DYS 34–38: Padmāsana
DYS 34–38: Padmāsana

Dattātreyayogaśāstra 34–38: Lotussitz, Atemführung und methodischer Beginn

Unter den vielen Sitzhaltungen gilt Padmāsana als besonders wirksam; Haltung, Blick, Zungenposition sowie langsames Ein- und Ausatmen bereiten die weitere Praxis vor.

Dr. Ronald Steiner Dr. Ronald Steiner Nils Jacob Liersch Nils Jacob Liersch
Dattātreyayogaśāstra 34
चतुराशीतिलक्षेषु आसनेषूत्तमं शृणु |
catur-āśīti-lakṣeṣu; āsaneṣūttamaṃ śṛṇu | Analyse ▾ Analyse ▴
catur
Dvandva-Kompositum
Zahlwort
vier
aśīti
Dvandva-Kompositum
Zahlwort
achtzig
lakṣeṣu
Lokativ Plural
Substantiv Neutrum
in hunderttausend
āsaneṣu
Lokativ Plural
Substantiv Neutrum
in den Haltungen
uttamam
Akkusativ Singular Neutrum
Adjektiv
die beste
śṛṇu
2. Person Singular Aktiv Imperativ
Verbalwurzel
höre
आदिनाथेन संप्रोक्तं पद्मासनमिहोच्यते ||34||
ādi-nāthena saṃproktaṃ; padmāsanam ihocyate ||34|| Analyse ▾ Analyse ▴
ādi
Karmadhāraya-Kompositum
Substantiv Maskulin
Anfang, Beginn
nāthena
Instrumentalis Singular
Substantiv Maskulin
durch den Herrn
saṃproktam
Nominativ Singular Neutrum Partizip Perfekt Passiv
Präfix
Präfix
Verbalwurzel
gelehrt, verkündet
padma
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Neutrum
Lotus
āsanam
Nominativ Singular
Substantiv Neutrum
Haltung, Sitz
iha
Adverb
hier
ucyate
3. Person Singular Passiv Präsens
Verbalwurzel
es wird gesagt, beschrieben
Metrum: Anuṣṭubh
Unter den 8.400.000 (catur-āśīti-lakṣeṣu | loc pl) Haltungen (āsaneṣu | loc pl) höre (śṛṇu | 2p sg act imp) die beste [Haltung] (uttamam | acc sg n). Die von Ādinātha (ādi-nāthena | ins sg) gelehrte (saṃproktam | nom sg n ppp) Lotushaltung (padma-āsanam | nom sg) wird hier (iha) beschrieben (ucyate | 3p sg pas pres).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Von den vielen möglichen Körperhaltungen wird nun die beste beschrieben: die von Ādinātha gelehrte Lotushaltung.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer
caturāśītilakṣeṣu JM2024 ] caturaśītilakṣeṣu DYŚ

saṃproktaṃ padmāsanam JM2024 ] samproktaṃ yad āsanam DYŚ
Kritischer Apparat
Dattātreyayogaśāstra 35
उत्तानौ चरणौ कृत्वा ऊरुसंस्थौ प्रयत्नतः |
uttānau caraṇau kṛtvā; ūru-saṃsthau prayatnataḥ | Analyse ▾ Analyse ▴
uttānau
Akkusativ Dual Maskulin
Adjektiv
nach oben gerichtet
caraṇau
Akkusativ Dual
Substantiv Maskulin
die beiden Füße
kṛtvā
Absolutus
Verbalwurzel
gesetzt habend
ūru
Tatpuruṣa-Kompositum Lokativ
Substantiv Maskulin
Schenkel
saṃsthau
Akkusativ Dual Maskulin
Adjektiv
platziert
prayatnataḥ
Adverb
mit Sorgfalt, mit Vorsicht
ऊरुमध्ये तथोत्तानौ पाणी कृत्वा ततो दृशौ ||35||
ūru-madhye tathottānau; pāṇī kṛtvā tato dṛśau ||35|| Analyse ▾ Analyse ▴
ūru
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Maskulin
der Oberschenkel
madhye
Lokativ Singular
Substantiv Neutrum
in der Mitte
tathā
Adverb
so, auf diese Weise
uttānau
Akkusativ Dual Maskulin
Adjektiv
nach oben gerichtet
pāṇī
Akkusativ Dual
Substantiv Maskulin
die beiden Hände
kṛtvā
Absolutus
Verbalwurzel
gesetzt habend
tataḥ
Adverb
danach
dṛśau
Akkusativ Dual
Substantiv Feminin
die beiden Augen
Metrum: Anuṣṭubh
Nachdem er die nach oben gerichteten (uttānau | acc du m) Füße (caraṇau | acc du) zurechtgebracht hat (kṛtvā | abs), sodass sie mit Sorgfalt (prayatnataḥ) auf den Oberschenkeln platziert sind (ūru-saṃsthau | acc du m), und ebenso (tathā) die nach oben gerichteten (uttānau | acc du m) beiden Hände (pāṇī | acc du) in die Mitte der Oberschenkel (ūru-madhye | loc sg) gelegt hat (kṛtvā | abs), [richtet er] danach (tataḥ) die beiden Augen (dṛśau | acc du) [aus].
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Man legt die Füße sorgfältig auf die Oberschenkel und die Hände mit geöffneten Handflächen in den Schoß.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer
pāṇī kṛtvā JM2024 ] pāṇīkṛtvā DYŚ
Kritischer Apparat
Dattātreyayogaśāstra 36
नासाग्रे विन्यसेद्राजदन्तमूलं च जिह्वया |
nāsāgre vinyased rāja;-danta-mūlaṃ ca jihvayā | Analyse ▾ Analyse ▴
nāsā
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Feminin
Nase
agre
Lokativ Singular
Substantiv Neutrum
an der Spitze
vinyaset
3. Person Singular Aktiv Optativ
Präfix
Präfix
Verbalwurzel
er soll platzieren, ausrichten
rāja
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Maskulin
König, vorderer
danta
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Maskulin
Zahn
mūlam
Akkusativ Singular
Substantiv Neutrum
Wurzel
ca
Partikel
und
jihvayā
Instrumentalis Singular
Substantiv Feminin
mit der Zunge
उत्तभ्य चिबुकं वक्षस्यास्थाप्य पवनं शनैः ||36||
uttabhya cibukaṃ vakṣasy; āsthāpya pavanaṃ śanaiḥ ||36|| Analyse ▾ Analyse ▴
uttabhya
Absolutus
Präfix
Verbalwurzel
angehoben, gestützt habend
cibukam
Akkusativ Singular
Substantiv Neutrum
das Kinn
vakṣasi
Lokativ Singular
Substantiv Neutrum
auf die Brust
āsthāpya
Absolutus
Präfix
Verbalwurzel
platziert habend
pavanam
Akkusativ Singular
Substantiv Maskulin
Luft
śanaiḥ
Adverb
langsam
Metrum: Anuṣṭubh
[Die Augen] soll er auf die Nasenspitze richten (nāsāgre vinyaset) und mit der Zunge den Ansatz des Gaumenzäpfchens anheben (rāja-danta-mūlaṃ ca jihvayā uttabhya). Nachdem er das Kinn auf die Brust gesetzt hat (cibukaṃ vakṣasy āsthāpya), soll er den Atem langsam [einziehen] (pavanaṃ śanaiḥ).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Der Blick ruht auf der Nasenspitze. Die Zunge hebt den Ansatz des Gaumenzäpfchens, das Kinn liegt auf der Brust, und der Atem wird langsam eingezogen.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer
rājadantamūlaṃ JM2024 ] rājadd(sic)antamūlaṃ DYŚ

vakṣasy āsthāpya JM2024 ] vakṣaḥ saṃsthāpya DYŚ
Kritischer Apparat
Dattātreyayogaśāstra 37
यथाशक्त्या समाकृष्य पूरयेदुदरं शनैः |
yathā-śaktyā samākṛṣya; pūrayed udaraṃ śanaiḥ | Analyse ▾ Analyse ▴
yathā
Avyayībhāva-Kompositum
Adverb
gemäß, entsprechend
śaktyā
Instrumentalis Singular
Substantiv Feminin
der Kraft
samākṛṣya
Absolutus
Präfix
Präfix
Verbalwurzel
eingezogen habend
pūrayet
3. Person Singular Aktiv Optativ
Verbalwurzel
er soll füllen
udaram
Akkusativ Singular
Substantiv Neutrum
den Bauch
śanaiḥ
Adverb
langsam
यथाशक्त्यैव पश्चात्तु रेचयेत्पवनं शनैः ||37||
yathā-śaktyaiva paścāt tu; recayet pavanaṃ śanaiḥ ||37|| Analyse ▾ Analyse ▴
yathā
Avyayībhāva-Kompositum
Adverb
gemäß, entsprechend
śaktyā
Instrumentalis Singular
Substantiv Feminin
der Kraft
eva
Partikel
eben, genau
paścāt
Adverb
danach
tu
Partikel
nun
recayet
3. Person Singular Aktiv Optativ Causativ
Verbalwurzel
er soll ausatmen
pavanam
Akkusativ Singular
Substantiv Maskulin
Luft
śanaiḥ
Adverb
langsam
Metrum: Anuṣṭubh
Nachdem er [den Atem] entsprechend seiner Kraft (yathāśaktyā) eingezogen hat (samākṛṣya | abs), soll er langsam (śanaiḥ) den Bauch (udaram | acc sg) füllen (pūrayet | 3p sg act opt). Danach (paścāt) aber (tu) soll er die Luft (pavanam | acc sg) genau entsprechend seiner Kraft (yathāśaktyaiva) langsam (śanaiḥ) ausatmen (recayet | 3p sg act opt).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
So weit es angenehm möglich ist, zieht man den Atem ein, füllt langsam den Bauch und atmet danach ruhig wieder aus.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer
yathāśaktyā JM2024 ] yathāśakti DYŚ

yathāśaktyaiva JM2024 ] yathāśakty eva DYŚ
Kritischer Apparat
Dattātreyayogaśāstra 38
इदं पद्मासनं प्रोक्तं सर्वव्याधिविनाशनम् |
idaṃ padmāsanaṃ proktaṃ; sarva-vyādhi-vināśanam | Analyse ▾ Analyse ▴
idam
Nominativ Singular Neutrum
Pronomen dem
dies
padma
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Neutrum
Lotus
āsanam
Nominativ Singular
Substantiv Neutrum
Haltung, Sitz, Sitzposition
proktam
Nominativ Singular Neutrum Partizip Perfekt Passiv
Präfix
Verbalwurzel
genannt, gelehrt
sarva
Karmadhāraya-Kompositum
Adjektiv
alle
vyādhi
Tatpuruṣa-Kompositum Genitiv
Substantiv Maskulin
Krankheit
vināśanam
Nominativ Singular Neutrum
Adjektiv
vernichtend, beseitigend
दुर्लभं येन केनापि धीमता लभ्यते भुवि ||38||
durlabhaṃ yena kenāpi; dhīmatā labhyate bhuvi ||38|| Analyse ▾ Analyse ▴
durlabham
Nominativ Singular Neutrum
Adjektiv
schwer zu erlangen
yena
Instrumentalis Singular Maskulin
Pronomen
durch wen
kena
Instrumentalis Singular Maskulin
Pronomen inter
durch irgendeinen
api
Partikel
auch
dhīmatā
Instrumentalis Singular Maskulin
Adjektiv
durch einen Weisen
labhyate
3. Person Singular Passiv Präsens
Verbalwurzel
es wird erlangt
bhuvi
Lokativ Singular
Substantiv Feminin
in der Welt, auf der Welt
Metrum: Anuṣṭubh
Dies wird Padmāsana genannt (idaṃ padmāsanaṃ proktam) und vernichtet alle Krankheiten (sarva-vyādhi-vināśanam). Es ist schwer für irgendjemanden zu erlangen (durlabhaṃ yena kenāpi); auf Erden wird es vom Weisen erlangt (dhīmatā labhyate bhuvi).
Dr. Ronald Steiner - 2026 - historisch wörtlich
Diese Haltung heißt Padmāsana und soll alle Krankheiten vernichten. Sie ist schwer zu meistern und wird dem Text zufolge von einem weisen Menschen erlangt.
Dr. Ronald Steiner - 2026 - moderner Transfer

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Illustrationen: KI-generiert.

Editor:innen

Dr. Ronald Steiner

Aus Ulm

Dr. Ronald Steiner, der „Yoga Doc“, begründete die AYI Methode: traditioneller Ashtanga, moderne Yogatherapie und lebendige Philosophie – als persönliche Praxis von sportlich-akrobatisch bis meditativ-therapeutisch. Er... mehr ›

Nils Jacob Liersch

Meine Begeisterung für Yoga, indische Philosophie und Sanskrit führte mich zum Studium der Indologie und Religionswissenschaft an der Universität Heidelberg. Seit 2004 befinde ich mich auf meinem persönlichen Yogaweg... mehr ›

Nachrichten und Bewertungen
5 Nachrichten Ø

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K
Geringe Nahrungsaufnahme im Sinn von bedarfsgerecht oder im Sinn von Fasten / zu wenig? Zweiteres kann auch eine Form von Gewalt gegen sich selbst darstellen.
Hallo Katrin,
wie die Yogis damals das wirklich verstanden wissen wir nicht mit absoluter Sicherheit. Wir könnten es aber auch im übertragenen Sinne sehen. "Wenig Nahrungsaufnahme" wäre dann auch wenig Konsum (physischer und mentaler). Wir würden dann bewusst auswählen was wir mit unserer Zeit tun und nicht wahllos alles einfach aufnehmen. Daraus kann eine Zufriedenheit entstehen mit dem was wir haben.
Viel Freude dabei wünscht Dir
Ronald
Wow, geringe Nahrungsaufnahme. Schon damals ein Thema, heute mehr denn je!
Ah! Es ist umgekehrt, geringe Nahrungsaufnahme als Yama, Gewaltlosigkeit als Niyama, sehr spannend!
Es wird hier ja als ~i~Yama~~ genannt, also eine Leitlinie im Umgang mit der Außenwelt. Spannend. :)