DYS 84–86: Bindu bewahren
DYS 84–86: Bindu bewahren

Dattātreyayogaśāstra 84–86: Sexuelle Zurückhaltung als Schutz der Lebenskraft

Frauen sollen wegen der Schönheit des Yogis Geschlechtsverkehr mit ihm wünschen; gibt er dem nach, verliert er Bindu, Lebenszeit und Kraft. Deshalb soll er den Umgang mit Frauen meiden; fortwährende Bindu-Bewahrung soll seinem Körper einen angenehmen Geruch verleihen.

Dr. Ronald Steiner Dr. Ronald Steiner Nils Jacob Liersch Nils Jacob Liersch
Dattātreyayogaśāstra 84
तस्मिन्काले महाविघ्नो योगिनः स्यात्प्रमादतः |
tasmin kāle mahā-vighno; yoginaḥ syāt pramādataḥ | Analyse ▾ Analyse ▴
tasmin
Lokativ Singular Maskulin
Pronomen
in dieser
kāle
Lokativ Singular
Substantiv Maskulin
in der Zeit
mahat
Karmadhāraya-Kompositum
Adjektiv
groß
vighnaḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Hindernis
yoginaḥ
Genitiv Singular
Substantiv Maskulin
des Yogis
syāt
3. Person Singular Aktiv Optativ
Verbalwurzel
es würde sein
pramādataḥ
Ablativ Singular
Substantiv Maskulin
Suffix
durch Fahrlässigkeit, Unaufmerksamkeit, Unachtsamkeit, Nachlässigkeit
तद्रूपवशगा नार्यः कांक्षन्ते तस्य संगमम् ||84||
tad-rūpa-vaśagā nāryaḥ; kāṃkṣante tasya saṃgamam ||84|| Analyse ▾ Analyse ▴
tat
Tatpuruṣa-Kompositum Ablativ
Pronomen
aufgrund seiner
rūpa
Tatpuruṣa-Kompositum Ablativ
Substantiv Neutrum
Erscheinung, schöne Gestalt
vaśagāḥ
Nominativ Plural Feminin
Adjektiv
von jemandem überwältigt
nāryaḥ
Nominativ Plural
Substantiv Feminin
die Frauen
kāṃkṣante
3. Person Plural Medial Präsens
Verbalwurzel
sie wünschen, sie verlangen
tasya
Genitiv Singular Maskulin
Pronomen
mit ihm
saṃgamam
Akkusativ Singular
Substantiv Maskulin
Sex, Geschlechtsverkehr
Metrum: Anuṣṭubh
Zu dieser Zeit (tasmin kāle | loc sg) könnte (syāt | 3p sg act opt) dem Yogi (yoginaḥ | gen sg) durch Unachtsamkeit (pramādataḥ | abl sg) ein großes Hindernis (mahā-vighnaḥ | nom sg) entstehen. Von seiner schönen Gestalt überwältigt (tad-rūpa-vaśagāḥ | nom pl f), wünschen (kāṃkṣante | 3p pl med pres) die Frauen (nāryaḥ | nom pl) sich Geschlechtsverkehr (saṃgamam | acc sg) mit ihm (tasya | gen sg m).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Gerade dann entsteht durch Unachtsamkeit eine große Gefahr: Frauen fühlen sich von seiner Ausstrahlung angezogen.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer
Dattātreyayogaśāstra 85
यदि संगं करोत्येवं बिन्दुस्तस्य विनश्यति |
yadi saṃgaṃ karoty evaṃ; bindus tasya vinaśyati | Analyse ▾ Analyse ▴
yadi
Partikel
wenn
saṃgam
Akkusativ Singular
Substantiv Maskulin
Zusammenkommen, Geschlechtsverkehr
karoti
3. Person Singular Aktiv Präsens
Verbalwurzel
er macht, er tut
evam
Adverb
so, auf diese Weise
binduḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Samen
tasya
Genitiv Singular Maskulin
Pronomen
sein
vinaśyati
3. Person Singular Aktiv Präsens
Präfix
Verbalwurzel
er verschwindet, er geht verloren
आयुःक्षयो बिन्दुनाशादसामर्थ्यं च जायते ||85||
āyuḥ-kṣayo bindu-nāśād; asāmarthyaṃ ca jāyate ||85|| Analyse ▾ Analyse ▴
āyuḥ
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Neutrum
des Lebens
kṣayaḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Schwund, Abnahme, Verringerung
bindu
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Maskulin
des Samens
nāśāt
Ablativ Singular
Substantiv Maskulin
aufgrund des Verlustes
asāmarthyam
Nominativ Singular
Substantiv Neutrum
Schwäche, Unvermögen
ca
Partikel
und
jāyate
3. Person Singular Medial Präsens
Verbalwurzel
es entsteht
Metrum: Anuṣṭubh
Wenn (yadi) er auf diese Weise (evam) Geschlechtsverkehr (saṃgam | acc sg) hat (karoti | 3p sg act pres), geht sein (tasya | gen sg m) Samen (binduḥ | nom sg) verloren (vinaśyati | 3p sg act pres). Durch den Verlust des Samens (bindunāśāt | abl sg) wird die Lebensspanne verkürzt (āyuḥkṣayaḥ | nom sg), und (ca) Schwäche (asāmarthyam | nom sg) entsteht (jāyate | 3p sg med pres).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Gibt er diesem Verlangen nach, verliert er seine vitale Kraft. Dieser Verlust schwächt Leben und Körper.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer
evaṃ JM2024 ] eṣa DYŚ
Kritischer Apparat
Dattātreyayogaśāstra 86
तस्मात्स्त्रीणां संगवर्जं कुर्यादभ्यासमादरात् |
tasmāt strīṇāṃ saṃga-varjaṃ; kuryād abhyāsam ādarāt | Analyse ▾ Analyse ▴
tasmāt
Ablativ Singular Neutrum
Pronomen
deshalb
strīṇām
Genitiv Plural
Substantiv Feminin
der Frauen
saṃga
Tatpuruṣa-Kompositum Ablativ
Substantiv Maskulin
Umgang, Geschlechtsverkehr
varjam
Akkusativ Singular Maskulin
Adjektiv
frei von, ohne
kuryāt
3. Person Singular Aktiv Optativ
Verbalwurzel
er soll machen, er soll tun
abhyāsam
Akkusativ Singular
Substantiv Maskulin
beharrliche Praxis
ādarāt
Ablativ Singular
Substantiv Maskulin
mit Sorgfalt, mit Bedacht
योगिनो ऽङ्गे सुगन्धः स्यात्सततं बिन्दुधारणात् ||86||
yogino 'ṅge su-gandhaḥ syāt; satataṃ bindu-dhāraṇāt ||86|| Analyse ▾ Analyse ▴
yoginaḥ
Genitiv Singular
Substantiv Maskulin
des Yogis
aṅge
Lokativ Singular
Substantiv Neutrum
im Körper
su
Karmadhāraya-Kompositum
Präfix
gut, angenehm
gandhaḥ
Nominativ Singular
Substantiv Maskulin
Duft, angenehmer Geruch
syāt
3. Person Singular Aktiv Optativ
Verbalwurzel
es möge sein, es möge entstehen
satatam
Adverb
fortwährend, ununterbrochen
bindu
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Maskulin
des Samens
dhāraṇāt
Ablativ Singular
Substantiv Neutrum
durch Bewahrung
Metrum: Anuṣṭubh
Deshalb (tasmāt | abl sg n) soll er den Umgang meiden (saṃgavarjam | acc sg m) mit Frauen (strīṇām | gen pl) und sorgfältig (ādarāt | abl sg) seine Praxis (abhyāsam | acc sg) ausführen (kuryāt | 3p sg act opt). Durch die fortwährende (satatam) Bewahrung des Samens (bindudhāraṇāt | abl sg) soll im Körper (aṅge | loc sg) des Yogis (yoginaḥ | gen sg) ein angenehmer Geruch (sugandhaḥ | nom sg) entstehen (syāt | 3p sg act opt).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Deshalb soll er sexuelle Verstrickung meiden und sorgfältig weiterüben. Wenn er seine vitale Kraft bewahrt, beginnt der Körper angenehm zu duften.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer
sugandhaḥ JM2024 ] sugandhiḥ DYŚ
Kritischer Apparat

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Illustrationen: KI-generiert.

Editor:innen

Dr. Ronald Steiner

Aus Ulm

Dr. Ronald Steiner, der „Yoga Doc“, begründete die AYI Methode: traditioneller Ashtanga, moderne Yogatherapie und lebendige Philosophie – als persönliche Praxis von sportlich-akrobatisch bis meditativ-therapeutisch. Er... mehr ›

Nils Jacob Liersch

Meine Begeisterung für Yoga, indische Philosophie und Sanskrit führte mich zum Studium der Indologie und Religionswissenschaft an der Universität Heidelberg. Seit 2004 befinde ich mich auf meinem persönlichen Yogaweg... mehr ›

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Kann man sagen, der Mensch gesundet an Körper und Geist ?!
Ganzheitliche Balance und Gesundheit war die Vision dieser ~i~Ha.tha~~ Yogis - und ist auch immer noch die Vision in einer modernen Yogapraxis. :)