Auf Lust beruhend ist die Liebe.
Paul Deussen - 1908
Passion is that which dwells <1> upon pleasure.
James Haughton Woods - 1914
Patañjali Yoga Sūtra 2.8
दुःखानुशयी द्वेषः ||8||
duḥkhānuśayī dveṣaḥ ||8|| Analyse ▾ Analyse ▴
duḥkha
Tatpuruṣa-Kompositum Lokativ
Substantiv Neutrum
auf Schmerz
anuśayī
Nominativ Singular Maskulin
Adjektiv
beruhend
dveṣaḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Abneigung
Abneigung (dveṣaḥ | nom sg) [ist] das, was einer Leiderfahrung folgt (duḥkhānuśayī | nom sg m).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Schmerz kann eine Spur des Wegstoßens hinterlassen (dveṣa). Achte Deine Grenze, ohne jede Erinnerung an das Unangenehme (duḥkha) zum Feind zu machen.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Dveṣa ist die aus der Erinnerung an erfahrenes Leid hervorgehende Abwehr gegen dieses Leid oder seine Mittel: Widerstand, Groll, Schädigungsabsicht und Zorn.

Yoga Śāstra Vyāsa-Bhāṣya
Aversion is what dwells on pain.
James R. Ballantyne - 1852
Aversion is that which dwells on pain.
Ganganatha Jha - 1907
Auf Schmerz beruhend ist der Haß.
Paul Deussen - 1908
Aversion <1 > is that which dwells upon pain.
James Haughton Woods - 1914
Patañjali Yoga Sūtra 2.9
स्वरसवाही विदुषो ऽपि तथा रूढो ऽभिनिवेशः ||9||
svarasa-vāhī viduṣo 'pi tathā rūḍho 'bhiniveśaḥ ||9|| Analyse ▾ Analyse ▴
svarasa
Tatpuruṣa-Kompositum Instrumentalis
Substantiv Maskulin
durch den eigenen Antrieb
vāhī
Nominativ Singular Maskulin
Adjektiv
fortgetragen
viduṣaḥ
Genitiv Singular Maskulin
Adjektiv
selbst des Wissenden
api
Partikel
auch
tathā
Partikel
ebenso
rūḍhaḥ
Nominativ Singular Maskulin Partizip Perfekt Passiv
Verbalwurzel
fest verwurzelt
abhiniveśaḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Festhalten am Leben
Das aus eigener Neigung fortströmende (sva-rasa-vāhī | nom sg m), selbst (api) beim Weisen (viduṣaḥ | gen sg) ebenso (tathā) fest verwurzelte (rūḍhaḥ | nom sg m ppp) Festhalten am Leben (abhiniveśaḥ | nom sg) [ist ein Kleśa].
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Der Impuls, das Leben zu schützen (abhiniveśa), gehört zum Menschsein und kann auch bei großer Erfahrung auftauchen. Spüre den Boden, suche unterstützenden Kontakt und lass den Atem frei.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Abhiniveśa äußert sich in dem allen Lebewesen eigenen Wunsch: „Möge ich nicht aufhören zu sein.“ Das Vyāsa-Bhāṣya schließt aus der selbst beim neugeborenen Wurm anzutreffenden Todesfurcht auf in früheren Geburten erfahrenes Todesleid. Die daraus entstandene Vāsanā sei bei Wissenden ebenso eingewurzelt wie bei Unwissenden.

Yoga Śāstra Vyāsa-Bhāṣya
tathā rūḍho ] samārūḍho TKVD2019
tathā rūḍho ] samā-rūḍhaḥ CYS2026
Kritischer Apparat

tathā rūḍhaḥ bedeutet etwa „so verwurzelt/etabliert“, während samārūḍhaḥ die Vorstellung des festen oder vollständigen Aufgestiegenseins betont. KYMV2026 bestätigt die kürzere PE1904-Lesart; TKVD2019 und CYS2026 bieten samārūḍhaḥ. Die Variante verändert die Nuance des angeborenen Selbsterhaltungstriebs, nicht die Kernaussage; ein Versmetrum entscheidet sie nicht.

Apparat-Kommentar
Continuant through its self-reproductive property, even on the part of the wise attachment to the body is ‘tenacity of life’.
James R. Ballantyne - 1852
The well-known (distraction), that which flows in the current of its own residua, and which is well known to the learned even, is Attachment (or Tenacity of Life).
Ganganatha Jha - 1907
Die auch beim Weisen vorhandene, auf Selbstgeschmecktem [in einer frühern Geburt] beruhende (besser: vom Geschmack, Wohlgefallen an dem eigenen Selbst begleitete) Anhänglichkeit an den Leib ist der Lebenshang.
Paul Deussen - 1908
The will-to-live (abhiniveça) sweeping on [by the force of] its own nature <1> exists in this form even in the wise.
James Haughton Woods - 1914

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Illustrationen: KI-generiert.

Editor:innen

Dr. Ronald Steiner

Aus Ulm

Dr. Ronald Steiner, der „Yoga Doc“, begründete die AYI Methode: traditioneller Ashtanga, moderne Yogatherapie und lebendige Philosophie – als persönliche Praxis von sportlich-akrobatisch bis meditativ-therapeutisch. Er... mehr ›

Laura von Ostrowski

Ich bin 2004 das erste Mal mit Yoga in Berührung gekommen und habe seitdem unendlich viele Facetten kennengelernt. Einerseits die vielfältigen praktischen Seiten von Yoga - in Form verschiedener Ausbildungen (500 h... mehr ›

Nachrichten und Bewertungen
4 Nachrichten Ø

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Hallo Ronald,
Folgende Frage zum Text. Wozu sollte meine Wahre Natur Körper und Geist als Projektionsfläche für Erfahrungen nutzen? Wessen Erfahrungen? Ist damit gemeint, das die Wahre Natur sich nur mit Hilfe von oder über Körper und Geist erkennen lässt?
Woher kommt der Antrieb, das ich meine wahre Natur erkennen will?
Woran erkenne ich, dass ich
meiner wahren Natur auf der Spur bin?
Was ist die wahre Natur?
Ich denke, dass sie für alle gleich sein muss. Nur jeder wird anderes sehen und meinen, das ist sie.
Wer ist überhaupt der in mir, der sucht?

Namaste
und schöne Weihnachten!
Gerald
Hallo Gerald,
das Yoga Sutra ist letztendlich aus der Sankhya Perspektive geschrieben.
Ein tiefes Eintauchen wünscht Dir
Ronald
Hallo Ronald,
Vielen Dank für deine schnelle Antwort! Seid gestern lese ich wiederholt und mit großer Freude deine Mail und reflektiere über deren Inhalt. Du sagst, die Essenz kann sich selbst erfahren. Dann ist es die Essenz, die mich antreibt. Das muss ich weiter auf mich wirken lassen.
Die Samkhya hatte ich noch nicht auf dem Schirm. Meine spirituelle Inspiration ziehe ich aus der Bhagavat gita und dem Yoga sutra und weiterer spiritueller Literatur. Ich werde mir die Samkhya anschauen.

Bis bald und vielen Dank!
Namaste
Gerald
Hallo Gerald,

wau. Du stellst die großen Fragen, die die Yogis seit Jahrtausenden beschäftigen.
- In der Tat gab es hier schon viele verschiedene Antworten. Ich bin mir sicher Du wirst auch viele für Dich passende finden.
In der Samkhya Philosophie bleibt die Entstehung der Schöpfung (~i~Prak.rti~~) letztendlich ein großes Geheimnis. Die Schöpfung existiert und unsere Essenz kann sich schließlich selbst erfahren und wieder von ihr lösen.
Viel Freude beim Fragen stellen und Antworten finden wünscht Dir

Ronald

P.S.: Übrigens - In der Advanced Ausbildung diskutieren wir genau über diese Fragen sehr intensiv.