Für Sahajolī wird die Asche verbrannten Kuhdungs mit Wasser vermischt. Nach dem Geschlechtsverkehr bestreichen Frau und Mann damit im Sitzen ihre „eigenen Glieder“. Brahmānanda konkretisiert diese als Kopf, Stirn, Augen, Herz, Schultern und Arme. Die Praxis gilt ihm trotz ihrer Verbindung mit sinnlichem Erleben als auf Befreiung ausgerichtet.
vajrolīmaithunād ūrdhvaṃ strīpuṃsoḥ svāṅgalepanam MBHDL2026 ] transp. NS1882 ante HP 3.89a
jaleṣu bhasma MBHDL2026 ] jale subhasma NS1882
sahajolīr iyaṃ proktā śraddheyā yogibhiḥ sadā MBHDL2026 ] transp. NS1882 ante HP 3.89*1
kṣaṇam MBHDL2026 ] kṣaṇāt NS1882
bhoge bhukte’pi MBHDL2026 ] bhogayukto’pi NS1882
pittolbaṇatvāt prathamāṃ ca dhārāṃ; vihāya niḥ-sāratayāntya-dhārām | Analyse ▾ Analyse ▴
niṣevyate śītala-madhya-dhārā; kāpālikaiḥ khaṇḍa-matair amaryāḥ ||90|| Analyse ▾ Analyse ▴
Amarolī ordnet Brahmānanda der Tradition der Khaṇḍa-Kāpālikas zu. Gemeint ist der als śivāmbu bezeichnete Urinstrahl: Der erste Teil werde wegen eines Übermaßes an Galle verworfen, der letzte als gehaltlos; verwendet werde der kühle mittlere Teil. Der Kommentar gibt damit eine sektenspezifische, körperlich wörtliche Erklärung.
kāpālikaiḥ khaṇḍamatair amaryāḥ MBHDL2026 ] kāpālike khaṇḍamate’marolī NS1882
Zur Amarolī gehören bei Brahmānanda drei Handlungen: das tägliche Trinken des mittleren śivāmbu-Anteils, seine Anwendung durch die Nase und die bereits beschriebene Vajrolī-Praxis. Amarolī bezeichnet in dieser Erklärung die Verbindung dieser Verfahren.
(Redaktionelle deutsche Übersetzung aus dem Latein: Wenn eine Frau, nachdem sie durch Übung Geschick erlangt und den Samen des Mannes aufgesogen hat, auf dieselbe Weise durch Vajrolī auch ihre Menstruationsflüssigkeit bewahren kann, wird sie Yoginī genannt.)
Neben der körperlichen Vajrolī-Erklärung zitiert Brahmānanda die Amṛtasiddhi für eine innere Deutung: Der männliche Bindu ist lunar, das weibliche Rajas solar. Ihre äußere Vereinigung erzeugt ein Kind; erst ihre innere Vereinigung macht den Menschen zum Yogi und führt zum höchsten Zustand. Der Kommentar hält somit eine körperliche und eine subtile Bedeutung nebeneinander, ohne die vorherigen Praxisangaben nachträglich nur symbolisch zu erklären.
(Redaktionelle deutsche Übersetzung aus dem Latein: Sie wird zweifellos nichts von ihrer Menstruationsflüssigkeit verlieren; in ihrem Körper verbindet sich Nāda mit Anusvāra (und Nāda geht in den Zustand des Bindu über).)
(Redaktionelle deutsche Übersetzung aus dem Latein: Wenn Tropfen (Bindu) und Menstruationsflüssigkeit im Körper vereint sind, erlangt die Frau durch die Vajrolī genannte Übung jede Vollkommenheit.)
(Redaktionelle deutsche Übersetzung aus dem Latein: Diejenige, die ihre Menstruationsflüssigkeit zum Aufsteigen gebracht hat und sie oben bewahren kann, ist eine Yoginī; sie kennt Vergangenheit und Zukunft und wird gewiss eine Khecarī (d. h. sie erlangt die Fähigkeit, sich in der Luft zu bewegen).)
Kuṇḍalinī schläft oberhalb des Kanda, des Ursprungsbereichs der Kanäle, und verschließt den Eingang zur Suṣumṇā. Derselbe Zustand bedeutet für Yogis Befreiungspotential, weil sie die Kraft bewegen können, für Unwissende dagegen Bindung. Kuṇḍalinī zu kennen heißt für Brahmānanda deshalb Yoga zu kennen, da alle Yogaverfahren von ihr abhängen.
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Illustrationen: KI-generiert.
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