SVU 4.11-4.16: Der verborgene Schöpfer
SVU 4.11-4.16: Der verborgene Schöpfer

SVU 4.11-4.16: Erkenntnis des inneren Gottes und Befreiung

Der eine Gott bringt die Mächte und Wesen hervor, bleibt in ihnen verborgen und schenkt dem Erkennenden Frieden, Befreiung und das Ende aller Bindungen.

Śvetāśvatara Upaniṣad 4.11
यो योनिं योनिमधितिष्ठत्येको यस्मिन्निदं सं च वि चैति सर्वम् |
yo yoniṃ yonim, adhitiṣṭhaty eko; yasminn idaṃ, saṃ ca vi caiti sarvam | Analyse ▾ Analyse ▴
yaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Pronomen rel
welcher, der
yonim
Akkusativ Singular
Substantiv Feminin
Ursprung, Mutterschoß
yonim
Akkusativ Singular
Substantiv Feminin
jeden einzelnen Ursprung, Mutterschoß
adhitiṣṭhati
3. Person Singular Aktiv Präsens
Präfix
Verbalwurzel
er beherrscht, steht vor
ekaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Zahlwort
der eine
yasmin
Lokativ Singular Maskulin
Pronomen rel
in welchem, in dem
idam
Nominativ Singular Neutrum
Pronomen dem
dieses
sam
Partikel
zusammen, zur Einheit
ca
Partikel
und
vi
Partikel
auseinander, in die Vielfalt
ca
Partikel
und
eti
3. Person Singular Aktiv Präsens
Verbalwurzel
es geht, gelangt
sarvam
Nominativ Singular Neutrum
Pronomen quant
alles, das All
तमीशानं वरदं देवमीड्यं निचाय्येमां शान्तिमत्यन्तमेति ||11||
tam īśānaṃ, varadaṃ devam īḍyaṃ; nicāyyemāṃ, śāntim atyantam eti ||11|| Analyse ▾ Analyse ▴
tam
Akkusativ Singular Maskulin
Pronomen dem
ihn, jenen
īśānam
Akkusativ Singular
Substantiv Maskulin
den Herrn, Herrscher
varadam
Akkusativ Singular Maskulin
Adjektiv
gabenreich, Wünsche erfüllend
devam
Akkusativ Singular
Substantiv Maskulin
Gott, das göttliche Wesen
īḍyam
Akkusativ Singular Maskulin Partizip Futur Passiv
Verbalwurzel
zu preisen, verehrungswürdig
nicāyya
Absolutus
Präfix
Verbalwurzel
nachdem er erkannt, wahrgenommen hat
imām
Akkusativ Singular Feminin
Pronomen dem
diese
śāntim
Akkusativ Singular
Substantiv Feminin
Ruhe, Frieden
atyantam
Adverb
vollständig, für immer
eti
3. Person Singular Aktiv Präsens
Verbalwurzel
er gelangt, geht
Metrum: Pāda 1: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 2: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 3: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang; Pāda 4: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang
Der (yaḥ | nom sg m) jeden Ursprung (yonim | acc sg), Ursprung für Ursprung (yonim | acc sg), beherrscht (adhitiṣṭhati | 3p sg act pres), [ist] der Eine (ekaḥ | nom sg m). In ihm (yasmin | loc sg m) kommt dieses [All] (idam | nom sg n) zusammen (sam) und (ca) [geht] wieder auseinander (vi), und (ca) so bewegt sich (eti | 3p sg act pres) das Ganze (sarvam | nom sg n). Ihn (tam | acc sg m), den Herrn (īśānam | acc sg), den Gabenreichen (varadam | acc sg m), Gott (devam | acc sg), den Verehrungswürdigen (īḍyam | acc sg m pfp): Nachdem man [ihn] erkannt hat (nicāyya | abs), [erlangt man] diesen (imām | acc sg f) Frieden (śāntim | acc sg), für immer (atyantam); man gelangt [zu ihm] (eti | 3p sg act pres).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Der Eine waltet über jedem Ursprung; in ihm sammelt sich das All und aus ihm entfaltet es sich erneut. Wer ihn als Herrn, Gnadenspender und verehrungswürdigen Gott erkennt, erlangt für immer Frieden.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya lässt den Einen Māyā und alle Zwischenursachen als innerer Lenker tragen. In ihm sammelt sich die Welt bei der Auflösung und aus ihm entfaltet sie sich erneut. Unmittelbares Einheitswissen macht die sonst nur vorübergehend erfahrene Ruhe endgültig.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda begründet mit Entstehung, Bestand und Auflösung die Stoff- wie Wirkursächlichkeit des Einen. Wer den lenkenden, gabenreichen und selbstleuchtenden Gott unmittelbar schaut, gelangt zur vollkommenen Ruhe des eigenen Freudenselbst.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa erklärt, der eine Herr beherrsche jede Ursache durch seine Wissens- und Handlungskraft. Die Welt kommt in ihm zusammen und zerstreut sich bei der Auflösung; wer ihn bestimmt erkennt, erreicht die Mokṣa genannte endgültige Ruhe.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat umfasst mit den wiederholten Ursprüngen Mūlaprakṛti, Zwischenursachen, Körperklassen und innere Lenkung. Der Eine lässt das All bei der Auflösung in sich zusammenfallen und bei der Schöpfung vielfältig werden. Erkenntnis „Ich bin Brahman“ verbrennt die Wurzelavidyā und macht die Ruhe unwiderruflich.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
Der jedem Mutterschoß als der Eine vorsteht (5,2), In dem die Welt zergeht und sich entfaltet (Mahān. 1,2), Wer den als Herrn, als Gott, reichspendend, preiswert Erkennt, geht ein in jene Ruh für immer (Kāṭh. 1,17).
Paul Deussen - 1921
The One who rules over every single source, In whom this whole world comes together and dissolves, The Lord (īśāna), the blessing-giver, God (deva) adorable—By revering Him one goes for ever to this peace (śānti).
Robert Hume - 1921
(One) attains this highest peace, having thoroughly known Him, the Governor, the Giver of gifts, (including salvation), the Luminous and praiseworthy Being, who, being one, governs (or supports) every cause, (primary as well as secondary), in whom this whole world is absorbed (by destruction) and assumes various forms (at the time of creation).
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Der jedem Mutterschoß als der Eine vorsteht (5,2), In dem die Welt zergeht und sich entfaltet (Mahān. 1,2), Wer den als Herrn, als Gott, reichspendend, preiswert Erkennt, geht ein in jene Ruh für immer (Kāṭh. 1,17).
Paul Deussen - 1897
If a man has discerned him, who being one only, rules over every germ (cause), in whom all this comes together and comes asunder again, who is the lord, the bestower of blessing, the adorable god, then he passes for ever into that peace.
F. Max Müller - 1884
Whoever comprehends him who, the one alone, superintends the first producer and the other producers,<1> in whom this all goes together (is dissolved at the time of destruction) and goes out (is produced in various ways at the time of creation),—whoever comprehends him, the ruler who grants the wish (of liberation), the praiseworthy god, obtains everlasting (absolute) peace.
<1: Again in accordance with the view of the Sānkhya; the first producer is nature;—the derived producers are intellect, self-consciousness, and the five subtle elements. All other things, with the exception of the soul, are only productions.>
Edward Röer - 1853
Śvetāśvatara Upaniṣad 4.12
यो देवानां प्रभवश्चोद्भवश्च विश्वाधिको रुद्रो महर्षिः |
yo devānāṃ, prabhavaś codbhavaś ca; viśvādhiko, rudro maharṣiḥ | Analyse ▾ Analyse ▴
yaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Pronomen rel
welcher, der
devānām
Genitiv Plural
Substantiv Maskulin
der Götter
prabhavaḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Ursprung, Entstehungsgrund
ca
Partikel
und
udbhavaḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Hervorgang, Entstehung
ca
Partikel
und
viśva
Tatpuruṣa-Kompositum Ablativ
Pronomen quant
über allem, über das All
adhikaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Adjektiv
höher, erhaben
rudraḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Rudra
maharṣiḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
großer Seher
हिरण्यगर्भं पश्यत जायमानं स नो बुद्ध्या शुभया संयुनक्तु ||12||
hiraṇya-garbhaṃ, paśyata jāyamānaṃ; sa no buddhyā, śubhayā saṃyunaktu ||12|| Analyse ▾ Analyse ▴
hiraṇya
Karmadhāraya-Kompositum
Substantiv Neutrum
golden
garbham
Akkusativ Singular
Substantiv Maskulin
Keim, Embryo, Hiraṇyagarbha
paśyata
3. Person Singular Medial Injunktiv
Verbalwurzel
er sah, erblickte
jāyamānam
Akkusativ Singular Maskulin Partizip Präsens Medial
Verbalwurzel
geboren werdend, entstehend
saḥ
Nominativ Singular Maskulin
Pronomen dem
er, jener
naḥ
Akkusativ Plural
Pronomen pers 1p
uns
buddhyā
Instrumentalis Singular
Substantiv Feminin
mit Einsicht, durch Erkenntniskraft
śubhayā
Instrumentalis Singular Feminin
Adjektiv
mit guter, heilsamer
saṃyunaktu
3. Person Singular Aktiv Imperativ
Präfix
Verbalwurzel
er möge verbinden, ausstatten
Metrum: Pāda 1: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang; Pāda 2: Triṣṭubh — 9 Silben; Pāda 3: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang — 12 Silben; Pāda 4: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang
Der (yaḥ | nom sg m) [ist] der Götter (devānām | gen pl) Ursprung (prabhavaḥ | nom sg) und (ca) Hervorgang (udbhavaḥ | nom sg) und (ca) der über das All Erhabene (viśvādhikaḥ | nom sg m): Rudra (rudraḥ | nom sg), der große Seher (maharṣiḥ | nom sg). Den goldenen Keim (hiraṇya-garbham | acc sg) sah er (paśyata | 3p sg med inj) beim Geborenwerden (jāyamānam | acc sg m pcm). Er (saḥ | nom sg m) möge uns (naḥ | acc pl) mit heilsamer Einsicht (buddhyā śubhayā | ins sg) ausstatten (saṃyunaktu | 3p sg act imp).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Rudra ist Ursprung und Hervorgang der Götter, der über allem erhabene große Seher. Er sah Hiraṇyagarbha bei seiner Geburt. Möge er uns heilsame Einsicht schenken.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Nārāyaṇa identifiziert Rudra als Ursprung der Götter und großen Seher. Er sah den erst entstehenden Hiraṇyagarbha; derselbe überragende Herr möge die Menschen mit heilsamer Einsicht verbinden.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat erklärt paśyata ausdrücklich als vergangene Form: Rudra hat Hiraṇyagarbha beim Entstehen erblickt. Dieses Schauen bezeichnet seine Aufsicht als Urheber von Zwischenschöpfung, Erhaltung und Auflösung sowie als Stifter der vedischen Überlieferung; eine Variante liest „der Herr des Alls, der Gott“.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
Er, der der Götter Ursprung und Hervorgang, Der Herr des Alls, Rudra, der große Weise, Der selbst entstehen sah Hiranyagarbha, Der Gott begäbe uns mit edler Einsicht.<1>
<1: Die dritte Zeile stimmt mit Mahānār. 10,19, die drei übrigen mit Śvet. 3,4 überein; im wesentlichen ist der Spruch an allen drei Stellen derselbe.>
Paul Deussen - 1921
He who is the source and origin of the gods, The ruler of all, Rudra (the Terrible), the great seer, Who beheld the Golden Germ (Hiraṇyagarbha) when he was born—May He endow us with clear intellect!<1>
<1: This stanza = 3. 4 and Mahānār. 10. 19 with variants.>
Robert Hume - 1921
May He, who is the Cause of the birth and prosperity of Gods, who is the Protector of Creation, who is the Destroyer (of pain or of the world), Mighty, and Omniscient, (and) who saw Hiranyagarbha being born, equip us with good wisdom.<1>
<1: This verse has already been translated and annotated in verse 4, Chap. III. It is the same verse as 4, Chap. III. Except this change—Instead of “who created Hiranyagarbha in the beginning of creation,” translate—“Who saw Hiranyagarbha being born.”>
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Er, der der Götter Ursprung und Hervorgang, Der Herr des Alls, Rudra, der große Weise, Der selbst entstehen sah Hiranyagarbha, Der Gott begäbe uns mit edler Einsicht.<1>
<1: Die dritte Zeile stimmt mit Mahānār. 10,19, die drei übrigen mit Śvet. 3,4 überein; im wesentlichen ist der Spruch an allen drei Stellen derselbe.>
Paul Deussen - 1897
He,<1> the creator and supporter of the gods, Rudra, the great seer, the lord of all, who saw<2> Hiraṇyagarbha being born, may he endow us with good thoughts.
<1: See before, III, 4.>
<2: Śaṅkara does not explain this verse again, though it differs from III, 4. Vijñānātman explains paśyata by apaśyata, and qualifies the Ātmanepada as irregular.>
F. Max Müller - 1884
May Rudra,<1> the lord of the universe, the alwise, who produced the gods and gave them majesty, (and) who beheld the birth of Hiranyagarbha, strengthen us with auspicious intellect.
<1: Rudra, here identified with the Supreme Spirit. This verse is the same with 3, 4.>
Edward Röer - 1853
Śvetāśvatara Upaniṣad 4.13
यो देवानामधिपो यस्मिंल्लोका अधिश्रिताः |
yo devānām adhipo; yasmiṃl lokā adhi-śritāḥ | Analyse ▾ Analyse ▴
yaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Pronomen rel
welcher, der
devānām
Genitiv Plural
Substantiv Maskulin
der Götter
adhipaḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Oberherr, Gebieter
yasmin
Lokativ Singular Maskulin
Pronomen rel
in welchem, auf dem
lokāḥ
Nominativ Plural
Substantiv Maskulin
Welten
adhi
Wortbildung
Präfix
darauf, daran
śritāḥ
Nominativ Plural Maskulin Partizip Perfekt Passiv
Verbalwurzel
gestützt, gegründet
य ईशे अस्य द्विपदश्चतुष्पदः कस्मै देवाय हविषा विधेम ||13||
ya īśe asya, dvi-padaś catuṣ-padaḥ; kasmai devāya, haviṣā vidhema ||13|| Analyse ▾ Analyse ▴
yaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Pronomen rel
welcher, der
īśe
3. Person Singular Medial Präsens
Verbalwurzel
er herrscht, gebietet
asya
Genitiv Singular Neutrum
Pronomen dem
dieses, hiervon
dvi
Dvigu-Kompositum
Zahlwort
zwei
padaḥ
Genitiv Singular Maskulin Dvigu-Kompositum
Substantiv Neutrum
der Zweifüßler
catur
Dvigu-Kompositum
Zahlwort
vier
padaḥ
Genitiv Singular Maskulin Dvigu-Kompositum
Substantiv Neutrum
der Vierfüßler
kasmai
Dativ Singular Maskulin
Pronomen inter
welchem
devāya
Dativ Singular
Substantiv Maskulin
Gott, göttlichen Wesen
haviṣā
Instrumentalis Singular
Substantiv Neutrum
mit einer Opfergabe
vidhema
1. Person Plural Aktiv Optativ
Verbalwurzel
wir wollen dienen, verehren
Metrum: Pāda 1: Anuṣṭubh — 7 statt 8 Silben; Pāda 2: Anuṣṭubh; Pāda 3: Jagatī mit Vaṃśa-Ausklang; Pāda 4: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang
Der (yaḥ | nom sg m) [ist] der Götter (devānām | gen pl) Oberherr (adhipaḥ | nom sg). In ihm (yasmin | loc sg m) [sind] die Welten (lokāḥ | nom pl) darauf gegründet (adhi-śritāḥ | nom pl m ppp). Der (yaḥ | nom sg m) herrscht (īśe | 3p sg med pres) über dieses [Reich] (asya | gen sg n), [das] des Zweifüßlers (dvi-padaḥ | gen sg m dg) [und] des Vierfüßlers (catuṣ-padaḥ | gen sg m dg) [ist]: Welchem (kasmai | dat sg m) Gott (devāya | dat sg) wollen wir mit einer Opfergabe (haviṣā | ins sg) dienen (vidhema | 1p pl act opt)?
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Er ist der Herr der Götter; in ihm ruhen die Welten, und er gebietet über Zwei- und Vierfüßler. Welchem Gott sollen wir mit unserer Opfergabe dienen?
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya beschreibt den Herrn als Meister der Götter und inneren Lenker von Menschen und Tieren. Die Welten ruhen in ihm wie Überlagerungen auf ihrem Grund; Opfergaben dienen seiner Verehrung und bereiten über die Läuterung der Buddhi rechte Erkenntnis vor.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda versteht „welchem“ als Hinweis auf den einen, unterschiedslosen Gott. Er ist Gebieter der Götter, Träger der karmisch bestimmten Welten und Herr über Zwei- wie Vierfüßer; die Opfergabe bezeichnet konkret die Darbringung im Feuer.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa bezieht die Frage auf das Brahman in göttlicher Gestalt. Die Welten sind in diesem Oberherrn gegründet, der über Menschen und Tiere herrscht; ihm soll man mit der Opfergabe dienen.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat unterscheidet die kosmischen und individuellen Herrschaftsebenen: Der höchste Herr steht über den Gesamtgottheiten, trägt die Welten durch und durch und lenkt die einzelnen Menschen und Tiere. Opferverehrung soll das Innenorgan für unmittelbare Erkenntnis reinigen.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
Er, der der Götter Oberherr, In dem die Welt gegründet ist, „Zweifüßler hier beherrschend und Vierfüßler,—Wer ist der Gott, daß wir ihm opfernd dienen?“<1>
<1: Die zweite Vershälfte ist ein Zitat aus dem Prajāpatiliede (Ṛgv. 10,121,3), gleichsam als Autorität dafür, daß das in der ersten Vershälfte geschilderte Brahman als persönlicher Gott zu verehren sei.>
Paul Deussen - 1921
Who is the overlord of the gods, On whom the worlds do rest, Who is lord of biped and quadruped here—To what god will we give reverence with oblations?<1>
<1: The last two lines = RV. 10. 121. 3 c, d.>
Robert Hume - 1921
May we worship with oblations that Luminous and Blissful Being who is the Lord of Gods, on whose support (all) the worlds exist, who governs this (world of) the biped (man, &c.) and the quadruped.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Er, der der Götter Oberherr, In dem die Welt gegründet ist, „Zweifüßler hier beherrschend und Vierfüßler,—Wer ist der Gott, daß wir ihm opfernd dienen?“<1>
<1: Die zweite Vershälfte ist ein Zitat aus dem Prajāpatiliede (Ṛgv. 10,121,3), gleichsam als Autorität dafür, daß das in der ersten Vershälfte geschilderte Brahman als persönlicher Gott zu verehren sei.>
Paul Deussen - 1897
He who is the sovereign of the gods, he in whom all the worlds<1> rest, he who rules over all two-footed and four-footed beings, to that god<2> let us sacrifice an oblation.
<1: B. reads yasmin devāḥ, not A.>
<2: I read tasmai instead of kasmai, a various reading mentioned by Vijñānātman. It was easy to change tasmai into kasmai, because of the well-known line in the Rig-veda, kasmai devāya haviṣā vidhema. Those who read kasmai, explain it as a dative of Ka, a name of Prajāpati, which in the dative should be kāya, and not kasmai. It would be better to take kasmai as the dative of the interrogative pronoun. See M. M., History of Ancient Sanskrit Literature, p. 433; and Vitāna-sūtras IV, 22.>
F. Max Müller - 1884
To the God who is the lord of the gods, in whom the worlds have their support, and who rules the bipeds and quadrupeds, let us bring an oblation.
Edward Röer - 1853
Śvetāśvatara Upaniṣad 4.14
सूक्ष्मातिसूक्ष्मं कलिलस्य मध्ये विश्वस्य स्रष्टारमनेकरूपम् |
sūkṣmāti-sūkṣmaṃ, kalilasya madhye; viśvasya, sraṣṭāram aneka-rūpam | Analyse ▾ Analyse ▴
sūkṣma
Tatpuruṣa-Kompositum Ablativ
Adjektiv
als das Feine, über das Feine hinaus
ati
Karmadhāraya-Kompositum
Präfix
überaus, jenseits
sūkṣmam
Akkusativ Singular Maskulin
Adjektiv
feinen, subtilen
kalilasya
Genitiv Singular
Substantiv Neutrum
des Gemenges, Chaos
madhye
Lokativ Singular
Substantiv Neutrum
in der Mitte
viśvasya
Genitiv Singular Neutrum
Pronomen quant
des Alls, der Welt
sraṣṭāram
Akkusativ Singular
Substantiv Maskulin
Schöpfer
aneka
Bahuvrīhi-Kompositum
Adjektiv
viele, vielfach
rūpam
Akkusativ Singular Maskulin Bahuvrīhi-Kompositum
Substantiv Neutrum
Gestalten habend, vielgestaltig
विश्वस्यैकं परिवेष्टितारं ज्ञात्वा शिवं शान्तिमत्यन्तमेति ||14||
viśvasyaikaṃ, pariveṣṭitāraṃ; jñātvā śivaṃ, śāntim atyantam eti ||14|| Analyse ▾ Analyse ▴
viśvasya
Genitiv Singular Neutrum
Pronomen quant
des Alls, der Welt
ekam
Akkusativ Singular Maskulin
Zahlwort
den einen, einzigen
pariveṣṭitāram
Akkusativ Singular
Substantiv Maskulin
Umschließer, Umfasser
jñātvā
Absolutus
Verbalwurzel
nachdem man erkannt hat
śivam
Akkusativ Singular Maskulin
Adjektiv
den Gütigen, Heilvollen
śāntim
Akkusativ Singular
Substantiv Feminin
Ruhe, Frieden
atyantam
Adverb
vollständig, für immer
eti
3. Person Singular Aktiv Präsens
Verbalwurzel
man gelangt, geht
Metrum: Pāda 1: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 2: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 3: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang — 10 Silben; Pāda 4: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang
Den noch über das Feine hinaus überaus Feinen (sūkṣmāti-sūkṣmam | acc sg m), in des Gemenges (kalilasya | gen sg) Mitte (madhye | loc sg), des Alls (viśvasya | gen sg n) Schöpfer (sraṣṭāram | acc sg), vielgestaltig (aneka-rūpam | acc sg m bv), des Alls (viśvasya | gen sg n) den Einen (ekam | acc sg m), den Umschließer (pariveṣṭitāram | acc sg): Nachdem man [ihn] erkannt hat (jñātvā | abs) als den Gütigen (śivam | acc sg m), [findet man] Frieden (śāntim | acc sg), für immer (atyantam); man gelangt [zu ihm] (eti | 3p sg act pres).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Er ist feiner als das Feinste, gegenwärtig inmitten des undurchdringlichen Gemenges, Schöpfer des Alls in unzähligen Formen und der Eine, der alles umschließt. Wer ihn als den Gütigen erkennt, findet ewigen Frieden.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya liest das Kalila als schwer zugängliche Festung aus Avidyā und ihren Wirkungen. Noch feiner als Erde, Elemente und Unentfaltetes bleibt der Herr inmitten dieses Dickichts als Zeuge gegenwärtig; seine Erkenntnis führt zur Befreiung.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda bietet für Kalila zwei konkrete Deutungen: die mit männlicher Zeugungskraft verbundene weibliche Anlage oder den schaumigen Zustand der Wasser vor der Blasenbildung. In dessen Innerem wirkt der eine vielgestaltige Schöpfer und Umschließer.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa ergänzt zum knappen Ausdruck, der überaus feine Herr sei inmitten des Dunkels verborgen. Damit wird Kalila nicht bloß als Gemenge, sondern ausdrücklich als verhüllende Finsternis verstanden.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat entwickelt eine Stufenfolge des Feinen von Elementen über Tanmātras, Mahat und Prakṛti bis zum selbstleuchtenden Herrn. Kalila ist die schwer durchdringliche Saṃsāra-Festung aus Prakṛti und ihren Wirkungen; in ihrer Mitte steht der Eine als unverstrickter Zeuge.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
Wer ihn fein, überfein in dem Gemenge, Als Weltenschöpfer vielfach sich gestaltend, Den Einen, der das Weltall hält umschlossen (3,7. 4,16), Als Seligen (śiva) weiß, geht ein zur Ruh für immer (4,11).<1>
<1: Der ganze Vers kehrt mit Modifikationen 5,13 wieder. Zu kalilasya madhye vgl. (eventuell) salile Bṛh. 4,3,32.>
Paul Deussen - 1921
More minute than the minute, in the midst of confusion The Creator of all, of manifold forms, The One embracer of the universe—By knowing Him as kindly (śiva) one attains peace forever.<1>
<1: The third line = 3. 7 c and 4. 16 c. The whole stanza recurs, with modifications, as 5. 13.>
Robert Hume - 1921
One attains the highest peace, having known that Blissful Being, who, being One, pervades the Universe, who (assumes) many forms, who is the Creator of the world; (who is present) in the midst of this dense, confused mass (of worldly phenomena), and who is minuter than the minute.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Wer ihn fein, überfein in dem Gemenge, Als Weltenschöpfer vielfach sich gestaltend, Den Einen, der das Weltall hält umschlossen (3,7. 4,16), Als Seligen (śiva) weiß, geht ein zur Ruh für immer (4,11).<1>
<1: Der ganze Vers kehrt mit Modifikationen 5,13 wieder. Zu kalilasya madhye vgl. (eventuell) salile Bṛh. 4,3,32.>
Paul Deussen - 1897
He who has known him who is more subtile than subtile, in the midst of chaos, creating all things, having many forms, alone enveloping everything<1>, the happy one (Śiva), passes into peace for ever.
<1: Cf. III, 7.>
F. Max Müller - 1884
Whoever knows him who is more subtle than what is subtle within that which is impendous (i. e. pervading the whole material creation), the creator of the universe, the many-shaped, the one penetrator of the universe, the all-blessed, gets everlasting peace.
Edward Röer - 1853
Śvetāśvatara Upaniṣad 4.15
स एव काले भुवनस्य गोप्ता विश्वाधिपः सर्वभूतेषु गूढः |
sa eva kāle, bhuvanasya goptā; viśvādhipaḥ, sarva-bhūteṣu gūḍhaḥ | Analyse ▾ Analyse ▴
saḥ
Nominativ Singular Maskulin
Pronomen dem
er, jener
eva
Partikel
gerade, allein
kāle
Lokativ Singular
Substantiv Maskulin
zur Zeit, im Lauf der Zeit
bhuvanasya
Genitiv Singular
Substantiv Neutrum
der Welt
goptā
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Hüter, Beschützer
viśva
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Pronomen quant
des Alls
adhipaḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Oberherr, Gebieter
sarva
Karmadhāraya-Kompositum
Pronomen quant
alle
bhūteṣu
Lokativ Plural
Substantiv Neutrum
in den Wesen
gūḍhaḥ
Nominativ Singular Maskulin Partizip Perfekt Passiv
Verbalwurzel
verborgen
यस्मिन्युक्ता ब्रह्मर्षयो देवताश्च तमेवं ज्ञात्वा मृत्युपाशांश्छिनत्ति ||15||
yasmin yuktā, brahmarṣayo devatāś ca; tam evaṃ jñātvā, mṛtyu-pāśāṃś chinatti ||15|| Analyse ▾ Analyse ▴
yasmin
Lokativ Singular Maskulin
Pronomen rel
in welchem
yuktāḥ
Nominativ Plural Maskulin Partizip Perfekt Passiv
Verbalwurzel
verbunden, vereint
brahmarṣayaḥ
Nominativ Plural
Substantiv Maskulin
Brahman-Seher
devatāḥ
Nominativ Plural
Substantiv Feminin
Gottheiten
ca
Partikel
und
tam
Akkusativ Singular Maskulin
Pronomen dem
ihn, jenen
evam
Adverb
so, auf diese Weise
jñātvā
Absolutus
Verbalwurzel
nachdem man erkannt hat
mṛtyu
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Maskulin
des Todes
pāśān
Akkusativ Plural
Substantiv Maskulin
Fesseln
chinatti
3. Person Singular Aktiv Präsens
Verbalwurzel
er schneidet durch, zerreißt
Metrum: Pāda 1: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 2: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang; Pāda 3: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang — 12 Silben; Pāda 4: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang — 12 Silben
Er (saḥ | nom sg m) allein (eva) [ist] in der Zeit (kāle | loc sg) der Welt (bhuvanasya | gen sg) Hüter (goptā | nom sg), der Herr des Alls (viśvādhipaḥ | nom sg), in allen Wesen (sarva-bhūteṣu | loc pl) verborgen (gūḍhaḥ | nom sg m ppp). In ihm (yasmin | loc sg m) sind verbunden (yuktāḥ | nom pl m ppp) die Brahman-Seher (brahmarṣayaḥ | nom pl), die Gottheiten (devatāḥ | nom pl) gleichermaßen (ca). Nachdem man ihn (tam | acc sg m) so (evam) erkannt hat (jñātvā | abs), [sind es] die Fesseln des Todes (mṛtyu-pāśān | acc pl), die man zerreißt (chinatti | 3p sg act pres).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Er allein bewahrt die Welt durch alle Zeiten; er ist der Herr des Alls und in jedem Wesen verborgen. Mit ihm sind die Seher des Brahman und die Gottheiten vereint. Wer ihn so erkennt, zerreißt die Fesseln des Todes.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya sieht den Herrn als verborgenen Zeugen und Hüter der Karmafrüchte. Sanaka und andere Brahmarṣis sowie Brahmā und die Gottheiten sind in seiner Erkenntnis geeint. Einheitswissen verbrennt Tod, Avidyā, Begehren und Karma als dessen Fesseln.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda bestimmt den Herrn als alleinigen Erhalter zur Zeit des Weltbestands. Er ist in allen Wesen als Zeuge der Buddhi verborgen. Brahman-Seher und Gottheiten erkennen ihn; dadurch werden die Todesschlingen samt Begehren, Zorn und ihrer Saṃsāra-Ursache zerschnitten.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa weitet die Brahmarṣi-Bezeichnung auch auf Devarṣis und Rājarṣis aus. Die Fesseln des Todes deutet er als Vāsanās des Saṃsāra; wer den verborgenen Weltenhüter erkennt, durchtrennt diese Prägungen.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat verbindet den Weltenhüter mit karmagemäßer Erhaltung und innerer Zeugenschaft. Sanaka, Hiraṇyagarbha und andere gelangen in ihm zur Einheit. Tod bezeichnet das Tamas der Mūlaprakṛti; seine Schlingen sind Avidyā, Begehren und Karma, die das Einheitswissen verbrennt.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
Er in der Zeitlichkeit ist der Welt Behüter, Der Herr des Alls, versteckt in allen Wesen; In ihn vertieft sind Brahmanweise und Götter, Wer ihn erkennt, zerreißt des Todes Stricke.
Paul Deussen - 1921
He indeed is the protector of the world in time, The overlord of all, hidden in all things, With whom the seers of Brahma and the divinities are joined in union. By knowing Him thus, one cuts the cords of death.
Robert Hume - 1921
He alone is the Protector of the world at the (proper) time, the Lord of the universe, hidden in all the (created) beings, on whom the Brahmanical sages and Gods concentrate (their minds). Having known Him in this way, one breaks the bonds of death.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Er in der Zeitlichkeit ist der Welt Behüter, Der Herr des Alls, versteckt in allen Wesen; In ihn vertieft sind Brahmanweise und Götter, Wer ihn erkennt, zerreißt des Todes Stricke.
Paul Deussen - 1897
He also was in time<1> the guardian of this world, the lord of all, hidden in all beings. In him the Brahmarshis and the deities are united<2>, and he who knows him cuts the fetters of death asunder.
<1: In former ages, Śaṅkara.>
<2: Because both the Brahmarshis, the holy seers, and the deities find their true essence in Brahman.>
F. Max Müller - 1884
Whoever knows him, who at the due time is the preserver of this world, who, concealed in all beings, is the lord of the universe, and with whom the Bramharshis and the deities are united by concentration, cuts the bonds of death.
Edward Röer - 1853
Śvetāśvatara Upaniṣad 4.16
घृतात्परं मण्डमिवातिसूक्ष्मं ज्ञात्वा शिवं सर्वभूतेषु गूढम् |
ghṛtāt paraṃ, maṇḍam ivāti-sūkṣmaṃ; jñātvā śivaṃ, sarva-bhūteṣu gūḍham | Analyse ▾ Analyse ▴
ghṛtāt
Ablativ Singular
Substantiv Neutrum
als geklärte Butter, als Ghee
param
Akkusativ Singular Neutrum
Adjektiv
feineres, höheres
maṇḍam
Akkusativ Singular
Substantiv Neutrum
Rahm, feinste Essenz
iva
Partikel
wie, gleichsam
ati
Karmadhāraya-Kompositum
Präfix
überaus, äußerst
sūkṣmam
Akkusativ Singular Neutrum
Adjektiv
fein, subtil
jñātvā
Absolutus
Verbalwurzel
nachdem man erkannt hat
śivam
Akkusativ Singular Maskulin
Adjektiv
den Gütigen, Heilvollen
sarva
Karmadhāraya-Kompositum
Pronomen quant
alle
bhūteṣu
Lokativ Plural
Substantiv Neutrum
in den Wesen
gūḍham
Akkusativ Singular Maskulin Partizip Perfekt Passiv
Verbalwurzel
verborgen
विश्वस्यैकं परिवेष्टितारं ज्ञात्वा देवं मुच्यते सर्वपाशैः ||16||
viśvasyaikaṃ, pariveṣṭitāraṃ; jñātvā devaṃ, mucyate sarva-pāśaiḥ ||16|| Analyse ▾ Analyse ▴
viśvasya
Genitiv Singular Neutrum
Pronomen quant
des Alls, der Welt
ekam
Akkusativ Singular Maskulin
Zahlwort
den einen, einzigen
pariveṣṭitāram
Akkusativ Singular
Substantiv Maskulin
Umschließer, Umfasser
jñātvā
Absolutus
Verbalwurzel
nachdem man erkannt hat
devam
Akkusativ Singular
Substantiv Maskulin
Gott, das göttliche Wesen
mucyate
3. Person Singular Passiv Präsens
Verbalwurzel
man wird befreit, löst sich
sarva
Karmadhāraya-Kompositum
Pronomen quant
alle
pāśaiḥ
Instrumentalis Plural
Substantiv Maskulin
von Fesseln, durch Fesseln
Metrum: Pāda 1: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 2: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang; Pāda 3: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang — 10 Silben; Pāda 4: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang
Über geklärte Butter hinaus (ghṛtāt | abl sg) [liegt] die feinere (param | acc sg n) Essenz (maṇḍam | acc sg), gleichsam (iva) überaus fein (ati-sūkṣmam | acc sg n). Hat man erkannt (jñātvā | abs): den Gütigen (śivam | acc sg m), in allen Wesen (sarva-bhūteṣu | loc pl) verborgen (gūḍham | acc sg m ppp), des Alls (viśvasya | gen sg n) den Einen (ekam | acc sg m), den Umschließer (pariveṣṭitāram | acc sg), und hat man [ihn] erkannt (jñātvā | abs) als Gott (devam | acc sg), wird man befreit (mucyate | 3p sg pas pres) von allen Fesseln (sarva-pāśaiḥ | ins pl).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Der Gütige ist überaus subtil, wie die feinste Essenz geklärter Butter, und in allen Wesen verborgen. Wer ihn als den einen Gott erkennt, der das All umschließt, wird von allen Fesseln befreit.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya nimmt die Essenz über der Butter als Bild höchster Feinheit und Freude. Wie die kostbarste Schicht den Suchenden anzieht, ist der Paramātman als verborgener Zeuge in allen Wesen gegenwärtig; Erkenntnis seiner Einheit löst sämtliche Fesseln.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda deutet Maṇḍa als noch feinere Essenz von Butter oder Quark. Der Herr ist feiner als alle Weltstufen, im Innern der Wesen verborgen und zugleich der eine Umschließer. Nur seine Erkenntnis, unterstreicht der Kommentar, befreit von allen Banden.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa erklärt Maṇḍa als den oben schwimmenden feinen Bestandteil geklärter Butter. Das sinnliche Bild soll die außerordentliche Feinheit des in allen Wesen verborgenen Herrn veranschaulichen.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat liest die Butteressenz als Stufenbild: Virāj ist feiner als die Einzelwelt, Hiraṇyagarbha feiner als Virāj, Prakṛti und der innere Lenker nochmals feiner, bis zum unterschiedslosen Sein-Bewusstsein-Freude. Einheitswissen hebt die durch Prakṛti gebildeten Saṃsāra-Fesseln auf.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
Feiner als Butter, überfein wie Sahne,<1> Weilt selig (śiva) er versteckt in allen Wesen. Den Einen, der das Weltall hält umschlossen (3,7. 4,14), Wer den als Gott weiß, wird frei von allen Banden.
<1: Man muß nicht daran denken, daß die Butter (ghṛtam) erst aus Sahne (maṇḍam) bereitet wird, sondern an die Milch, in welcher die Butterkügelchen fein, aber die Sahne noch viel feiner verteilt, wie der Ātman in den Wesen, enthalten ist.>
Paul Deussen - 1921
By knowing as kindly (śiva) Him who is hidden in all things, Exceedingly fine, like the cream that is finer than butter, The One embracer of the universe—By knowing God (deva) one is released from all fetters.
Robert Hume - 1921
One is released from all bonds, having known the Luminous Being who, being One, pervades the universe, who is hidden in all created beings, who is blissful (or benevolent), and who is extremely subtle (and valuable), just as the essence (of butter) is superior to (and subtler as well as more valuable than) butter.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Feiner als Butter, überfein wie Sahne,<1> Weilt selig (śiva) er versteckt in allen Wesen. Den Einen, der das Weltall hält umschlossen (3,7. 4,14), Wer den als Gott weiß, wird frei von allen Banden.
<1: Man muß nicht daran denken, daß die Butter (ghṛtam) erst aus Sahne (maṇḍam) bereitet wird, sondern an die Milch, in welcher die Butterkügelchen fein, aber die Sahne noch viel feiner verteilt, wie der Ātman in den Wesen, enthalten ist.>
Paul Deussen - 1897
He who knows Śiva (the blessed) hidden in all beings, like the subtile film that rises from out the clarified butter<1>, alone enveloping everything,—he who knows the god, is freed from all fetters.
<1: We should say, like cream from milk.>
F. Max Müller - 1884
Whoever knows the blessed God, who, exceedingly subtle, like cream in clarified butter, is concealed in all beings, the one penetrator of the universe, gets liberated from all bonds.
Edward Röer - 1853

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