Samādhi ist für Brahmānanda die Frucht der in den ersten drei Kapiteln gelehrten Mittel. Den „Tod zu überwinden“ deutet er zunächst als die Fähigkeit, den Körper willentlich zu verlassen. Zugleich unterscheidet er Jīvanmukti, Befreiung bei fortbestehendem Körper, von Videhamukti nach dem Ende des bereits wirksamen Karmas. Einsicht, Stillstand des Geistes und Erschöpfung der Prägungen gehören für ihn zusammen.
Wie Salz im Wasser seine eigene Gestalt verliert und ganz den Charakter des Wassers annimmt, so nimmt der im Selbst festgehaltene Geist nach Brahmānanda die Gestalt des Selbst an. Das Bild beschreibt das Ende der wahrnehmbaren Absonderung des Bewusstseins vom Gegenstand der Versenkung.
samastanaṣṭasaṃkalpaḥ MBHDL2026 ] pranaṣṭasarvasaṅkalpaḥ NS1882
Die vier Ergebnisse werden genau unterschieden: Jñāna ist unmittelbare Selbsterfahrung, Mukti die körperlose Befreiung, Sthiti die Befreiung noch zu Lebzeiten und Siddhi die Entfaltung außergewöhnlicher Fähigkeiten wie Aṇimā. Dass alle vier „durch den Guru“ entstehen, kennzeichnet die Unterweisung als tragende Voraussetzung des gesamten Weges.
Zu den Sinnesgegenständen zählt Brahmānanda sowohl weltliche als auch himmlische Genüsse. Sahaja, der „natürliche Zustand“, ist für ihn der vierte Bewusstseinszustand Turīya, der Wachen, Traum und Tiefschlaf übersteigt. Auch dessen Erreichen führt der Kommentar ausdrücklich auf die Gnade des Gurus zurück.
Brahmānanda entwirft eine Stufenfolge des Stillwerdens: Āsana beendet zunächst die grobe Körperaktivität; Pratyāhāra, Dhāraṇā, Dhyāna und der gegenstandsbezogene Samādhi beruhigen zunehmend die Bewegungen des Geistes. Erst lange Übung und höchste Nichtanhaftung lassen auch die Tätigkeit der unterscheidenden Erkenntniskraft enden. Diesen letzten, nicht mehr willentlich hergestellten Zustand nennt er Sahaja, Turīya und Jīvanmukti.
Wenn Prāṇa in der Suṣumṇā ruht und der Geist im von Zeit, Ort und Gegenstand unbegrenzten Brahman aufgeht, werden nach Brahmānanda sämtliche karmischen Bindungen an der Wurzel gelöst. Seine weitreichende Aussage schließt ausdrücklich auch bereits wirksam gewordenes Karma ein; sie formuliert das Befreiungsziel in der Heilslehre des Kommentars.
Amarolī, Vajrolī und Sahajolī gelten Brahmānanda erst dann als erfolgreich, wenn der Geist ohne Unterbrechung auf seinen Meditationsgegenstand zufließt und Prāṇa in die Suṣumṇā eingetreten ist. Der Kommentar unterordnet diese körperbezogenen Mudrās damit einer schon weit fortgeschrittenen Sammlung; er erklärt sie jedoch nicht einfach zu bloßen Symbolen.
jñānaṃ kuto manasi jīvati devi yāvat prāṇo 'pi jīvati mano mriyate na tāvat | Analyse ▾ Analyse ▴
prāṇo mano dvayam idaṃ vilayaṃ prayāti mokṣaṃ sa gacchati naro na kathaṃcid anyaḥ ||0*12|| Analyse ▾ Analyse ▴
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prāṇaḥ
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der Prāṇa | |
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manas
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der Geist | |
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dvayam
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die Zweiheit, beide | |
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idam
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dieses | |
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vilayam
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in Auflösung | |
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prayāti
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geht, gelangt | |
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mokṣam
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Befreiung | |
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saḥ
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der | |
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gacchati
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geht, gelangt | |
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naraḥ
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der Mensch | |
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na
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nicht | |
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kathaṃcit
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irgendwie | |
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anyaḥ
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ein anderer |
„Lebendig“ sind Atem, Sinne und Geist für Brahmānanda, solange Prāṇa durch Iḍā und Piṅgalā wandert, die Sinne ihre Gegenstände ergreifen und der Geist deren Formen annimmt. Ihr „Tod“ meint jeweils das Ende dieser Aktivität. In einer langen Verteidigung erklärt er Yoga zur notwendigen Voraussetzung unmittelbarer Erkenntnis und der Befreiung; auch scheinbar ohne Yoga befreite Weise hätten ihn in früheren Leben geübt.
Bemerkenswert ist seine ausdrückliche Aussage, Yoga stehe Brāhmaṇas, Kṣatriyas, Vaiśyas, Śūdras und Frauen offen. Sie erweitert den Kreis der Übenden deutlich, bleibt aber in Brahmānandas historischer, hierarchischer Gesellschaftsordnung formuliert.
rasasya manasaś caiva; cañcalatvaṃ svabhāvataḥ | Analyse ▾ Analyse ▴
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rasa
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des Quecksilbers | |
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manas
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des Geistes | |
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ca
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und | |
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eva
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eben | |
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cañcalatvam
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Beweglichkeit, Unruhe | |
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svabhāvataḥ
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von Natur aus |
Mit Rasa ist Quecksilber gemeint. Geist und Quecksilber gelten in der vormodernen Alchemie beide als von Natur aus beweglich; ihre „Bindung“ verspricht entsprechend außergewöhnliche Wirksamkeit. Brahmānanda nutzt diese Analogie, um die Stabilisierung des Geistes mit einem damals geläufigen alchemistischen Modell zu erklären, nicht um eine chemische Identität zu behaupten.
rasabandhe manobandhe MBHDL2026 ] raso baddho mano baddhaṃ NS1882
bhairavi MBHDL2026 ] pārvati NS1882
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Illustrationen: KI-generiert.
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