tad eva śukraṃ tad brahma; tad āpas tat prajāpatiḥ ||2|| Analyse ▾ Analyse ▴
Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya liest die Reihe als Aussage der Identität aller Mächte mit dem Selbstprinzip. Śukra bezeichnet dabei das Reine oder Leuchtende, Brahman Hiraṇyagarbha und Prajāpati die kosmische Virāj-Gestalt.
Śaṅkarānanda macht aus Feuer, Sonne, Wind, Mond, Licht, Wasser und Prajāpati verschiedene Meditationsgestalten Brahmans. Der Vers lehrt damit nicht mehrere Ursachen, sondern die Gegenwart desselben Weltgrundes in allen kosmischen Funktionen.
Nārāyaṇas Dīpikā setzt zwei auffällige Wortbedeutungen: Śukra versteht sie als Zeugungskraft oder Samen, Brahman als Veda. Auch diese Größen werden ohne Einschränkung mit demselben göttlichen Grund identifiziert.
Vijñānabhagavat ordnet die genannten Gottheiten als kosmische Gesamtheiten: Feuer steht für die Sprache, Sonne für das Sehen, Wind für den Lebenshauch und Mond für den Geist. Die Reihe vertritt zugleich alle übrigen kollektiven Organe und Fähigkeiten.
<1: Der Anfangsvers des Tadeva-Liedes, Vāj. Saṃh. 32,1 (Gesch. d. Phil. I, 291).>
<1: Der Anfangsvers des Tadeva-Liedes, Vāj. Saṃh. 32,1 (Gesch. d. Phil. I, 291).>
<1: This is the explanation of Śaṅkara, and probably that of the Yoga schools in India at his time. But to take śukram for dīptiman nakṣatrādi, brahma for Hiraṇyagarbha, and Prajāpati for Virāj seems suggested by this verse only.>
<1: Śankara explains “Bramha” by “Hiraṇyagarbha,” that is to say, the universal soul, as pervading all subtle bodies, and Prajāpati by Virāt, or the universal soul, as pervading all gross bodies.>
tu*vaṃ jīrṇo, daṇḍena vañcasi; tu*vaṃ jāto, bhavasi viśvato-mukhaḥ ||3|| Analyse ▾ Analyse ▴
Śaṅkarānanda versteht Frau, Mann, Kind, Greis und die allwärts blickende Gestalt als Begriffe für dasselbe Freudenselbst. Die Verschiedenheit liegt in den jeweiligen Wortvorstellungen und Lebensstadien, nicht in einer Veränderung des Ātman.
Nārāyaṇa erklärt die Geschlechts- und Altersunterschiede als im Selbst vorgestellte Bestimmungen. Ob weiblich, männlich, jung oder alt: Das ganze hervorgebrachte Formenreich ist keine vom einen Selbst unabhängige Wirklichkeit.
Vijñānabhagavat vergleicht die vielen Individualformen mit Raum in Gefäßen und Mondbildern im Wasser. Der Herr schafft kraft Māyā Körper und Organe, tritt in sie ein und erhält nur scheinbar deren Geschlecht, Alter und Namen.
<1: = Atharvav. 10,8,27 (Gesch. d. Phil. I, 322).>
<1: This stanza = AV. 10. 8. 27.>
<1: = Atharvav. 10,8,27 (Gesch. d. Phil. I, 322).>
<1: Vañkayasi, an exceptional form, instead of vañkasi (A. B.).>
nīlaḥ pataṅgo, harito lohitākṣas; taḍid-garbha, ṛtavaḥ samudrāḥ | Analyse ▾ Analyse ▴
anādimāṃs, tvaṃ vibhutvena vartase; yato jātāni, bhuvanāni viśvā ||4|| Analyse ▾ Analyse ▴
Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya ergänzt überall „du selbst“ und erkennt darin die Allgestalt des Herrn: Biene, verschiedenfarbige Vögel, Gewitterwolke, Jahreszeiten und Meere. Der Ursprung aller Welten ist zeitlich anfangslos und räumlich allgegenwärtig.
Śaṅkarānanda erläutert die Naturbilder einzeln und deutet die blitzartige Wolke als Sinnbild einer eben noch sichtbaren, sogleich verschwindenden Welt. Zeit und Wasser können als die beiden Flügel erscheinen; die hervorgebrachten Welten sind Wirkungen des einen Grundes.
Nārāyaṇa ordnet die knappen Farbbilder konkreten Erscheinungen zu: den blauen Falter, das rotäugige Feuer und die blitzende Wolke. Jahreszeiten, Meere und überhaupt alle Dinge sind nach seiner Dīpikā Gestalten desselben Einen.
Vijñānabhagavat verbindet die Bildreihe mit einer dreifachen Unbegrenztheit. Anfangslosigkeit bezeichnet Freiheit von zeitlicher Begrenzung, Allgegenwart Freiheit von räumlicher Begrenzung, und die Herkunft aller Welten zeigt den Herrn als unbegrenzten Stoffgrund ihrer Formen.
<1: Unter den, in Indien überaus zahlreichen, Vögeln treten besonders hervor die Krähen, die man allmorgendlich scharenweise und krächzend von einem der Riesenbäume zum andern fliegen sieht, und die kleinen, grünen Papageichen, die oft dutzendweise auf einem Baume zusammensitzen, und an deren liebliches, süßes Gezwitscher man sich nicht erinnern kann, ohne Heimweh nach Indien zu empfinden.>
<1: Unter den, in Indien überaus zahlreichen, Vögeln treten besonders hervor die Krähen, die man allmorgendlich scharenweise und krächzend von einem der Riesenbäume zum andern fliegen sieht, und die kleinen, grünen Papageichen, die oft dutzendweise auf einem Baume zusammensitzen, und an deren liebliches, süßes Gezwitscher man sich nicht erinnern kann, ohne Heimweh nach Indien zu empfinden.>
<1: We see throughout the constant change from the masculine to the neuter gender, in addressing either the lord or his true essence.>
ajām ekāṃ, lohita-śukla-kṛṣṇāṃ; bahvīḥ prajāḥ, sṛjamānāṃ sa-rūpāḥ | Analyse ▾ Analyse ▴
ajo hy eko, juṣamāṇo 'nuśete; jahāty enāṃ, bhukta-bhogām ajo 'nyaḥ ||5|| Analyse ▾ Analyse ▴
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ajaḥ
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der Ungeborene, der Bock | |
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hi
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denn, fürwahr | |
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ekaḥ
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der eine | |
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juṣamāṇaḥ
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sich erfreuend, genießend | |
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anuśete
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er liegt bei, bleibt bei | |
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jahāti
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er verlässt, gibt auf | |
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enām
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sie, diese | |
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bhukta
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genossen | |
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bhogām
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deren Genuss genossen ist | |
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ajaḥ
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der Ungeborene, der Bock | |
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anyaḥ
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der andere |
Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya deutet die dreifarbige Ungeborene als Prakṛti aus Feuer, Wasser und Nahrung. Ein anfangslos von Begehren und Karma gefesselter Jīva genießt ihre Erzeugnisse; ein anderer vertreibt durch Lehrerunterweisung die Dunkelheit der Unwissenheit und lässt sie zurück.
Śaṅkarānanda identifiziert die eine Ungeborene mit Avidyā und ihren vielen Projektionen. Der gebundene Jīva schläft gleichsam weiter, weil er das Selbst nicht erkennt; der erwachte lässt Verhüllung und Projektion durch Brahmanwissen zurück. Bindung und Befreiung bleiben letztlich vorgestellte Zustände.
Nārāyaṇa liest die rote, weiße und schwarze Ungeborene als Māyā der drei Guṇas. Der Saṃsārin hängt genießend an ihr und hält dies für Wohlergehen. Der andere Ungeborene ist der losgelöste Paramātman, der weder genießt noch etwas ablegen muss.
Vijñānabhagavat verbindet Rot, Weiß und Schwarz sowohl mit Feuer, Wasser und Erde als auch mit Rajas, Sattva und Tamas. Der unwissende Jīva schreibt sich ihre Wandlungen zu; der Wissende verbrennt die Wurzel-Māyā durch unmittelbare Erkenntnis „Ich bin Brahman“.
<1: Lies lohita-śukla-kṛṣṇām und sarūpāḥ (wie auch der Telugudruck hat). Daß, wie Śaṅkara, und höchst wahrscheinlich auch schon Bādarāyana, annehmen (Brahmasūtra 1,4,8–10), die Stelle ursprünglich auf das Seiende und seine Produkte, Glut, Wasser, Nahrung, Chānd. 6,2, zu beziehen ist, dafür sprechen sowohl die Ausdrücke lohita, śukla, kṛṣṇa (siehe Chānd. 6,4,1) als auch ihre Reihenfolge, die nach dem Sāṅkhyasystem eine andre sein müßte. Auf der andern Seite ist die Beziehung von Bock und Ziege auf Purusha und Prakṛti (mit ihren drei Guna’s, Rajas, Sattvam, Tamas) der Sāṅkhya’s zu treffend, um abgewiesen zu werden. — Wir haben hier eine der Stellen, in denen wir aus dem Monismus der Upanishadlehre die dualistische Sāṅkhyatheorie hervorwachsen sehen (vgl. oben S. 290).>
<1: That is, Nature, Prakṛti, with three constituent Qualities (guṇa), namely Pureness (sattva), Passion (rajas), and Darkness (tamas).>
<2: The cosmic Person, father of all being.>
<3: The individual soul, or experiencer.>
<1: Lies lohita-śukla-kṛṣṇām und sarūpāḥ (wie auch der Telugudruck hat). Daß, wie Śaṅkara, und höchst wahrscheinlich auch schon Bādarāyana, annehmen (Brahmasūtra 1,4,8–10), die Stelle ursprünglich auf das Seiende und seine Produkte, Glut, Wasser, Nahrung, Chānd. 6,2, zu beziehen ist, dafür sprechen sowohl die Ausdrücke lohita, śukla, kṛṣṇa (siehe Chānd. 6,4,1) als auch ihre Reihenfolge, die nach dem Sāṅkhyasystem eine andre sein müßte. Auf der andern Seite ist die Beziehung von Bock und Ziege auf Purusha und Prakṛti (mit ihren drei Guna’s, Rajas, Sattvam, Tamas) der Sāṅkhya’s zu treffend, um abgewiesen zu werden. — Wir haben hier eine der Stellen, in denen wir aus dem Monismus der Upanishadlehre die dualistische Sāṅkhyatheorie hervorwachsen sehen (vgl. oben S. 290).>
<1: This is again one of the famous verses of our Upanishad, because it formed for a long time a bone of contention between Vedānta and Sāṅkhya philosophers. The Sāṅkhyas admit two principles, the Purusha, the absolute subject, and the Prakṛti, generally translated by nature. The Vedānta philosophers admit nothing but the one absolute subject, and look upon nature as due to a power inherent in that subject. The later Sāṅkhyas therefore, who are as anxious as the Vedāntins to find authoritative passages in the Veda, confirming their opinions, appeal to this and other passages, to show that their view of Prakṛti, as an independent power, is supported by the Veda. The whole question is fully discussed in the Vedānta-sūtras I, 4, 8. Here we read rohita-kṛṣṇa-śuklām, which seems preferable to lohita-kṛṣṇa-varṇām, at least from a Vedānta point of view, for the three colours, red, black, and white, are explained as signifying either the three guṇas, rajas, sattva, and tamas, or better (Chānd. Up. VI, 3, 1), the three elements, tejas (fire), ap (water), and anna (earth). A. reads rohitaśuklakṛṣṇām; B. lohitaśuklakṛṣṇā (sic). We also find in A. and B. bhuktabhogām for bhuktabhogyām, but the latter seems technically the more correct reading. It would be quite wrong to imagine that aja and ajā are meant here for he-goat and she-goat. These words, in the sense of unborn, are recognised as early as the hymns of the Rig-veda, and they occurred in our Upanishad I, 9, where the two ajas are mentioned in the same sense as here. But there is, no doubt, a play on the words, and the poet wished to convey the second meaning of he-goat and she-goat, only not as the primary, but as the secondary intention.>
<1: According to Śankara, this means nature which has the qualities of light, water, and food, that is to say, all qualities. It has, however, yet another meaning, if Aja is taken in the sense of a goat, which it also denotes.>
<2: Another who by the instruction of his teacher overcomes ignorance, and gets thereby separated from nature and its enjoyment, becomes of the same being with the supreme spirit. “Aja,” “unborn.” There are two substances unborn, according to the doctrine of the Sānkhya, nature and the soul. By the union of both the world is produced; by the separation from nature through knowledge, a soul attains its last object—liberation.>
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