SVU 4.17-4.22: Erkenntnis und Schutz
SVU 4.17-4.22: Erkenntnis und Schutz

SVU 4.17-4.22: Der transzendente Rudra und die Schlussbitten

Der im Herzen erkennbare Rudra steht jenseits sinnlicher Bilder und aller Gegensätze; die Schlussgebete bitten ihn um Erkenntnis und Schutz.

Śvetāśvatara Upaniṣad 4.17
एष देवो विश्वकर्मा महात्मा सदा जनानां हृदये संनिविष्टः |
eṣa devo, viśva-karmā mahātmā; sadā janānāṃ, hṛdaye saṃniviṣṭaḥ | Analyse ▾ Analyse ▴
eṣaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Pronomen dem
dieser, er
devaḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Gott, das göttliche Wesen
viśva
Upapada-Kompositum
Pronomen quant
alles, das All
karmā
Nominativ Singular Maskulin Upapada-Kompositum
Verbalwurzel
Suffix
Schöpfer, Allwirker
mahā
Karmadhāraya-Kompositum
Adjektiv
groß
ātmā
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Selbst, Seele
sadā
Adverb
immer, beständig
janānām
Genitiv Plural
Substantiv Maskulin
der Menschen, Geschöpfe
hṛdaye
Lokativ Singular
Substantiv Neutrum
im Herzen
saṃniviṣṭaḥ
Nominativ Singular Maskulin Partizip Perfekt Passiv
Präfix
Präfix
Verbalwurzel
eingegangen, fest ansässig
हृदा मनीषा मनसाभिकॢप्तो य एतद्विदुरमृतास्ते भवन्ति ||17||
hṛdā manīṣā, manasābhikḷpto; ya etad vidur, amṛtās te bhavanti ||17|| Analyse ▾ Analyse ▴
hṛdā
Instrumentalis Singular
Substantiv Neutrum
mit dem Herzen, durch das Herz
manīṣā
Instrumentalis Singular
Substantiv Feminin
durch Einsicht, Überlegung
manasā
Instrumentalis Singular
Substantiv Neutrum
durch den Geist, mit dem Denken
abhikḷptaḥ
Nominativ Singular Maskulin Partizip Perfekt Passiv
Präfix
Verbalwurzel
erfasst, vorgestellt
ye
Nominativ Plural Maskulin
Pronomen rel
diejenigen, welche
etat
Akkusativ Singular Neutrum
Pronomen dem
dieses, ihn
viduḥ
3. Person Plural Aktiv Perfekt
Verbalwurzel
sie wissen, erkennen
amṛtāḥ
Nominativ Plural Maskulin
Adjektiv
unsterblich
te
Nominativ Plural Maskulin
Pronomen dem
sie, jene
bhavanti
3. Person Plural Aktiv Präsens
Verbalwurzel
sie werden
Metrum: Pāda 1: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang; Pāda 2: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang — 12 Silben; Pāda 3: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 4: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang — 12 Silben
Dieser (eṣaḥ | nom sg m) Gott (devaḥ | nom sg), der Allwirker (viśva-karmā | nom sg m up), das große Selbst (mahātmā | nom sg), ist immer (sadā) in der Menschen (janānām | gen pl) Herzen (hṛdaye | loc sg) fest ansässig (saṃniviṣṭaḥ | nom sg m ppp). Durch das Herz (hṛdā | ins sg), durch Einsicht (manīṣā | ins sg), durch den Geist (manasā | ins sg) wird er erfasst (abhikḷptaḥ | nom sg m ppp). Diejenigen (ye | nom pl m), die dieses (etat | acc sg n) erkennen (viduḥ | 3p pl act perf), [sind] unsterblich (amṛtāḥ | nom pl m); sie (te | nom pl m) werden [es] (bhavanti | 3p pl act pres).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Dieser Gott ist der Schöpfer des Alls und das große Selbst; er wohnt immer in den Herzen der Menschen. Durch Herz, Einsicht und Geist wird er erkannt. Wer ihn kennt, wird unsterblich.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya findet den Allwirker im Herzen wie ein Sonnenbild im Wasser. Durch verneinende Unterweisung, unterscheidende Buddhi und daraus erwachsendes Einheitswissen wird das immer gegenwärtige Selbst offenbar; vorbereitete Entsagende überschreiten dadurch erneute Geburt.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda weist die Vorstellung zurück, Śiva müsse erst von einem äußeren Kailāsa ins Herz kommen. Der große Allwirker wohnt immer schon im Inneren; Herz, unterscheidende Einsicht und Geist erschließen ihn, und seine Kenner werden unsterblich.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa versteht das Herz als Herzlotus und inneren Aufenthaltsort. Manīṣā ist eine von unsteten Entschlüssen freie Buddhi, der Geist erscheint in seiner eigenen Form; mit diesen inneren Mitteln wird der verborgene Herr erkannt.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat deutet den Herzensaufenthalt als Zeugenschaft im inneren Organ. „Nicht dies, nicht dies“, unterscheidende Prüfung und die daraus hervorgehende Erkenntnis „Ich bin Brahman“ machen den Herrn als eigenes Selbst offenbar. Die Wissenden werden nicht erst etwas Neues, sondern der stets bestehende unsterbliche Īśvara.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
Ja, dieser Gott, allschaffend, hohen Sinnes, Ist stets zu finden in der Geschöpfe Herzen; Nur wer an Herz und Sinn und Geist bereitet,—Unsterblich werden, die ihn also kennen.<1>
<1: Bis auf die erste Zeile = Śvet. 3,13, wo man sehe.>
Paul Deussen - 1921
That God, the All-worker, the Great Soul (mahātman), Ever seated in the heart of creatures, Is framed by the heart, by the thought, by the mind—They who know That, become immortal.<1>
<1: Lines b, c, d = 3. 13 b, c, d. Lines c and d also = Kaṭha 6. 9 c, d.>
Robert Hume - 1921
This Luminous Being, whose work is the universe, is the Supreme Soul, and always thoroughly enters the heart of human beings. He is known through (reason), the ruler of the mind, and situated in the heart, and through meditation. Those who know Him become immortal.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Ja, dieser Gott, allschaffend, hohen Sinnes, Ist stets zu finden in der Geschöpfe Herzen; Nur wer an Herz und Sinn und Geist bereitet,—Unsterblich werden, die ihn also kennen.<1>
<1: Bis auf die erste Zeile = Śvet. 3,13, wo man sehe.>
Paul Deussen - 1897
That god, the maker of all things, the great Self<1>, always dwelling in the heart of man, is perceived by the heart, the soul, the mind<2>;—they who know it become immortal.
<1: Or the high-minded.>
<2: See III, 13.>
F. Max Müller - 1884
That God, whose work is the universe, that supreme soul, who is always dwelling in the hearts of (all) beings, is revealed by the heart, discrimination (manishā), and meditation (manasā). Those who know him, become immortal.<1>
<1: The latter half of this verse is taken from Kāth. 6, 9.>
Edward Röer - 1853
Śvetāśvatara Upaniṣad 4.18
यदातमस्तन्न दिवा न रात्रिर्न सन्न चासच्छिव एव केवलः |
yadātamas, tan na divā na rātrir; na san na cāsac, chiva eva kevalaḥ | Analyse ▾ Analyse ▴
yadā
Adverb
wenn
atamas
Nominativ Singular
Präfix
Substantiv Neutrum
Dunkellosigkeit, kein Dunkel
tat
Nominativ Singular Neutrum
Pronomen dem
dann, das
na
Partikel
nicht
divā
Adverb
Tag, bei Tage
na
Partikel
nicht
rātriḥ
Nominativ Singular
Substantiv Feminin
Nacht
na
Partikel
nicht
sat
Nominativ Singular Neutrum Partizip Präsens Aktiv
Verbalwurzel
das Seiende, Sein
na
Partikel
nicht
ca
Partikel
und
asat
Nominativ Singular Neutrum Partizip Präsens Aktiv
Präfix
Verbalwurzel
das Nichtseiende, Nichtsein
śivaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Adjektiv
der Gütige, Heilvolle
eva
Partikel
allein, gerade
kevalaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Adjektiv
einzig, allein
तदक्षरं तत्सवितुर्वरेण्यं प्रज्ञा च तस्मात्प्रसृता पुराणी ||18||
tad akṣaraṃ, tat savitur vareṇyaṃ; prajñā ca tasmāt, prasṛtā purāṇī ||18|| Analyse ▾ Analyse ▴
tat
Nominativ Singular Neutrum
Pronomen dem
das, jenes
akṣaram
Nominativ Singular
Substantiv Neutrum
das Unvergängliche
tat
Nominativ Singular Neutrum
Pronomen dem
das, jenes
savituḥ
Genitiv Singular
Substantiv Maskulin
des Savitṛ, des Bewegers
vareṇyam
Nominativ Singular Neutrum Partizip Futur Passiv
Verbalwurzel
zu erwählen, verehrungswürdig
prajñā
Nominativ Singular
Substantiv Feminin
Erkenntnis, Weisheit
ca
Partikel
und
tasmāt
Ablativ Singular Neutrum
Pronomen dem
daraus, von jenem
prasṛtā
Nominativ Singular Feminin Partizip Perfekt Passiv
Präfix
Verbalwurzel
hervorgegangen, ausgeströmt
purāṇī
Nominativ Singular Feminin
Adjektiv
uralt, ursprünglich
Metrum: Pāda 1: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 2: Jagatī mit Vaṃśa-Ausklang; Pāda 3: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 4: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang
Wenn (yadā) kein Dunkel (atamas | nom sg) [mehr ist], dann (tat | nom sg n) [gibt es] nicht (na) Tag (divā), nicht (na) Nacht (rātriḥ | nom sg), nicht (na) das Seiende (sat | nom sg n pca), nicht (na) aber (ca) das Nichtseiende (asat | nom sg n pca); der Gütige (śivaḥ | nom sg m) allein (eva), der Einzige (kevalaḥ | nom sg m), [bleibt]. Das (tat | nom sg n) [ist] das Unvergängliche (akṣaram | nom sg), das (tat | nom sg n) des Savitṛ (savituḥ | gen sg) zu Verehrende (vareṇyam | nom sg n pfp). Die Erkenntnis (prajñā | nom sg) auch (ca) ist daraus (tasmāt | abl sg n) hervorgegangen (prasṛtā | nom sg f ppp), die uralte (purāṇī | nom sg f).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Wo keine Dunkelheit mehr ist, gibt es weder Tag noch Nacht, weder Sein noch Nichtsein; dort bleibt allein der gütige Eine. Er ist das Unvergängliche, das verehrungswürdige Licht Savitṛs. Aus ihm strömt die uralte Weisheit hervor.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya bezieht den Vers auf den durch Erkenntnis aufgehobenen Dualismus. Wo Avidyā und ihre Wirkungen verbrannt sind, gelten weder Tag und Nacht noch Sein und Nichtsein als Gegensätze; übrig bleibt nicht Leere, sondern Śiva als reine, unterschiedslose Wirklichkeit.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda erklärt das Dunkel als Avidyā mit Verhüllungs- und Projektionskraft. Nach ihrer Aufhebung bleibt das selbstleuchtende Freudenselbst ohne Erkenner-Erkanntes-Spaltung. Alternativ beschreibt der Vers einen Bereich jenseits von Tag, Nacht, Ursache und Wirkung; die uralte Erkenntnis geht aus diesem Śiva hervor.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa liest die Tilgung des Dunkels als Aufhebung aller Gegensatzpaare: Tag und Nacht, Ursache und Wirkung, Sein und Nichtsein. Allein der unveränderliche Śiva bleibt; auch die alte, aus den Schriften stammende Erkenntnis geht von ihm aus.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat bietet eine erkenntnistheoretische und eine kosmologische Lesart. Im Wissen verschwinden die von Avidyā getragenen Gegensätze; in der Auflösung besteht die Welt nur als ungeschiedene Prakṛti. In beiden Fällen bleibt Śiva nichtdual, und die uralte Erkenntnis- oder Vedaüberlieferung stammt von ihm.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
yadātamas LV1958, ASS1927 ] yad ā tamaḥ Böhtlingk apud LV1958-app
Kritischer Apparat
Das Dunkel weicht; nun ist nicht Tag noch Nacht mehr,<1> Nicht seiend noch nichtseiend, selig (śiva) nur ist er; Er ist der Om-Laut, „Savitar’s liebwertes Licht“ (Ṛgv. 3,62,10), Aus ihm erfloß das Wissen uranfänglich.<2>
<1: Vgl. Chānd. 3,11,3. 8,4,1–2 (oben S. 105. 192).>
<2: Vgl. Bṛh. 2,4,10 und Śvet. 6,18.>
Paul Deussen - 1921
When there is no darkness,<1> then there is no day or night, Nor being, nor non-being, only the Kindly One (śiva) alone. That is the Imperishable. “That [is the] desirable [splendor] of Savitri (the Sun).”<2> And from that was primeval Intelligence (prajñā) created.
<1: tamas, perhaps metaphorically as well as literally. That is: when the darkness of ignorance and illusion has been removed, then all fluctuations and distinctions are also overpassed. Undifferenced bliss only remains. Compare the similar descriptions at Chānd. 3. 11. 3 and 8. 4. 1–2.>
<2: The first phrase of the famous Gāyatrī Prayer, RV. 3. 62. 10.>
Robert Hume - 1921
(In that condition) when there is no Avidya, there is neither (the conception of) the day nor night, neither existence nor non-existence; there is only the One (without a second) untainted Being—that Eternal, that Being who has the adorable nature (or form) of a Creator. From him wisdom (handed down) from time immemorial, has proceeded.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Das Dunkel weicht; nun ist nicht Tag noch Nacht mehr,<1> Nicht seiend noch nichtseiend, selig (śiva) nur ist er; Er ist der Om-Laut, „Savitar’s liebwertes Licht“ (Ṛgv. 3,62,10), Aus ihm erfloß das Wissen uranfänglich.<2>
<1: Vgl. Chānd. 3,11,3. 8,4,1–2 (oben S. 105. 192).>
<2: Vgl. Bṛh. 2,4,10 und Śvet. 6,18.>
Paul Deussen - 1897
When the light has risen<1>, there is no day, no night, neither existence nor non-existence<2>; Śiva (the blessed) alone is there. That is the eternal, the adorable light of Savitṛ<3>,—and the ancient wisdom proceeded thence.
<1: Atamas, no darkness, i. e. light of knowledge.>
<2: See on the difficulty of translating sat and asat, τὸ ὄν and τὸ μὴ ὄν, the remarks in the Preface.>
<3: Referring to the Gāyatrī, Rig-veda III, 62, 10; see also Śvet. Up. V, 4.>
F. Max Müller - 1884
When there is no darkness (when all ignorance has disappeared), then there is neither day nor night, neither existence, nor non-existence (all differences have ceased); (then there is) the all-blessed even alone. He is everlasting, he is to be adored by Savitri (the deity of the sun), from him alone has arisen the ancient knowledge (of Bramha).
Edward Röer - 1853
Śvetāśvatara Upaniṣad 4.19
नैनमूर्ध्वं न तिर्यञ्चं न मध्ये परिजग्रभत् |
nainam ūrdhvaṃ na tiryañcaṃ; na madhye parijagrabhat | Analyse ▾ Analyse ▴
na
Partikel
nicht
enam
Akkusativ Singular Maskulin
Pronomen dem
ihn, diesen
ūrdhvam
Akkusativ Singular Maskulin
Adjektiv
den aufrechten, oben
na
Partikel
nicht
tiryañcam
Akkusativ Singular Maskulin
Adjektiv
den quer gerichteten, seitwärts
na
Partikel
nicht
madhye
Lokativ Singular
Substantiv Neutrum
in der Mitte
parijagrabhat
3. Person Singular Aktiv Präteritum
Präfix
Verbalwurzel
jemand ergriff, umfasste
न तस्य प्रतिमा अस्ति यस्य नाम महद्यशः ||19||
na tasya pratimā asti; yasya nāma mahad yaśaḥ ||19|| Analyse ▾ Analyse ▴
na
Partikel
nicht
tasya
Genitiv Singular Maskulin
Pronomen dem
von ihm, dessen
pratimā
Nominativ Singular
Substantiv Feminin
Abbild, Entsprechung
asti
3. Person Singular Aktiv Präsens
Verbalwurzel
es gibt, ist
yasya
Genitiv Singular Maskulin
Pronomen rel
dessen
nāma
Nominativ Singular
Substantiv Neutrum
Name
mahat
Nominativ Singular Neutrum
Adjektiv
groß
yaśaḥ
Nominativ Singular
Substantiv Neutrum
Ruhm, Herrlichkeit
Metrum: Anuṣṭubh
Niemand (na) hat ihn (enam | acc sg m) oben (ūrdhvam | acc sg m), nicht (na) quer (tiryañcam | acc sg m), nicht (na) in der Mitte (madhye | loc sg) umfasst (parijagrabhat | 3p sg act pret). In keiner Weise (na) ist von ihm (tasya | gen sg m) ein Abbild (pratimā | nom sg) vorhanden (asti | 3p sg act pres), dessen (yasya | gen sg m) Name (nāma | nom sg) große (mahat | nom sg n) Herrlichkeit (yaśaḥ | nom sg) [ist].
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Niemand kann ihn erfassen, weder in der Höhe noch in der Weite noch in der Mitte. Für den, dessen Name „Große Herrlichkeit“ ist, gibt es kein Abbild.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya leitet aus Unbegrenztheit und Teillosigkeit die Unfassbarkeit des Herrn in jeder Richtung ab. Weil es kein zweites Wesen mit derselben grenzenlosen Freude gibt, besitzt er kein Ebenbild; sein Ruhm wird von Raum und Zeit nicht begrenzt.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda bestreitet jede räumliche Auffindbarkeit oder Vergleichbarkeit des Selbst. Niemand ergreift es oben, quer oder in der Mitte; „großer Ruhm“ kann seine allbekannte Herrlichkeit oder sogar einen benennenden Ausdruck für ihn bezeichnen.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa erklärt, dass die zehn Richtungen vom Herrn ausgehen und ihn deshalb nicht umfassen können. Kein Mensch hat ihn irgendwo ergriffen; „Pratimā“ bedeutet hier ausdrücklich ein vergleichbares Gegenbild.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat begründet die Richtungslosigkeit mit Ewigkeit, Nichtdualität und fehlenden Teilen. Der Herr ist weder oben noch quer noch in einer Mitte einzufangen. Mangels eines zweiten Wesens gleicher Freude gibt es keinen Vergleich; sein Name ist raumzeitlich unbegrenzter Ruhm.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
„Nicht in der Höhe, noch Breite, Noch Mitte ist umspannbar er. Nicht ist ein Ebenbild dessen, Der da heißt: große Herrlichkeit.“<1>
<1: = Vāj. Saṃh. 32,2–3 (Gesch. d. Phil. I, 292).>
Paul Deussen - 1921
Not above, not across, Nor in the middle has one grasped Him. There is no likeness of Him Whose name is Great Glory (mahad yaśas).<1>
<1: This stanza = VS. 32. 2 c, d + 32. 3 a, b; TA. 10. 1. 2; Mahānār. 1. 10.>
Robert Hume - 1921
None can grasp Him above, in the intermediate directions (obliquely) or in the middle; He, whose name is “great fame,” has no comparison.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
„Nicht in der Höhe, noch Breite, Noch Mitte ist umspannbar er. Nicht ist ein Ebenbild dessen, Der da heißt: große Herrlichkeit.“<1>
<1: = Vāj. Saṃh. 32,2–3 (Gesch. d. Phil. I, 292).>
Paul Deussen - 1897
No one has grasped him above, or across, or in the middle<1>. There is no image of him whose name is Great Glory.
<1: See Muir, Metrical Translations, p. 198; Maitr. Up. VI, 17.>
F. Max Müller - 1884
None is able to comprehend him in the space above, in the space below, or in the space between. For him whose name is the glory of the universe (or infinite glory), there is no likeness.
Edward Röer - 1853
Śvetāśvatara Upaniṣad 4.20
न संदृशे तिष्ठति रूपमस्य न चक्षुषा पश्यति कश्चनैनम् |
na saṃdṛśe, tiṣṭhati rūpam asya; na cakṣuṣā, paśyati kaścanainam | Analyse ▾ Analyse ▴
na
Partikel
nicht
saṃdṛśe
Dativ Singular
Substantiv Feminin
für den Anblick, im Sichtbereich
tiṣṭhati
3. Person Singular Aktiv Präsens
Verbalwurzel
es steht, befindet sich
rūpam
Nominativ Singular
Substantiv Neutrum
Gestalt, Form
asya
Genitiv Singular Maskulin
Pronomen dem
von ihm, seine
na
Partikel
nicht
cakṣuṣā
Instrumentalis Singular
Substantiv Neutrum
mit dem Auge
paśyati
3. Person Singular Aktiv Präsens
Verbalwurzel
man sieht, erblickt
kaścana
Nominativ Singular Maskulin
Pronomen inter
Suffix
irgendjemand
enam
Akkusativ Singular Maskulin
Pronomen dem
ihn, diesen
हृदा हृदिस्थं मनसा य एनमेवं विदुरमृतास्ते भवन्ति ||20||
hṛdā hṛdi-sthaṃ, manasā ya enam; evaṃ vidur, amṛtās te bhavanti ||20|| Analyse ▾ Analyse ▴
hṛdā
Instrumentalis Singular
Substantiv Neutrum
mit dem Herzen, durch das Herz
hṛdi
Upapada-Kompositum
Substantiv Neutrum
im Herzen
stham
Akkusativ Singular Maskulin
Adjektiv
befindlich, wohnend
manasā
Instrumentalis Singular
Substantiv Neutrum
mit dem Geist, durch Denken
ye
Nominativ Plural Maskulin
Pronomen rel
diejenigen, welche
enam
Akkusativ Singular Maskulin
Pronomen dem
ihn, diesen
evam
Adverb
so, auf diese Weise
viduḥ
3. Person Plural Aktiv Perfekt
Verbalwurzel
sie wissen, erkennen
amṛtāḥ
Nominativ Plural Maskulin
Adjektiv
unsterblich
te
Nominativ Plural Maskulin
Pronomen dem
sie, jene
bhavanti
3. Person Plural Aktiv Präsens
Verbalwurzel
sie werden
Metrum: Pāda 1: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 2: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 3: Triṣṭubh mit Vajrā-Ausklang; Pāda 4: Triṣṭubh mit Śālinī-Ausklang
Nicht (na) im Sichtbereich (saṃdṛśe | dat sg) befindet sich (tiṣṭhati | 3p sg act pres) die Gestalt (rūpam | nom sg) von ihm (asya | gen sg m); nicht (na) mit dem Auge (cakṣuṣā | ins sg) sieht (paśyati | 3p sg act pres) irgendjemand (kaścana | nom sg m) ihn (enam | acc sg m). Mit dem Herzen (hṛdā | ins sg) [erfasst man] den im Herzen Wohnenden (hṛdi-stham | acc sg m), mit dem Geist (manasā | ins sg). Diejenigen (ye | nom pl m), die ihn (enam | acc sg m) so (evam) erkennen (viduḥ | 3p pl act perf), [sind] unsterblich (amṛtāḥ | nom pl m); sie (te | nom pl m) werden [es] (bhavanti | 3p pl act pres).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Seine Gestalt liegt außerhalb unseres Blickfeldes; niemand kann ihn mit den Augen sehen. Wer ihn mit Herz und Geist als den im Herzen Wohnenden erkennt, wird unsterblich.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya unterscheidet Sinneswahrnehmung und Selbsterkenntnis. Das formlose, selbstleuchtende Bewusstsein kann kein Auge oder anderes Organ zum Gegenstand machen. Im Herzen wird es durch gereinigte Buddhi als eigenes Brahman-Selbst unmittelbar erkannt; damit endet weitere Verkörperung.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda vergleicht die Offenbarung im reinen Innenorgan mit Sonne im Wasser oder Raum im Gefäß. Das Selbst ist zwar aus sich selbst leuchtend, wird aber in einer völlig klaren, selbstförmigen Geistestätigkeit erkannt; dies meint die Erkenntnis der Brahmankenner.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat betont die Nichtgegenständlichkeit des Herrn: Als eigenschaftsloses Bewusstsein steht er an keinem Ort für die Sinne bereit. Verneinende Unterweisung und eine gereinigte Buddhi erkennen ihn im inneren Ich-Bewusstsein als eigenes Selbst; dadurch kehrt keine sterbliche Leibbindung wieder.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
Nicht ist zu schauen die Gestalt desselben; Nicht sieht ihn irgendwer mit seinem Auge; Ihn, der im Herzen weilt, mit Herz und Sinnen,—Unsterblich werden, die ihn also kennen.<1>
<1: = Kāṭh. 6,9. Mahānār. 1,11 (verändert); vgl. oben zu 3,13.>
Paul Deussen - 1921
His form is not to be beheld. No one soever sees Him with the eye. They who thus know Him with heart and mind As abiding in the heart, become immortal.<1>
<1: This stanza = Kaṭha 6. 9 and Mahānār. 1. 11 with slight variation.>
Robert Hume - 1921
His Being does not stand in the range of vision; no one can see Him with the eye; those become immortal who know Him present in the heart, by reason and meditation, in this manner.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Nicht ist zu schauen die Gestalt desselben; Nicht sieht ihn irgendwer mit seinem Auge; Ihn, der im Herzen weilt, mit Herz und Sinnen,—Unsterblich werden, die ihn also kennen.<1>
<1: = Kāṭh. 6,9. Mahānār. 1,11 (verändert); vgl. oben zu 3,13.>
Paul Deussen - 1897
His form cannot be seen, no one perceives him with the eye. Those<1> who through heart and mind know him thus abiding in the heart, become immortal.
<1: B. reads hṛdā manīṣā manasābhikḷpto, yat tad vidur; A. hṛdi hṛdistham manasāya enam evaṃ vidur.>
F. Max Müller - 1884
Not in the sight abides his form, none beholds him by the eye. Those who know him dwelling in the heart (in the ether of the heart) by the heart (pure intellect) and mind, become immortal (vide v. 17).
Edward Röer - 1853
Śvetāśvatara Upaniṣad 4.21
अजात इत्येवं कश्चिद्भीरुः प्रपद्यते |
ajāta ity evaṃ kaścid; bhīruḥ prapadyate | Analyse ▾ Analyse ▴
ajātaḥ
Nominativ Singular Maskulin Partizip Perfekt Passiv
Präfix
Verbalwurzel
ungeboren
iti
Partikel
so, mit diesen Worten
evam
Adverb
so, auf diese Weise
kaścit
Nominativ Singular Maskulin
Pronomen inter
Suffix
irgendjemand
bhīruḥ
Nominativ Singular Maskulin
Adjektiv
furchtsam, ängstlich
prapadyate
3. Person Singular Medial Präsens
Präfix
Verbalwurzel
er nimmt Zuflucht, nähert sich
रुद्र यत्ते दक्षिणं मुखं तेन मां पाहि नित्यम् ||21||
rudra yat te dakṣiṇaṃ mukhaṃ; tena māṃ pāhi nityam ||21|| Analyse ▾ Analyse ▴
rudra
Vokativ Singular
Substantiv Maskulin
o Rudra
yat
Nominativ Singular Neutrum
Pronomen rel
welches, das
te
Genitiv Singular
Pronomen pers 2p
dein, von dir
dakṣiṇam
Nominativ Singular Neutrum
Adjektiv
gütig, huldvoll
mukham
Nominativ Singular
Substantiv Neutrum
Gesicht, Antlitz
tena
Instrumentalis Singular Neutrum
Pronomen dem
damit, durch dieses
mām
Akkusativ Singular
Pronomen pers 1p
mich
pāhi
2. Person Singular Aktiv Imperativ
Verbalwurzel
beschütze, bewahre
nityam
Adverb
immer, beständig
Metrum: Pāda 1: Anuṣṭubh; Pāda 2: Anuṣṭubh — 6 statt 8 Silben; Pāda 3: Anuṣṭubh — 9 statt 8 Silben; Pāda 4: Anuṣṭubh — 7 statt 8 Silben
„Ungeboren“ (ajātaḥ | nom sg m ppp) – so (iti), auf diese Weise (evam) – nimmt irgendein (kaścit | nom sg m) Furchtsamer (bhīruḥ | nom sg m) Zuflucht (prapadyate | 3p sg med pres). O Rudra (rudra | voc sg), das, welches (yat | nom sg n) dein (te | gen sg) gütiges (dakṣiṇam | nom sg n) Antlitz (mukham | nom sg) [ist]: Mit diesem (tena | ins sg n) sollst du mich (mām | acc sg) beschützen (pāhi | 2p sg act imp), immer (nityam).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Mit dem Gedanken „Du bist ungeboren“ nimmt ein furchtsamer Mensch bei dir Zuflucht. O Rudra, beschütze mich allezeit mit deinem gütigen Antlitz.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya lässt den vom vergänglichen Saṃsāra erschrockenen Suchenden beim ungeborenen Herrn Zuflucht nehmen. Rudras rechte oder südliche, ermutigende und freudige Gestalt soll ihn jederzeit schützen; die Zuschreibung bleibt dabei diejenige des überlieferten Bhāṣya.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda verbindet das rechte Antlitz mit dem auf der rechten Herzseite verorteten Tor des Hörens. Dieses soll sich dem Vedānta-Hören zuwenden und den Suchenden so schützen, dass er niemals von der befreienden Unterweisung getrennt wird.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa versteht das rechte Antlitz als in Unterweisung kundige Seite Rudras. Der von Geburtsfurcht ergriffene Jīva nimmt bei ihr Zuflucht und bittet, durch diese lehrende Gegenwart dauerhaft geschützt und befreit zu werden.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat deutet Rudras ungegliedertes, befreiungsfähiges Antlitz als die Seite jenseits begrenzter Formen. Der vorbereitete Suchende flüchtet vor Geburt, Tod und Verblendung zu ihr; Schutz bedeutet, dass Einheitswissen aufsteigt, Saṃsāras Wurzel verbrennt und die eigene Freude beständig offenbar bleibt.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
Er ist der Ew’ge! so denkend Mag man furchtsam ihm nahen wohl;—O Rudra! mit deinem huldreichen Antlitz, Mit dem schütz’ mich allezeit!
Paul Deussen - 1921
With the thought “He is eternal!” A certain one in fear approaches. O Rudra, that face of thine which is propitious—With that do thou protect me ever!
Robert Hume - 1921
As Thou art free from birth, etc., in this way, therefore, some one (like myself) afraid (of birth, etc.) resorts (to Thee). O Rudra! O Destroyer of pain, always protect me by that face of thine which is benevolent.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
Er ist der Ew’ge! so denkend Mag man furchtsam ihm nahen wohl;—O Rudra! mit deinem huldreichen Antlitz, Mit dem schütz’ mich allezeit!
Paul Deussen - 1897
‘Thou art unborn,’ with these words some one comes near to thee, trembling. O Rudra, let thy gracious<1> face protect me for ever!
<1: Dakshiṇa is explained either as invigorating, exhilarating, or turned towards the south.>
F. Max Müller - 1884
“He is unborn;” thus thinking, some one perturbed (by the misery of the world) may be found (to pray): “O Rudra, let thy auspicious (dakshina)<1> face preserve me for ever.”
<1: “Dakshina,” according to Śankara, means either “auspicious,” or “southern” (right), that is, which is turned to the south.>
Edward Röer - 1853
Śvetāśvatara Upaniṣad 4.22
मा नस्तोके तनये मा न आयुषि मा नो गोषु मा नो अश्वेषु रीरिषः |
mā nas toke, tanaye mā na āyuṣi; mā no goṣu, mā no aśveṣu rīriṣaḥ | Analyse ▾ Analyse ▴
mā
Partikel
nicht, keinesfalls
naḥ
Akkusativ Plural
Pronomen pers 1p
uns
toke
Lokativ Singular
Substantiv Neutrum
am Nachwuchs, hinsichtlich der Kinder
tanaye
Lokativ Singular
Substantiv Maskulin
am Nachkommen, hinsichtlich des Sohnes
mā
Partikel
nicht, keinesfalls
naḥ
Akkusativ Plural
Pronomen pers 1p
uns
āyuṣi
Lokativ Singular
Substantiv Neutrum
am Leben, hinsichtlich der Lebenszeit
mā
Partikel
nicht, keinesfalls
naḥ
Akkusativ Plural
Pronomen pers 1p
uns
goṣu
Lokativ Plural
Substantiv Feminin
an den Rindern, Kühen
mā
Partikel
nicht, keinesfalls
naḥ
Akkusativ Plural
Pronomen pers 1p
uns
aśveṣu
Lokativ Plural
Substantiv Maskulin
an den Pferden
rīriṣaḥ
2. Person Singular Aktiv Injunktiv Desiderativ
Verbalwurzel
du sollst nicht schädigen, zu verletzen suchen
वीरान्मा नो रुद्र भामितो वधीर्हविष्मन्तः सदमित्त्वा हवामहे ||22||
vīrān mā no, rudra bhāmito vadhīr; haviṣmantaḥ, sadam it tvā havāmahe ||22|| Analyse ▾ Analyse ▴
vīrān
Akkusativ Plural
Substantiv Maskulin
Helden, tatkräftige Männer
mā
Partikel
nicht, keinesfalls
naḥ
Genitiv Plural
Pronomen pers 1p
unsere, von uns
rudra
Vokativ Singular
Substantiv Maskulin
o Rudra
bhāmitaḥ
Nominativ Singular Maskulin
Adjektiv
erzürnt, zornig
vadhīḥ
2. Person Singular Aktiv Injunktiv
Verbalwurzel
du sollst nicht töten
haviṣmantaḥ
Nominativ Plural Maskulin
Adjektiv
Opfergaben habend, opfernd
sadam
Adverb
immer, beständig
it
Partikel
eben, gerade
tvā
Akkusativ Singular
Pronomen pers 2p
dich
havāmahe
1. Person Plural Medial Präsens
Verbalwurzel
wir rufen an
Metrum: Pāda 1: Jagatī; Pāda 2: Jagatī; Pāda 3: Jagatī — 11 Silben; Pāda 4: Jagatī
Nicht (mā) [schädige] uns (naḥ | acc pl) am Kind (toke | loc sg), am Nachkommen (tanaye | loc sg); nicht (mā) [schädige] uns (naḥ | acc pl) am Leben (āyuṣi | loc sg); nicht (mā) [schädige] uns (naḥ | acc pl) an den Rindern (goṣu | loc pl); nicht (mā) [schädige] uns (naḥ | acc pl) an den Pferden (aśveṣu | loc pl): [Du sollst uns nicht] zu verletzen suchen (rīriṣaḥ | 2p sg act inj des). Die Helden (vīrān | acc pl) sollst du nicht (mā) – [nämlich] unsere (naḥ | gen pl), o Rudra (rudra | voc sg) – erzürnt (bhāmitaḥ | nom sg m) töten (vadhīḥ | 2p sg act inj). Wir, Opfergaben darbringend (haviṣmantaḥ | nom pl m), rufen beständig (sadam) eben (it) dich (tvā | acc sg) an (havāmahe | 1p pl med pres).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Schädige weder unsere Kinder und Nachkommen noch unser Leben, unsere Rinder oder unsere Pferde. Töte unsere Helden nicht in deinem Zorn, o Rudra. Wir bringen Opfergaben dar und rufen dich allezeit an.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

Das Śaṅkara zugeschriebene Bhāṣya weitet die Schutzbitte auf Kinder, Enkel, Lebenszeit, Rinder, Pferde, Leiber und tapfere Angehörige aus. Selbst wenn Rudra erzürnt ist, soll er sie verschonen; die Opfernden rufen ihn fortwährend zum Schutz an.

Śvetāśvatara-Upaniṣad Śaṅkara-Bhāṣya

Śaṅkarānanda bezeichnet den Vers als Gnadenweg für Hausleute. Rudra soll Nachkommen, unversehrtes langes Leben, Vieh und tatkräftige Helfer bewahren. Die Opfernden besitzen häusliche und wilde Pflanzen, Milch und andere Gaben und vollziehen für ihn den Homa.

Śaṅkarānandas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Nārāyaṇa erklärt die Bitte um Schonung der Angehörigen mit Rudras Gnade: Wer von ihm begünstigt ist, braucht zerstörerische Kräfte nicht selbst zu bekämpfen. Die Verehrer rufen ihn mit Opfergaben in die Opferhalle, damit er den Opferanteil annimmt und schützt.

Nārāyaṇas Śvetāśvataropaniṣaddīpikā

Vijñānabhagavat liest die Bewahrung zweifach. Erkenntnissuchende bitten um Schutz für Schüler, Enkel, Lebenskräfte, Veden und Sinne, bis Wissen möglich ist; Weltlichgesinnte bitten um Familie, Leben, Vieh und Helfer. In beiden Fällen bedeutet fortwährendes Opfern, Rudra zum Schutz anzurufen.

Vijñānabhagavats Śvetāśvataropaniṣadvivaraṇa
sadam it tvā LV1958, ASS1927 ] sadasi tvā Hauschild apud LV1958-app
Kritischer Apparat
„An Kindern und Nachkommen und am Leben auch, An Rindern und an Rossen nicht verletze uns! Erschlage nicht in deinem Grimm die Mannen uns, Mit Opfern rufen wir dich auf der Stätte an.“<1>
<1: = Ṛgv. 1,114,8. Taitt. Saṃh. 4,5,10,3. Vāj. Saṃh. 16,16 (mit Varianten).>
Paul Deussen - 1921
Injure us not in child or grandchild, nor in life! Injure us not in cattle! Injure us not in horses! Slay not our strong men in anger, O Rudra! With oblations ever we call upon thee.<1>
<1: This stanza = RV. 1. 114. 8; TS. 4. 5. 10. 3; and VS. 16. 16 with variations.>
Robert Hume - 1921
Do not bring destruction on our children, on our sons, on our life, on our cows, and on our horses. Being full of anger, O Rudra, O Destroyer of pain, do not kill our brave (servants), (as) we always invoke Thee with oblations.
Siddhesvar Varma Shastri - 1916
„An Kindern und Nachkommen und am Leben auch, An Rindern und an Rossen nicht verletze uns! Erschlage nicht in deinem Grimm die Mannen uns, Mit Opfern rufen wir dich auf der Stätte an.“<1>
<1: = Ṛgv. 1,114,8. Taitt. Saṃh. 4,5,10,3. Vāj. Saṃh. 16,16 (mit Varianten).>
Paul Deussen - 1897
O Rudra! hurt us not in our offspring and descendants, hurt us not in our own lives, nor in our cows, nor in our horses! Do not slay our men in thy wrath, for, holding oblations, we call on thee always.<1>
<1: See Colebrooke, Miscellaneous Essays, I, p. 141; Rig-veda I, 114, 8; Taitt. Saṃh. IV, 5, 10, 3; Vāg. Saṃh. XVI, 16. The various readings are curious. Āyuṣi in the Śvet. Up., instead of āyau in the Rig-veda, is supported by the Taitt. Saṃh. and the Vāg. Saṃh.; but Vijñānātman reads āyau. As to bhāmito, it seems the right reading, being supported by the Rig-veda, the Taitt. Saṃh., and the Śvet. Up., while bhāvito in Roer’s edition is a misprint. The Vāg. Saṃh. alone reads bhāmino, which Mahīdhara refers to vīrān. The last verse in the Rig-veda and Vāg. Saṃh. is haviṣmantaḥ sadam it tvā havāmahe; in the Taitt. Saṃh. haviṣmanto namasā vidhema te. In the Śvet. Up. haviṣmantaḥ sadasi tvā havāmahe, as printed by Roer, seems to rest on Śaṅkara’s authority only. The other commentators, Śaṅkarānanda and Vijñānātman, read and interpret sadam it.>
F. Max Müller - 1884
Injure not our children, nor our grandchildren, nor our lives, nor our cows, nor our horses, nor slay in anger our valiant men; for with offerings we always invoke thee.<1>
<1: This verse, according to Weber, occurs in the Vāj. Sanh. xvi, 16., in the Taitt. S. v, 10, 11, and in the Rig. V. S. i, 114–18.>
Edward Röer - 1853

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