Metrum: Anuṣṭubh.
cālite und ravau lassen sich gemeinsam als zeitliche Nebenkonstruktion lesen: „Wenn die Sonne bewegt worden ist“. rakta-pittam deute ich mit Mallinson 2012, S. 271, als Ziel dieser Bewegung, „zu Blut und Galle“, nicht als neues Subjekt. Das Sanskrit nennt keinen eigenen Ausdruck für deren Ort; seine knappe Fügung bleibt ungewöhnlich. Der Satz führt in 83 weiter. śoṣayate heißt „trocknet aus“ und wird nicht als „trinkt“ umgedeutet.
Metrum: Anuṣṭubh.
Ich lese yātenducakram als yātā + indu-cakram: Kuṇḍalinī ist zum Mondrad gelangt. Für den deutschen Relativsatz wird dieser Zusammenhang umgestellt. siktam und uṣṇam beziehe ich als maskuline Akkusative auf kapham: Kuṇḍalinī verschlingt den ausgeschiedenen, erhitzten Schleim, der seiner Natur nach kalt ist. Das „Heiße“ ist somit kein eigenes Subjekt. Diese Lesung entspricht Mallinson 2012, S. 271. Die doppelte Einbindung des Mondrads als Bewegungsziel und Bezug von yatrāste bleibt syntaktisch gedrängt.
Metrum: Anuṣṭubh.
Ich unterscheide mit Mallinson 2012, S. 271, zwei Subjekte: Das feminine kṣubdhā, „aufgewühlt“, gehört zu Kuṇḍalinī; beim verstärkten Fließen ist die weiße Flüssigkeit gemeint. Die ergänzten Subjekte im Deutschen machen diese Rückbezüge sichtbar. sravatetarām bleibt eine ungewöhnliche Steigerungsbildung zum Fließen. Eine moderne körperliche Gleichsetzung wird daraus nicht abgeleitet.
Metrum: Anuṣṭubh.
Ich folge in der Satzverbindung vorläufig Mallinson 2012, S. 271: Der Geschmack der Flüssigkeit löst den Geist aus seiner Bindung an die Sinnesgegenstände; der junge Mensch erfreut sich am Selbst. bahiṣṭham verstehe ich dabei als „außerhalb“ dieser Gegenstände. Die Ergänzungen „zuvor“ und das Verb des ersten Satzes machen diese Deutung lesbar. Den Genitiv svasthasya verbinde ich mit paramam: das Höchste dessen, der in sich ruht. Diese nähere Wortentsprechung bleibt gegenüber Mallinsons freierer Deutung als innerer Genuss sperrig; der syntaktische Bezug ist nicht gesichert. yuvā bleibt „der junge Mensch“. Die im Entwurf erwogene Ersetzung durch bhavet wird nicht übernommen.
Metrum: Anuṣṭubh.
prakṛtyaṣṭaka nennt eine Achtzahl der Natur, ohne ihre Bestandteile hier aufzulisten. Die Objekte zu den beiden kroḍīkṛtya werden aus dem Zusammenhang ergänzt; eine feste Systemzuordnung wird daraus nicht abgeleitet.
Metrum: Anuṣṭubh.
Für das Rote von unten und das Weiße von oben ergänze ich „gehen auf“ aus dem vorhergehenden vilīyate. Danach ist mārutaḥ, der Wind, Subjekt von samāyāti; prāṇāpānau und sahajātau lese ich als Akkusativ Dual, nicht als zweites Subjekt. Die Formen lassen beide Kasus zu. So ergibt sich der Sinn: Der Wind kommt mit dem gemeinsam entstandenen Paar Prāṇa und Apāna zusammen. Mallinson 2012, S. 271, stützt diese Verbindung. Rot und Weiß bleiben historische Körpersubstanzen ohne moderne biologische Gleichsetzung.
Metrum: Anuṣṭubh.
Ich lese die Lokative vorläufig als Bedingungen: Das stoffliche Element wird gering; dem Sprechenden kommt Größe zu. Als Subjekt von vardhate und drāvayati ergänze ich den im vorhergehenden Vers genannten Atem. Diese Verständnishilfe orientiert sich an Mallinson 2012, S. 271, der den ersten Halbvers selbst als Crux markiert. Was „gering“ und „Größe“ hier genau bezeichnen, bleibt offen. Der Vergleich des zweiten Halbverses ist deutlicher: Die Winde werden wie Gold im erhitzten Tiegel verflüssigt. Die Übersetzung führt keine Sanskritkonjektur ein.
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Illustrationen: KI-generiert.
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